Als ich diesen Blog begonnen habe, hätte ich nicht gedacht, dass ich irgendwann genau diese Zahl vor mir sehen würde. 50 Artikel über Hochsensibilität. 50-mal habe ich versucht, Worte für Dinge zu finden, die sich manchmal nur schwer erklären lassen.

Für die Reizüberflutung, die tiefe Wahrnehmung, das Bedürfnis nach Rückzug. Und das Gefühl, ein Alien zu sein. Aber auch für Empathie, Begeisterung und die Fähigkeit, zwischenmenschliche Signale zu verstehen.

Vor allem aber habe ich diese Texte für dich geschrieben.

Für dich, wenn du dich in manchen Situationen fragst, warum du anders reagierst als andere. Für dich, wenn du dich manchmal zu empfindlich, zu anstrengend oder einfach „anders“ fühlst. Für dich, wenn du verstehen möchtest, was hinter deiner Hochsensibilität steckt.

Und für dich, wenn du vielleicht gerade erst beginnst zu entdecken, dass mit dir gar nichts falsch ist.

Was ich damals nicht wusste: Während ich dir helfen wollte, dich selbst besser zu verstehen, habe ich begonnen, mich selbst noch besser zu verstehen.

Das Schreiben über Hochsensibilität hat mir immer wieder einen Spiegel vorgehalten.

Manchmal habe ich einen Gedanken für dich formuliert und dabei gemerkt: Das gilt eigentlich auch für mich.

Deshalb möchte ich meinen 50. Artikel nicht einfach dazu nutzen, noch einmal zu erklären, was Hochsensibilität ist.

Ich möchte zurückblicken. Auf das, was ich über mich gelernt habe. Auf das, was sich verändert hat. Und wie all das, was ich durchs Schreiben gelernt habe, letztlich auch meine Arbeit als Beraterin beeinflusst hat.

 

1. Ich war schon hochsensibel, bevor ich wusste, was Hochsensibilität ist

Meine Hochsensibilität war natürlich schon da, bevor ich einen Namen dafür hatte.

Ich wusste nur nicht, wie ich das, was ich erlebte, einordnen sollte:

  • Warum beschäftigen mich manche Dinge so lange?
  • Warum brauche ich manchmal mehr Ruhe?
  • Warum nehme ich Stimmungen so schnell wahr?
  • Warum können mich bestimmte Situationen so tief berühren?

Damals hatte ich nicht die Antwort: Weil ich hochsensibel bin.

Ich hatte eher die Frage: Warum bin ich so?

Heute weiß ich, wie viel es verändern kann, wenn man für etwas, das einen lange begleitet, endlich Worte findet.

 

2. Ich habe viele dieser Texte für dich geschrieben – und dabei mich selbst noch besser kennengelernt

Wenn ich einen Artikel schreibe, denke ich zuerst an dich.

An den Menschen, der sich vielleicht gerade in einer Reizüberflutung befindet. An die Frau, die sich fragt, ob sie „zu empfindlich“ ist. An jemanden, der Schwierigkeiten damit hat, Grenzen zu setzen. An einen Menschen, der sich in Beziehungen immer wieder selbst vergisst.

Ich möchte Orientierung geben. Verständnis schaffen. Dinge erklären, für die vielleicht bisher die richtigen Worte gefehlt haben.

Aber beim Schreiben passiert etwas, womit ich anfangs nicht gerechnet habe: Ich begegne mir selbst.

Meine Texte sind für andere entstanden. Und trotzdem haben sie mir selbst immer wieder etwas gezeigt. Das ist vielleicht das Schönste, was mir dieser Blog bisher gegeben hat.

 

3. Ich habe gelernt, mich für meine Einzigartigkeit nicht mehr zu schämen

Das war kein Schalter, den ich einfach umlegen konnte.

Lange war Anderssein aufgrund der Hochsensibilität für mich eher etwas, das ich erklären oder möglichst gut verbergen wollte. Heute sehe ich meine Einzigartigkeit anders.

Ich möchte sie nicht nur akzeptieren. Ich möchte sie lieben und wertschätzen.

Nicht jeden Tag. Nicht in jeder Situation. Aber immer mehr.

 

4. Anders bedeutet nicht falsch

Wenn man häufig das Gefühl bekommt, anders zu sein, kann daraus irgendwann die Überzeugung entstehen, dass mit einem selbst etwas nicht stimmt.

Heute glaube ich das nicht mehr. Vielleicht bedeutet anders manchmal tatsächlich einfach nur: anders.

Nicht schlechter. Nicht weniger. Nicht falsch.

 

5. Ich muss nicht weniger fühlen

Ich habe lange gedacht, dass vieles leichter wäre, wenn mich Dinge weniger berühren würden.

Wenn ich weniger nachdenken würde und mir manches einfach egal wäre.

Heute möchte ich nicht mehr weniger fühlen. Ich möchte lernen, mit dem, was ich fühle, gut umzugehen. Denn meine Sensibilität bringt nicht nur Überforderung mit sich.

Sie bringt auch Tiefe, Empathie, Begeisterung und Verbundenheit. Und diese Seiten möchte ich nicht verlieren.

 

6. Meine Hochsensibilität ermöglicht mir tiefe Beziehungen

Eine der schönsten Seiten meiner Hochsensibilität erlebe ich in meinen Beziehungen.

Ich möchte nicht nur wissen, was jemand tut. Ich möchte verstehen, was einen Menschen bewegt. Was ihn beschäftigt. Was ihn glücklich macht. Was vielleicht hinter seinen Worten liegt.

Diese Tiefe kann manchmal anstrengend sein.

Aber sie ist auch etwas, für das ich heute sehr dankbar bin – und die mir eine völlig neue Dimension von Intimität ermöglicht.

 

7. Ich brauche keine möglichst große Anzahl an Menschen

Mit der Zeit ist mir wichtiger geworden, wie sich eine Beziehung anfühlt, nicht wie viele Menschen zu meinem Leben gehören.

Ich brauche Menschen, bei denen ich mich nicht verstellen muss. Menschen, bei denen Stille nicht unangenehm ist. Menschen, mit denen ich auch über die Dinge sprechen kann, die wirklich wichtig sind.

Und Menschen, bei denen ich nicht ständig erklären muss, warum ich etwas so empfinde.

 

8. Nähe und Rückzug schließen sich nicht aus

Ich kann einen Menschen sehr lieben und trotzdem Zeit für mich brauchen. Ich kann mich auf ein Treffen freuen und danach erschöpft sein. Ich kann jemanden vermissen und trotzdem allein sein wollen.

Früher erschien mir das manchmal widersprüchlich.

Heute nicht mehr. Ich brauche beides: Nähe und Rückzug.

 

9. Kritik kann mich beschäftigen

Ich möchte Kritik nicht vermeiden. Aber sie kann mich berühren.

Vor allem dann, wenn sie einen Punkt trifft, an dem ich selbst unsicher bin – vielleicht weil ich dort eine innere Wunde habe, die noch nicht gut versorgt ist.

Ich versuche deshalb, zwischen einem Fehler und meinem persönlichen Wert zu unterscheiden.

Ich kann etwas falsch gemacht haben, ohne deshalb falsch zu sein.

 

10. Ich darf länger brauchen, um etwas zu verarbeiten

Manche Situationen sind für andere längst vorbei, während sie in mir noch nachwirken.

Ich denke darüber nach. Ordne ein.  Verstehe vielleicht erst später, warum mich etwas so berührt hat.

Früher hätte ich das gern schneller abgestellt. Heute akzeptiere ich eher, dass ich manchmal Zeit brauche.

 

11. Ich nehme Stimmungen oft sehr schnell wahr

Ein Blick. Ein Tonfall. Eine kleine Veränderung.

Manchmal spüre ich, dass etwas nicht stimmt, bevor jemand es ausspricht. Das kann eine schöne Fähigkeit sein.

Aber ich habe auch gelernt: Wahrnehmung ist nicht dasselbe wie Gewissheit.

Ich kann etwas spüren und mich trotzdem irren. Aber je besser die Verbundenheit zu mir selbst ist, desto aufschlussreicher ist mein Bauchgefühl.

 

12. Ich muss nicht jede Wahrnehmung sofort erklären

Früher wollte ich für alles eine Erklärung. Heute kann ich manches einfach wahrnehmen.

Vielleicht zeigt sich die Antwort später. Vielleicht auch nicht.

Nicht alles muss sofort verstanden werden.

 

13. Meine Intuition darf ein Hinweis sein – aber nicht die ganze Wahrheit

Ich vertraue meinem Bauchgefühl.

Gleichzeitig weiß ich, dass auch Erfahrungen, Ängste und Erwartungen beeinflussen können, wie wir eine Situation wahrnehmen.

Deshalb darf meine Intuition sprechen. Aber ich darf auch nachfragen und sie liebevoll überprüfen.

 

14. Ich darf mich irren

Auch wenn ich etwas sehr deutlich wahrnehme, kann meine Interpretation falsch sein. Vielleicht bin ich gerade viel zu gestresst, um etwas aus einer möglichst neutralen Perspektive zu sehen.

Das macht meine Sensibilität nicht weniger wertvoll. Es macht mich einfach menschlich.

 

15. Ich kann mich unglaublich für Dinge begeistern

Wenn mich etwas wirklich interessiert, möchte ich eintauchen. Verstehen. Lesen. Zusammenhänge entdecken. Weiterdenken.

Diese Intensität empfinde ich heute nicht mehr nur als anstrengend.

Sie ist auch ein Teil von mir, den ich sehr mag. Denn wenn ich einmal Biss habe, dann widme ich mich etwas von ganzem Herzen.

 

16. Kleine Dinge können mich tief berühren

Ein Sonnenstrahl. Musik. Natur. Ein bestimmter Geruch. Ein Blick von einem geliebten Menschen. Eine liebe Nachricht. Ein kurzer Moment, den wahrscheinlich niemand sonst besonders bemerkenswert findet.

Für mich kann er es sein.

Und ich möchte diese Fähigkeit nicht missen.

 

17. Mein Kopf kann schwer abschalten

Ein Gedanke führt zum nächsten. Und irgendwann bin ich sehr weit vom Ausgangspunkt entfernt.

Ich habe gelernt, dass nicht jeder Gedanke zu Ende gedacht werden muss. Das gelingt mir nicht immer. Aber immer öfter.

Ich habe verstanden: Je sicherer ich mich in mir fühle, desto leiser wird das Gedankenwirrwarr in meinem Kopf.

 

18. Nachdenken und Grübeln sind nicht dasselbe

Nachdenken kann mir helfen, etwas zu verstehen. Es ist eine wertvolle Fähigkeit, um Lösungen zu finden und verschiedene Sichtweisen einzubeziehen.

Grübeln kann mich festhalten, denn dann drehe ich mich im Kreis.

Wenn ich merke, dass ich dieselbe Frage immer wieder stelle, ohne weiterzukommen, versuche ich heute, Abstand zu gewinnen.

Nicht jeder Gedanke braucht eine Lösung.

 

19. Rückzug bedeutet nicht Ablehnung

Wenn ich mich zurückziehe, heißt das nicht automatisch: Ich möchte dich nicht sehen.

Oft bedeutet es vielmehr: Ich möchte wieder bei mir ankommen.

Weniger Reize. Weniger Informationen. Weniger Außen. Ein bisschen mehr Ruhe.

Ich habe gelernt, meinen Rückzug nicht mehr als etwas zu betrachten, das ich rechtfertigen muss. Ich nutze ihn als Kraftquelle – ganz ohne Reizschuld.

 

20. Ich vergleiche meine Innenwelt weniger mit der Außenwelt anderer

Ich sehe bei anderen Menschen meistens nur das, was sie zeigen. Ich weiß nicht, was in ihnen wirklich passiert. Ich habe ein Gespür für sie, aber sicher bin ich mir nicht immer.

Deshalb frage ich mich heute weniger: Warum können andere das einfach?

Und häufiger: Was brauche ich, damit es für mich funktioniert?

 

21. Ich habe verstanden, dass mein Leben nicht aussehen muss wie das der anderen

Das war für mich eine wichtige Erkenntnis.

Ich darf unkonventionell leben. Nicht, weil ich unbedingt anders sein möchte.

Sondern weil ich verstanden habe, dass manche Dinge einfach besser zu mir passen.

 

22. Es ist für mich gesünder, entsprechend meiner Bedürfnisse zu leben

Ich möchte nicht mehr nur danach entscheiden, was gesellschaftlich üblich ist.

Ich frage mich:

  • Was passt zu mir?
  • Was tut mir gut?
  • Was kostet mich dauerhaft zu viel Kraft?
  • Was brauche ich, um mich in meinem eigenen Leben wohlzufühlen?
  • Welche Konditionierungen fühlen sich wie eine Blockade für mich an?

Und manchmal führt die Antwort eben nicht zum konventionellsten Weg.

Das ist in Ordnung.

 

23. Ich muss mich nicht in ein Leben hineinzwängen, das nicht zu mir passt

Ein Leben kann von außen ungewöhnlich aussehen und sich von innen vollkommen richtig anfühlen.

Ich glaube, das habe ich inzwischen verstanden.

Es geht nicht darum, möglichst normal zu leben. Es geht darum, stimmig zu leben. Stimmig für dich – nicht für andere.

 

24. Ich darf und muss meine Bedürfnisse ernst nehmen

Wenn ich Ruhe brauche, brauche ich Ruhe. Wenn mir etwas zu viel ist, darf ich das wahrnehmen.

Ich muss meine Bedürfnisse nicht erst vor anderen beweisen, damit sie ihre Berechtigung haben. Ich darf selbst dafür sorgen, dass meine Bedürfnisse erfüllt werden.

 

25. Mein Körper sagt mir oft früher als mein Kopf, dass etwas zu viel wird

Unruhe. Anspannung. Erschöpfung. Reizbarkeit. Der Wunsch, einfach nur noch weg zu wollen.

Ich versuche heute, diese Signale früher wahrzunehmen. Nicht erst dann, wenn gar nichts mehr geht.

Meine Energie ist begrenzt. Und darauf sollte ich Rücksicht nehmen.

 

26. Ich muss nicht erst völlig erschöpft sein, um eine Pause zu verdienen

Für mich war das lange nicht selbstverständlich. Ich habe viele Jahre unter sozialer Erschöpfung gelitten, weil ich geglaubt hatte, immer funktionieren zu müssen.

Heute darf ich früher reagieren:

  • Eine Pause machen.
  • Einen Termin absagen.
  • Nach Hause gehen.
  • Mich zurückziehen.

Nicht, weil ich schwach bin.

Sondern weil ich mich und meine Bedürfnisse ernst nehme.

 

27. Ein Nein darf sich trotzdem unangenehm anfühlen

Ich kann wissen, dass mein Nein richtig für mich ist, und mich trotzdem schlecht fühlen.

Denn ich nehme die Reaktion des anderen wahr. Vielleicht ist jemand enttäuscht oder fühlt sich zurückgewiesen.

Das darf sein, und ich halte das aus.

Ein unangenehmes Gefühl bedeutet nicht automatisch, dass meine Grenze falsch ist.

 

28. Ich kann heute viel direkter sagen, wenn eine Grenze überschritten wurde

Das ist eine Veränderung, auf die ich selbst stolz bin. Früher habe ich Grenzen vielleicht länger ausgehalten, als mir gutgetan hat.

Heute kann ich sagen: Das war für mich eine Grenze.

Oder: So lasse ich mich nicht behandeln.

Direkt. Sachlich. Ohne großes Drama.

Für mich fühlt sich das nach Stärke an. Ich bin handlungsfähig, auch wenn jemand versucht, mir wehzutun.

 

29. Ich darf jemanden enttäuschen

Ich möchte niemanden absichtlich verletzen.

Aber ich habe verstanden: Es ist nicht meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass niemand jemals enttäuscht von mir ist.

Ich darf Nein sagen. Ich darf eine Entscheidung für mich treffen.

Und der andere darf damit trotzdem unzufrieden sein. Das ist OK und es ist seine Eigenverantwortung, wieder in Balance zu kommen. Nicht meine.

 

30. Ich muss nicht die Gefühle anderer Menschen reparieren

Ich darf mitfühlen, zuhören, unterstützen. Aber ich muss nicht dafür sorgen, dass es allen Menschen in meinem Umfeld gut geht.

Diese Verantwortung kann und will ich nicht mehr übernehmen. Ich habe mein übergroßes Verantwortungsbewusstsein auf ein gesundes Maß gedrosselt. Ich entscheide nun weise, wofür und wen ich Verantwortung tragen möchte – und das fühlt sich viel besser an.

Denn ich habe verstanden, dass mich zu viel Verantwortung für andere davon abhält, eigenverantwortlich zu handeln.

 

31. Ich kann mich verlieren, wenn ich zu sehr auf andere achte

Das ist etwas, das ich durch das Schreiben immer wieder neu verstanden habe. Ich schreibe über Bedürfnisse, Beziehungen, Grenzen und Selbstfürsorge.

Und manchmal merke ich dabei: Diese Frage stelle ich gerade eigentlich mir selbst.

  • Was brauche ich?
  • Was möchte ich?
  • Wo ist meine Grenze?
  • Was tut mir gut?

Schreiben für andere wurde dadurch manchmal zu einer Begegnung mit mir selbst. Und hat mir dabei geholfen, mein eigenes Leben liebevoll auf den Prüfstand zu stellen.

Schließlich lerne ich ja auch immer dazu.

 

32. Selbstfürsorge ist für mich heute mehr als Ruhe

Natürlich gehört Ruhe dazu.

Aber Selbstfürsorge kann auch bedeuten, etwas auszusprechen. Eine Grenze zu setzen. Eine Entscheidung zu treffen. Eine Beziehung anders zu gestalten.

Oder einen Weg zu wählen, der nicht dem entspricht, was andere von mir erwarten.

Manchmal ist Selbstfürsorge unbequem, führt zu Widerstand und dem Gefühl, unverstanden zu sein.

Aber trotzdem ist Selbstfürsorge wichtig, damit es mir langfristig gut geht.

 

33. Ich darf meine Priorität sein

Tatsächlich habe ich mich irgendwann zur Priorität meines Lebens gemacht. Nicht aus Egoismus oder weil mir andere Menschen weniger wichtig sind.

Aber ich habe verstanden, dass nur ich wissen kann, was ich brauche, damit es mir gut geht. Und damit ich das immer wieder herausfinden kann, brauche ich eine gute Verbundenheit zu mir selbst, Zeit und Ruhe.

Ich habe gelernt:

  • Ich darf empathisch sein und trotzdem auf mich achten.
  • Ich darf Rücksicht nehmen und trotzdem Grenzen haben.
  • Ich darf für andere da sein, ohne mich selbst dabei zu vergessen.

Nur wenn ich mich gut um mich selbst kümmere, kann ich auf gesunde Art und Weise für andere da sein.

 

34. Ich kann mich heute besser verteidigen

Und ich glaube, das hat sehr viel mit meinem Selbstwert zu tun. Je mehr ich mich selbst wertschätze, desto weniger bin ich bereit, mich kleinzumachen.

Ich kann heute eher sagen: Das möchte ich nicht. Das geht für mich nicht. Hier ist meine Grenze.

Nicht, weil ich härter geworden bin.

Sondern weil ich mich selbst mehr liebe und achte.

 

35. Grenzen setzen bedeutet für mich heute Selbstachtung

Früher war meine Frage oft: Wie kann ich vermeiden, dass der andere sich schlecht fühlt?

Heute kommt eine andere dazu, die für mich mehr Gewicht hat: Wie geht es mir damit?

Ich bin gern bereit, anderen zu helfen. Aber nicht jedem, nicht immer, nicht zu jedem Preis. Ich wäge ab, ob ich gerade Kapazitäten habe, für jemanden da zu sein.

Und ich versuche, das Maß an Hilfsbereitschaft für mich zu finden, das ich gerade aufbringen kann, ohne meine Grenzen zu überschreiten.

 

36. Ich möchte nicht mehr überall dazugehören

Ich möchte mich nicht mehr so stark verbiegen, nur damit etwas nach außen harmonisch aussieht. Ich möchte dort dazugehören, wo ich sein darf, wie ich bin. Ich bin bereit, mich auch etwas anzupassen, aber das hat Grenzen.

Und wenn nicht jede Umgebung zu mir passt, ist das in Ordnung.

Jeder ist anders. Und jeder fühlt sich woanders wohl.

 

37. Nicht jeder Mensch muss mich verstehen

Ich kann erklären. Ich kann erzählen. Ich kann meine Perspektive zeigen.

Aber Verständnis und Akzeptanz kann ich nicht erzwingen.

Das war eine Lektion, an der ich lange herumgekaut habe. Denn es ist ein (kindliches) Grundbedürfnis, verstanden zu werden – vor allem von engen Bezugspersonen aus der Familie.

Ich habe begriffen, dass manche mich nicht verstehen (können und wollen). Egal, was ich mache. Es ist mit viel Trauer verbunden, diese Erwartung nach Verständnis loszulassen – aber auch sehr heilsam.

Mittlerweile ist das in Ordnung für mich. Ich fühle mich auch sicher, obwohl mich die meisten Menschen nicht verstehen.

 

38. Ich brauche Menschen, bei denen ich mich nicht ständig erklären muss

Menschen, bei denen ein „Heute brauche ich Ruhe.“ reicht.

Menschen, die nicht sofort bewerten. Menschen, bei denen ich nicht beweisen muss, warum etwas für mich gerade schwierig ist.

Diese Beziehungen sind für mich besonders wertvoll. In den letzten Jahren habe ich viele hochsensible Freunde gefunden, die ähnlich empfinden wie ich. Das gegenseitige Verständnis macht einiges leichter – und die tiefe Verbundenheit hilft mir dabei, noch mehr zu wachsen.

 

39. Ich werde mich wahrscheinlich nie vollständig verstehen

Und inzwischen finde ich diesen Gedanken sogar schön.

Ich darf mich verändern. Neue Seiten entdecken. Meine Meinung ändern. Dinge anders sehen als früher. Ich muss nicht fertig sein.

Niemand wird je fertig.

Wir nähern uns bestenfalls immer mehr uns selbst an. Und diese Entdeckungsreise finde ich wahnsinnig spannend. Das ist für mich das wahre Leben.

 

40. Und trotzdem gibt es so viel, das ich daran liebe

Die Tiefe. Die Empathie. Die Begeisterungsfähigkeit. Die kleinen Dinge. Die intensiven Beziehungen. Das Wahrnehmen. Das Staunen.

Heute möchte ich diese Seiten nicht mehr gegen die schwierigen ausspielen.

Beides gehört zu mir.

Und ich achte mich so sehr, dass ich versuche, mein Leben so zu gestalten, dass ich die schönen Seiten genießen kann.

 

41. Hochsensibilität ist keine Entschuldigung für alles

Meine Hochsensibilität kann erklären, warum mich etwas stärker belastet.

Aber sie nimmt mir nicht die Verantwortung für mein Verhalten:

  • Auch ich kann mich irren.
  • Auch ich kann jemanden verletzen.
  • Auch ich darf mich entschuldigen.

Das gehört für mich zu einem ehrlichen und erwachsenen Umgang mit meiner Sensibilität.

Nur, weil ich hochsensibel bin, bin ich nicht fehlerfrei. Wenn ich etwas falsch gemacht habe, stehe ich dafür gerade.

 

42. Ich muss nicht jeden Tag dankbar für meine Hochsensibilität sein

Manchmal liebe ich sie. Manchmal ist sie einfach anstrengend.

Beides darf wahr sein.

Ich muss meine Hochsensibilität nicht ständig als Geschenk bezeichnen, um sie anzunehmen.

Es ist eine Lernaufgabe, sie zu akzeptieren und das Leben entsprechend zu gestalten. Aber es ist auch OK, sich manchmal zu wünschen, anders zu sein.

Schließlich leben wir in einer Gesellschaft, die uns für unsere Hochsensibilität nicht direkt feiert, sondern uns die Akzeptanz unserer Feinfühligkeit eher erschwert.

 

43. Selbstakzeptanz bedeutet nicht, alles an mir toll zu finden

Ich muss nicht jeden Teil meiner Persönlichkeit lieben. Aber ich möchte aufhören, gegen mich selbst zu kämpfen.

Manchmal reicht: Das gehört zu mir.

Und dann die Frage: Wie kann ich gut damit umgehen?

Alle Teile existieren, weil es dafür Gründe gibt. Sie haben mir bis hierhin geholfen zu (über-)leben. Deshalb versuche ich, rücksichtsvoll mit mir zu sein, auch wenn ich bemerke, gerade in einem schwierigen Muster festzustecken.

 

44. Mein Wert hängt nicht davon ab, wie viel ich leiste

Es gibt produktive Tage. Und es gibt Tage, an denen weniger geht.

Mein Wert verändert sich dadurch nicht. Ich bin keine Maschine, sondern ein Mensch mit Höhen und Tiefen, mehr und weniger Power.

Das ist etwas, das ich mir selbst immer wieder sagen darf. Und es hat über die Jahre dazu geführt, selbstbewusst für mich einzustehen.

 

45. Ich möchte mich weiterentwickeln, aber mich nicht ständig optimieren

Ich möchte wachsen. Lernen. Mich besser verstehen. Aber ich möchte aus mir kein Projekt machen, das irgendwann perfekt funktionieren muss.

Ich bin kein Projekt. Ich bin ein Mensch.

Viele Menschen im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung werden härter statt sanfter, weil sie sich dazu drillen, jemand „anderes“ oder „besseres“ zu werden.

Aber bei einer gesunden Entwicklung geht es um Verletzlichkeit und die Akzeptanz für den, der man gerade ist.

 

46. Ich möchte meine Hochsensibilität nicht romantisieren

Es gibt wunderschöne Seiten.

Aber es gibt auch Tage, an denen sie einfach anstrengend ist. Tage, an denen mir alles zu laut, zu nah und zu viel ist. An denen ich mit jeder Faser meines Körpers spüre, dass mein dysreguliertes Nervensystem dringend eine Pause braucht.

Ich muss diese Tage nicht schöner machen, als sie sind.

Auch das gehört zu einem ehrlichen Umgang mit Hochsensibilität.

 

47. Ich frage heute häufiger: „Was brauche ich?“

Früher war die Frage oft: Warum bin ich so?

Heute ist sie häufiger: Was brauche ich?

Ruhe? Nähe? Abstand? Ein Gespräch? Zeit? Eine Grenze?

Diese Frage bringt mich näher zu mir als die Suche nach einer Erklärung, warum ich so bin, wie ich bin.

 

48. Ich möchte mich nicht mehr selbst verlassen, um dazuzugehören

Ich kann Kompromisse eingehen, Rücksicht nehmen, mich auf andere einstellen.

Aber nicht mehr um jeden Preis.

Denn was bringt mir Zugehörigkeit, wenn ich mich dafür selbst verliere?

Ich finde es immer wieder spannend, neu auszuloten, welchen Grad an Anpassung ich gerade leisten kann und möchte, ohne dabei die Verbindung zu mir selbst zu gefährden.

 

49. Mein Anderssein ist kein Problem, das gelöst werden muss

Vielleicht ist das die größte Veränderung:

  • Ich muss nicht weniger sensibel werden.
  • Ich muss nicht konventioneller leben.
  • Ich muss meine Bedürfnisse nicht anpassen, damit andere sie bequemer finden.
  • Ich darf anders sein.

Ich darf dieses Anderssein inzwischen sogar lieben. Es macht mich einzigartig.

Und mal ganz unter uns: Ich persönlich finde mein Leben viel bunter, verbundener und lebendiger als das der meisten Menschen.

 

50. Ich habe beim Schreiben für andere gelernt, mich selbst noch mehr wertzuschätzen

Damit bin ich bei der Erkenntnis angekommen, die für mich heute über allen anderen steht.

Ich habe diese 50 Artikel geschrieben, weil ich dir etwas mitgeben wollte.

Eine Erklärung. Einen Gedanken. Eine andere Perspektive. Vielleicht ein bisschen Verständnis für dich selbst.

Vielleicht das Gefühl: Ich bin damit nicht allein.

 

Und während ich dir diese Texte geschrieben habe, ist etwas passiert, das ich so nicht vorausgesehen hatte: Ich habe mich selbst noch viel besser kennengelernt.

Und noch viele Stellschrauben in meinem Leben gefunden, an denen ich zu meinem Wohle drehen konnte. Vor allem aber bin ich heute dankbar für vieles, was ich früher an mir verändern wollte.

Diese ungeheure Tiefe, die Energiesensibilität, die Fähigkeit zu echter Verbundenheit, die Begeisterungsfähigkeit für kleinste Dinge, die Fähigkeit, zwischenmenschliche Signale innerhalb eines Augenblicks auszuwerten – all das erfüllt mich mit Dankbarkeit.

Ich hätte nie gedacht, dass ein Blog, den ich für andere Menschen schreibe, mir selbst so viel über mich erzählen würde.

Aber vielleicht ist genau das das Schönste daran.

 

Was das für meine Arbeit als Beraterin bedeutet

Vielleicht fragst du dich jetzt, was all diese persönlichen Erkenntnisse mit meiner Arbeit als Beraterin zu tun haben.

Für mich ziemlich viel.

Denn je besser ich mich selbst verstehe, desto bewusster kann ich auch anderen hochsensiblen Menschen begegnen.

Ich weiß heute aus eigener Erfahrung, wie gut es tun kann, wenn jemand nicht sofort versucht, einen zu verändern.

Wenn jemand nicht sagt: „Du musst einfach lernen, damit besser umzugehen.“

Sondern erst einmal zuhört. Versteht. Nachfragt.

Und vielleicht sogar sagt: „Mit dir ist alles in Ordnung. Lass uns schauen, wie du dein Leben so gestalten kannst, dass es sich mehr nach dir anfühlt.“

Genau diese Haltung ist mir auch in meiner Beratung wichtig. Ich möchte Menschen nicht in eine bestimmte Richtung bringen oder ihnen sagen, wie sie zu leben haben.

Ich möchte gemeinsam mit ihnen herausfinden, was für sie persönlich stimmig ist.

Eine wertschätzende und offene Haltung ist mir besonders wichtig, denn Respekt und Augenhöhe sind für mich die Basis für eine gute Zusammenarbeit.

Beratung bedeutet für mich nicht, einem Menschen zu zeigen, wie er werden sollte.

Es bedeutet, ihn ein Stück dabei zu begleiten, herauszufinden, wer er bereits ist und was er braucht, um mehr danach leben zu können.

 

Danke, dass du hier bist

50 Artikel habe ich geschrieben.

Für dich. Für Menschen, die sich selbst vielleicht manchmal nicht verstehen. Für Menschen, die sich nach Verständnis sehnen. Für Menschen, die sich fragen, ob sie mit ihrer Art zu fühlen und wahrzunehmen allein sind.

Und wenn du einer dieser Menschen bist, möchte ich dir heute nicht noch einen Rat mitgeben: Du musst dich nicht für dich selbst schämen.

  • Nicht für deine Sensibilität.
  • Nicht für deine Bedürfnisse.
  • Nicht dafür, dass dein Leben vielleicht anders aussieht.
  • Und auch nicht dafür, dass du manchmal mehr brauchst als andere.

Das ist nicht ganz einfach, kann aber der Beginn einer wundervollen Beziehung zu dir selbst sein. Vielleicht wünschst du dir irgendwann gar nicht mehr, jemand anders zu sein – weil du mehr in Frieden mit dir bist.

Das wäre wunderbar – und ich wünsche es dir von Herzen. Danke, dass du hier bist.

 

Häufige Fragen (FAQ) rund um Hochsensibilität

Warum fühlt sich ein „Nein“ manchmal trotzdem falsch an, obwohl ich weiß, dass es richtig ist?

Weil ein schlechtes Gefühl nicht automatisch bedeutet, dass eine Entscheidung falsch ist. Ich kann Nein sagen und trotzdem ein schlechtes Gewissen haben. Ich kann jemanden enttäuschen und trotzdem die richtige Entscheidung für mich getroffen haben.

Diese Unterscheidung hat mir sehr geholfen: Ein unangenehmes Gefühl ist nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass ich etwas falsch gemacht habe.

Warum möchte ich manchmal ein anderes Leben als die Menschen um mich herum?

Vielleicht, weil das Leben, das für andere funktioniert, nicht automatisch auch für mich funktionieren muss. Ich habe für mich verstanden, dass ich nicht möglichst konventionell leben möchte, sondern möglichst stimmig. Das kann bedeuten, meinen Alltag anders zu gestalten, andere Prioritäten zu setzen oder Entscheidungen zu treffen, die für andere ungewöhnlich erscheinen.

Für mich ist die entscheidende Frage deshalb nicht mehr: „Was macht man normalerweise?“ Sondern: „Was passt zu mir?“

Warum fühle ich mich manchmal „zu anders“?

Weil wir sehr schnell lernen, uns mit anderen zu vergleichen.

Wenn andere scheinbar problemlos mit Lärm, großen Gruppen, spontanen Veränderungen oder bestimmten sozialen Situationen umgehen, kann man sich mit den eigenen Bedürfnissen schnell falsch fühlen.

Ich habe irgendwann aufgehört, meine Bedürfnisse ständig daran zu messen, was für andere normal ist. Anders zu sein bedeutet nicht automatisch, dass etwas mit mir nicht stimmt.

Kann man hochsensibel sein und trotzdem selbstbewusst Grenzen setzen?

Ja – und für mich gehört genau das inzwischen zusammen. Ich dachte lange, dass Sensibilität und Durchsetzungsfähigkeit irgendwie Gegensätze sind. Heute sehe ich es anders. Je mehr ich mich selbst wertschätze, desto leichter fällt es mir, für mich einzustehen.

Ich muss dafür nicht laut oder hart werden. Ich kann sensibel sein und deutlich. Empathisch sein und Nein sagen. Rücksichtsvoll sein und meine eigenen Grenzen schützen.

Warum kann Selbstliebe bei Hochsensibilität so viel verändern?

Weil sich mit der Beziehung zu sich selbst auch der Blick auf die eigene Sensibilität verändert.

Wenn ich mich selbst wenig wertschätze, wirkt meine Sensibilität schnell wie ein Problem, das ich möglichst gut verstecken oder kontrollieren muss.

Wenn ich mich selbst mehr annehme, kann ich mich fragen:

  • Was brauche ich?
  • Was tut mir gut?
  • Welche Grenzen habe ich?
  • Wie möchte ich eigentlich leben?

Für mich war das ein entscheidender Wandel: Ich versuche heute nicht mehr, mich so zu verändern, dass ich besser in die Welt passe. Ich versuche, mein Leben so zu gestalten, dass ich darin gut leben kann.

Muss ich meine Hochsensibilität immer als Stärke sehen?

Nein. Das möchte ich ganz bewusst sagen. Manchmal ist meine Hochsensibilität etwas, das ich sehr schätze. Meine Tiefe. Meine Empathie. Meine Begeisterungsfähigkeit. Meine Wahrnehmung. Und manchmal ist sie einfach anstrengend.

Ich möchte sie deshalb nicht romantisieren. Für mich bedeutet Selbstakzeptanz nicht, jeden Aspekt meiner Hochsensibilität toll finden zu müssen. Es bedeutet vielmehr, mich auch an den schwierigen Tagen nicht dafür abzuwerten.

Nicole Trojahn

Nicole Trojahn

Freiberufliche Autorin, Texterin und Beraterin für Hochsensible


Viele Hochsensible wissen noch gar nicht so recht, wie viel Reichtum sie in sich tragen.

In meiner Beratung begleite ich HSP dabei, sich mit ihrer Hochsensibilität anzufreunden und sich selbst wertschätzen zu lernen.

Falls auch du wissen willst, wie du deine Hochsensibilität besser in dein Leben integrieren kannst, nimm gern Kontakt zu mir auf!

 

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