Hochsensibilität oder ADHS – Gemeinsamkeiten & Unterschiede

Hochsensibilität oder ADHS – Gemeinsamkeiten & Unterschiede

Viele Menschen fragen sich, ob ihre schnelle Reizüberflutung, ihre intensive Gefühlswelt oder ihre Schwierigkeiten im Alltag auf Hochsensibilität und ADHS zurückzuführen sind.

Tatsächlich gibt es einige Überschneidungen. Sowohl hochsensible Menschen als auch Menschen mit ADHS erleben ihre Umwelt oft intensiver als andere. Beide können unter Reizüberflutung leiden, sich nach Ruhe sehnen oder sich von ihrem Umfeld missverstanden fühlen. Dennoch handelt es sich um zwei unterschiedliche Konzepte.

In diesem Artikel erfährst du, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es zwischen Hochsensibilität und ADHS gibt und woran du erkennst, welche Erklärung besser zu deinen Erfahrungen passt.

Hochsensibilität vs ADHS, Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Nicole Trojahn

 

Was bedeutet Hochsensibilität?

Ein hochsensibles Nervensystem verarbeitet Informationen häufig gründlicher als durchschnittlich. Das betrifft nicht nur Sinneseindrücke wie Geräusche, Licht oder Gerüche, sondern auch emotionale und soziale Reize.

Viele hochsensible Menschen berichten beispielsweise davon:

  • Stimmungen anderer Menschen schnell wahrzunehmen und energiesensibel zu sein
  • intensive Gefühle zu erleben
  • lange über Gespräche oder Konflikte nachzudenken
  • Schönheit, Musik oder Natur besonders tief zu empfinden
  • nach anstrengenden Tagen mehr Erholung zu benötigen

Diese Eigenschaften sind keine Krankheit. Sie können sogar eine große Stärke sein.

Viele Hochsensible verfügen über ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen, Kreativität und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erkennen.

Gleichzeitig bringt diese intensive Wahrnehmung Herausforderungen mit sich. Wer ständig viele Reize verarbeitet, benötigt oft bewusst eingeplante Ruhephasen, um ein potenziell dysreguliertes Nervensystem zu entlasten. Ohne ausreichende Erholung kann es zu Überforderung, Erschöpfung oder innerem Stress kommen.

Ein wichtiger Punkt ist dabei: Hochsensibilität bedeutet nicht automatisch, dass jemand schüchtern, introvertiert oder ängstlich ist. Ebenso gibt es extrovertierte Hochsensible, die soziale Kontakte genießen und dennoch regelmäßig Rückzug brauchen.

 

Was ist ADHS?

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Sie gehört zu den neuroentwicklungsbedingten Störungen und beginnt bereits in der Kindheit, auch wenn sie häufig erst im Erwachsenenalter erkannt wird.

Viele Menschen verbinden ADHS ausschließlich mit unruhigen Kindern.

Tatsächlich zeigt sich ADHS bei Erwachsenen jedoch oft ganz anders.

Typische Merkmale sind:

  • Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit über längere Zeit zu steuern
  • Vergesslichkeit
  • Probleme bei Planung und Organisation
  • impulsives Verhalten
  • innere Unruhe
  • schnelles Abschweifen der Gedanken

 

Interessanterweise können Menschen mit ADHS gleichzeitig Phasen intensiver Konzentration erleben – den sogenannten Hyperfokus. Dabei tauchen sie vollständig in ein Thema ein und verlieren das Zeitgefühl. Dieses Phänomen unterscheidet ADHS deutlich von der Vorstellung, Betroffene könnten sich grundsätzlich nicht konzentrieren.

Auch emotionale Reaktionen spielen bei ADHS häufig eine große Rolle. Viele Betroffene erleben Gefühle besonders intensiv und reagieren sensibel auf Kritik oder Ablehnung. Es gibt durchaus Schnittmengen mit den Hochsensibilität-Symptomen, obwohl die Ursachen unterschiedlich sind.

 

ADHS ist heute gut erforscht.

Die Diagnose erfolgt durch speziell qualifizierte Fachkräfte anhand standardisierter Kriterien. Dabei werden unter anderem die Entwicklungsgeschichte, aktuelle Beschwerden und mögliche andere Ursachen berücksichtigt.

Nicht jede Unkonzentriertheit bedeutet automatisch ADHS. Stress, Schlafmangel, Angststörungen, Depressionen oder dauerhafte Überforderung können ähnliche Symptome hervorrufen. Deshalb ist eine sorgfältige diagnostische Abklärung wichtig, wenn der Verdacht auf ADHS besteht.

Tipp: Ob Hochsensibilität oder ADHS – Nervensystemregulation ist das Zauberwort. In meinem kostenfreien PDF „Nervensystem regulieren“ findest du viele Ideen, wie du im Alltag immer wieder in deine Balance zurückfindest.

 

Gemeinsamkeiten von Hochsensibilität und ADHS – Warum die Verwechslung so häufig vorkommt

Wer nach „Hochsensibilität und ADHS“ sucht, hat oft schon viele Selbsttests gemacht, Bücher gelesen oder Beiträge in sozialen Medien gesehen. Nicht selten bleibt am Ende mehr Verwirrung als Klarheit. Das liegt daran, dass sich Hochsensibilität und ADHS in einigen Bereichen tatsächlich ähneln. Die Ursachen dieser Gemeinsamkeiten sind jedoch nicht zwangsläufig dieselben.

Gerade deshalb ist es wichtig, die Überschneidungen zu kennen, bevor man sich mit den Unterschieden beschäftigt.

 

Reizüberflutung: Ein häufiges Merkmal bei Hochsensibilität und ADHS

Eines der bekanntesten Merkmale, das sowohl bei Hochsensibilität als auch bei ADHS bei Erwachsenen vorkommen kann, ist die Reizüberflutung.

Einkaufen im vollen Supermarkt, ein Großraumbüro, mehrere Gespräche gleichzeitig oder ein hektischer Tagesablauf können dazu führen, dass das Gehirn mit der Verarbeitung der vielen Eindrücke an seine Grenzen kommt.

Typische Anzeichen einer Reizüberflutung sind:

  • das Gefühl, „abschalten“ zu wollen
  • Konzentrationsprobleme
  • Gereiztheit und neurotisches Verhalten
  • schnelle Erschöpfung
  • Kopfschmerzen
  • das Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug

Bei hochsensiblen Menschen entsteht die Überforderung häufig dadurch, dass Sinneseindrücke besonders intensiv verarbeitet werden. Menschen mit ADHS erleben Reizüberflutung dagegen oft, weil das Gehirn Schwierigkeiten hat, wichtige von unwichtigen Informationen zu unterscheiden und die Aufmerksamkeit gezielt zu steuern.

Das Ergebnis kann sich im Alltag ähnlich anfühlen – die zugrunde liegenden Mechanismen unterscheiden sich jedoch.

 

Intensive Gefühle und emotionale Sensibilität

Viele Menschen fragen sich: Kann ADHS hochsensibel machen?

Die Antwort lautet: Emotionale Intensität kommt sowohl bei Hochsensibilität als auch bei ADHS häufig vor, allerdings aus unterschiedlichen Gründen.

Hochsensible Menschen nehmen Gefühle oft besonders bewusst wahr. Sie reagieren stark auf zwischenmenschliche Schwingungen, freuen sich intensiv über schöne Erlebnisse und beschäftigen sich häufig lange mit emotionalen Ereignissen.

Auch Erwachsene mit ADHS berichten oft von starken Gefühlen.

Freude, Wut, Frustration oder Begeisterung können sehr intensiv erlebt werden und wechseln manchmal schneller als bei anderen Menschen. Einige Betroffene erleben außerdem eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Kritik oder Zurückweisung.

Wer sich selbst als zu sensibel erlebt, kann sich deshalb sowohl in Beschreibungen der Hochsensibilität als auch in Berichten über ADHS wiederfinden.

 

Konzentrationsprobleme – aber nicht aus denselben Gründen

Ein weiteres häufig gesuchtes Thema lautet: Kann man als hochsensibler Mensch Konzentrationsprobleme haben?

Ja. Allerdings bedeutet das nicht automatisch, dass eine ADHS-Diagnose vorliegt.

Ein hochsensibler Mensch kann Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren, wenn:

  • die Umgebung zu laut ist
  • zu viele Reize gleichzeitig auftreten
  • emotional belastende Ereignisse verarbeitet werden
  • Stress oder Überforderung bestehen

Die Konzentration verbessert sich häufig deutlich, sobald die Reizbelastung sinkt.

Bei ADHS bestehen Aufmerksamkeitsprobleme dagegen meist unabhängig von der Umgebung. Laut einer Studie von  Tucha et al. (2015) haben Betroffene Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit über längere Zeit aufrechtzuerhalten.

Dieser Unterschied gehört später zu den wichtigsten Kriterien bei der Abgrenzung von Hochsensibilität und ADHS.

Hinweis: Auch Traumata können Konzentrationsprobleme verursachen. Wenn du mehr dazu wissen möchtest, wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Trauma und Hochsensibilität – Entwicklung und Heilung von Traumata“.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Trauma, Hochsensibilität und ADHS; Nicole Trojahn

Schnelle Erschöpfung

Sowohl hochsensible Menschen als auch Menschen mit ADHS berichten häufig davon, nach einem langen Arbeitstag vollkommen erschöpft zu sein.

Gründe können sein:

  • permanente Reizverarbeitung (z. B. durch ständige Erreichbarkeit)
  • viele soziale Kontakte
  • ständiges Multitasking
  • hohe emotionale Belastung
  • dauerhafte Selbstkontrolle

Während Hochsensible häufig Erholung brauchen, weil sie viele Eindrücke intensiv verarbeitet haben, entsteht die Erschöpfung bei ADHS oft zusätzlich durch den hohen Energieaufwand, Aufmerksamkeit, Organisation und Impulse im Alltag zu regulieren.

Deshalb kann sich der Feierabend für beide Gruppen ähnlich anfühlen – obwohl die Ursachen unterschiedlich sind.

 

Kreativität und neue Ideen

Sowohl Hochsensibilität als auch ADHS bei Erwachsenen werden häufig mit Kreativität in Verbindung gebracht.

Viele Betroffene berichten davon:

  • ungewöhnliche Lösungswege zu finden
  • Muster schnell zu erkennen
  • kreativ zu denken
  • intensive Fantasie zu besitzen
  • sich für viele Themen zu begeistern

Viele Menschen erleben ihre intensive Wahrnehmung als Quelle neuer Ideen.

 

Schwierigkeiten im Berufsalltag

Viele Betroffene fragen sich, wie sie ADHS und Hochsensibilität im Beruf integrieren können.

Im Arbeitsleben können sich ähnliche Herausforderungen zeigen:

  • Lärm im Büro führt zu Überforderung.
  • Viele Unterbrechungen erschweren konzentriertes Arbeiten.
  • Meetings kosten viel Energie.
  • Zeitdruck erhöht den Stress.
  • Konflikte mit Kollegen wirken lange nach.

Deshalb suchen viele Betroffene nach Berufen für Hochsensible, nach Informationen über ADHS im Job oder nach Möglichkeiten, ihren Arbeitsplatz reizärmer zu gestalten.

 

Zwischenmenschliche Beziehungen

Auch in Beziehungen gibt es Überschneidungen.

Menschen mit Hochsensibilität und ADHS berichten häufig über:

  • Missverständnisse
  • Konflikte durch unterschiedliche Kommunikationsstile
  • das Gefühl, unverstanden zu sein
  • Rückzug nach intensiven sozialen Situationen
  • hohe Empathie

Während Hochsensible häufig sehr fein auf Stimmungen reagieren und Harmonie schätzen, können Menschen mit ADHS zusätzlich Schwierigkeiten mit Impulsivität oder Vergesslichkeit erleben. Dadurch entstehen manchmal Konflikte, obwohl beide Seiten einander wichtig sind.

Ich persönlich habe eine gute Freundin mit ADHS. Manchmal geraten wir aneinander, weil wir völlig unterschiedliche Vorstellungen von Organisation, Gefühlsregulation und Struktur haben. Obwohl unsere Naturelle ganz unterschiedlich sind, schaffen wir es trotzdem, immer zusammenzufinden. Gegenseitiger Respekt und Verständnis sind dabei ganz wichtig.

 

Warum Selbsttests allein nicht ausreichen

Wer im Internet nach Bin ich hochsensibel oder habe ich ADHS?, Hochsensibilität Test oder ADHS Test Erwachsene sucht, stößt auf zahlreiche Fragebögen.

Solche Selbsttests können erste Anhaltspunkte liefern, ersetzen aber keine fundierte Einordnung. Viele Fragen überschneiden sich, weil sie allgemeine Erfahrungen wie Reizüberflutung, emotionale Intensität oder Konzentrationsprobleme abfragen.

Zudem können auch andere Faktoren – etwa chronischer Stress, Angststörungen, Depressionen oder Schlafmangel – ähnliche Beschwerden verursachen.

Wenn die Symptome den Alltag deutlich beeinträchtigen oder schon seit der Kindheit bestehen, ist eine diagnostische Abklärung durch qualifizierte Fachkräfte sinnvoll.

Scheue dich also nicht, um Unterstützung zu bitten!

 

Hochsensibilität oder ADHS? Die wichtigsten Unterschiede im Überblick

Obwohl sich Hochsensibilität und ADHS in einigen Bereichen ähneln, gibt es entscheidende Unterschiede. Wer diese kennt, kann die eigenen Erfahrungen besser einordnen – ohne vorschnelle Schlüsse zu ziehen.

Wichtig ist dabei: Kein einzelnes Merkmal reicht aus, um zwischen Hochsensibilität oder ADHS zu unterscheiden. Es geht immer um das Gesamtbild, die Entwicklung seit der Kindheit und die Frage, wie stark die Symptome den Alltag beeinflussen.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Hochsensibilität und ADHS; Nicole Trojahn

Diese Übersicht zeigt bereits: Die eigentliche Herausforderung liegt weniger in der Sensibilität, sondern in den Ursachen der jeweiligen Erfahrungen.

 

Unterschied 1: Die Aufmerksamkeit funktioniert anders

Der wohl wichtigste Unterschied zwischen Hochsensibilität und ADHS betrifft die Aufmerksamkeit.

Ein hochsensibler Mensch kann sich oft hervorragend konzentrieren – vorausgesetzt, die Umgebung ist ruhig und frei von störenden Reizen. Viele berichten sogar von einer außergewöhnlich tiefen Konzentration, wenn sie ungestört arbeiten können.

Wer hingegen ADHS bei Erwachsenen hat, erlebt häufig Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit bewusst zu steuern.

Das kann sich so zeigen:

  • Aufgaben werden begonnen, aber nicht beendet.
  • Gedanken springen ständig zwischen verschiedenen Themen.
  • Termine werden vergessen.
  • Man lässt sich leicht ablenken.
  • Prioritäten zu setzen fällt schwer.

Interessanterweise bedeutet ADHS nicht, dass Konzentration grundsätzlich unmöglich ist.

Viele Betroffene erleben den sogenannten Hyperfokus. Dabei beschäftigen sie sich stundenlang intensiv mit einem Thema und blenden ihre Umgebung vollständig aus.

Gerade dieser Wechsel zwischen extremer Konzentration und starker Ablenkbarkeit ist typisch für ADHS.

Bei Hochsensibilität steht dagegen meist nicht die Aufmerksamkeitssteuerung im Vordergrund, sondern die Belastung durch äußere oder innere Reize. Menschen mit ADHS und Hochsensibilität profitieren von einem reizarmen Alltag.

 

Unterschied 2: Wann treten die Schwierigkeiten auf?

Ein weiterer wichtiger Unterschied betrifft die Situation, in der Beschwerden auftreten.

Bei Hochsensibilität

Die Belastung steigt häufig:

  • wenn viele Menschen gleichzeitig sprechen
  • bei grellem Licht
  • nach langen sozialen Kontakten
  • unter Zeitdruck
  • in emotional belastenden Situationen (z. B. mit toxischen Menschen)

Reduzieren sich diese Reize, fühlen sich viele Hochsensible schnell wieder ausgeglichener.

Bei ADHS

Die Schwierigkeiten bestehen oft auch dann, wenn die Umgebung ruhig ist.

Beispiele:

  • Der Schreibtisch ist still – trotzdem schweifen die Gedanken ab.
  • Eine wichtige Aufgabe liegt vor einem – dennoch fällt es schwer, anzufangen.
  • Trotz guter Vorsätze wird Organisieren immer wieder zur Herausforderung.

Deshalb fragen viele Menschen: Warum kann ich mich nicht konzentrieren, obwohl es ruhig ist?

Diese Frage spricht eher für Schwierigkeiten der Aufmerksamkeitsregulation als für eine reine Reizüberflutung.

Hinweis: Du kannst viel dafür tun, dass die Arbeitsbedingungen so angenehm wie möglich sind. In meinem kostenfreien PDF „Reizarme Alltagsgestaltung für Menschen mit Hochsensibilität“ findest du nützliche Infos dazu.

 

Unterschied 3: Organisation und Alltag

Viele hochsensible Menschen gelten als gewissenhaft und sorgfältig. Sie planen häufig vorausschauend, denken über mögliche Probleme nach und möchten Fehler vermeiden.

Menschen mit ADHS erleben dagegen oft Schwierigkeiten bei den sogenannten exekutiven Funktionen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Zeitmanagement
  • Planung
  • Prioritäten setzen
  • Arbeitsgedächtnis
  • Selbstorganisation
  • Aufgaben abschließen

Das bedeutet nicht, dass Menschen mit ADHS unmotiviert oder unstrukturiert sind. Vielmehr fällt es ihrem Gehirn schwerer, diese Prozesse zuverlässig zu steuern.

Gerade Erwachsene mit ADHS entwickeln deshalb oft kreative Strategien, um ihren Alltag zu bewältigen – etwa digitale Erinnerungen, feste Routinen oder visuelle Planungshilfen.

Warum ADHS-Betroffene Probleme beim Organisieren haben, Nicole Trojahn

Unterschied 4: Der Umgang mit Reizen

Sowohl Hochsensible als auch Menschen mit ADHS berichten über Reizüberflutung. Der Weg dorthin unterscheidet sich jedoch.

Hochsensibilität

Das Nervensystem verarbeitet Sinneseindrücke besonders intensiv.

Beispiele:

  • laute Musik
  • intensive Gerüche
  • kratzende Kleidung
  • Menschenmengen
  • starke Emotionen anderer Menschen

Die Folge ist häufig das Bedürfnis nach Ruhe, Rückzug und Regeneration. Viele HSP leiden unter Reizschuld, wenn sie diesem Bedürfnis nachkommen.

 

ADHS

Menschen mit ADHS nehmen ebenfalls viele Reize wahr. Der Unterschied besteht darin, dass das Gehirn oft Schwierigkeiten hat, diese Reize nach ihrer Wichtigkeit zu filtern. Dadurch konkurrieren zahlreiche Eindrücke gleichzeitig um Aufmerksamkeit.

Ein klingelndes Handy, ein Gespräch im Hintergrund, eine E-Mail und die eigentliche Aufgabe werden nahezu gleich stark wahrgenommen.

Diese fehlende Priorisierung führt häufig zu Überforderung. Zwar haben auch HSP keinen Reizfilter, dennoch schaffen sie es aber etwas besser, Aufgaben nach ihrer Wichtigkeit zu sortieren.

 

Unterschied 5: Die Entwicklung beginnt unterschiedlich

Eine wichtige Frage in der Diagnostik lautet: Seit wann bestehen die Symptome?

Bei ADHS zeigen sich typische Merkmale bereits in der Kindheit – auch wenn sie damals möglicherweise nicht erkannt wurden.

Viele Erwachsene erinnern sich später an Situationen wie:

  • häufiges Tagträumen
  • Schwierigkeiten im Unterricht
  • Vergesslichkeit
  • impulsives Verhalten
  • Probleme mit Hausaufgaben
  • chaotische Organisation

Hochsensibilität wird dagegen häufig als stabiles Temperamentsmerkmal beschrieben.

Viele Hochsensible erinnern sich ebenfalls daran, schon als hochsensibles Kind besonders empfindlich auf Lärm, Konflikte oder intensive Gefühle reagiert zu haben. Im Unterschied zu ADHS stehen dabei jedoch meist nicht anhaltende Probleme mit Aufmerksamkeit oder Selbstorganisation im Vordergrund.

 

Kann man hochsensibel sein, ohne ADHS zu haben?

Ja – und das ist sogar der häufigere Fall.

Nicht jeder hochsensible Mensch hat Schwierigkeiten mit Konzentration, Organisation oder Impulsivität. Viele erleben ihre Sensibilität vor allem als intensive Wahrnehmung, starke Empathie und das Bedürfnis nach regelmäßigen Erholungsphasen.

Umgekehrt gilt ebenfalls: Nicht jeder Mensch mit ADHS ist hochsensibel.

Zwar berichten viele Betroffene von einer ausgeprägten Empfindlichkeit gegenüber Reizen oder Emotionen, doch diese Erfahrungen lassen sich nicht automatisch mit Hochsensibilität gleichsetzen.

 

Können Hochsensibilität und ADHS gleichzeitig auftreten?

Eine der häufigsten Fragen lautet: Kann man gleichzeitig hochsensibel sein und ADHS haben?

Die kurze Antwort lautet: Ja, das ist möglich.

Menschen sind komplex. Persönlichkeitsmerkmale, Temperament und medizinische Diagnosen schließen sich nicht gegenseitig aus. Ein Mensch kann sowohl eine ADHS-Diagnose haben als auch eine besonders intensive Wahrnehmung und Verarbeitung von Reizen erleben.

Gleichzeitig ist Vorsicht geboten: Nicht jede Person mit ADHS ist automatisch hochsensibel, und nicht jede hochsensible Person hat ADHS. Gerade in sozialen Medien werden diese Begriffe manchmal vermischt oder gleichgesetzt – das führt aber eher zu Schwierigkeiten.

 

Warum sich Hochsensibilität und ADHS überschneiden können

Hochsensibilität beschreibt eine erhöhte Sensibilität für innere und äußere Reize. ADHS betrifft vor allem die Regulation von Aufmerksamkeit, Impulsen und exekutiven Funktionen.

Treffen beide zusammen, kann sich das beispielsweise so äußern:

  • Du nimmst Geräusche, Gerüche oder Stimmungen sehr intensiv wahr.
  • Gleichzeitig fällt es dir schwer, unwichtige Reize auszublenden.
  • Du bist schnell emotional berührt und reagierst impulsiver, als du möchtest.
  • Nach einem Arbeitstag fühlst du dich nicht nur erschöpft, sondern auch geistig „überladen“.
  • Du brauchst viel Zeit für Erholung, hast aber Schwierigkeiten, wirklich zur Ruhe zu kommen.

Für Betroffene kann diese Kombination besonders belastend sein. Deshalb ist es wichtig, genau hinzuschauen und nicht vorschnell alles einer einzigen Ursache zuzuschreiben.

Hinweis: Auch Traumata können solche Symptome hervorrufen. Deshalb fragen sich viele Menschen, ob sie hochsensibel oder traumatisiert sind. Wenn du mehr zu diesem Thema wissen möchtest, wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Der Mensch als Schichtmodell – Warum Entwicklung in Spiralen erfolgt“.

 

Warum eine Selbstdiagnose oft in die Irre führt

Wer sich mit Hochsensibilität und ADHS beschäftigt, möchte verständlicherweise Orientierung finden. Doch genau hier liegt eine Herausforderung.

Viele Beschreibungen im Internet sind sehr allgemein formuliert.

Beispiele:

  • „Ich bin leicht ablenkbar.“
  • „Ich bin oft überfordert.“
  • „Ich denke sehr viel nach.“
  • „Ich bin emotional.“
  • „Ich brauche Ruhe.“

Diese Aussagen treffen auf viele Menschen zu – besonders in stressigen Lebensphasen.

Chronischer Stress, Angststörungen, Depressionen, Schlafmangel oder ein Burnout können ähnliche Beschwerden verursachen. Deshalb reicht es nicht aus, einzelne Symptome abzuhaken. Eine fundierte Einordnung berücksichtigt immer den gesamten Lebensverlauf.

Wichtig: Während deiner Nachforschungen solltest du auch immer austesten, was dir gerade guttut. Denn egal, unter welchen Symptomen du leidest – Selbstfürsorge ist immer wichtig. Wirf dazu gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Selbstfürsorge für Hochsensible – 7 Routinen für den Alltag“.

 

ADHS oder Hochsensibilität? Diese Fragen helfen bei der Orientierung

Auch wenn sie keine Diagnose ersetzen, können folgende Reflexionsfragen hilfreich sein. Beantworte diese Fragen (am besten mehrmals in regelmäßigen Abständen), um ein Gefühl für deine Symptomatik zu bekommen.

 

Wie zeigt sich deine Konzentration?

Kannst du dich in einer ruhigen Umgebung über längere Zeit gut auf eine Aufgabe konzentrieren?

Oder schweifen deine Gedanken selbst dann immer wieder ab?

 

Seit wann kennst du diese Schwierigkeiten?

Gab es bereits in der Grundschule Hinweise wie:

  • häufiges Vergessen
  • Tagträumen
  • große Probleme mit Hausaufgaben
  • impulsives Verhalten
  • ständiges Dazwischenreden
  • chaotische Organisation

Oder traten die Beschwerden erst später auf – etwa durch beruflichen Stress oder eine belastende Lebensphase?

 

Was belastet dich am meisten?

Frage dich ehrlich:

Sind es vor allem

  • Lärm
  • Menschenmengen
  • starke Emotionen
  • Konflikte
  • viele Sinneseindrücke

Oder stehen eher diese Schwierigkeiten im Vordergrund?

  • Aufgaben beginnen
  • Termine vergessen
  • Zeitmanagement
  • Organisation
  • Prioritäten setzen
  • Impulskontrolle

Je nachdem, welche Bereiche dominieren, ergeben sich unterschiedliche Hinweise.

Hinweis: Es geht bei diesen Fragen niemals darum, deinen Wert als Mensch infrage zu stellen oder dich bloßzustellen! Sie dienen nur dazu, dich bei einem bedürfnisgerechten Leben zu unterstützen.

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Hochsensibilität ist keine Krankheit

Ein wichtiger Punkt wird in Diskussionen häufig übersehen: Hochsensibilität ist keine psychische Erkrankung und keine medizinische Diagnose.

Viele hochsensible Menschen erleben ihre intensive Wahrnehmung nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Bereicherung.

Typische Stärken sind beispielsweise:

  • ausgeprägte Empathie
  • Kreativität
  • Beobachtungsgabe
  • tiefes Nachdenken
  • Gewissenhaftigkeit
  • Sinn für Details
  • hohe emotionale Intelligenz

Probleme entstehen häufig erst dann, wenn dauerhaft zu viele Reize verarbeitet werden oder keine ausreichenden Erholungsphasen möglich sind.

 

ADHS ist mehr als Ablenkbarkeit

Ebenso wichtig ist es, ADHS nicht auf Konzentrationsprobleme zu reduzieren. ADHS kann viele Lebensbereiche beeinflussen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Motivation
  • Selbstorganisation
  • Arbeitsgedächtnis
  • Zeitgefühl
  • Emotionsregulation
  • Impulskontrolle

Viele Erwachsene entwickeln im Laufe ihres Lebens wertvolle Strategien, um diese Schwierigkeiten zu kompensieren.

Deshalb bleibt ADHS häufig lange unentdeckt – insbesondere bei Frauen, deren Symptome oft weniger durch offensichtliche Hyperaktivität auffallen.

Wichtig: Keine von beiden Symptomatiken ist besser oder schlechter! ADHS und Hochsensibilität verlangen einfach nur einen bedürfnisgerechten Lebensstil, viel Verständnis und eine gute Verbundenheit mit sich selbst.

 

Wann ist eine Diagnostik sinnvoll?

Wenn du dich in vielen Beschreibungen von ADHS wiedererkennst und deine Schwierigkeiten deinen Alltag deutlich beeinträchtigen, kann eine diagnostische Abklärung sinnvoll sein.

Das gilt insbesondere, wenn

  • die Probleme bereits seit der Kindheit bestehen
  • Beruf oder Ausbildung darunter leiden
  • Beziehungen zu Partnern und Freunden immer wieder belastet werden
  • Organisation und Zeitmanagement dauerhaft schwerfallen
  • du trotz großer Anstrengung immer wieder mit denselben Herausforderungen kämpfst

Eine Diagnose dient nicht dazu, Menschen in Schubladen zu stecken. Sie kann vielmehr helfen, die eigenen Erfahrungen besser zu verstehen und passende Unterstützung zu finden.

 

Was bedeutet das für hochsensible Menschen?

Viele Menschen sind erleichtert, wenn sie erkennen, dass ihre intensive Wahrnehmung Teil ihrer Persönlichkeit ist und nicht bedeutet, dass mit ihnen etwas „nicht stimmt“.

Ebenso erleben manche Menschen Erleichterung, wenn sie nach Jahren der Selbstzweifel erfahren, dass hinter ihren Schwierigkeiten tatsächlich ADHS steckt – und sie sich dafür nicht schämen müssen.

Beides kann ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstverständnis sein.

 

Entscheidend ist jedoch, offen für verschiedene Erklärungen zu bleiben und sich nicht ausschließlich mit einem Begriff zu identifizieren.

Denn jeder Mensch ist mehr als eine Diagnose oder ein Persönlichkeitsmerkmal.

 

Diagnose, Selbsttest und häufige Irrtümer – Wie lassen sich Hochsensibilität und ADHS einordnen?

Wer sich intensiv mit Hochsensibilität und ADHS beschäftigt, stößt früher oder später auf Selbsttests, Checklisten und Erfahrungsberichte. Diese können zwar erste Anhaltspunkte liefern, ersetzen jedoch keine fundierte Einordnung.

Gerade weil sich Hochsensibilität und ADHS in einigen Merkmalen überschneiden, entstehen viele Missverständnisse.

 

Kann ein Selbsttest zeigen, ob ich hochsensibel oder ADHS habe?

Im Internet gibt es zahlreiche Angebote wie:

  • Hochsensibilität Test
  • Hochsensibilität Test Erwachsene
  • ADHS Test Erwachsene
  • Bin ich hochsensibel?
  • Habe ich ADHS?

Solche Tests können dazu anregen, über die eigene Wahrnehmung und das eigene Verhalten nachzudenken. Sie können jedoch keine Diagnose stellen.

Der Grund dafür ist einfach: Viele Fragen beziehen sich auf allgemeine Erfahrungen, die auch bei anderen Themen auftreten können. Ein Selbsttest kann daher ein Ausgangspunkt sein – mehr jedoch nicht.

Hinweis: Die Ergebnisse solcher Selbsttests sind aber gut geeignet, um sie zu einem therapeutischen Erstgespräch bzw. einer Beratung mitzunehmen.

3 Schlüsse, die du aus einem kostenlosen Selbsttest zu Hochsensibilität und ADHS ziehen kannst, Nicole Trojahn

Wie wird ADHS bei Erwachsenen diagnostiziert?

Wenn der Verdacht auf ADHS bei Erwachsenen besteht, erfolgt die Diagnostik durch entsprechend qualifizierte Fachkräfte.

Dabei geht es nicht nur um die Frage, welche Symptome heute bestehen. Entscheidend ist das Gesamtbild.

Typischerweise werden unter anderem folgende Aspekte betrachtet:

  • Wie verlief die Kindheit?
  • Gab es bereits in der Schule Auffälligkeiten?
  • Welche Schwierigkeiten bestehen heute?
  • In welchen Lebensbereichen treten sie auf?
  • Gibt es andere mögliche Erklärungen für die Beschwerden?
  • Wie schätzt das nahe Umfeld die betroffene Person ein?

Außerdem wird geprüft, ob die Symptome über längere Zeit bestehen und den Alltag deutlich beeinträchtigen.

 

Gibt es eine Diagnose für Hochsensibilität?

Im Gegensatz zu ADHS gibt es keine medizinische Diagnose Hochsensibilität.

Hochsensibilität wird in der Regel als Persönlichkeitsmerkmal oder Temperament verstanden. Das bedeutet:

  • Sie gilt nicht als psychische Erkrankung.
  • Sie ist keine neuroentwicklungsbedingte Störung, ist aber Teil der Neurodiversität.
  • Es gibt keine offiziellen Diagnosekriterien wie bei ADHS.

Viele Menschen empfinden diese Einordnung als hilfreich, weil sie ihre intensive Wahrnehmung besser verstehen können. Gleichzeitig ist es wichtig, Hochsensibilität nicht als Erklärung für jede Schwierigkeit im Alltag zu verwenden.

 

Häufige Irrtümer über Hochsensibilität und ADHS

Im Internet kursieren viele Aussagen, die zwar eingängig klingen, aber zu pauschal sind. Hier sind einige der häufigsten Missverständnisse.

Irrtum 1: Wer hochsensibel ist, hat wahrscheinlich ADHS

Nein. Viele hochsensible Menschen haben keine Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Organisation oder Impulskontrolle. Sie nehmen Reize lediglich intensiver wahr und benötigen häufiger Erholungsphasen.

Irrtum 2: Menschen mit ADHS sind immer hyperaktiv

Auch das stimmt nicht. Gerade bei Erwachsenen zeigt sich ADHS häufig weniger durch sichtbare Unruhe als durch innere Rastlosigkeit, Vergesslichkeit oder Probleme mit der Selbstorganisation.

Deshalb bleibt ADHS oft viele Jahre unerkannt.

Irrtum 3: Hochsensibilität ist eine Modeerscheinung

Der Begriff wird heute zwar häufig verwendet, doch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit individueller Sensitivität reicht mehrere Jahrzehnte zurück.

Gleichzeitig gibt es innerhalb der Forschung unterschiedliche Auffassungen darüber, wie Hochsensibilität definiert und gemessen werden sollte. Das ist ein wichtiger Unterschied zu ADHS, für das etablierte diagnostische Kriterien existieren. Ein seriöser Umgang mit dem Thema berücksichtigt diese Unterschiede und vermeidet vereinfachende Aussagen.

Irrtum 4: Jeder, der schnell überfordert ist, ist hochsensibel

Nicht unbedingt. Stress, Schlafmangel, eine hohe Arbeitsbelastung oder psychische Erkrankungen können ebenfalls dazu führen, dass Menschen empfindlicher auf Reize reagieren.

Deshalb lohnt sich immer die Frage: War das schon immer so oder erst seit einer bestimmten Lebensphase?

Irrtum 5: Hochsensible Menschen können sich nicht konzentrieren

Viele hochsensible Menschen können sich sogar ausgesprochen gut konzentrieren – insbesondere dann, wenn sie ungestört arbeiten können. Schwierigkeiten entstehen häufig erst dann, wenn viele Reize gleichzeitig verarbeitet werden müssen oder emotionale Belastungen viel Aufmerksamkeit binden.

 

Wann solltest du professionelle Unterstützung suchen?

Unabhängig davon, ob es um Hochsensibilität oder ADHS geht, kann Unterstützung sinnvoll sein, wenn deine Beschwerden deinen Alltag und deine Beziehungen deutlich beeinträchtigen.

Das gilt beispielsweise, wenn

  • du ständig erschöpft bist
  • dich Reize dauerhaft überfordern
  • Konzentrationsprobleme deine Arbeit beeinträchtigen
  • Beziehungen unter deinen Schwierigkeiten leiden
  • du dich seit langer Zeit selbst nicht verstehst
  • du immer Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung hast

Ein erster Schritt kann ein Gespräch mit einer psychotherapeutischen oder ärztlichen Fachperson sein. Wenn der Verdacht auf ADHS besteht, sollte die Abklärung durch entsprechend qualifizierte Fachkräfte erfolgen.

Auch wenn keine ADHS-Diagnose gestellt wird, kann eine professionelle Beratung helfen, Belastungen besser einzuordnen und passende Strategien für den Alltag zu entwickeln.

 

Was bedeutet das für deinen Alltag?

Viele Menschen wünschen sich nach ihrer Recherche vor allem eine klare Antwort auf die Frage: Bin ich hochsensibel oder habe ich ADHS?

In der Praxis führt jedoch oft eine andere Frage weiter: Welche Herausforderungen erlebe ich konkret – und welche Unterstützung hilft mir dabei?

Ob deine Reizüberflutung eher mit Hochsensibilität zusammenhängt, ob eine ADHS-Diagnostik sinnvoll wäre oder ob andere Faktoren eine Rolle spielen: Entscheidend ist, dass du deine Erfahrungen ernst nimmst und dir die Unterstützung suchst, die zu deiner Situation passt.

3 Ideen, wie du dein Umfeld über deine Neurodivergenz informieren kannst, Nicole Trojahn

 

Denn das Ziel sollte nicht sein, möglichst schnell ein Etikett zu finden. Viel hilfreicher ist es, die eigenen Bedürfnisse zu verstehen und Wege zu entwickeln, den Alltag langfristig gesünder und entspannter zu gestalten.

 

Hochsensibilität und ADHS im Alltag – Drei Beispiele aus dem echten Leben

Manchmal sind Definitionen schwer greifbar. An konkreten Alltagssituationen wird oft deutlicher, worin sich Hochsensibilität und ADHS unterscheiden und wo sie sich überschneiden können.

Die folgenden Beispiele sind fiktiv. Sie sollen typische Muster veranschaulichen und keine Diagnose ersetzen.

 

Beispiel 1: Anna ist hochsensibel

Anna arbeitet als Grafikdesignerin und liebt ihren Beruf. Wenn sie ungestört arbeiten kann, versinkt sie oft stundenlang in kreativen Projekten.

Nach einem Tag im Großraumbüro fühlt sie sich jedoch erschöpft. Das Telefon klingelt, Kollegen unterhalten sich, ständig laufen Menschen an ihrem Arbeitsplatz vorbei. Zuhause angekommen braucht sie zunächst Ruhe, bevor sie wieder Gespräche führen oder Entscheidungen treffen möchte.

Im Alltag fällt Anna außerdem auf:

  • Sie nimmt Spannungen zwischen Menschen schnell wahr.
  • Sie ist koffeinempfindlich und achtet auf gesunde Ernährung.
  • Sie fühlt sich von lauter Musik oder grellem Licht schneller gestört als andere.
  • Filme oder Bücher berühren sie oft tief.
  • Sie arbeitet sehr gewissenhaft, hat ein hohes Verantwortungsbewusstsein und denkt lange über Entscheidungen nach.

 

Trotz ihrer Sensibilität organisiert sie ihren Alltag gut. Termine vergisst sie selten und wichtige Aufgaben erledigt sie zuverlässig.

Was spricht hier eher für Hochsensibilität?

✔ Konzentration funktioniert gut, wenn die Umgebung ruhig ist.

✔ Die Schwierigkeiten entstehen hauptsächlich durch viele Reize.

✔ Organisation und Zeitmanagement fallen nicht grundsätzlich schwer.

 

Beispiel 2: Max hat ADHS

Max arbeitet als Projektmanager. Fast jeden Morgen nimmt er sich vor, den Tag gut zu strukturieren.

Doch schon nach kurzer Zeit beantwortet er E-Mails, beginnt mehrere Aufgaben gleichzeitig, wird von einer Nachricht unterbrochen und vergisst schließlich, weshalb er den Computer ursprünglich eingeschaltet hatte.

Obwohl sein Büro ruhig ist, schweifen seine Gedanken ständig ab. Wenn ihn ein Thema begeistert, arbeitet er dagegen mehrere Stunden hoch konzentriert und bemerkt kaum, wie die Zeit vergeht.

 

Typisch für seinen Alltag sind außerdem:

  • Termine werden vergessen.
  • Unterlagen verschwinden.
  • Rechnungen bleiben liegen.
  • Zeit wird häufig falsch eingeschätzt.
  • Impulsive Entscheidungen sorgen später für Stress.

Lärm stört ihn zwar ebenfalls, doch seine größten Schwierigkeiten bestehen auch dann, wenn die Umgebung ruhig ist.

Was spricht hier eher für ADHS?

✔ Probleme mit Aufmerksamkeit und Selbstorganisation.

✔ Schwierigkeiten bestehen unabhängig von der Reizumgebung.

✔ Typischer Wechsel zwischen Ablenkbarkeit und Hyperfokus.

 

Beispiel 3: Laura erlebt Hochsensibilität und ADHS gleichzeitig

Laura erhielt ihre ADHS-Diagnose erst mit Anfang 40. Schon als Kind war sie sehr geräuschempfindlich und zog sich nach Familienfeiern häufig zurück.

Heute erlebt sie beides.

Sie fühlt sich von vielen Sinneseindrücken schnell erschöpft und reagiert stark auf Konflikte. Gleichzeitig vergisst sie regelmäßig Termine, verliert den Überblick über Aufgaben und kämpft mit ihrer Selbstorganisation.

Besonders belastend ist für sie, dass sich beide Bereiche gegenseitig verstärken. Wenn sie gestresst ist, fällt ihr die Organisation noch schwerer. Wenn viele Aufgaben gleichzeitig anstehen, reagiert sie noch empfindlicher auf Lärm und soziale Reize.

 

Was zeigt dieses Beispiel?

Menschen können sowohl hochsensibel sein als auch ADHS haben. Die beiden Aspekte schließen sich nicht gegenseitig aus.

 

Hochsensibilität oder ADHS? Diese Fragen helfen bei der Einordnung

Falls du dich fragst, „Bin ich hochsensibel oder habe ich ADHS?“, können dir diese Fragen eine erste Orientierung geben.

Fühlst du dich hauptsächlich durch Reize belastet?

Dann könnten Fragen hilfreich sein wie:

  • Bin ich nach sozialen Kontakten mit meinen Freunden erschöpft?
  • Reagiere ich empfindlich auf Geräusche, Licht oder Gerüche?
  • Brauche ich regelmäßig Rückzug?
  • Erhole ich mich deutlich, wenn es ruhig wird?

Diese Erfahrungen passen häufig zu Hochsensibilität.

 

Oder fällt dir vor allem Selbstorganisation schwer?

Frage dich beispielsweise:

  • Vergesse ich häufig Termine?
  • Fällt es mir schwer, Aufgaben zu beginnen?
  • Springe ich ständig zwischen verschiedenen Tätigkeiten?
  • Verschätze ich mich regelmäßig bei der Zeit?
  • Habe ich diese Schwierigkeiten schon seit meiner Kindheit?

Diese Fragen sprechen eher Themen an, die bei ADHS häufig eine Rolle spielen.

 

Was Hochsensible und ADHS-Betroffene verbindet

Trotz aller Unterschiede berichten viele Menschen mit Hochsensibilität und ADHS über ähnliche Wünsche.

Sie möchten

  • weniger erschöpft sein
  • sich selbst besser verstehen
  • ihre Grenzen früher erkennen und Grenzen setzen können
  • entspannter arbeiten
  • Beziehungen bewusster gestalten
  • sich nicht ständig „zu viel“ oder „nicht genug“ fühlen

Hier zeigt sich, dass es oft gar nicht darum geht, sich möglichst eindeutig einer Kategorie zuzuordnen. Viel wichtiger ist die Frage: Welche Bedingungen helfen meinem Nervensystem, gut zu funktionieren?

 

Praktische Strategien – unabhängig von der Ursache

Ob deine Erfahrungen eher mit Hochsensibilität, ADHS oder einer Kombination aus beidem zusammenhängen: Einige Maßnahmen empfinden viele Betroffene als hilfreich.

 

Reizquellen bewusst reduzieren

Nicht jede Reizüberflutung lässt sich vermeiden. Oft helfen jedoch kleine Veränderungen:

  • Noise-Cancelling-Kopfhörer in lauten Umgebungen
  • regelmäßige Bildschirmpausen
  • Benachrichtigungen auf Smartphone und Computer reduzieren
  • feste Ruhezeiten im Alltag einplanen

 

Energie statt Zeit planen

Viele Menschen planen ihren Tag nach der Uhr. Hilfreicher kann es sein, nach dem persönlichen Energielevel zu planen.

Lege anspruchsvolle Aufgaben in Phasen, in denen du dich konzentriert fühlst. Weniger anspruchsvolle Tätigkeiten können Zeiten vorbehalten sein, in denen deine Energie sinkt.

Tipp: Energiearbeit kann dich dabei unterstützen, dich besser vor Reizen zu schützen und dein Energielevel konstant zu halten.

 

Erholung aktiv gestalten

Erholung bedeutet nicht für jeden dasselbe. Während manche Menschen Kraft aus Spaziergängen in der Natur schöpfen, entspannen andere beim Lesen, Musizieren oder in einem ruhigen Gespräch.

Entscheidend ist, regelmäßig Räume zu schaffen, in denen dein Nervensystem nicht ständig neue Reize verarbeiten muss.

 

Mit Selbstmitgefühl statt Selbstkritik reagieren

Viele Menschen mit Hochsensibilität oder ADHS leiden unter Schuldgefühlen und haben über Jahre das Gefühl entwickelt, sie müssten „einfach besser funktionieren“.

Ein hilfreicher Perspektivwechsel besteht darin, nicht gegen die eigenen Besonderheiten anzukämpfen, sondern den Alltag so zu gestalten, dass er zu den eigenen Bedürfnissen passt.

5 Auswirkungen von Selbstmitgefühl auf Menschen mit Neurodivergenz, Nicole Trojahn

 

Erfahrungsbericht: Umgang mit HSP und Menschen mit ADHS

Ich würde mich selbst als hochsensibel bezeichnen und kenne viele Menschen, die hochsensibel sind und auch viele, die ADHS haben.

Mit anderen Hochsensiblen komme ich schon immer sehr gut klar. Ihre Vorsicht, ihr Perfektionismus und ihre Strukturiertheit sind mir vertraut, ebenso wie ihre Nachdenklichkeit.

Mit meinen Freunden mit ADHS war es anfangs nicht so einfach. Ich war oft wütend darüber, dass sie ständig Probleme mit der Organisation von Projekten hatten, unter der ich als Beteiligte gelitten habe. Es war mir einfach nicht in den Sinn gekommen, dass ihre Art der Organisation (die ich leider oft als „schlampig“ bewertet hatte) kein böser Wille war.

Und auch mit der Impulsivität und Sprunghaftigkeit hatte ich lange Schwierigkeiten. Ganz sicher habe ich meine Freunde im Gegenzug mit meinen hohen Ansprüchen und meinem Bedarf nach Struktur und Reizarmut genervt.

Letztlich geht es nicht darum, welche Symptome und Diagnose jemand hat, sondern um gegenseitiges Verständnis.

Niemand fühlt gleich. Jeder ist anders. Und wenn wir lernen, uns offen mitzuteilen und uns unsere Menschlichkeit zuzugestehen, sind gesunde soziale Beziehungen gar nicht so schwierig.

 

Häufige Fragen (FAQ) zu Hochsensibilität und ADHS

Ist Hochsensibilität eine Form von ADHS?

Nein. Hochsensibilität und ADHS sind zwei unterschiedliche Konzepte.

ADHS ist eine medizinisch anerkannte neuroentwicklungsbedingte Störung, die unter anderem die Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Selbstorganisation beeinflusst.

Hochsensibilität wird dagegen als Persönlichkeitsmerkmal beziehungsweise Temperamentsausprägung verstanden. Hochsensible Menschen nehmen Reize häufig intensiver wahr und verarbeiten sie tiefer. Hochsensibilität gilt jedoch nicht als Erkrankung.

Kann ADHS mit Hochsensibilität verwechselt werden?

Ja. Beide können mit Reizüberflutung, emotionaler Intensität und Erschöpfung verbunden sein. Der wichtigste Unterschied liegt jedoch in der Ursache. Bei Hochsensibilität steht die intensive Verarbeitung von Reizen im Vordergrund. Bei ADHS betrifft die Schwierigkeit vor allem die Regulation von Aufmerksamkeit und exekutiven Funktionen wie Planung, Organisation oder Impulskontrolle.

Kann man gleichzeitig hochsensibel und ADHS haben?

Ja. Ein Mensch kann sowohl hochsensibel sein als auch ADHS haben. Das eine schließt das andere nicht aus. Treffen beide zusammen, erleben Betroffene häufig sowohl eine intensive Wahrnehmung als auch Schwierigkeiten bei Aufmerksamkeit und Selbstorganisation.

Was ist der größte Unterschied zwischen Hochsensibilität und ADHS?

Der größte Unterschied betrifft die Aufmerksamkeit. Viele hochsensible Menschen können sich in einer ruhigen Umgebung sehr gut konzentrieren. Menschen mit ADHS haben dagegen häufig Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit gezielt zu steuern – selbst dann, wenn kaum äußere Ablenkung vorhanden ist.

Haben hochsensible Menschen Konzentrationsprobleme?

Das kann vorkommen. Die Ursache liegt jedoch häufig in einer hohen Reizbelastung. Nach einer Erholungsphase verbessert sich die Konzentration bei vielen Hochsensiblen deutlich. Bei ADHS bestehen Aufmerksamkeitsprobleme dagegen meist unabhängig davon, ob die Umgebung ruhig oder laut ist.

Warum fühlen sich Hochsensible so schnell erschöpft?

Das Nervensystem verarbeitet Sinneseindrücke, soziale Situationen und emotionale Informationen häufig besonders intensiv. Dadurch wird mehr Energie benötigt, um die Vielzahl an Eindrücken zu verarbeiten. Regelmäßige Erholungsphasen können helfen, das Gleichgewicht wiederherzustellen.

Warum sind Menschen mit ADHS oft reizempfindlich?

Viele Menschen mit ADHS berichten ebenfalls über eine hohe Empfindlichkeit gegenüber Reizen. Dies hängt vermutlich unter anderem damit zusammen, dass das Gehirn Schwierigkeiten hat, wichtige von unwichtigen Informationen zu filtern. Dadurch konkurrieren viele Eindrücke gleichzeitig um Aufmerksamkeit.

Können auch Erwachsene erstmals erkennen, dass sie ADHS haben?

Ja. Viele Menschen erhalten ihre Diagnose erst im Erwachsenenalter. Nicht selten wurden Schwierigkeiten in der Kindheit als Unkonzentriertheit, Verträumtheit oder mangelnde Motivation interpretiert. Gerade Frauen werden deshalb häufig erst spät diagnostiziert.

Kann Stress ähnliche Symptome wie ADHS verursachen?

Ja. Chronischer Stress kann Konzentration, Gedächtnis und Emotionsregulation deutlich beeinträchtigen. Deshalb ist eine sorgfältige diagnostische Abklärung wichtig, bevor aus einzelnen Symptomen auf ADHS geschlossen wird.

Muss ich mich überhaupt zwischen Hochsensibilität und ADHS entscheiden?

Nicht unbedingt. Manche Menschen erkennen sich überwiegend in Beschreibungen der Hochsensibilität wieder, andere erfüllen die Kriterien einer ADHS-Diagnose und wieder andere erleben beides gleichzeitig. Entscheidend ist weniger das Etikett als die Frage: Was tut mir gut und wie gehe ich mit Herausforderungen um?

 

Nicole Trojahn

Nicole Trojahn

Freiberufliche Autorin, Texterin und Beraterin für Hochsensible


Viele Menschen fragen sich, ob sie hochsensibel sind oder ADHS haben.

In meiner Beratung begleite ich Menschen dabei, ihre Symptome genauer unter die Lupe zu nehmen und ihr Leben bedürfnisgerecht zu gestalten.

Falls auch du noch mehr über dich selbst erfahren möchtest und deine Symptome einordnen möchtest, dann nimm gern Kontakt zu mir auf.

 

Die Angst, nicht gut genug zu sein: 3 Gedanken für Hochsensible

Die Angst, nicht gut genug zu sein: 3 Gedanken für Hochsensible

Wahrscheinlich ist jeder Mensch in der ein oder anderen Form von der Angst, nicht gut genug zu sein, betroffen. Bist du auch hochsensibel und kämpfst mit diesem Gefühl vielleicht mehr als andere? Dann möchte ich dir heute zeigen, wie ich damit umgehe.

 

Du nimmst mit:

  • woher diese Angst kommen könnte
  • wie du es als HSP schaffst, dich vor unangebrachter Kritik zu schützen
  • was du tun kannst, um deinen Selbstwert zu steigern

Tipp: Ein tolles Kinderhörbuch mit der Botschaft „Du bist genauso richtig, wie du bist!“ heißt „Sofias Bruder liebt das Wasser“ und handelt von Tom, einem Kind mit Angelmansyndrom.

 

Der Ursprung des Glaubenssatzes „Ich bin nicht gut genug.“

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft.

Du, ich, und alle anderen werden meistens nicht daran gemessen, wer wir sind, sondern WAS wir erreicht haben – oder eben auch nicht. Wir werden schon in der Schule permanent darauf hingewiesen, wo unsere Fehler liegen, werden bewertet und kritisiert. Unsere Rollenerwartungen fördern Leistungsdenken – vor allem hochsensible introvertierte Männer können ihre Verletzlichkeit kaum zeigen, ohne beschämt zu werden.

Auch eine Studie zum Thema Angst, nicht gut genug zu sein, belegt, dass Perfektionismus, der stark auf Angst vor Fehlern und Bewertung ausgelegt ist, mit niedrigerem Selbstwert verbunden ist.

Der Glaubenssatz „Ich bin nicht gut genug.“ ist daher wahrscheinlich so alt, wie unsere Leistungsgesellschaft.

Ich bin nicht gut genug - So kannst du mit dem Glaubenssatz umgehen

Ich bin mir sicher, dass meine und deine Vorfahren unter diesem Gedanken gelitten haben. Ständige Vergleiche mit anderen, Erwartungen und der gesellschaftlich verankerte Leistungsgedanke fußen darauf, dass wir angeblich Mängelwesen sind, die erst durch Leistung genügen.

Und so haben deine Vorfahren dir diesen Glaubenssatz (ohne böse Absicht) in die Wiege gelegt. Einfach, weil auch ihnen niemand gesagt hat, dass das Blödsinn ist. Während deines Lebens wirst du sicher immer mal wieder auf deine Fehlerhaftigkeit hingewiesen worden sein. Durch deine Hochsensibilität geht dieser Glaubenssatz bei dir vielleicht tiefer als bei anderen.

An dieser Stelle (und ich werde es noch oft wiederholen) sei gesagt: DU BIST GENUG! So, wie du jetzt bist. Egal, was du gemacht hast und egal, was noch kommen wird. DU GENÜGST!

 

Der Glaubenssatz „Ich genüge nicht.“ ist unfassbar schädlich. Er erzeugt inneren Druck und erschwert die Entscheidungsfindung erheblich. Mit dem Selbstwertgefühl geht es steil bergab.

Es ist nicht deine Schuld, dass dir jemand die Angst, nicht gut genug zu sein, eingepflanzt hat.

Aber es ist jetzt deine Verantwortung, diesen Glaubenssatz zu entlarven und aus deinem System zu entsorgen. Einfach, weil du es verdient hast, GLÜCKLICH ZU SEIN und ENTSPANNT LEBEN zu können!

 

Angst, nicht gut genug zu sein: Vor unangemessener Kritik anderer schützen

Menschen, die kein gutes Haar an dir lassen, haben oftmals Selbstwertprobleme und projizieren diese auf dich.

Wenn jemand an mir und meinem Leben herumnörgelt, mich schlecht macht und in die Enge treiben will, dann weiß ich sofort, dass er selbst von der Angst, nicht gut genug zu sein, betroffen ist.

Menschen teilen viel über sich selbst mit, wenn sie an dir herumkritisieren! In Wahrheit bist nicht DU derjenige/diejenige, der/die nicht genügt. In Wahrheit sprechen sie über ihr eigenes Gefühl, ungenügend zu sein.

 

Glaubst du mir nicht? Dann möchte ich dir gern ein Beispiel geben.

Ein Bekannter verurteilt meine Art zu leben, weil ich mich angeblich nicht selbst verwirkliche, nicht egoistisch genug bin und nach der Pfeife anderer tanze.

Nichts davon stimmt. Ich mache (meist) WONACH MIR IST und liebe es, authentisch zu sein.

Ich weiß aber, dass dieser Bekannte selbst in einem Leben feststeckt, das von Zwängen und Druck bestimmt ist. Er hat mir das selbst gesagt. Warum lebt er so ein anstrengendes Leben? Weil er glaubt, genau das aufrechterhalten zu müssen, da er sonst versagt hätte – also nicht mehr genügt.

Er projiziert sein eigenes Selbstwertproblem auf mich!

 

Wann immer jemand in mir die Angst, nicht gut genug zu sein, triggert, prüfe ich:

  • wie glücklich dieser Mensch auf mich wirkt
  • mit welchem Tonfall er mich kritisiert
  • inwieweit meine Intuition mir signalisiert, ob dieser Mensch auf mich den authentischen Eindruck macht, dass er mit sich zufrieden ist
  • ob er mich angemessen kritisiert oder ob er mich angreift
  • wie gut mich dieser Mensch wirklich kennt

Danach entscheide ich, wie ich mit seiner Kritik umgehe.

Stelle ich fest, dass die Kritik unangemessen ist, dann lasse ich das Gesagte im besten Fall an mir abprallen. Alternativ verteidige ich mich auch, ohne dabei großartig emotional zu werden.

3 Strategien, um mit unangemessener Kritik umzugehen

Selbstwert steigern: 5 Tipps, um das Gefühl „Ich genüge!“ zu pushen

Um von der Angst, nicht gut genug zu sein, nicht mehr so schnell getriggert werden zu können, hilft vor allem ein gesundes Selbstwertgefühl.

Ich möchte meine Worte gern noch einmal bekräftigen: DU BIST GENUG! Wirklich! Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn sich das Gefühl von Wertlosigkeit breit macht. Aber es gehört nicht zu dir. Es wurde dir im Laufe deines Lebens nur übergestülpt.

 

Und deshalb kannst du gegensteuern, indem du dein Selbstwertgefühl steigerst – mithilfe von 5 einfachen Tipps:

  1. Stelle dich jeden Tag 1 Minute vor den Spiegel. Schau dir in die Augen und sage: „Ich genüge. Ich liebe mich so, wie ich bin. Ich bin wertvoll. Ich bin dankbar für all meine Talente und Fähigkeiten.“ Du kannst das natürlich abwandeln, wie es sich für dich richtig anfühlt. Am Anfang fällt es dir vielleicht etwas schwer. Aber mit der Zeit wird die Angst, nicht gut genug zu sein, immer kleiner werden! Diese Übung ist übrigens super geeignet, um dich und deine Hochsensibilität im Alltag zu schützen.
  2. Nimm dir ein Blatt Papier und schreibe all das auf, was du schon geschafft hast. Egal, wie klein die Erfolge gewesen sein mochten: Schreib sie auf! Jeden Abend kannst du etwas ergänzen. Je sichtbarer du diese Liste bei dir platzierst, desto besser. Greife dir die Liste in Situationen, die dir Angst machen (z. B. wenn du als HSP zum Date gehst), um dein Selbstvertrauen zu stärken.
  3. Es gibt sie – die lieben Menschen in deinem Umfeld! Vielleicht bist du mutig genug, um einen von ihnen zu bitten, dich an deine Stärken zu erinnern, wenn es dir gerade schwerfällt. Wenn du möchtest, kannst du ihn auch fragen, ob er seine Worte auf Tonband für dich aufnimmt.
  4. Schaffe dir eine kleine Routine, die du relativ mühelos einhalten kannst (z. B. 5 Minuten Meditation pro Tag, 2-mal Sport in der Woche). Das sorgt für kleine Erfolgserlebnisse, die dir dabei helfen, dein Selbstwertgefühl zu steigern.
  5. Übe dich in einer „Ist nicht so schlimm“-Strategie für schlechte Tage. Du bist eine HSP. Sei gnädig und liebevoll mit dir, wenn es mal nicht so läuft, wie gewünscht. Du genügst auch dann, wenn du deine Ziele nicht erreichst oder dafür einfach länger brauchst.

 

Früher war ich furchtbar streng mit mir und bin immer ärgerlich geworden, wenn etwas nicht nach meinen Vorstellungen lief.

Mittlerweile kann ich mich besser auf meine Stärken und Tageserfolge konzentrieren und Grenzen setzen. Mein Selbstwert ist jetzt unabhängiger von dem, was andere von mir denken bzw. mir sagen.

Bestimmt wirst auch du nach und nach die Angst, nicht zu genügen, loslassen können.

5 Sätze, um das Selbstwertgefühl bei Hochsensibilität zu steigern

 

Fazit: Angst, nicht zu genügen abbauen & Selbstwert steigern

Ich kenne dich nicht, aber trotzdem weiß ich: Du bist ein wertvoller Mensch! Mit deiner hochsensiblen Ader, deinen Eigenheiten, Begabungen, Stärken und Besonderheiten bereicherst du diese Welt.

Deshalb wäre es wunderbar, wenn dich das Gefühl, nicht zu genügen, nicht mehr belastet und in deiner Lebensfreude einschränkt!

 

Prüfe daher gut, wer dich umgibt und wie die Menschen mit dir umgehen. Höre genau hin, wenn dich jemand ungefragt kritisiert. Oft teilen Menschen dir nur mit, wie sie über sich selbst denken. Du hast die Möglichkeit, dich gegen unangemessene Kritik zu wehren oder den Kontakt zu diesen Menschen zu reduzieren.

Im besten Fall sind dein Selbstwertgefühl und die innere Geborgenheit irgendwann so groß, dass Angriffe einfach an dir abprallen.

 

Für ein gesundes Selbstwertgefühl kannst du viel tun!

Je liebevoller du mit dir selbst umgehst und je besser du all deine kleinen Erfolge würdigen kannst, desto schneller wird sich die Angst, nicht gut genug zu sein, in Luft auflösen!

DU BIST WERTVOLL. DU BIST GENUG. Erschaffe dir dein Leben so, wie du es möchtest!

 

Nicole Trojahn

Nicole Trojahn

Freiberufliche Autorin, Texterin und Beraterin für Hochsensible


Nicht gut genug zu sein, ist ein Gefühl, das existenzbedrohlich ist. Auch ich habe viele Jahre geglaubt, mir das Recht auf ein schönes Leben hart erarbeiten zu müssen.

In meiner Beratung unterstütze ich Hochsensible, die sich von der Angst, nicht zu genügen, befreien wollen. 

Gern unterstütze ich dich dabei, deinen Selbstwert zu stärken und dich von Ängsten und Zweifeln zu befreien.

 

Zu hohes Verantwortungsbewusstsein: 3 Tipps für Hochsensible

Zu hohes Verantwortungsbewusstsein: 3 Tipps für Hochsensible

Du fühlst dich anderen gegenüber so sehr verantwortlich, dass du nach und nach ausbrennst? Vielen HSP geht es ähnlich. Ich möchte dir heute zeigen, wie Hochsensibilität und Verantwortung zusammenhängen und wie du es schaffen kannst, Verantwortung für andere abzugeben.

 

Du nimmst mit:

  • welche Gründe es haben könnte, dass du dich für andere verantwortlich fühlst
  • warum es sich lohnt, noch mehr in deine Eigenverantwortung zu kommen
  • dass du niemandem einen Gefallen tust, wenn du für Erwachsene Verantwortung übernimmst

Tipp: Was passiert, wenn ein hochsensibles Kind ein zu hohes Verantwortungsgefühl gegenüber seinem Haustier hat, kannst du dir in meinem Hörbuch „Mias Herz kann wieder lachen“ anhören.

Mias Herz kann wieder lachen, Kinderhörbuch für Hochsensible zum Thema Trauer

 

3 Gründe, warum Hochsensibilität & Verantwortungsgefühl zusammenhängen

Mir als HSP fällt es schwer, zwischenmenschliche Konflikte in meinem Umfeld auszuhalten.

Vielleicht geht es auch dir so, dass du alles dafür tun möchtest, damit es in deinen Beziehungen (Partnerschaft, Freundschaft, Familie) harmonisch zugeht. Viele hochsensible Erwachsene – und sogar hochsensible Kinder – neigen dazu, die Baustellen anderer aufzuräumen und viel zu viel soziale Verantwortung zu übernehmen.

Was lieb gemeint ist, führt aber nur dazu, dass du langfristig ausbrennst und keine Kraft mehr hast, dich um dein eigenes Leben zu kümmern.

Je mehr Verantwortung du für andere trägst, desto weniger Eigenverantwortung kannst du übernehmen.

 

Hier sind 3 Gründe, warum du dich als HSP für andere verantwortlich fühlen könntest:

  1. Du nimmst dank deiner Hochsensibilität Schwingungen deutlich wahr. Dadurch hast du schon als Kind gespürt, wenn deine Bezugspersonen Hilfe brauchten und Disharmonien das Familiengefüge in Gefahr brachten. Vielleicht musstest du für deine Eltern Verantwortung übernehmen, damit dein eigenes Überleben (Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit) gesichert war.
  2. Weil dir die innere Geborgenheit fehlt, erhoffst du dir, sie bei anderen zu finden. Du opferst dich für andere auf, um bei ihnen Anerkennung und das Gefühl von Zugehörigkeit zu erhalten. Selbst bei Menschen, die dir schon oft weh getan haben, fährst du diese Strategie – in der Hoffnung, doch noch irgendwann von ihnen das zu bekommen, was du früher gebraucht hättest.
  3. Ziemlich alte, verkrustete Rollenbilder haben Einfluss auf deine Persönlichkeit. Wenn du gelernt hast, dass z. B. eine Frau nur dann wertvoll ist, wenn sie sich für andere aufopfert, dann fällt es dir schwer, die Verantwortung für andere wieder abzugeben.

 

ABER: All das kannst du verändern, wenn du es dir bewusst machst. Die einzige Verantwortung, die du wirklich tragen musst, ist deine Eigenverantwortung.

Und je mehr Liebe und Wertschätzung du dir gegenüber empfindest, desto leichter fällt es dir, die Verantwortung für andere wieder abzugeben bzw. auf ein gesundes Maß zu reduzieren.

 

Tipp 1: Hochsensibilität schützen & Verantwortung abgeben: Sprich darüber!

Ehrlich währt am längsten – so sagt man doch.

Ich wünsche dir von Herzen, dass du von Menschen umgeben bist, die dich in deiner Einzigartigkeit lieben und schätzen. Scheue dich nicht, ihnen gegenüber offen und ehrlich mitzuteilen, wie du empfindest.

Wenn du das Gefühl hast, in hochsensiblen Freundschaften Verantwortung für andere zu übernehmen, sprich das offen an.

3 Sätze, mit denen du als Hochsensible anderen ihre Eigenverantwortung wiedergibst

Anschließend kümmerst du dich darum, deine Grenzen zu setzen und auch zu kommunizieren. Je reifer dein Gegenüber ist, desto mehr Verständnis wird es dafür haben.

Denn du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben! NIEMAND SONST.

In Jobangelegenheiten und in einem toxischen Umfeld brauchst du ein selbstbewusstes Auftreten, damit du Gehör findest. Sicher musst du mit Konfrontationen rechnen, denn viele finden es bequem, dir Verantwortung aufzudrücken.

Lass dich nicht auf Diskussionen ein und fall auch nicht darauf herein, wenn dich jemand emotional erpressen will (z. B. durch Schuldgefühle und dicke Kullertränen).

Hinweis: Hinter einem hohen Verantwortungsbewusstsein steckt oft die Angst, dass andere einem zu nahe kommen könnten. In meinem kostenfreien PDF „Angst vor Nähe – Bindungsvermeider verstehen“ findest du Infos darüber, wie Bindungsangst entsteht und wie du sichere Bindung lernen kannst.

 

Tipp 2: Als hochsensibler Mensch Verantwortung durch Akzeptanz abgeben

Manche Dinge lassen sich nicht ändern.

Egal, wie sehr du dich um dich und deine Heilung kümmerst – dein Umfeld wird es dir nicht unbedingt gleichtun. Daher solltest du die Erwartung loslassen, dass du durch deine Prozesse andere retten kannst oder sich bei ihnen etwas grundlegend verändert.

Wer z. B. ignorante, narzisstische Eltern hat, kann sich durch Erklärungen und Mitteilungen noch so sehr erhoffen, dass sie sich verändern.

 

Solche Eltern werden das nicht tun. Ihre Mechanismen und Ängste sind stark. Viel wahrscheinlicher ist es, dass sie dir mit Schulzuweisungen und Vorwürfen begegnen. Alles, was du bekommst, ist das Gefühl, hochsensibel und unverstanden zu sein.

Du tust dir einen Riesengefallen, wenn du sie in ihre Eigenverantwortung entlässt, denn du wirst mit deinem Verhalten nicht das bewirken, was du dir wünschst.

Je eher du akzeptieren kannst, dass sich einige Menschen nie ändern werden, desto besser kannst du die Verantwortung an sie zurückgeben.

 

Tipp 3: Als HSP Eigenverantwortung übernehmen & eigene Bedürftigkeit stillen

Sei mal ganz ehrlich: Auch wenn es auf den ersten Blick nicht offensichtlich ist, so verfolgst du doch auch eigene Interessen, wenn du die Verantwortung für andere übernimmst, oder nicht? Es ist ein tolles Gefühl, für seine Unterstützung Anerkennung und Bestätigung zu bekommen.

Warum hochsensible Menschen Verantwortng für andere übernehmen, anstatt Eigenverantwortung zu tragen

 

Das ist überhaupt kein Vorwurf!

Es soll dich nur ein bisschen zum Nachdenken anregen. Wir sind ja alle Menschen und handeln aus bestimmten Motiven.

 

Wer sich als hochsensibler Mensch für andere verantwortlich fühlt, hat oft ein Problem damit, die Kontrolle abzugeben, weil er sich innendrin unsicher fühlt. Mir ging das jedenfalls so.

Darum ist es wichtig, all die ungestillten Bedürfnisse des inneren Kindes zu beleuchten und sich anschließend um sie zu kümmern.

DENN:

  • Nur in dir selbst kannst du zuhause sein. Egal, wie sehr du dich für andere aufopferst: Die Anerkennung, die du dir erhoffst, ist nur von kurzer Dauer und ersetzt ein tiefes Gefühl von innerer Sicherheit nicht!
  • Du könntest als übergriffig wahrgenommen werden, wenn du aufgrund deiner Hochsensibilität die Verantwortung für andere übernimmst. Auch das kann grenzverletzendes Verhalten sein – denn du sprichst deinem Gegenüber die Eigenverantwortung ab.

Es ist gesünder für dich, wenn du deinen Fokus mehr auf dich selbst richtest und die Verantwortung für andere durch Eigenverantwortung für dich ersetzt.

All das, was du glaubst, von anderen Menschen zu brauchen, ist schon in dir. Und je mehr Zeit du dir für dich nimmst, desto eher wirst du in dir finden, was du bisher bei anderen gesucht hast. Schütze deine Hochsensibilität im Alltag und gib die Verantwortung für andere getrost an sie zurück.

 

Fazit: Hochsensibilität & Verantwortung – Komm in deine Kraft!

DU BIST JETZT ERWACHSEN.

Obwohl dein inneres Kind vielleicht noch glaubt, für irgendwen Verantwortung übernehmen zu müssen, um zu überleben: Tu dir selbst einen Gefallen und teile ihm mit, dass das nicht mehr nötig ist.

Übernimm stattdessen als hochsensibler Mensch Eigenverantwortung für dich und all das, was in dir verletzt ist.

Du bist nicht darauf angewiesen, dich aufzuopfern, um von anderen das zu bekommen, was du brauchst. Du kannst es dir selbst geben und bist so viel unabhängiger und freier.

 

Hochsensibilität und Intuition sind deine stärksten Tools, um mehr in deine Kraft zu kommen und deine eigene Bedürftigkeit zu stillen. So fällt es dir viel leichter, trotz Hochsensibilität die Verantwortung für andere abzugeben.

Möchtest du, dass mal jemand von außen auf dich und deine Lebenssituation schaut? Dann nimm gern Kontakt zu mir auf.

 

Nicole Trojahn

Nicole Trojahn

Freiberufliche Autorin, Texterin und Beraterin für Hochsensible


Ein zu hohes Verantwortungsbewusstsein fühlt sich wie eine Bürde an: schwer, überfordernd und einschränkend.

In meiner Beratung begegne ich Hochsensiblen, die sich aufopfernd um andere kümmern, und dabei vergessen, auf sich selbst zu achten.

Gern helfe ich dir, Verantwortung für andere gegen gesunde Eigenverantwortung einzutauschen. Für ein freies Leben nach deiner Facon!

 

Hochsensibilität & die Angst vor Fehlern: 5 Tipps für dich!

Hochsensibilität & die Angst vor Fehlern: 5 Tipps für dich!

Angst vor Fehlern hat wohl jeder. Doch bei Hochsensiblen ist dieses Gefühl oft stärker ausgeprägt. Hast du das Gefühl, dass dein Kopf nur damit beschäftigt ist, Fehler zu vermeiden – und deine Lebensqualität darunter leidet? Ich zeige dir 5 Tipps, wie du mit dieser Angst besser umgehen kannst.

Du nimmst mit:

  • warum HSP mehr als andere unter der Angst, Fehler zu machen, leiden
  • wie du durch schrittweise Konfrontation die Angst abbauen kannst
  • wie du es schaffst, dein Selbstwertgefühl zu steigern

 

Warum ist bei Hochsensiblen die Angst vor Fehlern stärker ausgeprägt?

Hochsensible Menschen sind sehr empathisch und zudem verletzlicher als Nicht-HSP. Das liegt an der stärkeren Reizverarbeitung – denn die hat zur Folge, dass dich das, was du erlebst,auf einer sehr tiefen Ebene berührt.

Du

  1. fühlst, wie es deinem Gegenüber gehen würde, wenn du einen Fehler machen würdest (z. B. etwas Gemeines sagst)
  2. weißt, wie beschämt und schuldig du dich fühlst, wenn du von anderen für Fehler verurteilt wirst
  3. weißt auch, wie sehr sich diese Beschämung tief in deine Seele eingräbt und dein Selbstwertgefühl beeinflusst

 

All das spüren Nicht-Hochsensible auch – aber nicht so tief wie du!

Darum neigen Menschen mit Hochsensibilität dazu, sich besonders vorsichtig in der Welt zu bewegen – oft auf Kosten der eigenen Lebensfreude.

Die Angst vor Fehlern ist (teilweise durch das Naturell, teilweise durch negative Erfahrungen) sehr stark ausgeprägt und kann schnell dazu führen, dass wir die Opferrolle einnehmen und Schamgefühle entwickeln.

Doch das muss nicht so bleiben! Hole dir ein Stück deiner Lebensqualität zurück, indem du aktiv an dieser Angst arbeitest!

5 Fakten zur Angst vor Fehlern

 

Tipp Nr. 1: Finde heraus, woher die Angst vor Fehlern kommen könnte!

Wie groß deine Angst vor Fehlern ist, liegt daran, welche Erfahrungen du mit Fehlern gemacht hast.

Je verurteilender die Blicke, je beschämender die Reaktion deiner Bezugspersonen und je weitreichender die Folgen waren (z. B. Entzug der Geborgenheit bis hin zu Bestrafungen), desto stärker ist die Angst in dir herangewachsen.

Vielleicht hast du als Kind auch erlebt, für dein Handeln zur Verantwortung gezogen zu werden, obwohl du noch viel zu klein warst und es nicht besser wissen konntest. Die Angst vor Fehlern konnte sich so immer tiefer in dein System eingraben.

 

ABER JETZT BIST DU ERWACHSEN!

Du bestimmst, wie sehr dich das, was jemand zu dir oder über dich sagt, verletzten darf. Du musst vor niemandem Rechenschaft ablegen. Und du bist für niemandem verantwortlich – außer natürlich für dich selbst.

Prüfe auch, wovor du Angst hast. Ist es die Angst, jemandem aus Versehen zu schaden? Oder ist es eher die Angst vor der Reaktion deines Umfeldes auf diese Situation?

 

Tipp Nr. 2: Hinterfrage deine Ängste! Wie realistisch sind sie?

Wenn du weißt, was der Grund für deine Angst vor Fehlern ist, dann solltest du einen Realitätscheck machen. Du bist ein umsichtiger Mensch und das ist gut!

Aber ist der potenzielle Schaden, der durch deinen möglichen Fehler entsteht, wirklich so groß, wie du denkst?

 

Mal angenommen: Du fürchtest dich davor, Auto zu fahren, weil du einen Unfall bauen könntest. Dein Worst Case Szenario sieht vielleicht so aus: Unfall, kaputte Autos, tote Autoinsassen. Tatsächlich kann das passieren. Aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering!

Viel wahrscheinlicher wären ein paar Schrammen am Blech, aufgewühlte Insassen und ein bisschen Ärger mit der Versicherung. Und am allerwahrscheinlichsten ist es, dass du gar keinen Unfall baust!

 

Wenn du deine Angst vor Fehlern einem möglichst objektiven Check unterziehst, wird sie ganz automatisch kleiner. Sie versucht dich vor dem Schlimmsten zu bewahren. Aber das Schlimmste ist meistens nur eine Einbildung.

Versuche, den Horrorszenarien in deinem Kopf zuvor zu kommen, indem du lernst, deiner Angst Grenzen zu setzen (z. B. durch Ablenkung, starke körperliche Reize).

 

Tipp Nr. 3: Überwinde die Angst in kleinen Schritten!

Bleiben wir doch gleich bei dem Beispiel mit der Angst vorm Autofahren. Wenn es für dich noch unmöglich erscheint, Auto zu fahren, weil deine Angst davor vielleicht schon ein paar Jahre existiert, dann beginne in klitzekleinen Schritten, dich diesem inneren Ungeheuer zu stellen.

Hinweis: Eine Beratung – speziell für Hochsensible – kann dir dabei helfen, deine Angst Stück für Stück überwinden.

Schritt-für-Schritt-Anleitung, um Angst vor Fehlern als Hochsensibler zu besiegen

Ein Fahrtraining mit geschultem Personal auf einem Übungsgelände kann dir helfen, dass du dich beim Fahren wieder sicher fühlst. Anschließend fährst du mit einer vertrauten Person auf bekannten Wegen und Straßen. Und irgendwann, wenn du oft genug die Erfahrung gemacht hast, dass absolut nichts passiert, setzt du dich alleine hinters Steuer.

DANN HAST DU DIE ANGST VOR FEHLERN NÄMLICH BESIEGT.

 

Achte bei diesem Vorgehen immer darauf, deine Grenzen nicht allzu sehr zu strapazieren. Klar, du musst hin und wieder über deinen Schatten springen. Aber nimm dir trotzdem die Zeit, die du brauchst, um dein Selbstvertrauen zurückzugewinnen.

Hier noch ein paar Hinweise, die dir helfen, wenn du deine Angst vor Fehlern abbauen willst:

  • Setze dich nicht unter Druck! Schraube deine Erwartungen runter und freue dich umso mehr über Teilerfolge!
  • Lasse dich von niemandem hetzen! Lass auch nicht zu, dass toxische Menschen deinen Prozess kleinreden oder sich über deine Angst lustig machen.
  • Gönne dir ausreichend Zeit in der Komfortzone, um Kraft zu tanken.
  • Authentisch sein kann dir dabei helfen, Ängste weiter abzubauen. Halte nach empathischen Menschen Ausschau, die dir zuhören, wenn du über deine Angst vor Fehlern sprechen möchtest.

 

Tipp Nr. 4: Betrachte Fehler als Lernerfahrung, nicht als scheitern!

Kein Mensch ist perfekt. Du nicht, ich nicht, und die anderen sind es auch nicht.

FEHLER ZU MACHEN, IST NORMAL.

Fehler sind menschlich und gehören dazu. Wir haben nur so große Angst vor ihnen, weil uns irgendjemand erzählt hat, dass es inakzeptabel ist, unvollkommen zu sein. Dadurch fällt uns die Entscheiungsfindung irgendwann schwer und wir bleiben stecken.

 

Aber die Wahrheit ist: Fehler sind wichtig, um etwas zu lernen. Keiner hat die Weisheit mit Löffeln gefressen, sondern muss sie sich erst mühsam aneignen.

Wann immer du etwas in deinen Augen falsch gemacht hast oder von anderen für einen vermeintlichen Fehler gerügt wirst, dann sage dir:

„Ich habe gerade mein Bestes gegeben und verzeihe mir liebevoll, dass nicht das eingetreten ist, was ich angestrebt habe. Ich habe dabei Informationen erhalten, die mir helfen können, es das nächste Mal noch besser zu machen.“

Wenn du es so sehen kannst, verhinderst du, dass die Angst vor Fehlern weiter anwächst. Im Gegenteil: Sie wird kleiner und du wirst mutiger, neue Dinge auszuprobieren.

 

Tipp Nr. 5: Mache deinen Selbstwert als HSP nicht von Fehlern abhängig!

Die Angst, nicht gut genug zu sein und die Angst vor Fehlern sind sich gar nicht so unähnlich. Sie haben gemeinsam, dass du deinen Selbstwert in Gefahr siehst – und das fühlt sich nie gut an.

Darum habe ich eine ziemlich wichtige und befreiende Botschaft an dich: Ob du nun Fehler machst, oder nicht – deine Handlungen ändern niemals etwas an deinem Wert!

DU BIST IMMER GLEICH WERTVOLL!

Als HSP liebevoll mit den eigenen Ängsten umgehen lernen

 

Je stärker du als hochsensibler Mensch daran glauben kannst, desto mehr wird die Angst vor Fehlern automatisch abnehmen. Denn du hast ihr die Grundlage – nämlich ihren Einfluss auf deinen Selbstwert – entzogen.

Das ist natürlich auch ein mühsamer Lernprozess. Aber er lohnt sich! Denn du befreist dich damit selbst aus der Angstspirale. Deine Intuition und Hochsensibilität können sich so noch mehr entfalten!

 

Fazit: Was tun bei Angst vor Fehlern?

Bei hochsensiblen Menschen ist diese Angst oft überdimensional stark ausgeprägt. Das liegt zum einen am unsensiblen Umgang mit Fehlern, der in der Gesellschaft stattfindet, und zum anderen an der höheren Verletzlichkeit von HSP. Manchmal ist es sehr schwierig, herauszufinden, ob man hochsensibel oder traumatisiert ist.

Prüfe, ob deine Angst vor Fehlern wirklich begründet ist oder ob das Szenario in deinem Kopf nicht eher das Ergebnis traumatischer Erfahrungen ist. Stelle dich deiner Angst in kleinen Schritten und scheue dich nicht, vertraute Menschen dabei um Hilfe zu bitten!

Es ist ein Zeichen der Stärke, über Ängste sprechen zu können!

 

Lerne auch, dass es OK ist, Fehler zu machen und betrachte sie vielmehr als Lernerfahrung. Denn du bist ein Mensch und brauchst diese Erfahrungen, um Wissen zu gewinnen.

Am wichtigsten ist: DU BIST WERTVOLL! Deine vermeintlichen Fehler machen dich kein bisschen wertloser! Dein Selbstwert bleibt immer gleich groß! Wenn du wissen möchtest, wie es in einem hochsensiblen Kind aussieht, wenn es Angst hat, dann hör gern mal in mein Hörbuch „Greta spürt einfach viel mehr“ hinein.

 

Ich wünsche dir, dass du das Leben ein bisschen leichter nehmen kannst, indem du die Angst vor Fehlern abbaust! Brauchst du ein wenig Unterstützung, um noch besser mit deiner Hochsensibilität zurechtzukommen?

Dann nimm gern Kontakt zu mir auf!

 

Nicole Trojahn

Nicole Trojahn

Freiberufliche Autorin, Texterin und Beraterin für Hochsensible


Ich arbeite mit hochsensiblen Menschen, die durch ihre Angst vor Fehlern zum Stillstand gezwungen worden sind – weil sie zu oft Beschämung erfahren mussten.

In meiner Beratung bestärke ich HSP, ihrer Angst in kleinen Schritten zu begegnen und sich von ihren inneren Zwängen zu befreien.

Denn Fehler sollten Helfer sein und dir beim Wachstum helfen. Keine Blockaden, die dich davon abhalten, deine hochsensiblen Gaben in die Welt zu bringen!

 

Grenzen setzen lernen: 3 Tipps für Menschen mit Hochsensibilität

Grenzen setzen lernen: 3 Tipps für Menschen mit Hochsensibilität

Hochsensiblen Menschen fällt es besonders schwer, Grenzen zu setzen und für sich einzustehen. Geht es dir auch so, dass du die Bedürfnisse anderer oft über deine eigenen stellst? Ist nicht schlimm! Ich gebe dir heute 3 Tipps mit auf den Weg, die dir dabei helfen können, dich besser abzugrenzen.

 

Du nimmst mit:

  • weshalb es dir schwerfallen könnte, Grenzen zu setzen
  • warum mangelhafte Abgrenzung oft mit einem zu hohen Verantwortungsgefühl gegenüber anderen zu tun hat
  • wie sich deine Beziehungen verbessern, wenn du deine Grenzen abstecken kannst

Übrigens: Ein tolles Kinderbuch zum Thema Grenzen setzen heißt „Lena zeigt klare Kante“ und ist auch als Hörbuch erhältlich.

 

Warum kann ich keine Grenzen setzen? Hochsensibilität & Abgrenzung

Zugegeben: Ich musste in den letzten Jahren mühsam lernen, mich von anderen Menschen abzugrenzen.

Denn früher habe ich gelernt, dass ich für andere Verantwortung tragen muss und es meine Aufgabe ist, mein soziales Umfeld zufriedenzustellen. Wenn ich den Erwartungen nicht entsprochen hatte, fühlte ich mich schnell schuldig.

Hochsensibilität und die Schwierigkeit, Grenzen zu setzen

 

Menschen mit Hochsensibilität sind von Natur aus mit viel Empathie und Verantwortungsbewusstsein ausgestattet. Durch ihr Gespür für Schwingungen nehmen sie wahr, wie es den Menschen in ihrer Nähe wirklich geht und versuchen, ihnen zu helfen. Sie neigen dazu, sich aufzuopfern und ihre eigenen Bedürfnisse zu übergehen, um leidenden Bezugspersonen eine Stütze zu sein und Harmonie herzustellen. Das führt oft dazu, dass sie die Verbindung zu sich selbst verlieren.

Vor allem Kinder, deren Bezugspersonen es nicht gut geht (z. B. durch eine Krankheit) haben so kaum Chancen, ihre eigenen Grenzen kennenzulernen bzw. ihre Bedürfnisse durchzusetzen. Im Erwachsenenalter fällt es dann oft schwer, für sich selbst einzustehen und „Nein“ zu sagen.

Grenzen setzen ist essenziell – in einer Gesellschaft, die auf Oberflächlichkeit setzt und oft übergriffig ist. Vor allem im zwischenmenschlichen Dialog (z. B. beim Dating mit Hochsensibilität) ist gesunde Abgrenzung notwendig, um langfristig gesund zu bleiben.

Tipp: Wenn du wissen möchtest, wie du Wut in dein Leben integrierst, um selbstbewusst Grenzen zu setzen, dann wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Hochsensibilität und Wut – Gesund mit Wut umgehen“.

 

Warum du Schwierigkeiten mit Grenzen setzen haben könntest

  • Vielleicht wurdest du gerügt oder bestraft, wenn deine Grenzen früher übergangen worden sind und du dadurch emotional überfordert warst. Dadurch könnten sich Bindungstraumata entwickelt haben.
  • Du hast gespürt, dass dein Umfeld mit deiner Hochsensibilität überfordert war und du hast dich aus Rücksicht auf sie zurücknehmen müssen.
  • Deine Bedürfnisse wurden möglicherweise belächelt oder als persönliche Schwäche gewertet.
  • Um dich zugehörig zu fühlen, hast du deine eigenen Grenzen vielleicht bewusst ignoriert, um dich anzupassen und von anderen gemocht zu werden.
  • Du hast ein Trauma erlitten (z. B. einen Unfall), wodurch deine Fähigkeit, klare Grenzen zu setzen, verlorengegangen ist.
  • Dir wurde beigebracht, dass du nur dann wertvoll bist, wenn du viel Leistung bringst und anderen gefällst.

Kommt dir einiges davon bekannt vor?

 

Wie du siehst, ist deine ausbaufähige Abgrenzungsfähigkeit keine persönliche Schwäche, sondern ein Zeichen dafür, wie empathisch und verletzlich du bist/warst! Und dass du wahrscheinlich in Umständen gelebt hast, die nicht besonders zuträglich waren.

Umso mehr hast du es verdient, jetzt für dich einstehen zu können!

Übrigens: Besonders, wenn in frühester Kindheit Trauma entstanden ist, brauchst du als Erwachsener sichere Grenzen, um Trauma aufarbeiten zu können! In meinem kostenfreien PDF „Der Mensch als Schichtmodell – Warum Entwicklung in Spiralen erfolgt“ erfährst du, wie sich Trauma in verschiedenen Persönlichkeitsschichten bemerkbar macht und wie du Trauma heilen kannst.

 

 

Tipp Nr. 1: Verantwortung zurückgeben

Das Schwierigste und zugleich Heilsamste für alle (Hochsensible), denen Abgrenzung schwerfällt, ist: Du bist NICHT VERANTWORTLICH für andere Menschen!

Obwohl du spürst, wenn es einem Menschen in deinem Umfeld schlecht geht, bist du nicht dafür verantwortlich, dass es ihm besser geht.

Das klingt vielleicht hart.

Denn deine sensiblen Antennen und dein Harmoniebedürfnis sind automatisch darauf gepolt, deinen Liebsten zu helfen. Trotzdem ist das nicht deine Aufgabe, schon gar nicht, wenn du dafür deine eigenen Grenzen übergehen musst!

Harmoniesucht bei Hochsensiblen - 3 Gründe

Der einzige Mensch, für den du Verantwortung übernehmen solltest, bist du selbst.

Und das heißt auch, die Verantwortung für andere an diese zurückzugeben. Glaub mir, ich weiß, wie schwer das ist. Die alten Programme werden dir zunächst ein schlechtes Gewissen machen. Aber im Grunde ist es ein riesiges Geschenk, das du dir selbst machst, wenn du dich nicht mehr für andere verantwortlich fühlst.

Wann immer dein Kopf dir ein schlechtes Gewissen macht, wenn du dich von bedürftigen Erwachsenen abgrenzen willst, dann wisse:

  • Du bist wertvoll und sicher, ohne andere zu retten und für sie die Verantwortung zu übernehmen.
  • Du bist wertvoll und sicher, ohne etwas leisten zu müssen.
  • Du bist wertvoll und sicher, auch wenn deine Mitmenschen dich für deine Grenzen verurteilen.

Sobald du die Verantwortung für andere von dir abgeschüttelt hast, kannst du deine Eigenverantwortung viel besser tragen.

Eigene Grenzen zu setzen, wird so überhaupt erst möglich. Und erst so kannst du herausfinden, ob/wie viel Verantwortung du für einen anderen Menschen in einer bestimmten Situation tragen möchtest.

 

Abgrenzung – Tipp Nr. 2: Selbstbewusstsein & Selbstvertrauen stärken

Gesunde Grenzen setzen kannst du besser, wenn du unabhängiger von anderen Menschen bist (vor allem emotional).

Hochsensible Menschen haben durch ihren 7. Sinn oft ein außergewöhnlich hohes Bedürfnis nach Harmonie im sozialen Umfeld. Im Hintergrund schwingt da oft die Angst, allein zu sein und damit nicht zurechtzukommen.

Darum ist eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein nötig, um die eigenen Grenzen zu verteidigen. Sobald du Eigenverantwortung tragen und innere Geborgenheit spüren kannst, ohne, dass sie dir ein anderer Mensch geben muss, bist du emotional unabhängiger.

Das gibt dir einen ordentlichen Push. Du weißt um deine innere Stärke, bist nicht mehr so sehr auf andere angewiesen und kannst dich dadurch besser abgrenzen.

 

So kannst du dein Selbstbewusstsein und dein Selbstvertrauen stärken:

  • Nimm dir Zeit für dich und finde heraus, wie du deine Bedürftigkeit stillen und dir Geborgenheit geben kannst.
  • Kümmere dich um das, was in dir verletzt und verängstigt ist. Suche dir bei Bedarf professionelle Hilfe.
  • Stelle dich vor den Spiegel und sage dir, dass du wertvoll und liebenswert bist. Mit der Zeit klappt das immer besser!
  • Finde heraus, wo deine eigenen Grenzen liegen, indem du deine Komfortzone Stück für Stück verlässt – in deinem Tempo.
  • Sorge für kleine, regelmäßige Erfolgserlebnisse in deinem Alltag (z. B. Sportroutine).

Mache dir auch bewusst, wer DU bist – wo du anfängst und wo du aufhörst!

Was zeichnet dich außer deiner Hochsensibilität aus? Was kannst du, wie kein anderer? Was hast du alles schon erreicht, obwohl du Schwierigkeiten meistern musstest? Gibt es etwas in dir, was sich ein bisschen fremd anfühlt und nicht zu dir zu gehören scheint?

Dieser Prozess der Selbsterkenntnis hilft dir dabei, gesunde Grenzen in Beziehungen setzen zu können und für dich einzustehen.

Übrigens: Auch durch eine heilsame Sexualität ist es möglich, die Körperwahrnehmung zu stärken, Grenzen zu erkennen und für sie einzustehen. Slow Sex ist dafür super geeignet.

3 Strategien, um als hochsensibler Mensch sich besser kennenzulernen

Grenzen setzen lernen – Tipp Nr. 3: Konfliktfähigkeit stärken 

Im besten Fall konntest du dich innerlich davon befreien, für andere Verantwortung zu tragen, und hast darüber hinaus schon viel Selbstbewusstsein gewonnen.

Um dich noch besser von anderen Menschen abzugrenzen und deine Hochsensibilität zu schützen, solltest du deine Konfliktfähigkeit stärken.

Erst, wenn du streitbar bist und dich verteidigen kannst, wenn sich jemand mit dir anlegt (z. B. dich abwertet oder in die Enge treiben will), ist es dir möglich, deine Grenzen konsequent abzustecken.

Je vertrauter dir ein Mensch ist, desto schwerer fällt es dir vielleicht, Konflikte auszutragen. Und dennoch solltest du dir zuliebe lernen, vor allem Eltern und Freunden gegenüber Grenzen zu setzen, um dein Wohlbefinden nicht zu gefährden. Ständige Harmonie ist eine Erwartung, die nicht zur Natur des Menschen passt. Hochsensibilität in Freundschaften sorgt nämlich nicht nur für Tiefe, sondern erfordert auch gute Abgrenzung.

 

Langanhaltende, latent schwelende Konflikte rauben dir nämlich mehr Kraft, als ein kurzer Plauz mit ein bisschen Streit. Ich persönlich finde: Je konfliktfähiger ein Mensch ist, desto größer sind seine innere Stabilität und emotionale Unabhängigkeit.

Und ein Konflikt ist nichts Schlechtes! In meinen Augen werden Beziehungen erst dann richtig echt und schön, wenn jeder seine eigenen Grenzen kommunizieren kann und Konflikte ausgetragen werden.

Keiner sagt, dass man beleidigend übereinander herziehen muss. Vielmehr geht es darum, den eigenen Standpunkt zu vertreten und klare Grenzen zu setzen. Deine Beziehungen (egal, welcher Art) werden davon profitieren, wenn du authentisch sein kannst und mitteilst, wenn dir etwas gegen den Strich geht.

Übe dich also ruhig darin, streitbarer zu werden, indem du mehr und mehr ansprichst, wenn dich etwas stört. Beginne mit kleinen Dingen, bis du so sicher bist, auch große Stressoren gezielt ansprechen zu können.

Warum es wichtig ist, streitbar und konfliktfähig zu sein

 

Fazit: Klare Grenzen setzen trotz/mit Hochsensibilität

Auch wenn es dir noch schwerfällt, dich von anderen Menschen abzugrenzen: Mit der Zeit wirst du immer besser darin, deine Bedürfnisse zu äußern und für dich einzustehen!

Lerne zuerst, dass du in erster Linie Verantwortung für dich selbst tragen musst und finde heraus, wie du dein Selbstvertrauen und dein Selbstbewusstsein stärken kannst. Sobald du weißt, wo deine Grenzen liegen, wird es dir leichter fallen, diese gegenüber anderen zu verteidigen.

 

Irgendwann wirst du es auch schaffen, deinen eigenen Eltern Grenzen zu setzen und in deinen anderen Beziehungen auf deine Grenzen zu achten. Baue deine Konfliktfähigkeit immer weiter aus, damit du dich auch in schwierigen Situationen verteidigen kannst.

Gib nicht auf und lass dir viel Zeit bei diesem Prozess!

 

Denke immer daran: Du bist ein wertvoller Mensch und hast es verdient, dass deine Grenzen respektiert werden! Falls du in dieser Hinsicht ein wenig Unterstützung brauchst, nimm gern Kontakt zu mir auf.

 

Nicole Trojahn

Nicole Trojahn

Freiberufliche Autorin, Texterin und Beraterin für Hochsensible


Die Abgrenzungsfähigkeit hochsensibler Menschen leidet unter sozialem Druck, hohen Erwartungen und gelernter Anpassung.

In meiner Beratung begegne ich HSP, die ihre Grenzen stabilisieren und ihre Hochsensibilität noch gesünder leben möchten.

Gern helfe ich dir, gesunde Grenzen zu setzen und deine Energie zu schützen!