Energiesensibilität: Wie sich HSP vor Schwingungen schützen

Energiesensibilität: Wie sich HSP vor Schwingungen schützen

Viele hochsensible Menschen merken früh, dass sie mehr wahrnehmen als andere. Doch nicht alle fühlen sich nur durch Lärm, Licht oder Hektik überfordert. Manche erleben ihre Sensibilität emotional und zwischenmenschlich. Sie sind energiesensibel.

Heute zeige ich dir, was es heißt, energiesensibel zu sein, warum viele HSP davon betroffen sind und wie Schutz vor Schwingungen möglich ist – ohne sich innerlich abzuschotten.

7 Tipps, um Energiesensibilität gesund zu leben

 

Was bedeutet energiesensibel wirklich?

Energiesensibel zu sein heißt, feine emotionale und soziale Signale besonders intensiv wahrzunehmen. Was für Nicht-Hochsensible manchmal kaum bemerkt wird, ist für Hochsensible extrem spürbar:

  • Stimmung im Raum: Sobald HSP einen Raum betreten, nehmen sie die Grundstimmung wahr. Je schlechter diese ist, desto größer ist der innere Impuls, die Situation gleich wieder zu verlassen.
  • Stress, Traurigkeit oder Gereiztheit anderer: Aufgrund unseres hohen Verantwortungsbewusstseins versuchen wir HSP, unser soziales Umfeld zu coregulieren und gehen dabei oft über unsere Grenzen.
  • Unausgesprochene Konflikte: Nur weil Menschen lächeln, heißt es nicht, dass alles okay ist. Hochsensible nehmen latente zwischenmenschliche Spannungen wahr und leiden, wenn Konflikte verschleppt statt gelöst werden.
  • Emotionale Anspannung: Unterdrückte Gefühle erzeugen bei Menschen mit Hochsensibilität sowohl seelischen als auch körperlichen Schmerz. Je offener das soziale Umfeld mit den eigenen Gefühlen umgeht, desto gesünder können sich HSP entfalten.

 

Energiesensible Menschen nehmen diese Schwingungen oft automatisch auf. Das geschieht meist unbewusst: Der Körper reagiert schneller als der Verstand.

Während andere diese Signale filtern oder übergehen können, verarbeitet das Nervensystem energiesensibler Menschen sie tiefer und länger – und braucht dementsprechend auch mehr Regenerationszeit.

Hinweis: Wenn du wissen möchtest, wie du dich vor Fremdenergien schützen kannst, dann wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Energiesensibilität gesund leben – Als HSP vor Fremdenergien schützen“.

 

Warum HSP besonders stark auf Energien reagieren

Hochsensibilität beschreibt ein Nervensystem, das Reize intensiver verarbeitet, und ist eine Form der Neurodivergenz. HSP reagieren verstärkt auf Reize wie Lärm, Licht und Hektik, haben aber auch ein ausgezeichnetes Gespür für soziale Informationen.

Die hohe Energiesensibilität von HSP zeigt sich dadurch, dass sie:

  • sehr empathisch sind und sich gut in ihr Gegenüber hineinversetzen können
  • Mikroveränderungen in Tonfall und Körpersprache wahrnehmen und sich schnell darauf einstellen können
  • emotionale Zusammenhänge schnell erfassen
  • wenig innere Distanz zu anderen empfinden und mit ihrem Gegenüber mitschwingen

 

Ich habe bisher keinen einzigen Hochsensiblen getroffen, der nicht energiesensibel ist. Daher glaube ich, dass Energiesensibilität eines der Symptome von Hochsensibilität ist. Aber natürlich gibt es Unterschiede, was die Intensität der wahrgenommenen Energien betrifft.

Hinweis: Energiesensibilität kann auch mit Trauma zusammenhängen. Wenn eine bestimmte Energie dich besonders triggert, weist das oft auf eine seelische Wunde hin, die noch nicht bearbeitet worden ist. In meinem kostenfreien PDF „Trauma und Hochsensibilität“ findest du Infos zu diesem Thema.

4 Gründe, wie Trauma und Energiesensibilität zusammenhängen

 

Energiesensibel im Alltag: typische Anzeichen

Energiesensibilität zeigt sich oft subtil.

Typische Erfahrungen energiesensibler Menschen sind:

  • Erschöpfung nach Gesprächen oder Treffen
  • innere Unruhe bei Menschenansammlungen (z. B. beim Einkaufen mit Hochsensibilität)
  • starke Reaktionen auf Gruppendynamiken
  • das Gefühl, fremde Emotionen „mitzunehmen“
  • Schwierigkeiten, zwischen eigenen und fremden Gefühlen zu unterscheiden
  • Bedürfnis nach Rückzug ohne klaren äußeren Anlass, oft verknüpft mit Reizschuld

Viele energiesensible HSP zweifeln an sich, weil ihre Belastung schwer erklärbar ist. Sie funktionieren im Alltag, fühlen sich innerlich aber schnell leer oder überfordert. Gerade in unserer Leistungsgesellschaft ist kaum Platz für ausreichende Regeneration.

 

Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Menschen einen sehr stressigen Alltag haben und dementsprechend keine Zeit für gesunde emotionale Regulation. Hochsensible haben dadurch ein höheres Risiko, auszubrennen, da sie instinktiv versuchen, das immense Stressniveau ihres Gegenübers zu harmonisieren.

Vielen energiesensiblen HSP bleibt deshalb gar nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen und ihr soziales Umfeld so aufzubauen, dass sie von emotional gesunden und entspannten Menschen umgeben sind. Denn dauerhaft angespannte oder toxische Menschen sind wahre Energieräuber für Hochsensible.

Hinweis: In meinem kostenfreien PDF „Reizarme Alltagsgestaltung für Menschen mit Hochsensibilität“ erfährst du, wie du Entspannung in deinen Alltag bringst.

 

Vor- und Nachteile von Energiesensibilität

Energiesensibilität ist weder per se gut noch schlecht. Die innere Einstellung, die Fähigkeit zur Abgrenzung sowie die Bereitschaft zur Anpassung der Lebensumstände entscheiden darüber, ob du diese Gabe als Chance oder eher als Bürde wahrnimmst.

 

Vorteile von Energiesensibilität

Wenn Energiesensibilität und Hochsensibilität im Beruf eingesetzt werden, können sie die Arbeit bereichern und Entwicklungen fördern – vor allem im zwischenmenschlichen Bereich.

Außerdem hat diese Gabe folgende Vorteile:

  • Durch die Wahrnehmung zwischenmenschlicher Schwingungen verfügen HSP über eine ausgezeichnete Menschenkenntnis, die ihnen hilft, Situationen richtig einzuschätzen.
  • Das ausgeprägte Einfühlungsvermögen Hochsensibler – verbunden mit der Fähigkeit, Grenzen zu setzen – macht sie zu einer Bereicherung in sozialen und therapeutischen Berufen (z. B. Erzieher, Psychotherapeut).
  • Die Verbindungen zu Mitmenschen erreichen einen hohen Grad an Tiefe und gewinnen langfristig an Stabilität. In hochsensiblen Partnerschaften wird die Verbundenheit durch Energiesensibilität als besonders intensiv und berührend erlebt.
  • Die Wahrnehmung aller möglichen Zwischentöne stärkt das Reflexionsvermögen und die Fähigkeit zum holistischen Denken.

 

Nachteile von Energiesensibilität

Unter ungünstigen Lebensbedingungen kann Energiesensibilität auch zu einer Bürde werden. Je geringer die Bereitschaft zu eigenverantwortlichem Handeln ist, desto schneller wird Energiesensibilität als Belastung erlebt.

Typische Nachteile dieser Gabe sind:

  • schnelle emotionale Erschöpfung und ein höheres Risiko für Stress und Burnout
  • Selbstzweifel, besonders wenn andere Menschen die eigene Wahrnehmung negieren
  • soziale Isolation und starker Rückzug aufgrund fehlender Abgrenzungsstrategien
  • Verurteilung durch die Gesellschaft, da Energiesensibilität schnell mit Überempfindlichkeit, Schwäche und mangelnder Leistungsbereitschaft assoziiert wird

Hinweis: Schwierigkeiten bei der Abgrenzung können ihre Ursache in kindlicher Bedürftigkeit haben. In meinem kostenfreien PDF „Bedürftigkeit stillen und Grenzen stabilisieren“ erfährst du, wie du dich noch besser um dein emotionales Befinden kümmerst und deine Abgrenzungsfähigkeit stärkst.

 

4 Tipps, wie sich energiesensible HSP vor Schwingungen schützen

Schutz bedeutet nicht, Gefühle abzuschalten. Für energiesensible Menschen geht es darum, bei sich zu bleiben, während sie wahrnehmen – also ein gesundes Verständnis für die eigenen Grenzen aufzubauen. Statt die Opferrolle einzunehmen, kannst du lernen, gesund mit deiner feinen Wahrnehmung umzugehen.

 

Energiesensibel wahrnehmen, ohne fremde Emotionen zu übernehmen

Ein entscheidender Schritt ist die innere Unterscheidung: „Ich nehme diese Stimmung wahr, aber sie gehört nicht zu mir.“

Allein dieses bewusste Einordnen kann verhindern, dass fremde Emotionen ungefiltert ins eigene System gelangen.

Denn bekanntlich wirken Eindrücke bei Hochsensiblen tief, sobald sie einmal aufgenommen werden. Dadurch „färben“ fremde Emotionen und Schwingungen die eigene Innenwelt und erschweren den Kontakt zu den Empfindungen, die wirklich zu einem selbst gehören.

Es ist hilfreich, die Verbindung zu sich selbst immer wieder zu stabilisieren und zu vertiefen, denn so steigt die Wahrscheinlichkeit, auch in schwierigen emotionalen Situationen bei sich bleiben zu können.

So schützt Verbundenheit mit sich selbst vor Fremdenergien und schützt die Energiesensibilität von Hochsensiblen

 

Energiesensibel im eigenen Körper bleiben

Energiesensible Menschen verlieren sich schnell im Außen. Reize, Eindrücke und Stimmungen lenken von der eigenen Innenwelt ab und können den Zugang zur Intuition erschweren. Der Körper hilft, wieder Boden zu finden und sich auf sich selbst zurückzubesinnen:

  • Langsames, bewusstes Bauchatmen verlagert die Aufmerksamkeit in den Körper, statt in den Kopf.
  • Bewegung (Gehen, Dehnen) hilft, die Körperwahrnehmung zu stärken.
  • Kurze Pausen ohne Gespräch oder Input sind wichtig, um sich immer wieder von Fremdenergien zu lösen und eine gesunde Distanz zu ihnen aufzubauen.

Je stärker die Körperwahrnehmung, desto stabiler bleibt das eigene emotionale Gleichgewicht.

Hinweis: In meinem kostenfreien PDF „Körperarbeit für Hochsensible: Signale des Körpers verstehen“ lernst du, deine Körperwahrnehmung zu stärken.

 

Energiesensible Grenzen im Alltag setzen

Energiesensibel zu sein bedeutet nicht, für alles verantwortlich zu sein.

Ja, HSP sind sehr einfühlsam. Dennoch ist es nicht unsere Aufgabe, andere Menschen zu harmonisieren oder sie emotional aufzufangen.

Wenn du gerade mit anderen Personen zusammen bist, mach dir bewusst:

  • Nicht jede Stimmung muss ausgeglichen werden.
  • Nicht jeder Mensch braucht Unterstützung.
  • Nicht jedes Problem ist deine Aufgabe.

Innere Grenzen entstehen nicht durch Härte, sondern durch Klarheit. Je besser du Grenzen setzen kannst, desto feiner wird dein Gespür für deine Energiereserven. So lernst du langfristig, deine Energie einzuteilen, und stärkst dein inneres Gleichgewicht.

Vor allem beim Dating mit Hochsensibilität sind diese inneren Grenzen unverzichtbar, um nicht bereits nach kurzer Zeit unter der Menge unterschiedlichster Energien zusammenzubrechen.

 

Regulationsmechanismen lernen und anwenden

Viele energiesensible HSP brauchen nach Begegnungen bewusste Regulation – das ist keine Schwäche, sondern ein ganz natürliches Bedürfnis eines neurodivergenten Nervensystems.

Auch wenn dir manche einreden wollen, dass du jetzt eigentlich noch lange nicht erschöpft sein dürftest, solltest du dir eine Pause nehmen, wenn du eine brauchst.

Denn keiner kennt dich so gut wie du dich selbst.

Wann immer du das Bedürfnis nach Folgendem hast:

  • Stille
  • Alleinsein
  • Schreiben oder Reflektieren
  • ruhige Musik
  • einem Spaziergang in der Natur
  • einem kleinen Nickerchen

…dann erfülle dir dieses Bedürfnis. Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben und dafür verantwortlich, dass es dir gut geht.

 

Tipp: In meinem kostenfreien PDF „Selbstfürsorge für Hochsensible – 7 Routinen für den Alltag“ findest du weitere interessante Ideen, wie du in der Balance bleibst.

 

Erfahrungsbericht: So gehe ich als Hochsensible mit Energiesensibilität um

Zugegeben: Ich habe zwar schon als Kind bemerkt, dass ich offensichtlich mehr wahrnehme als die meisten anderen, aber erst im Erwachsenenalter habe ich begonnen, meiner Wahrnehmung zu vertrauen.

Umstände, unter denen die eigene Energiesensibilität zur Belastung wird - vor allem für Hochsensible

 

Als Kind schenkte mir nur selten jemand Glauben, wenn ich auf latente Spannungen und schwelende Konflikte aufmerksam machte. Das führte zu großen Selbstzweifeln und raubte mir zeitweise das Vertrauen in meine Intuition.

Glücklicherweise bin ich jetzt erwachsen und habe die letzten 10 Jahre genutzt, um meine Energiesensibilität zu erforschen, zu regulieren und gesund einzusetzen.

 

Ich habe:

  • gelernt, „Nein“ zu sagen, wenn ich das Gefühl habe, mich abgrenzen zu müssen – ohne Schuldgefühle zu haben
  • mir ein naturnahes Leben aufgebaut, das mir viel Zeit abseits der Zivilisation erlaubt
  • mich wieder mit mir selbst verbunden und das Vertrauen in mein Bauchgefühl zurückgewonnen
  • gelernt, den Kontakt zu anstrengenden Menschen zu minimieren und mich gut zu schützen, wenn ich in ihrer Nähe bin
  • mir ein soziales Netz aus HSP aufgebaut, die ähnlich wahrnehmen wie ich
  • gelernt, dass es in Ordnung ist, anders zu sein und für mich einzustehen, auch wenn ich nicht den gesellschaftlichen Erwartungen entspreche
  • mir viele Skills angeeignet, um meine Energie sinnvoll einzuteilen und schnell zu regenerieren

Für mich war das Wichtigste, zu erkennen, dass ich mein Leben entsprechend meiner Bedürfnisse anpassen muss.

 

Kein Mensch auf der Welt kann das für mich übernehmen. Aus Liebe zu mir selbst habe ich Lebensumstände geschaffen, in denen ich mich wohlfühle – und das macht es mir leichter, meine Energiesensibilität gesund zu leben.

Hinweis: Wenn du mehr zum Thema Energiesensibilität bei HSP wissen möchtest, dann schau bei highlysensitive.org vorbei.

 

 

Häufige Fragen zu Energiesensibilität (FAQ)

 

Woran erkenne ich, ob ich energiesensibel bin?

Energiesensibilität zeigt sich oft nicht laut oder offensichtlich, sondern eher im inneren Erleben. Ein häufiges Anzeichen ist schnelle Erschöpfung nach sozialen Kontakten, selbst wenn diese eigentlich angenehm waren. Gespräche, Treffen oder Gruppensituationen können mehr Energie kosten als erwartet.

Typisch ist außerdem ein starkes Bedürfnis nach Rückzug und Ruhe, um sich nach Begegnungen oder emotional dichten Situationen zu regenerieren. Alleinsein, Stille oder bewusste Pausen sind notwendig, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

 

Ist Energiesensibilität angeboren?

Energiesensibilität hat meist eine angeborene Grundlage, kann aber durch Erfahrungen, Erziehung und Umfeld verstärkt oder abgeschwächt werden. Besonders empathische Menschen entwickeln diese Wahrnehmung oft sehr früh. Manchmal ist Energiesensibilität auch eine Traumafolge, die in der frühen Kindheit für das eigene Überleben notwendig war.

 

Muss man Energiesensibilität therapieren?

Nein. Energiesensibilität ist keine Krankheit. Unterstützung in Form von Beratung und Therapie kann sinnvoll sein, wenn Überforderung oder Stress sehr stark sind und noch keine Bewältigungsmechanismen vorhanden sind. Das Ziel von unterstützenden Maßnahmen ist, gesünder mit der eigenen Energiesensibilität umzugehen – nicht das „Abschalten“ oder Unterdrücken der eigenen Sensibilität.

 

Nicole Trojahn

Nicole Trojahn

Freiberufliche Autorin, Texterin und Beraterin für Hochsensible


Energiesensibilität ist eine herausragende Fähigkeit, das Leben tiefer und bunter, aber auch herausfordernder macht.

In meiner Beratung unterstütze ich HSP dabei, ihre Energie zu schützen, sich vor Fremdenergien zu schützen und innerhalb sozialer Beziehungen bei sich zu bleiben.

Wenn du wissen möchtest, wie du deine Energiesensibilität gesund leben kannst, dann melde dich gern bei mir.

 

Grenzen setzen lernen: 3 Tipps für Menschen mit Hochsensibilität

Grenzen setzen lernen: 3 Tipps für Menschen mit Hochsensibilität

Hochsensiblen Menschen fällt es besonders schwer, Grenzen zu setzen und für sich einzustehen. Geht es dir auch so, dass du die Bedürfnisse anderer oft über deine eigenen stellst? Ist nicht schlimm! Ich gebe dir heute 3 Tipps mit auf den Weg, die dir dabei helfen können, dich besser abzugrenzen.

 

Du nimmst mit:

  • weshalb es dir schwerfallen könnte, Grenzen zu setzen
  • warum mangelhafte Abgrenzung oft mit einem zu hohen Verantwortungsgefühl gegenüber anderen zu tun hat
  • wie sich deine Beziehungen verbessern, wenn du deine Grenzen abstecken kannst

Übrigens: Ein tolles Kinderbuch zum Thema Grenzen setzen heißt „Lena zeigt klare Kante“ und ist auch als Hörbuch erhältlich.

 

Warum kann ich keine Grenzen setzen? Hochsensibilität & Abgrenzung

Zugegeben: Ich musste in den letzten Jahren mühsam lernen, mich von anderen Menschen abzugrenzen.

Denn früher habe ich gelernt, dass ich für andere Verantwortung tragen muss und es meine Aufgabe ist, mein soziales Umfeld zufriedenzustellen. Wenn ich den Erwartungen nicht entsprochen hatte, fühlte ich mich schnell schuldig.

Hochsensibilität und die Schwierigkeit, Grenzen zu setzen

 

Menschen mit Hochsensibilität sind von Natur aus mit viel Empathie und Verantwortungsbewusstsein ausgestattet. Durch ihr Gespür für Schwingungen nehmen sie wahr, wie es den Menschen in ihrer Nähe wirklich geht und versuchen, ihnen zu helfen. Sie neigen dazu, sich aufzuopfern und ihre eigenen Bedürfnisse zu übergehen, um leidenden Bezugspersonen eine Stütze zu sein und Harmonie herzustellen. Das führt oft dazu, dass sie die Verbindung zu sich selbst verlieren.

Vor allem Kinder, deren Bezugspersonen es nicht gut geht (z. B. durch eine Krankheit) haben so kaum Chancen, ihre eigenen Grenzen kennenzulernen bzw. ihre Bedürfnisse durchzusetzen. Im Erwachsenenalter fällt es dann oft schwer, für sich selbst einzustehen und „Nein“ zu sagen.

Grenzen setzen ist essenziell – in einer Gesellschaft, die auf Oberflächlichkeit setzt und oft übergriffig ist. Vor allem im zwischenmenschlichen Dialog (z. B. beim Dating mit Hochsensibilität) ist gesunde Abgrenzung notwendig, um langfristig gesund zu bleiben.

 

Warum du Schwierigkeiten mit Grenzen setzen haben könntest

  • Vielleicht wurdest du gerügt oder bestraft, wenn deine Grenzen früher übergangen worden sind und du dadurch emotional überfordert warst (z. B. einen Wutanfall bekommen hast).
  • Du hast gespürt, dass dein Umfeld mit deiner Hochsensibilität überfordert war und du hast dich aus Rücksicht auf sie zurücknehmen müssen.
  • Deine Bedürfnisse wurden möglicherweise belächelt oder als persönliche Schwäche gewertet.
  • Um dich zugehörig zu fühlen, hast du deine eigenen Grenzen vielleicht bewusst ignoriert, um dich anzupassen und von anderen gemocht zu werden.
  • Du hast ein Trauma erlitten (z. B. einen Unfall), wodurch deine Fähigkeit, klare Grenzen zu setzen, verlorengegangen ist.
  • Dir wurde beigebracht, dass du nur dann wertvoll bist, wenn du viel Leistung bringst und anderen gefällst.

Kommt dir einiges davon bekannt vor?

 

Wie du siehst, ist deine ausbaufähige Abgrenzungsfähigkeit keine persönliche Schwäche, sondern ein Zeichen dafür, wie empathisch und verletzlich du bist/warst! Und dass du wahrscheinlich in Umständen gelebt hast, die nicht besonders zuträglich waren.

Umso mehr hast du es verdient, jetzt für dich einstehen zu können!

Übrigens: Besonders, wenn in frühester Kindheit Trauma entstanden ist, brauchst du als Erwachsener sichere Grenzen, um Trauma aufarbeiten zu können! In meinem kostenfreien PDF „Der Mensch als Schichtmodell – Warum Entwicklung in Spiralen erfolgt“ erfährst du, wie sich Trauma in verschiedenen Persönlichkeitsschichten bemerkbar macht und wie du Trauma heilen kannst.

 

 

 

Tipp Nr. 1: Verantwortung zurückgeben

Das Schwierigste und zugleich Heilsamste für alle (Hochsensible), denen Abgrenzung schwerfällt, ist: Du bist NICHT VERANTWORTLICH für andere Menschen!

Obwohl du spürst, wenn es einem Menschen in deinem Umfeld schlecht geht, bist du nicht dafür verantwortlich, dass es ihm besser geht.

Das klingt vielleicht hart.

Denn deine sensiblen Antennen und dein Harmoniebedürfnis sind automatisch darauf gepolt, deinen Liebsten zu helfen. Trotzdem ist das nicht deine Aufgabe, schon gar nicht, wenn du dafür deine eigenen Grenzen übergehen musst!

 

Harmoniesucht bei Hochsensiblen - 3 Gründe

Der einzige Mensch, für den du Verantwortung übernehmen solltest, bist du selbst.

Und das heißt auch, die Verantwortung für andere an diese zurückzugeben. Glaub mir, ich weiß, wie schwer das ist. Die alten Programme werden dir zunächst ein schlechtes Gewissen machen. Aber im Grunde ist es ein riesiges Geschenk, das du dir selbst machst, wenn du dich nicht mehr für andere verantwortlich fühlst.

Wann immer dein Kopf dir ein schlechtes Gewissen macht, wenn du dich von bedürftigen Erwachsenen abgrenzen willst, dann wisse:

  • Du bist wertvoll und sicher, ohne andere zu retten und für sie die Verantwortung zu übernehmen.
  • Du bist wertvoll und sicher, ohne etwas leisten zu müssen.
  • Du bist wertvoll und sicher, auch wenn deine Mitmenschen dich für deine Grenzen verurteilen.

Sobald du die Verantwortung für andere von dir abgeschüttelt hast, kannst du deine Eigenverantwortung viel besser tragen.

Eigene Grenzen zu setzen, wird so überhaupt erst möglich. Und erst so kannst du herausfinden, ob/wie viel Verantwortung du für einen anderen Menschen in einer bestimmten Situation tragen möchtest.

 

Abgrenzung – Tipp Nr. 2: Selbstbewusstsein & Selbstvertrauen stärken

Gesunde Grenzen setzen kannst du besser, wenn du unabhängiger von anderen Menschen bist (vor allem emotional).

Hochsensible Menschen haben durch ihren 7. Sinn oft ein außergewöhnlich hohes Bedürfnis nach Harmonie im sozialen Umfeld. Im Hintergrund schwingt da oft die Angst, allein zu sein und damit nicht zurechtzukommen.

Darum ist eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein nötig, um die eigenen Grenzen zu verteidigen. Sobald du Eigenverantwortung tragen und innere Geborgenheit spüren kannst, ohne, dass sie dir ein anderer Mensch geben muss, bist du emotional unabhängiger.

Das gibt dir einen ordentlichen Push. Du weißt um deine innere Stärke, bist nicht mehr so sehr auf andere angewiesen und kannst dich dadurch besser abgrenzen.

 

So kannst du dein Selbstbewusstsein und dein Selbstvertrauen stärken:

  • Nimm dir Zeit für dich und finde heraus, wie du deine Bedürftigkeit stillen und dir Geborgenheit geben kannst.
  • Kümmere dich um das, was in dir verletzt und verängstigt ist. Suche dir bei Bedarf professionelle Hilfe.
  • Stelle dich vor den Spiegel und sage dir, dass du wertvoll und liebenswert bist. Mit der Zeit klappt das immer besser!
  • Finde heraus, wo deine eigenen Grenzen liegen, indem du deine Komfortzone Stück für Stück verlässt – in deinem Tempo.
  • Sorge für kleine, regelmäßige Erfolgserlebnisse in deinem Alltag (z. B. Sportroutine).

Mache dir auch bewusst, wer DU bist – wo du anfängst und wo du aufhörst!

Was zeichnet dich außer deiner Hochsensibilität aus? Was kannst du, wie kein anderer? Was hast du alles schon erreicht, obwohl du Schwierigkeiten meistern musstest? Gibt es etwas in dir, was sich ein bisschen fremd anfühlt und nicht zu dir zu gehören scheint?

Dieser Prozess der Selbsterkenntnis hilft dir dabei, gesunde Grenzen in Beziehungen setzen zu können und für dich einzustehen.

3 Strategien, um als hochsensibler Mensch sich besser kennenzulernen

Grenzen setzen lernen – Tipp Nr. 3: Konfliktfähigkeit stärken 

Im besten Fall konntest du dich innerlich davon befreien, für andere Verantwortung zu tragen, und hast darüber hinaus schon viel Selbstbewusstsein gewonnen.

Um dich noch besser von anderen Menschen abzugrenzen und deine Hochsensibilität zu schützen, solltest du deine Konfliktfähigkeit stärken.

Erst, wenn du streitbar bist und dich verteidigen kannst, wenn sich jemand mit dir anlegt (z. B. dich abwertet oder in die Enge treiben will), ist es dir möglich, deine Grenzen konsequent abzustecken.

Je vertrauter dir ein Mensch ist, desto schwerer fällt es dir vielleicht, Konflikte auszutragen. Und dennoch solltest du dir zuliebe lernen, vor allem Eltern und Freunden gegenüber Grenzen zu setzen, um dein Wohlbefinden nicht zu gefährden. Ständige Harmonie ist eine Erwartung, die nicht zur Natur des Menschen passt.

 

Langanhaltende, latent schwelende Konflikte rauben dir nämlich mehr Kraft, als ein kurzer Plauz mit ein bisschen Streit. Ich persönlich finde: Je konfliktfähiger ein Mensch ist, desto größer sind seine innere Stabilität und emotionale Unabhängigkeit.

Und ein Konflikt ist nichts Schlechtes! In meinen Augen werden Beziehungen erst dann richtig echt und schön, wenn jeder seine eigenen Grenzen kommunizieren kann und Konflikte ausgetragen werden.

Keiner sagt, dass man beleidigend übereinander herziehen muss. Vielmehr geht es darum, den eigenen Standpunkt zu vertreten und klare Grenzen zu setzen. Deine Beziehungen (egal, welcher Art) werden davon profitieren, wenn du authentisch sein kannst und mitteilst, wenn dir etwas gegen den Strich geht.

Übe dich also ruhig darin, streitbarer zu werden, indem du mehr und mehr ansprichst, wenn dich etwas stört. Beginne mit kleinen Dingen, bis du so sicher bist, auch große Stressoren gezielt ansprechen zu können.

Warum es wichtig ist, streitbar und konfliktfähig zu sein

 

Fazit: Klare Grenzen setzen trotz/mit Hochsensibilität

Auch wenn es dir noch schwerfällt, dich von anderen Menschen abzugrenzen: Mit der Zeit wirst du immer besser darin, deine Bedürfnisse zu äußern und für dich einzustehen!

Lerne zuerst, dass du in erster Linie Verantwortung für dich selbst tragen musst und finde heraus, wie du dein Selbstvertrauen und dein Selbstbewusstsein stärken kannst. Sobald du weißt, wo deine Grenzen liegen, wird es dir leichter fallen, diese gegenüber anderen zu verteidigen.

 

Irgendwann wirst du es auch schaffen, deinen eigenen Eltern Grenzen zu setzen und in deinen anderen Beziehungen auf deine Grenzen zu achten. Baue deine Konfliktfähigkeit immer weiter aus, damit du dich auch in schwierigen Situationen verteidigen kannst.

Gib nicht auf und lass dir viel Zeit bei diesem Prozess!

 

Denke immer daran: Du bist ein wertvoller Mensch und hast es verdient, dass deine Grenzen respektiert werden! Falls du in dieser Hinsicht ein wenig Unterstützung brauchst, nimm gern Kontakt zu mir auf.

 

Nicole Trojahn

Nicole Trojahn

Freiberufliche Autorin, Texterin und Beraterin für Hochsensible


Die Abgrenzungsfähigkeit hochsensibler Menschen leidet unter sozialem Druck, hohen Erwartungen und gelernter Anpassung.

In meiner Beratung begegne ich HSP, die ihre Grenzen stabilisieren und ihre Hochsensibilität noch gesünder leben möchten.

Gern helfe ich dir, gesunde Grenzen zu setzen und deine Energie zu schützen!