Hochsensibilität & Opferrolle: Gesunder Umgang mit Schattenseiten

Hochsensibilität & Opferrolle: Gesunder Umgang mit Schattenseiten

Viele HSP erleben sich als ausgeliefert, überfordert oder nicht gesehen. Doch warum ist das so? Und vor allem: Wie können Menschen mit Hochsensibilität aus der Opferrolle herausfinden, ohne ihre Sensibilität zu verleugnen?

Dieser Artikel beleuchtet die Verbindung zwischen Hochsensibilität und Opferhaltung, räumt mit Missverständnissen auf und zeigt konkrete Wege in mehr Selbstwirksamkeit und innere Stärke.

5 Wege aus der Opferrolle für Hochsensible

 

Die Opferrolle: Definition und psychologische Hintergründe

Die Opferrolle beschreibt eine innere Haltung, in der sich ein Mensch dauerhaft als machtlos, benachteiligt oder ausgeliefert erlebt. Ständige Erreichbarkeit und Reizschuld können diese Haltung verstärken.

Typische Gedanken sind:

  • „Ich kann nichts ändern.“
  • „Andere sind schuld, dass es mir schlecht geht.“
  • „Ich werde immer übersehen.“
  • „Das Leben ist unfair zu mir.“

Vielleicht hast auch du bereits die Erfahrung gemacht, dass du Dinge, die dir in deinem hochsensiblen Alltag passieren, ein wenig überdramatisierst – obwohl sie mit ein wenig Abstand gar nicht schlimm sind, oder sogar von dir unbewusst genauso provoziert wurden. Neurotisches Verhalten bei Hochsensiblen ist gar nicht so selten.

 

Oft ist es gar nicht das gerade Erlebte, das tatsächlich schmerzhaft war, sondern die Verknüpfung zu einem traumatischen Ereignis aus deiner Vergangenheit. Wenn du dich also als Opfer der Umstände wahrnimmst, dann lohnt sich ein kritischer (aber liebevoller) Blick in deine Innenwelt.

Laut einer Studie zu Opferhaltung und Hochsensibilität wurde nämlich herausgefunden, dass eine hohe Empfindsamkeit mit intensiv erlebten Gefühlen wie Scham und niedrigem Selbstwert korreliert. Das bedeutet: Wir Hochsensiblen haben länger an Erfahrungen zu knabbern, die uns verletzt haben und ein erhöhtes Risiko, eine Opferhaltung auszubilden.

 

Warum Hochsensible besonders anfällig für die Opferrolle sind

Wir Hochsensiblen neigen schnell dazu, uns als Opfer zu fühlen.

Ja, es stimmt: Die Welt mit ihrer Hektik ist schon etwas ungemütlich für uns. Dennoch können wir nicht erwarten, dass wir mit Samthandschuhen angefasst werden. Es immer möglich (und das hören Menschen, die dauerhaft in der Opferhaltung sind, nicht gern), selbstbestimmt zu handeln und das Leben nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten – wenigstens zu einem gewissen Grad.

Warum wir HSP schnell in die Opferrolle rutschen, liegt an unterschiedlichen Faktoren.

 

1. Tiefe emotionale Verletzbarkeit

Wir Hochsensiblen fühlen intensiver – auch Schmerz, Ablehnung und Kritik. Was andere schnell abhaken, kann bei uns HSP lange nachwirken. Dadurch entsteht leichter das Gefühl, ständig verletzt zu werden oder aufgrund der Hochsensibilität unverstanden zu sein.

Besonders wer früh lernt, kein Mitspracherecht zu haben und sich anpassen zu müssen, bildet im Laufe seiner Entwicklung eine Opferhaltung aus. 

Institutionen wie Schule und Kindergarten fördern mitunter Anpassung statt Selbstbestimmung und tragen einen Teil dazu bei, dass sich viele Hochsensible als Opfer des Systems wahrnehmen. Auch Geschlechterklischees wie z. B. unser toxisches Männerbild führen dazu, dass vor allem hochsensible introvertierte Männer kaum Möglichkeiten haben, ihre Sensibilität gesund zu leben.

Wie unsere Institutionen Opferdenken fördern - besonders bei Menschen mit Hochsensibilität

 

2. Frühe Prägungen, Grenzverletzungen und Trauma

Viele Hochsensible wachsen in Umfeldern auf, die ihre Feinfühligkeit nicht verstehen oder sogar abwerten. Hochsensible Kinder hören immer noch Sätze wie:

  • „Stell dich nicht so an.“
  • „Du bist zu empfindlich.“
  • „Reiß dich zusammen.“

Diese Sätze können dazu führen, dass Hochsensible früh lernen, sich selbst infrage zu stellen – ein Nährboden für Opferdenken.

 

Wer ständig das Gefühl hat, an der eigenen Wahrnehmung zweifeln zu müssen und für kleine Fehler immens bestraft wird, lernt, sich lieber zu fügen – und gar nicht erst zu versuchen, etwas im eigenen Interesse zu verändern.

Hinweis: Falls du wissen möchtest, wie seelische Verletzungen das spätere Leben formen, dann wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Trauma und Hochsensibilität – Entwicklung und Heilung von Traumata“.

 

3. Dauerhafte Überforderung und Reizüberflutung

Wenn hochsensible Menschen nie gelernt haben, gesunde Grenzen zu setzen und sich selbst ständig übergehen (z. B. im Job, in Beziehungen oder im Familienleben), entsteht chronische Erschöpfung. In diesem Zustand fällt es schwer, aktiv Lösungen zu sehen – die Opferrolle wirkt dann wie ein logischer Rückzugsort.

Manche Menschen machen es sich in dieser Opferhaltung richtig bequem und werden sogar wütend, wenn ihnen jemand konkrete Lösungsvorschläge bietet – sie also aus ihrer gewohnten Haltung befreien möchte.

Hinweis: Um dich vor chronischer Erschöpfung zu schützen, kannst du deinen Alltag bewusst entschleunigen. Wirf dazu gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Reizarme Alltagsgestaltung für Menschen mit Hochsensibilität“.

 

Hochsensibilität ist keine Opferidentität

Der zentrale Punkt ist: Hochsensibilität rechtfertigt nicht, dauerhaft in der Opferrolle zu bleiben. Sie erklärt vieles – aber sie entmündigt nicht. Wir HSP haben unser Leben selbst in der Hand und dürfen uns nicht von anderen Menschen, Umständen und früheren Verletzungen abhängig machen.

Problematisch wird es, wenn Hochsensibilität unbewusst zur Erklärung für alles wird:

  • „Ich kann nicht anders, ich bin halt hochsensibel.“
  • „Die Welt ist zu hart für mich.“
  • „Andere müssen sich an mich anpassen.“

 

Hier verschiebt sich die Verantwortung vollständig nach außen. Das kann kurzfristig entlasten, verhindert aber langfristiges Wachstum und eine gesunde Entscheidungsfindung. Außerdem nimmt es starke manipulative Züge an, andere für das eigene Befinden verantwortlich zu machen.

Wer anderen nämlich seine Eigenverantwortung überträgt, wird irgendwann zu einem toxischen Menschen.

3 Auswirkungen der eigenen Opferhaltung auf andere Menschen

 

Die versteckten Vorteile der Opferrolle bei Hochsensibilität

So unangenehm sie für Betroffene ist – die Opferrolle bietet auch sekundäre Gewinne:

  • Schutz vor Veränderung
  • Rechtfertigung für Rückzug
  • Aufmerksamkeit und Mitgefühl
  • Vermeidung von Konflikten
  • keine Verantwortung bzw. Eigenverantwortung übernehmen müssen

Für hochsensible Menschen, die Harmonie lieben und Konflikte scheuen, kann das besonders verführerisch sein.

 

Wenn du in der Opferhaltung bleibst, kannst du zwar nichts ändern, aber auch keine Fehltritte machen. Allerdings ist es dann einfach, immer herumzunörgeln, andere für die eigene Befindlichkeit verantwortlich zu machen und den „sterbenden Schwan“ zu demonstrieren. 

Hinweis: Natürlich ist es gesund, sich auch mal von anderen supporten zu lassen. Vor allem, wenn innere seelischen Wunden aufgearbeitet werden, ist Unterstützung wichtig. Entscheidend ist, ob du diese Hilfe nutzt, um wieder in die Selbstbestimmung zu kommen – oder ob sie permanent eingefordert wird, um die Opferhaltung zu manifestieren.

 

Der Weg raus aus der Opferrolle – speziell für Menschen mit Hochsensibilität

Ich selbst neige auch ab und an dazu, mich als Opfer wahrzunehmen: von Umständen, Menschen, meiner inneren Verfassung. Allerdings werde ich mir dann schnell darüber bewusst, wo ich mich innerlich gerade befinde und suche Wege, um den Opfermodus schnell zu verlassen.

Die Wege dafür sind vielfältig.

 

1. Hochsensibilität neu definieren

Der erste Schritt ist ein Perspektivwechsel: Hochsensibilität ist kein Makel, sondern eine Fähigkeit mit Verantwortung.

Frage dich:

  • Wie kann ich meine Sensibilität bewusst einsetzen?
  • Wo darf ich lernen, mich besser abzugrenzen?

Nur, weil du hochsensibel bist, bist du weder krank noch leistungsunfähig.

Werde dir darüber bewusst, inwieweit du dich bisher hinter deiner Hochsensibilität versteckt hast. Es geht dabei nicht darum, dass du Schuldgefühle entwickelst, sondern um innere Aufrichtigkeit.

 

2. Verantwortung zurückholen

Wir Hochsensiblen sind mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein ausgestattet. Mitunter mussten wir schon als Kind Verantwortung für andere tragen (Parentifizierung) und haben dadurch ein schwieriges Verhältnis dazu aufgebaut.

Manche HSP wurden durch zu viel Verantwortung im Kindesalter so stark überfordert, dass sie später überhaupt keine Verantwortung mehr übernehmen wollen/können.

Dennoch ist Eigenverantwortung der einzige Weg aus der Opferrolle.

 

Es bedeutet:

  • Ich erkenne meine Handlungsspielräume.
  • Ich entscheide, wie ich mit Situationen umgehe.
  • Ich bin bestrebt, meine Möglichkeiten auszuloten und das Beste aus der Situation zu machen.
  • Ich gebe die Verantwortung für andere ab und kümmere mich um mein eigenes Glück.

Ein kraftvoller Satz ist z. B.: „Ich kann nicht alles kontrollieren – aber ich kann meine Reaktion wählen.“

Tipp: Du kannst deine seelischen Wunden am besten erkennen, wenn du deinen Partner als Spiegel betrachtest. Wenn er dich triggert, dann ist das meist ein Zeichen dafür, dass du einer Verletzung auf der Spur bist.

Warum manche lieber Verantwortung für andere übernehmen, statt eigenverantwortlich zu handeln

 

3. Grenzen setzen lernen

Viele Menschen mit Hochsensibilität geraten in die Opferrolle, weil sie keine klaren Grenzen setzen. Sie sagen Ja, obwohl sie Nein fühlen. Vielleicht hast auch du als Kind gelernt, dass deine Bedürfnisse nicht zählen. Dementsprechend geht es nun erst einmal darum, dich und deine Grenzen kennenzulernen.

Grenzen sind kein Angriff – sie sind Selbstschutz.

Hinweis: Dein Körper hilft dir dabei, Grenzen wahrzunehmen. Um die Signale deines Körpers schnell deuten zu können und dich gesund abzugrenzen, wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Körperarbeit für Hochsensible – Signale des Körpers verstehen“.

 

4. Raus aus der Identifikation mit dem Leid

Du hast schwierige Erfahrungen gemacht – aber du bist nicht dein Leid. Diese Unterscheidung ist essenziell, um die Opferidentität loszulassen. Manche Hochsensible neigen gern dazu, sich nur noch durch die Brille ihrer Verletzungen zu betrachten, dabei haben sie so viele Potenziale und Handlungsspielräume.

Hilfreiche Fragen:

  • Wer bin ich jenseits meiner Verletzungen?
  • Was stärkt mich wirklich?
  • Wie soll mein Leben aussehen und was kann ich aktiv dafür tun?

 

5. Unterstützung annehmen – ohne sich abhängig zu machen

Coaching, Therapie oder Selbsthilfegruppen können wertvolle Begleiter sein. Wichtig ist, dass sie Empowerment fördern und nicht das Gefühl verstärken, „kaputt“ zu sein.

Such dir Menschen, die bereits selbstbestimmt ihr Leben leben und dich auf deinem Weg aus der Opferrolle unterstützen können. Nimm ihren Support an, bleib aber trotzdem in deiner Eigenverantwortung und höre auf deine Intuition.

Letztlich musst du selbst entscheiden, was für dich richtig ist.

 

Erfahrungsbericht: Wie ich meine Opferrolle gegen Selbstwirksamkeit eingetauscht habe

Leider bin ich meiner Opferhaltung viele Jahre lang auf den Leim gegangen.

Ich habe durch meine Erfahrungen nämlich gelernt, chancenlos und ausgeliefert zu sein. Und so wurde ich zu einem extrem angepassten, unglücklichen Menschen ohne Perspektive.

Irgendwann haben Körper und Seele gestreikt. Viele Jahre Begleitung waren erforderlich, bis ich verstanden hatte, die Chefin meines Lebens zu sein – auch wenn das konträr zu meinen früheren Erfahrungen stand.

Wenn ich in die Opferrolle rutsche - 4 Strategien für Hochsensible, um aus der Opferhaltung rauszukommen

 

Also setzte ich mich in Bewegung, und zwar mit jeder Menge Widerstand. Da war noch der ganze Schmerz von der Verantwortung, die ich als Kind übernehmen musste. Und Angst vor Fehlern.

 

Ehrlicherweise hatte ich auch angenommen, Verbundenheit mit anderen Menschen könne nur dann entstehen, wenn man absolut verletzlich und hilfsbedürftig sei – das ist totaler Quatsch und die Haltung eines Kindes, nicht von einem Erwachsenen!

Mittlerweile habe ich viel Selbstwirksamkeit erfahren und nehme wahr, wenn ich gerade durch die Brille des Opfers schaue.

Dadurch kann ich Situationen reflektierter bewerten und meine tatsächlichen Möglichkeiten einschätzen und nutzen.

 

Häufige Fragen (FAQ) zu Hochsensibilität und Opferrolle

 

Warum geraten hochsensible Menschen häufiger in die Opferrolle?

Kritik, Ablehnung oder Ungerechtigkeit werden von HSP nicht nur rational registriert, sondern emotional stark verarbeitet. Dadurch entsteht schneller das Gefühl, überfordert, ohnmächtig oder ausgeliefert zu sein. Hinzu kommt, dass viele Hochsensible früh gelernt haben, sich anzupassen, Konflikte zu vermeiden und die Bedürfnisse anderer über die eigenen zu stellen. Wenn Grenzen nicht klar gesetzt werden, entsteht leicht der Eindruck: „Ich werde immer übergangen“ – ein zentraler Nährboden für die Opferrolle.

Wie erkenne ich als hochsensible Person, ob ich in einer Opferrolle feststecke?

Typische Anzeichen sind wiederkehrende Gedanken wie:

  • „Die anderen sind schuld.“

  • „Ich kann ja sowieso nichts ändern.“

  • „Mir passiert das immer.“

Auch emotional zeigen sich Hinweise: innere Erschöpfung, Hilflosigkeit, unterschwellige Wut oder das Gefühl, vom Leben unfair behandelt zu werden. Wenn Verantwortung überwiegend im Außen gesehen wird und die eigene Handlungsmacht klein erscheint, ist das ein klares Signal für eine Opferdynamik.

Welche typischen Denk- und Verhaltensmuster verstärken die Opferrolle bei Hochsensibilität?

Besonders häufig sind:

  • Überverantwortung für andere: Die eigenen Bedürfnisse werden zurückgestellt, bis Frust entsteht.

  • Katastrophisierendes Denken: Einzelne negative Erfahrungen werden verallgemeinert.

  • Konfliktvermeidung: Probleme werden nicht angesprochen, sondern „ausgehalten“.

  • Starke Selbstzweifel: Kritik wird verinnerlicht, auch wenn sie objektiv unbegründet ist.

Diese Muster laufen meist unbewusst ab und verstärken sich gegenseitig – gerade bei sensiblen Menschen mit hoher Empathie.

Wie können Menschen mit Hochsensibilität aus der Opferrolle aussteigen und innere Stärke entwickeln?

Der wichtigste Schritt ist das bewusste Zurückholen von Selbstverantwortung – ohne Selbstverurteilung. Hochsensibilität ist keine Schwäche, sondern eine besondere Wahrnehmungsfähigkeit, die klare Selbstführung braucht.

Hilfreich sind:

  • das Erkennen eigener Grenzen und deren ruhige Kommunikation

  • das Hinterfragen automatischer Opfergedanken

  • der Aufbau von Selbstmitgefühl statt Selbstkritik

  • kleine, konkrete Handlungen, die das Gefühl von Wirksamkeit stärken

 

Nicole Trojahn

Nicole Trojahn

Freiberufliche Autorin, Texterin und Beraterin für Hochsensible


Auch ich war viele Jahre in der Opferhaltung gefangen, habe mich aber für ein eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Leben entschieden.

In meiner Beratung unterstütze ich HSP dabei, Opferanteile zu erkennen und liebevoll zu versorgen.

Falls auch du wissen möchtest, wie du deine Selbstbestimmung zurückholst, dann kontaktiere mich gern.

 

Zu hohes Verantwortungsbewusstsein: 3 Tipps für Hochsensible

Zu hohes Verantwortungsbewusstsein: 3 Tipps für Hochsensible

Du fühlst dich anderen gegenüber so sehr verantwortlich, dass du nach und nach ausbrennst? Vielen HSP geht es ähnlich. Ich möchte dir heute zeigen, wie Hochsensibilität und Verantwortung zusammenhängen und wie du es schaffen kannst, Verantwortung für andere abzugeben.

 

Du nimmst mit:

  • welche Gründe es haben könnte, dass du dich für andere verantwortlich fühlst
  • warum es sich lohnt, noch mehr in deine Eigenverantwortung zu kommen
  • dass du niemandem einen Gefallen tust, wenn du für Erwachsene Verantwortung übernimmst

Tipp: Was passiert, wenn ein hochsensibles Kind ein zu hohes Verantwortungsgefühl gegenüber seinem Haustier hat, kannst du dir in meinem Hörbuch „Mias Herz kann wieder lachen“ anhören.

Mias Herz kann wieder lachen, Kinderhörbuch für Hochsensible zum Thema Trauer

 

3 Gründe, warum Hochsensibilität & Verantwortungsgefühl zusammenhängen

 

Mir als HSP fällt es schwer, zwischenmenschliche Konflikte in meinem Umfeld auszuhalten.

Vielleicht geht es auch dir so, dass du alles dafür tun möchtest, damit es in deinen Beziehungen (Partnerschaft, Freundschaft, Familie) harmonisch zugeht. Viele hochsensible Erwachsene – und sogar hochsensible Kinder – neigen dazu, die Baustellen anderer aufzuräumen und viel zu viel soziale Verantwortung zu übernehmen.

Was lieb gemeint ist, führt aber nur dazu, dass du langfristig ausbrennst und keine Kraft mehr hast, dich um dein eigenes Leben zu kümmern.

Je mehr Verantwortung du für andere trägst, desto weniger Eigenverantwortung kannst du übernehmen.

 

Hier sind 3 Gründe, warum du dich als HSP für andere verantwortlich fühlen könntest:

  1. Du nimmst dank deiner Hochsensibilität Schwingungen deutlich wahr. Dadurch hast du schon als Kind gespürt, wenn deine Bezugspersonen Hilfe brauchten und Disharmonien das Familiengefüge in Gefahr brachten. Vielleicht musstest du für deine Eltern Verantwortung übernehmen, damit dein eigenes Überleben (Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit) gesichert war.
  2. Weil dir die innere Geborgenheit fehlt, erhoffst du dir, sie bei anderen zu finden. Du opferst dich für andere auf, um bei ihnen Anerkennung und das Gefühl von Zugehörigkeit zu erhalten. Selbst bei Menschen, die dir schon oft weh getan haben, fährst du diese Strategie – in der Hoffnung, doch noch irgendwann von ihnen das zu bekommen, was du früher gebraucht hättest.
  3. Ziemlich alte, verkrustete Rollenbilder haben Einfluss auf deine Persönlichkeit. Wenn du gelernt hast, dass z. B. eine Frau nur dann wertvoll ist, wenn sie sich für andere aufopfert, dann fällt es dir schwer, die Verantwortung für andere wieder abzugeben.

 

ABER: All das kannst du verändern, wenn du es dir bewusst machst. Die einzige Verantwortung, die du wirklich tragen musst, ist deine Eigenverantwortung.

Und je mehr Liebe und Wertschätzung du dir gegenüber empfindest, desto leichter fällt es dir, die Verantwortung für andere wieder abzugeben bzw. auf ein gesundes Maß zu reduzieren.

 

 

Tipp 1: Hochsensibilität schützen & Verantwortung abgeben: Sprich darüber!

Ehrlich währt am längsten – so sagt man doch.

Ich wünsche dir von Herzen, dass du von Menschen umgeben bist, die dich in deiner Einzigartigkeit lieben und schätzen. Scheue dich nicht, ihnen gegenüber offen und ehrlich mitzuteilen, wie du empfindest.

Wenn du das Gefühl hast, für sie aufgrund deiner Hochsensibilität Verantwortung übernommen zu haben, dann sprich das direkt an.

3 Sätze, mit denen du als Hochsensible anderen ihre Eigenverantwortung wiedergibst

Anschließend kümmerst du dich darum, deine Grenzen zu setzen und auch zu kommunizieren. Je reifer dein Gegenüber ist, desto mehr Verständnis wird es dafür haben.

Denn du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben! NIEMAND SONST.

In Jobangelegenheiten und in einem toxischen Umfeld brauchst du ein selbstbewusstes Auftreten, damit du Gehör findest. Sicher musst du mit Konfrontationen rechnen, denn viele finden es bequem, dir Verantwortung aufzudrücken.

Lass dich nicht auf Diskussionen ein und fall auch nicht darauf herein, wenn dich jemand emotional erpressen will (z. B. durch Schuldgefühle und dicke Kullertränen).

 

 

Tipp 2: Als hochsensibler Mensch Verantwortung durch Akzeptanz abgeben

Manche Dinge lassen sich nicht ändern.

Egal, wie sehr du dich um dich und deine Heilung kümmerst – dein Umfeld wird es dir nicht unbedingt gleichtun. Daher solltest du die Erwartung loslassen, dass du durch deine Prozesse andere retten kannst oder sich bei ihnen etwas grundlegend verändert.

Wer z. B. ignorante, narzisstische Eltern hat, kann sich durch Erklärungen und Mitteilungen noch so sehr erhoffen, dass sie sich verändern.

 

Solche Eltern werden das nicht tun. Ihre Mechanismen und Ängste sind stark. Viel wahrscheinlicher ist es, dass sie dir mit Schulzuweisungen und Vorwürfen begegnen. Alles, was du bekommst, ist das Gefühl, hochsensibel und unverstanden zu sein.

Du tust dir einen Riesengefallen, wenn du sie in ihre Eigenverantwortung entlässt, denn du wirst mit deinem Verhalten nicht das bewirken, was du dir wünschst.

Je eher du akzeptieren kannst, dass sich einige Menschen nie ändern werden, desto besser kannst du die Verantwortung an sie zurückgeben.

 

 

Tipp 3: Als HSP Eigenverantwortung übernehmen & eigene Bedürftigkeit stillen

Sei mal ganz ehrlich: Auch wenn es auf den ersten Blick nicht offensichtlich ist, so verfolgst du doch auch eigene Interessen, wenn du die Verantwortung für andere übernimmst, oder nicht? Es ist ein tolles Gefühl, für seine Unterstützung Anerkennung und Bestätigung zu bekommen.

Warum hochsensible Menschen Verantwortng für andere übernehmen, anstatt Eigenverantwortung zu tragen

 

Das ist überhaupt kein Vorwurf!

Es soll dich nur ein bisschen zum Nachdenken anregen. Wir sind ja alle Menschen und handeln aus bestimmten Motiven.

 

Wer sich als hochsensibler Mensch für andere verantwortlich fühlt, hat oft ein Problem damit, die Kontrolle abzugeben, weil er sich innendrin unsicher fühlt. Mir ging das jedenfalls so.

Darum ist es wichtig, all die ungestillten Bedürfnisse des inneren Kindes zu beleuchten und sich anschließend um sie zu kümmern.

DENN:

  • Nur in dir selbst kannst du zuhause sein. Egal, wie sehr du dich für andere aufopferst: Die Anerkennung, die du dir erhoffst, ist nur von kurzer Dauer und ersetzt ein tiefes Gefühl von innerer Sicherheit nicht!
  • Du könntest als übergriffig wahrgenommen werden, wenn du aufgrund deiner Hochsensibilität die Verantwortung für andere übernimmst. Auch das kann grenzverletzendes Verhalten sein – denn du sprichst deinem Gegenüber die Eigenverantwortung ab.

Es ist gesünder für dich, wenn du deinen Fokus mehr auf dich selbst richtest und die Verantwortung für andere durch Eigenverantwortung für dich ersetzt.

All das, was du glaubst, von anderen Menschen zu brauchen, ist schon in dir. Und je mehr Zeit du dir für dich nimmst, desto eher wirst du in dir finden, was du bisher bei anderen gesucht hast. Schütze deine Hochsensibilität im Alltag und gib die Verantwortung für andere getrost an sie zurück.

 

 

Fazit: Hochsensibilität & Verantwortung – Komm in deine Kraft!

DU BIST JETZT ERWACHSEN.

Obwohl dein inneres Kind vielleicht noch glaubt, für irgendwen Verantwortung übernehmen zu müssen, um zu überleben: Tu dir selbst einen Gefallen und teile ihm mit, dass das nicht mehr nötig ist.

Übernimm stattdessen als hochsensibler Mensch Eigenverantwortung für dich und all das, was in dir verletzt ist.

Du bist nicht darauf angewiesen, dich aufzuopfern, um von anderen das zu bekommen, was du brauchst. Du kannst es dir selbst geben und bist so viel unabhängiger und freier.

 

Hochsensibilität und Intuition sind deine stärksten Tools, um mehr in deine Kraft zu kommen und deine eigene Bedürftigkeit zu stillen. So fällt es dir viel leichter, trotz Hochsensibilität die Verantwortung für andere abzugeben.

Möchtest du, dass mal jemand von außen auf dich und deine Lebenssituation schaut? Dann nimm gern Kontakt zu mir auf.

 

Nicole Trojahn

Nicole Trojahn

Freiberufliche Autorin, Texterin und Beraterin für Hochsensible


Ein zu hohes Verantwortungsbewusstsein fühlt sich wie eine Bürde an: schwer, überfordernd und einschränkend.

In meiner Beratung begegne ich Hochsensiblen, die sich aufopfernd um andere kümmern, und dabei vergessen, auf sich selbst zu achten.

Gern helfe ich dir, Verantwortung für andere gegen gesunde Eigenverantwortung einzutauschen. Für ein freies Leben nach deiner Facon!