Du hast eigentlich gar nicht weniger geschlafen als sonst. Dein Alltag ist derselbe. Die Menschen um dich herum sind dieselben wie immer. Und trotzdem fühlt sich plötzlich alles anders an – weil du dich als hochsensible Frau an einer anderen Stelle deines Menstruationszyklus befindest.
Ein Geräusch, das dich normalerweise nicht stört, geht dir auf die Nerven. Du möchtest dich zurückziehen, bist emotionaler oder hast das Gefühl, deine innere Kapazität sei einfach kleiner geworden. Und dann stellst du vielleicht fest: Deine Periode steht bevor.
In diesem Artikel möchte ich dir aufzeigen, wie Hochsensibilität deinen Zyklus beeinflussen kann und wie du lernst, liebevoll mit den hormonellen Veränderungen deines Körpers umzugehen.
Hochsensibilität & Menstruationszyklus: Womit Hochsensible oft hadern
In unserer patriarchal geprägten Leistungsgesellschaft wird meiner Meinung nach immer noch zu wenig über Themen wie gesunde Weiblichkeit, weibliche Lust und Bedürfnisse von Frauen gesprochen. Und auch um das Thema Menstruationszyklus wird ein großer Bogen gemacht.
In der Arbeitswelt ist es quasi unsichtbar und auch viele Männer in heterosexuellen Partnerschaften wissen kaum etwas darüber.
Dabei durchlaufen ihre Partnerinnen im gebärfähigen Alter jeden Monat einen kompletten Zyklus aus Abschied und Neubeginn, stets begleitet von einem Hormoncocktail, der den Alltag maßgeblich beeinflusst.
Gerade hochsensible Frauen sind häufig gut mit sich selbst verbunden und nehmen die permanenten zyklusbedingten Veränderungen ihres Körpers wahr. Schwankende Leistungskurven, emotionale Berg- und Talfahrten und unterschiedliche Bedürfnisse sind dabei ganz normal, doch leider stark stigmatisiert (dem Patriarchat sei Dank).
Vielen hochsensiblen Frauen wird – gerade in sehr vulnerablen Phasen wie der Periode attestiert, sie seien „zu empfindlich“ und müssten „einfach nur mal die Zähne zusammenbeißen“.
Mich persönlich regt das furchtbar auf, denn viele dieser Ratschläge kommen von Männern, die sich noch nie ernsthaft mit dem Thema Zyklus auseinandergesetzt haben. Es ist mir deshalb ganz besonders wichtig, mehr Verständnis für uns hochsensible Frauen zu schaffen und Männer dafür zu sensibilisieren, was für ein Kraftakt der Menstruationszyklus für den weiblichen Körper ist.
Was passiert während des Menstruationszyklus?
Dein Körper ist nicht jeden Tag exakt gleich.
Während des Menstruationszyklus verändern sich unter anderem die Konzentrationen der Sexualhormone Östrogen und Progesteron. Diese hormonellen Veränderungen stehen mit verschiedenen körperlichen und psychischen Prozessen in Verbindung.
Der Zyklus wird häufig in vier Phasen eingeteilt:
- Menstruationsphase
- Follikelphase
- Eisprung
- Lutealphase
Dabei ist es wichtig, eines im Hinterkopf zu behalten: Nicht jede Frau erlebt ihren Zyklus gleich.
Die folgenden Beschreibungen sind deshalb keine festen Regeln, sondern mögliche Veränderungen, die manche Frauen beobachten. Manche spüren davon sehr viel, andere kaum etwas.
1. Menstruation – Zeit für Rückzug und Regeneration
Mit der Blutung beginnt ein neuer Zyklus.
Die Gebärmutterschleimhaut wird abgestoßen und der Hormonspiegel von Östrogen und Progesteron ist zunächst relativ niedrig. Vielleicht kennst du diese Tage als eine Zeit, in der du dich eher nach innen orientierst. Bestenfalls kannst du dich etwas zurückziehen – ohne Reizschuld zu entwickeln.
Körperlich kann sich beispielsweise Folgendes zeigen:
- Blutung
- Unterleibs- oder Rückenschmerzen
- Müdigkeit und weniger Energie
- Kopfschmerzen
- empfindliche Verdauung
- körperliches Unwohlsein
- ein erhöhtes Schlafbedürfnis
- bei manchen Frauen ein Gefühl von körperlicher Schwäche
Auch mental und emotional können Veränderungen spürbar sein:
- ein stärkeres Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug
- weniger Lust auf soziale Kontakte
- eine geringere Belastbarkeit
- erhöhte Energiesensibilität
- zeitweise Konzentrationsschwierigkeiten
- das Bedürfnis, langsamer zu machen
- Hang zu neurotischem Verhalten, wenn Regeneration kaum möglich
Andere Frauen erleben die Menstruation dagegen als eine Phase, in der sie sich emotional besonders ausgeglichen oder erleichtert fühlen. Beides ist möglich.
Gerade wenn du hochsensibel bist, kann es interessant sein zu beobachten, wie dein Körper und deine Reizverarbeitung miteinander zusammenspielen. Wenn beispielsweise Schmerzen, Müdigkeit oder andere körperliche Empfindungen bereits viel Aufmerksamkeit beanspruchen, können zusätzliche äußere Reize schneller anstrengend werden.
Vielleicht brauchst du an diesen Tagen nicht weniger von dir, sondern einfach mehr Raum für dich.
2. Follikelphase – die Energie kommt zurück
Die Follikelphase beginnt bereits mit dem ersten Tag der Menstruation, wird im Alltag aber häufig als die Zeit nach der Blutung beschrieben. In dieser Phase steigt der Östrogenspiegel wieder an. Bei vielen Frauen nimmt auch das Gefühl von Energie und körperlichem Wohlbefinden zu.
Körperlich können beispielsweise folgende Veränderungen auftreten:
- zunehmende Energie
- weniger Menstruationsbeschwerden
- besseres allgemeines Körpergefühl
- zunehmende körperliche Leistungsfähigkeit
- Veränderungen der Haut
- veränderter Zervixschleim
- bei manchen mehr Lust auf Bewegung
Auch mental kann sich etwas verändern.
Mögliche Erfahrungen sind:
- bessere Stimmung
- mehr Motivation
- leichteres Konzentrieren
- mehr Unternehmungslust
- ein Gefühl von Klarheit
- größere Offenheit für soziale Kontakte (z. B. hochsensible Freunde)
- mehr Kreativität oder Tatendrang
Vielleicht kennst du dieses Gefühl: „Ich komme wieder mehr bei mir an.“
Die Schwere der vergangenen Tage lässt nach und du hast wieder mehr Kapazität für die Welt um dich herum.
Aber auch hier gilt: Nicht jede Frau erlebt diese Veränderung deutlich. Dein persönliches Empfinden kann von Monat zu Monat unterschiedlich sein.
3. Eisprung – mehr Energie und Kontaktfreude
Rund um den Eisprung kommt es zu deutlichen hormonellen Veränderungen. Der Eisprung findet dabei nicht bei jeder Frau exakt am 14. Zyklustag statt – auch das ist ein häufiges Missverständnis.
Übrigens: Die Länge des Zyklus kann schwanken und ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Auch das ist normal!
Körperlich können rund um den Eisprung unter anderem folgende Dinge wahrnehmbar sein:
- mehr Energie
- gesteigerte körperliche Leistungsfähigkeit
- vermehrter Zervixschleim
- empfindlichere Brüste
- leichte Unterbauchschmerzen, der sogenannte Mittelschmerz
- Veränderungen der Körperwahrnehmung
- bei manchen ein gesteigertes Bedürfnis nach Intimität
Auch emotional und mental berichten manche Frauen von Veränderungen.
Möglicherweise fühlst du dich:
- selbstbewusster
- kommunikativer
- kontaktfreudiger
- motivierter
- energiegeladener
- unternehmungslustiger
- kreativer
Auch die Libido und das Bedürfnis nach Sexualität (z. B. Slow Sex) können bei manchen Frauen in dieser Zeit zunehmen.
Vielleicht fühlt sich die Welt in dieser Phase ein bisschen leichter an. Wenn du hochsensibel bist, kann eine höhere Energie möglicherweise auch bedeuten, dass du mehr Kapazität für Menschen, Termine und äußere Reize zur Verfügung hast.
4. Lutealphase – wenn die Welt wieder etwas zu laut wird
Nach dem Eisprung beginnt die Lutealphase. Jetzt verändert sich das hormonelle Zusammenspiel erneut. Besonders die Tage vor der nächsten Menstruation können für viele Frauen eine spürbare Zeit sein.
Körperlich können unter anderem auftreten:
- Brustspannen
- Wassereinlagerungen
- Blähungen
- Veränderungen des Appetits
- Heißhunger
- Müdigkeit
- Kopfschmerzen
- Hautveränderungen
- Unterleibsbeschwerden
- Veränderungen des Schlafs
- ein Gefühl von körperlicher Schwere
Und auch mental und emotional kann sich die eigene Wahrnehmung verändern.
Möglicherweise bemerkst du:
- erhöhte Reizbarkeit
- Stimmungsschwankungen
- stärkere emotionale Reaktionen
- innere Unruhe
- Konzentrationsschwierigkeiten
- weniger Motivation
- ein stärkeres Bedürfnis nach Rückzug
- ein schnelleres Gefühl von Überforderung
- eine stärkere Stresswahrnehmung
- bei manchen Frauen depressive Verstimmungen oder Neigung zu Ängsten (z. B. Angst vor Fehlern)
Gerade die letzte Phase vor der Menstruation ist deshalb für die Frage nach Hochsensibilität und Zyklus besonders interessant.
Denn stell dir vor, du bist ohnehin jemand, der viele Reize intensiv wahrnimmt. Du nimmst die Stimmung im Raum wahr. Du hörst jedes kleine Geräusch. Du bemerkst, wenn jemand anders angespannt ist. Und gleichzeitig schläfst du gerade schlechter, hast vielleicht körperliche Beschwerden und fühlst dich weniger energiegeladen.
Dann kann es passieren, dass deine persönliche Belastungsgrenze schneller erreicht ist.
Das bedeutet nicht unbedingt, dass deine Hochsensibilität in dieser Phase „stärker“ geworden ist.
Vielleicht stehen dir gerade einfach weniger Ressourcen zur Verfügung, um mit den vielen Reizen umzugehen. Und genau diese Unterscheidung finde ich wichtig. Sei deshalb besonders achtsam mit dir und begegne dir mit viel Selbstmitgefühl.
Tipp: Um zu erfahren, wie du dich in dieser Phase gut um dich kümmern kannst, wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Selbstfürsorge für Hochsensible – 7 Routinen für den Alltag“.
Der weibliche Zyklus ist kein festes Programm
Vielleicht liest du diese Beschreibungen und denkst: „Das passt genau zu mir.“ Vielleicht denkst du aber auch: „Bei mir ist es überhaupt nicht so.“
Beides ist völlig in Ordnung. Dein Zyklus muss nicht nach einem bestimmten Muster funktionieren.
Manche Frauen fühlen sich kurz vor der Periode besonders erschöpft. Andere bemerken kaum Veränderungen. Manche haben während der Menstruation starke Schmerzen, andere fast keine Beschwerden. Und auch die mentale und emotionale Wahrnehmung kann sich von Frau zu Frau – und sogar von Zyklus zu Zyklus – unterscheiden.
Deshalb würde ich die 4 Phasen nicht als Regeln betrachten.
Sie sind vielmehr Orientierungspunkte, die dir helfen können, deinen eigenen Körper besser zu beobachten.
Vielleicht stellst du nach einigen Monaten fest: „In den Tagen vor meiner Periode brauche ich tatsächlich mehr Ruhe.“ Oder: „Meine Energie steigt nach der Menstruation deutlich an.“ Oder: „Eigentlich verändert sich bei mir mental gar nicht so viel – dafür merke ich körperlich sehr deutlich, wo ich gerade im Zyklus stehe.“
Auch das ist wertvolles Wissen.
Ich persönlich habe durch meinen hochsensiblenfreundlichen Lebensstil das Gefühl, dass ich zyklusbedingte Veränderungen immer besser wahrnehme – und dementsprechend auf mich achten kann. Ich weiß aber auch noch, dass ich mich in meiner Jugend so sehr von meinem Körper „abgeschnitten“ fühlte, dass ich meinen Menstruationszyklus kaum bemerkt hatte. Das heißt aber nicht, dass andere Frauen nicht gut mit sich verbunden sind, wenn sie kaum Zyklus-Symptome haben.
Hinweis: Gerade für uns hochsensible Frauen im gebärfähigen Alter ist eine gesunde Ernährung wichtig – weil wir jeden Monat Blut verlieren, das neu gebildet werden muss. In meinem kostenfreien PDF „Checkliste und Essensplan – Gesunde Ernährung für Hochsensible“ erfährst du, wie du deinen Körper durch hochwertige Lebensmittel unterstützen kannst.
Hochsensibilität und Zyklus: Gibt es einen Zusammenhang?
Es wäre deshalb unseriös zu behaupten: „Hochsensible Frauen sind vor ihrer Periode grundsätzlich besonders reizempfindlich.“ Oder „Hochsensibilität ist daran Schuld, dass Frauen während des Zyklus mehr leiden als Nicht-Hochsensible.“
Laut Studien wie z. B. Greven et al. (2019) ist bekannt, dass Hochsensibilität auch durch eine erhöhte Reizoffenheit geprägt ist. Tägliche Herausforderungen (z. B. durch Hochsensibilität im Beruf), familiäre Konflikte und gesellschaftliche Ansprüche können das generelle Stresslevel erhöhen, wenn es keinen Ausgleich gibt.
Der Menstruationszyklus kann von hochsensiblen Frauen besonders dann als zusätzliche Belastung wahrgenommen werden, wenn sie weder Zeit noch Raum haben, sich gut um sich selbst zu kümmern.
Partner und Kollegen ohne Verständnis, zu viel und einseitige Verantwortung (z. B. für hochsensible Kinder) und ein starkes Leistungsbewusstsein können dazu führen, dass die hormonbedingten Veränderungen während des Zyklus eher als Belastung empfunden werden.
Ich würde sagen: Der Zyklus an sich ist nicht das Problem. Für hochsensible Frauen ist es aber besonders wichtig, dass sie sich während vulnerabler Phasen in ihrem sozialen Umfeld sicherfühlen können, Unterstützung erhalten und sich ohne Schuldgefühle ihren Bedürfnissen widmen können.
Warum fühlt sich vor der Periode manchmal alles intensiver an?
Viele Frauen erleben in den Tagen vor ihrer Menstruation Veränderungen. Dazu können beispielsweise Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit, Konzentrationsprobleme, Schlafprobleme, Rückzug oder Müdigkeit kommen.
Auch körperliche Beschwerden wie Brustspannen, Blähungen, Kopfschmerzen oder Veränderungen des Appetits sind möglich. Wenn solche Beschwerden regelmäßig auftreten und den Alltag beeinträchtigen, spricht man von einem prämenstruellen Syndrom (PMS).
Als hochsensible Frau kann sich eine solche Phase möglicherweise besonders deutlich anfühlen. Dann ist das Nervensystem, dass ohnehin schon Mühe mit der Reizverarbeitung hat, sehr angespannt. Das Nervenkostüm ist jetzt noch ein bisschen dünner – dementsprechend werden Alltagsreize intensiver wahrgenommen.
Jetzt ist die Zeit, in der du auf den Pauseknopf drücken solltest.
Dein Körper leistet gerade wieder sehr viel und du darfst du die Erlaubnis geben, dich zurückzuziehen. Andernfalls riskierst du ein dysreguliertes Nervensystem und längerfristige Erschöpfung.
Übrigens: In meinem kostenfreien PDF „Reizarme Alltagsgestaltung für Menschen mit Hochsensibilität“ erfährst du, wie du deinen Alltag generell etwas entschleunigen kannst, um noch bedürfnisorientierter zu leben.
Hochsensibilität oder PMS – oder beides?
Vielleicht fragst du dich jetzt: „Woher weiß ich denn, was bei mir eigentlich was ist?“
Das ist gar nicht so einfach. Ein möglicher Hinweis ist die zeitliche Struktur.
Hochsensibilität ist ein grundsätzliches Persönlichkeitsmerkmal. Du bist nicht nur 5 Tage im Monat hochsensibel. Deine Art, Reize zu verarbeiten, begleitet dich grundsätzlich – die Hochsensibilität-Symptome sind normaler Bestandteil deines Lebens.
Zyklusabhängige Beschwerden dagegen zeigen ein wiederkehrendes zeitliches Muster. PMS tritt typischerweise in den Tagen vor der Menstruation auf und bessert sich mit Beginn beziehungsweise kurz nach Beginn der Menstruation.
Deshalb kann folgende Frage hilfreich sein: „Was ist eigentlich immer da – und was verändert sich regelmäßig in meinem Zyklus?“
Vielleicht stellst du fest: „Lärm empfinde ich grundsätzlich schnell als anstrengend.“ Das könnte zu deiner Hochsensibilität gehören. Und vielleicht bemerkst du gleichzeitig: „In den Tagen vor meiner Periode brauche ich noch mehr Rückzug und reagiere emotional schneller.“ Das ist eine Beobachtung, die du weiterverfolgen kannst.
Du musst dich nicht sofort für eine Erklärung entscheiden.
Zyklusbeobachtung: Lerne deine persönlichen Muster kennen
Gerade für hochsensible Frauen kann es unglaublich wertvoll sein, nicht ständig gegen die eigene Wahrnehmung anzukämpfen. Stattdessen kannst du neugierig werden.
Was passiert eigentlich in meinem Körper?
Dafür könntest du dir ein Zyklustagebuch zulegen, in das du jeden Tag einträgst, wie du dich fühlst und wahrnimmst.
Du könntest jeden Tag kurz notieren:
- Wie viel Energie habe ich heute?
- Wie reizempfindlich fühle ich mich?
- Wie ist meine Stimmung?
- Wie gut habe ich geschlafen?
- Wie groß ist mein Bedürfnis nach Rückzug?
- Habe ich körperliche Beschwerden?
- Wie hoch ist mein Stresslevel?
- Wie viel Kontakt mit anderen Menschen tut mir heute gut?
- Welche Art von Energiearbeit hilft mit heute bei der Erdung?
Mehr brauchst du zunächst gar nicht. Nach einem einzelnen Zyklus wirst du vielleicht noch kein eindeutiges Muster erkennen.
Nach mehreren Zyklen kann es aber interessant werden. Vielleicht erkennst du Muster bzgl. deiner Stimmung, Körpersymptome und sexueller Lust.
Übrigens: Eine detaillierte Zyklusbeobachtung (inkl. täglicher Temperaturmessung) bildet auch die Grundlage für natürliche Verhütungsmethoden. Viele hochsensible Frauen reagieren eher negativ auf hormonelle Verhütungsmittel wie Pflaster und die Pille. Natürliche Methoden sind dagegen schonender und entsprechen dem Zyklusverlauf.
Was kannst du als hochsensible Frau während deines Zyklus für dich tun?
Vielleicht ist das die schönste Verbindung zwischen Hochsensibilität und Zyklus: Du darfst deine Bedürfnisse ernst nehmen.
Nicht erst dann, wenn dein Körper dich dazu zwingt.
1. Plane bewusst kleine Ruheinseln ein
Wenn du weißt, dass bestimmte Tage für dich anstrengender sein können, darfst du dir mehr Puffer geben.
Je besser du deinen Zyklus kennenlernst, desto mehr kannst du deinen Alltag daran anpassen.
Gestalte Phasen, in denen du mit Schmerzen und Unwohlsein rechnest, so flexibel wie möglich. Es ist OK, Termine abzusagen und dir stattdessen Ruhe zu gönnen. Dein Wohlergehen sollte immer an erster Stelle stehen.
2. Reduziere Reize, bevor du überreizt bist
Wir Hochsensiblen warten oft zu lange.
Erst wird es ein bisschen zu laut. Dann ein bisschen zu voll. Dann ein bisschen zu anstrengend. Und irgendwann geht gar nichts mehr. Das kommt daher, dass viele von uns früher nie Grenzen setzen durften.
Versuche, früher auf deine Signale zu reagieren.
Leise Musik. Ein ruhiger Raum. Weniger Handy und ständige Erreichbarkeit. Eine Pause. Ein „Nein“ zu einer Einladung.
Du musst nicht erst völlig erschöpft sein, um Ruhe verdient zu haben.
Tipp: Wenn du mehr zum Thema gesunde Abgrenzung erfahren möchtest, dann wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Bedürftigkeit stillen und Grenzen stabilisieren“.
3. Erlaube dir, deine Leistungsfähigkeit nicht jeden Tag gleich zu bewerten
Unsere Gesellschaft liebt konstante Leistung. Der Körper funktioniert aber nicht nach diesem Prinzip.
Vielleicht gibt es Tage, an denen du unglaublich viel schaffst. Und vielleicht gibt es andere Tage, an denen dein Körper nach Langsamkeit ruft.
Das macht dich nicht faul. Und schon gar nicht weniger wertvoll.
Gerade wir hochsensiblen Frauen sollten uns von den patriarchal gewachsenen Vorstellungen zum Thema Leistungsfähigkeit distanzieren – denn sie widersprechen unserem Naturell. Versuche, deiner Intuition so viel Raum wie möglich zu geben. Sie ist der wahre Kompass.
4. Nimm deine körperlichen Signale ernst
Wenn du Schmerzen hast, schlecht schläfst oder dich körperlich nicht wohlfühlst, kommt zur sensorischen und emotionalen Belastung noch eine weitere Ebene hinzu.
Vor allem als hochsensible Frau kann es hilfreich sein, nicht nur deine Psyche, sondern auch deinen Körper wahrzunehmen.
Was brauche ich gerade wirklich?
Nicht: „Was müsste ich eigentlich noch schaffen?“ Sondern: „Was würde mir jetzt guttun?“
Hinweis: Wenn du Schwierigkeiten hast, deine Bedürfnisse wahrzunehmen, dann wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Körperarbeit für Hochsensible – Signale des Körpers verstehen“ .
5. Höre auf, dich mit anderen Frauen zu vergleichen
Vielleicht erzählt dir eine Freundin: „Meine Periode? Die merke ich kaum.“ Und du denkst: „Warum ist das bei mir anders?“
Weil dein Körper deiner ist. Du musst nicht genauso funktionieren wie andere Frauen. Und auch hochsensible Frauen sind nicht alle gleich.
Deine Aufgabe ist nicht, dem Durchschnitt zu entsprechen. Deine Aufgabe ist, dich selbst kennenzulernen.
Zyklusbewusstsein bedeutet nicht Zyklusoptimierung
Bei diesem Thema möchte ich einen Gedanken besonders hervorheben. Mittlerweile gibt es unzählige Inhalte darüber, wie Frauen in welcher Zyklusphase essen, trainieren, arbeiten, planen oder leben sollen.
Das kann inspirierend sein. Es kann aber auch neuen Druck erzeugen.
Plötzlich denkst du: „Oh nein, ich bin in dieser Phase. Eigentlich dürfte ich heute gar nicht so viel leisten.“ Oder: „Jetzt müsste ich mich eigentlich zurückziehen.“
Das ist nicht der Sinn von Zyklusbewusstsein. Du bist kein Zykluskalender.
Wenn du an einem Tag in deiner vermeintlich „ruhigen“ Phase voller Energie bist, dann darfst du diese Energie nutzen. Und wenn du in einer anderen Phase Ruhe brauchst, darfst du dich zurückziehen. Beobachte deinen Körper.
Aber mache aus deinen Beobachtungen keine neuen Regeln, denen du dich unterwerfen musst. Gerade wir Hochsensiblen kennen das Gefühl von innerem Druck und viel zu hohen Erwartungen schließlich gut genug.
Wenn „Ich bin halt hochsensibel“ nicht die richtige Erklärung ist
Hier möchte ich dich zu etwas ermutigen: Schiebe Beschwerden nicht automatisch auf deine Hochsensibilität. Starke oder regelmäßig wiederkehrende Beschwerden verdienen Aufmerksamkeit.
Wenn du beispielsweise jeden Monat unter sehr starken Zyklusbeschwerden, ausgeprägten Stimmungsschwankungen, massiver Erschöpfung oder erheblichen Einschränkungen in deinem Alltag leidest, solltest du das ärztlich abklären lassen. Vielleicht liegt bei dir eine ernsthafte Erkrankung wie z. B. Endometriose vor.
Auch eine schwere Form der prämenstruellen Symptomatik, die sogenannte prämenstruelle dysphorische Störung (PMDD), ist nicht einfach eine besonders ausgeprägte Form von „Empfindlichkeit“. Sie kann das alltägliche Leben und partnerschaftliche Beziehungen erheblich beeinträchtigen und ist medizinisch behandelbar.
Du musst dich nicht mit: „Ich bin eben hochsensibel.“ zufriedengeben, wenn dein Körper dir jeden Monat deutlich signalisiert, dass etwas nicht stimmt.
Selbstfürsorge bedeutet auch, sich Hilfe zu holen. Und falls das gynäkologische Fachpersonal dich belächelt oder nicht ernst nimmt, scheue dich nicht davor, eine Zweitmeinung einzuholen.
Erfahrungsbericht: So nehme ich meinen Zyklus wahr
Leider habe ich viele Jahre geglaubt, auch während meiner Menstruation leistungsfähig und angepasst sein zu müssen. Mir wurde (wie so vielen hochsensiblen Frauen) beigebracht, den Schmerz einfach zu unterdrücken und „ganz normal“ weiterzumachen.
Mittlerweile finde ich es wirklich grausam, dass in Schulen und in der Arbeitswelt immer noch so wenig Rücksicht auf das genommen wird, was der weibliche Körper jeden Monat leistet. Und so reproduziert es sich leider, dass junge Frauen sich emotional von ihrem Körper abkoppeln müssen, um den gesellschaftlichen Leistungsanforderungen entsprechen zu können.
Ich persönlich habe mittlerweile ein gesundes Körperbewusstsein entwickelt und finde mich in meinem Zyklus gut zurecht. Je bedürfnisorientierter ich lebe, desto mehr stellt sich Regelmäßigkeit ein – und dadurch kann ich gut abschätzen, wie ich meinen Alltag je nach Phase aussehen sollte.
Ich betrachte meinen Körper als „heilig“ und mute ihm nur das zu, was ich guten Gewissens vertreten kann. Klar, manchmal fordert mich das Leben heraus. Dafür nehme ich mir anschließend Zeit, um mich zu regenerieren.
Um meinen Körper während des Zyklus zu unterstützen, achte ich auf gesunde Ernährung. Auch in der Sexualität finde ich es wichtig, das Zyklusgeschehen zu berücksichtigen und offen darüber zu sprechen. Der Zyklus gibt mir wichtige Hinweise darüber, wie sehr ich gesunde Weiblichkeit lebe – und wo ich noch besser auf mich achten darf.
In meinen Augen ist der monatliche Kreis aus Abschied und Neubeginn das Weiblichste und Schönste, das wir Frauen haben. Deshalb sollten wir lernen, unseren Zyklus zu ehren und unser Leben daran auszurichten.
Häufige Fragen (FAQ) zu Hochsensibilität und Menstruationszyklus
Was bedeutet Hochsensibilität im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus?
Hochsensibilität beschreibt eine erhöhte Empfindsamkeit gegenüber inneren und äußeren Reizen. Im Verlauf des Menstruationszyklus können hormonelle Veränderungen beeinflussen, wie intensiv Reize, Gefühle, Stress oder körperliche Empfindungen wahrgenommen werden. Menschen mit Hochsensibilität erleben diese Veränderungen möglicherweise besonders deutlich.
Kann die Periode Hochsensibilität verstärken?
Ja, manche hochsensiblen Menschen berichten, dass sie rund um die Menstruation empfindlicher auf Geräusche, Licht, Gerüche, Berührungen oder soziale Reize reagieren. Auch emotionale Schwankungen und ein erhöhtes Ruhebedürfnis können auftreten. Allerdings ist das individuelle Erleben sehr unterschiedlich.
In welcher Zyklusphase sind hochsensible Menschen besonders empfindlich?
Eine erhöhte Sensibilität kann insbesondere in der zweiten Zyklushälfte und während der Menstruation wahrgenommen werden. Häufig berichten Betroffene vor der Periode von einem stärkeren Bedürfnis nach Rückzug, weniger Belastbarkeit oder intensiverem emotionalen Erleben. Es gibt jedoch keine einheitliche „Phase der Hochsensibilität“, die für alle Menschen gilt.
Wie beeinflusst PMS das Erleben bei Hochsensibilität?
PMS, also das prämenstruelle Syndrom, kann beispielsweise mit Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Erschöpfung, Spannungsgefühlen oder erhöhter emotionaler Empfindlichkeit einhergehen. Treffen diese Beschwerden auf eine ohnehin ausgeprägte Reizempfindlichkeit, können die Tage vor der Menstruation besonders herausfordernd erlebt werden.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Hochsensibilität und Hormonen?
Hochsensibilität ist keine hormonelle Erkrankung. Dennoch können hormonelle Schwankungen während des Menstruationszyklus das körperliche und emotionale Erleben beeinflussen. Dadurch kann sich die eigene Sensibilität in bestimmten Zyklusphasen stärker oder schwächer anfühlen.
Was hilft hochsensiblen Menschen während der Menstruation?
Hilfreich können ausreichend Ruhe und Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten, Bewegung nach individuellem Wohlbefinden und bewusste Reizreduktion sein. Dazu gehören beispielsweise weniger Termine, Pausen, ein ruhiger Rückzugsort oder der bewusste Umgang mit Lärm und sozialen Reizen. Ein Zyklustagebuch kann außerdem dabei helfen, persönliche Muster zu erkennen.
Wann sollte ich Beschwerden rund um den Zyklus ärztlich abklären lassen?
Wenn starke Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen, Angst, Schmerzen, Erschöpfung oder andere Beschwerden regelmäßig auftreten und die Lebensqualität deutlich einschränken, ist eine medizinische Abklärung sinnvoll. Auch bei starken oder ungewöhnlichen Menstruationsbeschwerden sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Nicole Trojahn
Freiberufliche Autorin, Texterin und Beraterin für Hochsensible
Viele hochsensible Frauen leiden unter den hohen Leistungsanforderungen, die auch während der Menstruation an sie gestellt werden.
In meiner Beratung begleite ich hochsensible Frauen dabei, ihren Zyklus besser zu verstehen und ihre Weiblichkeit noch mehr in ihren Alltag zu integrieren.
Falls auch du erfahren möchtest, wie du deinen Zyklus und deinen Körper unterstützen kannst, nimm gern Kontakt zu mir auf.
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