Schuldgefühle bei Hochsensibilität: Entstehung & Auflösung

Schuldgefühle bei Hochsensibilität: Entstehung & Auflösung

Schuldgefühle kennt jeder — doch bei Hochsensiblen können sie eine besondere Intensität erreichen. Vielleicht kennst du dieses innere Ziehen, das schlechte Gewissen, das viel zu schnell auftaucht, oder das nagende Gefühl, du hättest etwas falsch gemacht, obwohl dafür keinerlei objektive Grundlage existiert.

In diesem ausführlichen Beitrag erfährst du, warum Hochsensible so häufig mit Schuldgefühlen kämpfen und welche praktischen Wege es gibt, sich davon zu befreien.

9 Wege, um als HSP Schuldgefühle aufzulösen

 

Warum Hochsensible intensiver fühlen — und dadurch anfälliger für Schuldgefühle sind

Wenn du hochsensibel bist, ist dein Nervensystem anders verdrahtet. Es filtert weniger Reize heraus und verarbeitet das, was ankommt, wesentlich tiefer. Das, was bei Nicht-Hochsensiblen kaum Reaktionen hervorruft, geht dir direkt ins Mark. Besonders hochsensible Kinder fallen durch ihre extreme Empfindsamkeit gegenüber Reizen und ihre große Empathie auf.

Diese intensivere Wahrnehmung ist ein wundervolles Geschenk: Sie ermöglicht Empathie, Kreativität, Intuition und emotionale Tiefe.

Doch genau diese Sensibilität kann auch eine Belastung werden — vor allem, wenn es um das Thema Schuld geht.

 

Empathie als Auslöser für Selbstverantwortung

Hochsensible nehmen Stimmungen, Zwischentöne und Unsicherheiten anderer Menschen besonders fein wahr. Du erkennst oft schon vor deinem Gegenüber, wie es ihm oder ihr wirklich geht. Während manche Menschen vor sich selbst die Maske nicht fallen lassen können, siehst du sie hinter ihrer Fassade ganz genau.

Doch diese Wahrnehmungsfähigkeit kann unbewusst dazu führen, dass du Verantwortung für Emotionen übernimmst, die gar nicht dir gehören.

 

Wenn also jemand enttäuscht, gestresst oder gereizt wirkt, fragst du dich vielleicht sofort: „Habe ich das verursacht? Hätte ich etwas anders machen sollen?“ Vor allem toxische Menschen nutzen diesen Mechanismus, um Macht über dich auszuüben.

Aus Mitgefühl wird dann schnell Selbstkritik — und daraus entstehen Schuldgefühle, die aufgrund der Hochsensibilität extrem stark wahrgenommen werden. Diese Neigung ist eines der Symptome von Hochsensibilität.

 

Die tiefe Verarbeitung als Verstärker

Hochsensible denken viel und tief.

Situationen werden analysiert, bewertet, hinterfragt und in mehrere Richtungen durchdacht. Dieser gedankliche Tiefgang ist eine wertvolle Stärke, aber er hat eine Schattenseite: Wenn du etwas sagst oder tust, schickt dich dein Gehirn gern auf eine Rückschau-Reise in Zeitlupe.

Ein Blick, ein Wort, eine Entscheidung — alles kann in Endlosschleifen landen.

 

Vor allem schmerzhafte Erfahrungen wie z. B. Zurückweisungen, Verluste und Beschämungen werden bei deinen Gedankengängen mitbedacht, da dein Nervensystem dich davor schützen möchte, wieder verletzt zu werden.

Durch die gedankliche Intensität und den Abgleich mit früheren Erfahrungen entsteht schnell das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, auch wenn objektiv nichts passiert ist.

wie Traumata Schuldgefühle auslösen und verstärken bei Menschen mit Hochsensibilität

 

Harmoniebedürfnis und die Angst vor Disharmonie

Viele Hochsensible sehnen sich nach harmonischen Beziehungen.

Konflikte fühlen sich nämlich auch körperlich belastend an — nicht nur emotional. Schon ein kleiner Spannungsmoment kann ausreichen, um dich angespannt, nervös oder überverantwortlich fühlen zu lassen. Bestimmt hast du auch manchmal das Gefühl eines Kloßes im Hals, wenn du dich inmitten einer latent angespannten Situation befindest.

Dein Körper registriert alles ganz genau, weil er die dich umgebenden Schwingungen sehr stark wahrnimmt. Zudem möchtest du niemanden enttäuschen, verletzen oder überfordern.

Und weil du Harmonie sichern willst, um dich und deine zarte Seele zu schützen, entwickelst du schnell Schuldgefühle — selbst wenn die Verantwortung gar nicht bei dir liegt.

 

Der subtile Perfektionismus

Perfektionismus klingt nach einer Einstellung, die man bewusst wählt. Bei Hochsensiblen entsteht er jedoch meistens aus zwei natürlichen Eigenschaften:

  • dem Wunsch, Dinge richtig zu machen
  • dem tiefen Bewusstsein für Details

Kleinste Unstimmigkeiten fallen dir auf.

Du spürst sofort, wenn etwas nicht stimmig ist — und oft machst du dich selbst dafür verantwortlich. Was Außenstehende kaum wahrnehmen, kann für dich wie ein Fehler wirken.

 

Außerdem hat Perfektionismus bei HSP auch frühe traumatische Erfahrungen als Ursache. Denn in unserer Leistungsgesellschaft bekommen oft schon die Kleinsten grobe und negative Rückmeldungen, wenn sie nicht den gewünschten Erwartungen entsprechen.

Genau dieser Mechanismus verstärkt Schuldgefühle bei Menschen mit Hochsensibilität, weil du glaubst, du müsstest immer rücksichtsvoll, klar, ruhig oder perfekt reagieren — wieder eine Selbstschutzstrategie.

Tipp: In meinem kostenfreien PDF „Perfektionismus abbauen“ findest du hilfreiche Strategien, um sanfter mit dir umzugehen.

 

 

Typische Alltagssituationen, die besonders häufig Schuldgefühle auslösen

Schuldgefühle kommen nicht aus dem Nichts.

Sie sind immer eine Reaktion — auf die Umgebung, auf Menschen, auf deine eigene Sensibilität oder auf Erschöpfung. Hier sind typische Momente, in denen Hochsensible besonders anfällig sind:

 

Wenn du eine Grenze setzt

Grenzen setzen ist für Hochsensible essenziell. Du brauchst Ruhe, Klarheit, Auszeiten. Doch sobald du „Nein“ sagst oder dich zurückziehst, meldet sich oft sofort der innere Kritiker: „War ich zu hart? Enttäusche ich jetzt jemanden? Werde ich nicht dringend gebraucht?“

Der Mechanismus dahinter ist einer der wichtigsten im Zusammenhang mit Schuldgefühlen bei HSP: Du stellst die Bedürfnisse anderer automatisch über deine eigenen — aus Angst, sie könnten sich schlecht fühlen.

Denn wenn sie sich schlecht fühlen, ist die Harmonie dahin.

Vor allem, wenn du nicht gelernt hast, dass du anstrengende Situationen verlassen darfst, fällt es dir schwer, die Harmonie gegen gesunde Grenzen einzutauschen.

5 Gründe, warum Grenzen setzen Schuldgefühle auslösen kann

 

Wenn du dich überstimuliert fühlst

Reizüberflutung gehört zu den Kernmerkmalen von Hochsensibilität.

Wenn dein Nervensystem überlastet ist, reagierst du möglicherweise schneller gereizt oder ziehst dich plötzlich zurück. Im Nachhinein entstehen leicht Schuldgefühle, obwohl deine Reaktion eine komplett normale Folge von Überlastung war.

Vielleicht hattest du aufgrund viel zu vieler Reize im Alltag einen Shutdown, bei dem dein Nervensystem so gestresst war, dass du nicht mehr freundlich zu deinem sozialen Umfeld sein konntest.

 

Wenn in solchen Situationen dann Schuldgefühle auftauchen, solltest du dir mit besonders viel Milde begegnen, denn deine Reaktionen waren Ausdruck deiner Not — und keine Absicht.

Tipp: In meinem kostenfreien PDF „Reizarme Alltagsgestaltung für Menschen mit Hochsensibilität“ findest du viele Inspirationen, um tägliche Stressoren zu minimieren.

 

Wenn jemand anderes emotional reagiert

Ob Wut, Frustration, Enttäuschung oder Traurigkeit — Hochsensible spüren die Gefühle anderer emotional und körperlich. Wenn eine Person in deiner Nähe emotional wird, denkst du vielleicht sofort: „Ich hätte das verhindern können. Ich war nicht aufmerksam genug.“

Dabei bist du nicht verantwortlich für die Gefühlslage anderer.

Sicher löst du mit deinem Verhalten Reaktionen bei deinem Gegenüber aus — dennoch trägt jeder Mensch Eigenverantwortung für sich und sollte sich mit sich selbst auseinandersetzen, um Projektionen zu vermeiden.

 

Wenn du auf dich selbst achtest

Ruhe ist für Hochsensible kein Luxus, sondern schlicht notwendig.

Trotzdem kann es passieren, dass du dich als HSP schuldig fühlst, wenn du:

  • dir Zeit für dich nimmst
  • eine Einladung ausschlägst
  • eine Pause brauchst
  • nicht so viel leisten kannst wie andere
  • vereinbarte Termine auch mal kurzfristig absagst, weil es dir nicht gut geht

Dabei ist genau diese Selbstfürsorge für Hochsensible absolut wichtig — und sollte niemals ein Grund für Schuldgefühle sein.

Hinweis: In meinem kostenfreien PDF „Selbstfürsorge-Routinen für Menschen mit Hochsensibilität“ findest du viele Ideen, um deinen Tagesablauf entspannt und stressfrei zu gestalten.

 

 

Die psychologischen Ursachen hinter den intensiven Schuldgefühlen

Natürlich kommen Schuldgefühle bei Hochsensibilität nicht aus dem Nichts.

Alles hat Ursachen. Und die Ursachen für Schuldgefühle liegen meist in ungünstigen Prägungen durch schlechte Umgebungsbedingungen während der Kindheit.

 

Verantwortungsübernahme für andere

HSP fällt es aufgrund ihrer zerbrechlichen Grenzen schwer, zu erkennen, bis wohin ihr Verantwortungsbereich geht und ab wann der anderer Menschen beginnt. Bei Hochsensiblen passiert das schnell, weil du dich emotional mit Situationen und anderen verbindest und manchmal der objektive Blick verlorengeht.

Besonders dann, wenn hochsensible Kinder die Verantwortung für labile Bezugspersonen übernehmen mussten, um ihr Überleben zu sichern, bildet sich dieses Verhaltensmuster.

Folgen von Parentifizierung für Menschen mit Hochsensibilität

 

Überidentifikation mit Emotionen

Als HSP hörst du nicht nur, was jemand sagt — du spürst, was er meint.

Dadurch identifizierst du dich stark mit den Gefühlen anderer. Sobald dein Gegenüber zeigt, dass es sich unwohl fühlt, geht es auch dir nicht gut. Der Grund für verschwommene Grenzen kann in der Hochsensibilität begründet, aber auch das Ergebnis ungestillter kindlicher Bedürftigkeit sein.

Tipp: In meinem kostenfreien PDF „Bedürftigkeit stillen und Grenzen stabilisieren“ findest du viele Informationen, wie du lernen kannst, dich besser von anderen Menschen abzugrenzen.

 

Prägungen aus der Kindheit

Viele Hochsensible wurden als Kind gelobt, wenn sie ruhig, vernünftig, verantwortungsbewusst oder hilfsbereit waren. Sie lernten: „Ich muss gut sein, um geliebt zu werden.“

Diese innere Überzeugung begünstigt das Muster von Schuldgefühlen bei Hochsensibilität — das Gefühl, immer etwas leisten oder richtig machen zu müssen. Im Grunde sind diese Schuldgefühle Traumareaktionen deiner verwundeten Seele.

Hinweis: Wenn du mehr zum Thema Traumaaufarbeitung wissen möchtest, lade dir einfach mein kostenfreies PDF „Trauma und Hochsensibilität“ herunter.

 

Sensibilität gegenüber Kritik

Ein kleiner Kommentar oder ein missverständlicher Blick kann für Hochsensible tiefer wirken als beabsichtigt. Oft wird ein neutraler Hinweis als Vorwurf oder Kritik interpretiert. Diese Überreaktion führt schnell zu Schuld oder Scham.

Auch hinter diesem Muster stecken traumatische Erfahrungen, die zu tiefen inneren Wunden geführt haben. Neutrale Kritik wird dann schnell als persönlicher Angriff gewertet.

 

Gaslighting durch frühere Bezugspersonen

Gaslighting ist eine Form psychischer Gewalt, bei der Menschen andere Menschen an ihrer Wahrnehmung zweifeln lassen, um ihre Kontrolle zu behalten.

Gaslighting geschieht z. B., wenn traumatisierte Bezugspersonen die feine Wahrnehmung ihrer hochsensiblen Kinder negieren, obwohl diese anzeigen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Dadurch wird die Verbindung zur Intuition gestört, und derartig manipulierte Menschen haben oft ein Leben lang Zweifel, ob ihre Wahrnehmung stimmt.

 

 

Der Weg aus den Schuldgefühlen: 9 Strategien für HSP

Diese Schritte helfen dir, Schuldgefühle als Hochsensible sanft, aber wirkungsvoll aufzulösen. Sie bringen dich weg von automatischer Selbstkritik hin zu mehr innerer Klarheit.

Hinweis: Übung macht den Meister. Sei liebevoll mit dir, wenn du trotz deiner Versuche immer wieder mit Schuldgefühlen zu kämpfen hast. Es ist ganz normal, dass es eine Weile dauert, bis du deine inneren Wunden geheilt hast.

 

1. Erkennen, was gerade passiert

Der wichtigste erste Schritt ist Bewusstsein. Viele Hochsensible rutschen so schnell in Schuldgefühle, dass sie gar nicht merken, wann sie entstanden sind.

Sage dir deshalb bewusst: „Das ist ein Schuldgefühl — kein Beweis.“

Dieser Satz schafft Abstand und verhindert, dass du direkt ins Grübeln oder in Selbstvorwürfe fällst. Du kannst dadurch lernen, in eine Art Beobachterposition zu treten, von der aus du betrachten kannst, was gerade in dir vorgeht. Aus dieser Position heraus kannst du dich viel besser regulieren und versuchen, deine Schuldgefühle abzubauen.

 

2. Trennen, was wirklich zu dir gehört und was nicht

Weil du als hochsensibler Mensch die Gefühle anderer leicht wahrnimmst, wirken sie oft wie deine eigenen. Dadurch entsteht schnell übermäßige Verantwortung. Stelle dir einfach diese Fragen:

  • Ist dieses Gefühl wirklich meins? Fühlt es sich an wie mein eigenes?
  • Habe ich objektiv etwas falsch gemacht? In den meisten Fällen heißt die Antwort „Nein“.

Diese Unterscheidung ist der Kern, um unberechtigte Schuldgefühle loszulassen.

So lernst du, dich von anderen abzugrenzen - Hochsensibilität und Schuldgefühle

3. Bedürfnis statt Rechtfertigung

Hochsensible neigen dazu, sich für ihre Bedürfnisse zu entschuldigen. Doch Bedürfnisse sind nichts, wofür du dich rechtfertigen musst.

Wenn du z. B. gerade erschöpft bist, dann sage einfach: „Ich brauche heute Ruhe.“

Nicht erklären, nicht entschuldigen. Du musst niemandem Rechenschaft ablegen — nur klar sein. Das entlastet dich, stärkt deine Grenzen und dein Gegenüber weiß, was los ist. Gerade wenn Hochsensibilität in der Partnerschaft besteht, ist eine klare Bedürfniskommunikation erforderlich.

 

4. Grübelschleifen stoppen

Grübeln verstärkt Schuldgefühle und erschöpft dein Nervensystem.

Hilfreiche Methoden dafür sind:

  • Fokussieren auf den Atem (tief in den Bauch ein- und ausatmen)
  • Gedanken aufschreiben und dich danach etwas ganz anderem widmen
  • kurze Bewegung, z. B. eine kleine Sporteinheit• Körperwahrnehmung stärken (z. B. durch eine kleine Massage, Bodyscan)

 

Je schneller du deine Grübelschleife stoppst, desto besser kannst du deine Schuldgefühle bewusst transformieren.

 

5. Neue Glaubenssätze etablieren

Dein Nervensystem reagiert stark auf innere Sprache. Ersetze kritische Sätze durch beruhigende:

  • „Ich darf Grenzen haben.“
  • „Ich bin nur für mich selbst verantwortlich.“
  • „Ich darf Fehler machen.“
  • „Ich habe mein Bestes gegeben.“

Regelmäßig wiederholt, verändern sie langfristig dein inneres Erleben. Diese Glaubenssätze wirken am besten, wenn du es schaffst, sie tatsächlich mit einem positiven Gefühl zu verbinden.

Allerdings ist es schwierig, Schuldgefühle auf diese Art zu bearbeiten, wenn sie in einem sehr jungen Lebensalter entstanden sind (als du noch nicht sprechen konntest).

 

6. Selbstmitgefühl kultivieren

Wir selbst sind unsere größten Kritiker.

Wie wir mit uns umgehen, ist das Resultat dessen, wie uns unsere Bezugspersonen behandelt haben. Wer als Kind viel beschämt und verurteilt wurde, ist auch als Erwachsener sehr kritisch mit sich selbst.

Frag dich deshalb: Was würde ich einem Freund oder einer Freundin sagen, wenn er oder sie gerade unter Schuldgefühlen leidet? Und sage genau das zu dir.

 

Dadurch lernst du, dir selbst ein guter Freund bzw. eine gute Freundin zu werden und liebevoller mit dir umzugehen. Selbstmitgefühl ist bei Hochsensibilität kein Luxus — es ist notwendig, damit du nicht ständig in Schuld und Selbstkritik rutschst.

4 Tipps, um als HSP dein Selbstmitgefühl zu stärken

 

7. Dein Nervensystem verstehen

Reizüberflutung ist keine Schwäche, sondern eine körperliche Reaktion. Wenn du verstehst, dass Müdigkeit, Rückzug oder Sensibilität normale Folgen eines intensiv arbeitenden Nervensystems sind, verliert Schuld automatisch an Macht.

Auch kann es vorkommen, dass du aufgrund eines viel zu hohen Stresspegels gereizt bist und vielleicht unangemessen auf deine Mitmenschen reagierst. Wenn du jemandem aufgrund innerer Überforderung auf den Schlips getreten bist, kannst du dich entschuldigen und zukünftig für bessere Bewältigungsstrategien sorgen (z. B. mehr Pausen, Regulationsübungen).

Aber dich dauerhaft schuldig zu fühlen, hilft weder dir noch deinem Gegenüber.

 

8. Beziehungen klar gestalten

Offene Kommunikation verhindert Missverständnisse und unnötige Schuldgefühle.

Sag frühzeitig, was du brauchst, statt es zu unterdrücken. Menschen, die dich mögen, werden deine Klarheit respektieren. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit schwieriger Situationen verringert und die Chance erhöht, dass Missverständnisse schneller aufgelöst werden.

Hinweis: Je offener du kommunizierst, desto mehr hilfst du auch deinem Gegenüber, für sich selbst einzustehen. Wenn du dir erlaubst, dich auszudrücken, lernt dein Gegenüber, dass es sich das ebenfalls erlauben kann. So wird eure Beziehung noch tiefer und stabiler.

 

9. Vergeben — vor allem dir selbst

Vergebung bedeutet nicht, alles zu vergessen, sondern dich selbst nicht länger zu bestrafen.

Es bringt nämlich überhaupt nichts, dich für die Fehler deiner Vergangenheit zu rügen. Natürlich kannst und solltest du dich entschuldigen, wenn du jemanden verletzt hast. Das kann Beziehungen heilen und eine gesunde Harmonie herstellen.

Aber es führt zu nichts, wenn du dich den Rest deines Lebens mit Schuldgefühlen herumschleppst.

 

Sage dir: „Ich darf Mensch sein. Ich habe aus bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Ich bin vollkommen unperfekt — und das ist okay.“ Mit jedem Stück Selbstvergebung verlieren deine Schuldgefühle an Kraft, machen Platz für einen liebevollen Umgang mit dir selbst und senkt deine Angst vor Fehlern.

Sich selbst vergeben lernen als Hochsensibler: So gelingts

 

Erfahrungsbericht: Was ich als Hochsensible über Schuldgefühle gelernt habe

Während meiner Kindheit habe ich oft eingeredet bekommen, für die Gefühle meines Umfeldes verantwortlich zu sein. Zudem wurden mir Aufgaben übertragen, die ich aufgrund meines Alters gar nicht bewältigen konnte — und es war vorprogrammiert, dass die Sache in die Hose geht.

Leider wurde ich dafür dann auch noch gerügt und hatte über lange Zeit sehr starke Schuldgefühle, die sich aufgrund meiner Hochsensibilität zu einem schier unbändigen inneren Monster entwickelt hatten.

 

Erst, als ich in einem gesunden Umfeld war, hatte ich die Möglichkeit, mich mit meinen Schuldgefühlen bewusst auseinanderzusetzen und sie Stück für Stück abzubauen.

Ich habe verstanden, dass:

  • Schuldgefühle aus Selbstschutz entstehen können, um die Entstehung neuen Schmerzes zu verhindern („Ich kritisiere mich lieber selbst, bevor du es tust.“)
  • Schuldgefühle auch aus Ohnmacht geboren werden können und einem das Gefühl verleihen, über jemanden Macht und Kontrolle zu haben (um die eigene Hilflosigkeit zu überdecken)
  • es überhaupt nichts bringt, sich für Fehler zu bestrafen, da dann der Stresspegel dauerhaft erhöht ist (es kommt schneller zu Missverständnissen und Verletzungen)

 

Ich persönlich habe lange gebraucht, um mir einzugestehen, dass Schuldgefühle auch deshalb so hartnäckig bleiben, weil sie eine tiefe Ohnmacht überdecken müssen — ein Gefühl des Ausgeliefertseins. Wer ernsthaft glaubt, in seiner Kindheit für die Verletzungen anderer Menschen verantwortlich zu sein, hatte nie das Gefühl, wirklich sicher und gesehen zu sein.

Der innere Halt muss dann letztlich durch das Gefühl erschaffen werden, mächtig zu sein.

Mittlerweile kann ich gut erkennen, wofür ich tatsächlich Verantwortung habe — und wofür nicht. Je mitfühlender und sicherer ich mit mir selbst bin, desto weniger Angriffsfläche haben die (unberechtigten) Schuldgefühle.

 

Wenn auch du aufgrund deiner Hochsensibilität unter starken Schuldgefühlen leidest, dann schau gern in meiner Beratung vorbei. Gemeinsam arbeiten wir an den Ursachen und du kannst dich Stück für Stück von diesem Gefühl befreien.

 

Authentisch sein: 5 Gründe für mehr Authentizität in deinem Leben

Authentisch sein: 5 Gründe für mehr Authentizität in deinem Leben

Hast auch du das Gefühl, immer irgendeine Rolle spielen zu müssen? Und dass du manchmal gar nicht mehr weißt, wer du eigentlich bist? Ich kenne das auch! Deshalb möchte ich dir heute 5 Gründe mit auf den Weg geben, warum es sich lohnt, authentisch zu sein.

 

Du nimmst mit:

  • weshalb du nichts gewinnst, wenn du immer mit Maske herumläufst
  • was die Grundlage dafür bildet, authentisch sein zu können
  • wie deine Authentizität dir dabei hilft, Hochsensibilität im Alltag zu leben

 

Was bedeutet „authentisch sein“ überhaupt?

 

Keiner von uns ist ein unbeschriebenes Blatt. Sobald wir auf der Welt sind, lernen wir.

Dir wird beigebracht, wie Dinge funktionieren, was erlaubt ist, und was nicht. Und wenn du Glück hast, sind die Bedingungen so gut, dass du dich richtig kennenlernen kannst.

Leider steigen mit zunehmendem Lebensalter auch die Anforderungen und Erwartungen. Und dann kann es schnell passieren, dass du vergisst, was deine wahre Natur ist.

 

Denn Intuition und Hochsensibilität gesund zu leben, ist in unserer Gesellschaft nicht ganz einfach.

Authentisch sein bedeutet, die Verbindung zu sich selbst zu halten und diese so gut wie möglich auszuleben. Authentizität macht dich zu einem bunten Schmetterling inmitten einer eher farblosen und grauen Masse.

Sobald du deine Ecken und Kanten, Facetten, Stärken und Schwächen nicht mehr verbirgst, sondern offen zeigst, wirst du dir das Leben aufbauen können, das wirklich zu dir passt. Denn wenn du weißt, wer du bist und was du willst, ziehst du auf magische Art und Weise an, was dir und deinem Naturell entspricht.

Was authentisch sein für Hochsensible bedeutet: sich nicht zu verbiegen, Emotionen auszuleben, bedürfnisgerecht zu leben

 

Nr. 1: Warum authentisch sein? Masken entfremden dich von dir!

 

Was möchtest du am Ende deines Lebens sagen können? Dass du DEIN Leben gelebt hast, oder? (Zumindest möchte ich das sagen können, wenn ich diese Welt verlasse.)

Klar, Masken zu tragen und eine Rolle zu spielen, ist manchmal unumgänglich. In einem gewissen Maße können sie uns schützen.

 

Aber einige Menschen laufen immerzu mit einer Maske herum und können diese nicht einmal vor sich selbst fallen lassen. Die Erfahrung hat sie gelehrt, dass sie in ihrem ursprünglichen Naturell nicht akzeptiert werden. Sie lernen, dass sie nur dann gemocht werden, wenn sie eine Rolle spielen (z. B. die der braven Tochter, der aufopfernden Mutter, des starken und fleißigen Vaters). Mit der Zeit stellen sie immer höhere Erwartungen an sich selbst.

Menschen vergessen so nach und nach, wer sie sind und was sie eigentlich wollen. Sie sind oft so auf eine Rolle festgelegt, dass ihre ehemals bunte Gefühlswelt nach und nach einfriert.

Das Resultat ist ein ziemlich anstrengendes, entbehrungsreiches, angepasstes Leben, das sich überdies vielleicht sogar fremd anfühlt.

Ich finde, niemand hat so ein Leben verdient!

 

Nr. 2: Authentisch sein hilft dir, gesund zu bleiben!

 

Außerdem entwickeln sich schnell psychische Dysbalancen und körperliche Beschwerden, wenn du langfristig deine wahre Natur übergehst.

Depressionen, Erschöpfungssymptome, Reizdarm und Co. – all das kann (muss nicht!) darauf hinweisen, dass du viel Anstrengung investierst, um es anderen recht zu machen. Und am Ende keine Kraft mehr übrigbleibt, um deinen eigenen Bedürfnissen nachzukommen.

Wenn du zu dir selbst stehst und den Erwartungen anderer Einhalt gebietest, dann schützt du dich und deine Gesundheit.

Grenzen setzen und verteidigen kannst du nämlich nur, wenn du weißt, wo sie sind. Und dafür ist viel Selbsterkenntnis nötig.

Vorteile von Authentizität für Menschen mit Hochsensibilität

 

Nr. 3: Authentizität bereichert deine sozialen Beziehungen!

 

Immerzu Masken zu tragen und Rollen zu spielen macht dich unnahbar – gegenüber dir selbst und anderen. Wahrhaftige Beziehungen sind unmöglich. Und es ist in diesem Zustand ebenso unmöglich, sich zu entwickeln.

Authentisch sein bewahrt dich vor einem Leben voller Zwänge, Erwartungen und Dogmen.

Wenn du authentisch bist, spielst du nicht mehr nach den Spielregeln anderer, sondern nach deinen eigenen. Das macht dich für deine bisherigen sozialen Kontakte vielleicht zu einem unbequemen Zeitgenossen, weil du nicht mehr das machst, was sie von dir wollen. Aber du weißt, dass du DEIN Leben lebst, und du wirst nun Menschen in dein Leben ziehen, die dich für deine Authentizität feiern!

Authentisch zu sein, bedeutet, authentische Beziehungen führen zu können – und deine Hochsensibilität in der Partnerschaft in all ihren Facetten zu leben. Deine Beziehungen werden sich für dich zu einer Quelle des Wachstums entwickeln.

 

Ich persönlich erfahre durch Authentizität in meinem sozialen Umfeld:

  • offene Kommunikation von Grenzen und Bedürfnissen
  • tiefe Verbundenheit
  • wahrhaftige emotionale Unterstützung und Geborgenheit
  • die Möglichkeit, bei Entwicklungen unterstützt zu werden
  • dass immer mehr Menschen mit ähnlichem Naturell zusammenfinden

 

Nr. 4: Authentisch leben hilft dir, durchsetzungsfähig zu sein!

 

Mal ehrlich: Kannst du jemanden ernst nehmen, der gerade etwas Wichtiges mit dir besprechen möchte, aber dabei nervös auf den Boden schaut und vor sich hin stammelt? Offensichtlich hat dieser Jemand Angst und kann nicht selbstbewusst für seine Bedürfnisse einstehen.

Angst kommt von Enge.

Und Enge entsteht unter anderem, wenn wir Dinge machen müssen, die wir nicht machen wollen bzw. können. Wer nie gelernt hat, erhobenen Hauptes für sich einzustehen und auch mal „NEIN“ zu sagen, der wird im Leben oft hin und her geschubst. Weil einfach keine Gegenwehr zu erwarten ist.

 

Wenn du authentisch bist, bist du automatisch in deiner Kraft. Und dann kannst du dich besser verteidigen, wenn dir jemand die Butter vom Brot nehmen will. Eine aufrechte Körperhaltung, Blickkontakt und eine ernste Miene genügen manchmal schon, um deinen Standpunkt zu vermitteln.

Reicht das nicht, hilft dir deine Authentizität auch dabei, sprichwörtlich mit der Hand auf den Tisch zu hauen. Je authentischer du sein kannst, desto mehr wird dein Selbstvertrauen anwachsen.

 

Nr. 5: Authentizität macht dich glücklicher!

 

Sobald du gelernt hast, authentisch zu sein, wird sich dein Leben Stück für Stück so entwickeln, wie es zu dir passt:

  • Menschen, die mit deinem Selbstbewusstsein nicht zurechtkommen, werden aus deinem Umfeld verschwinden.
  • Beruflich werden sich Möglichkeiten ergeben, bei denen deine Fähigkeiten und Talente entsprechend deinen Bedürfnissen eingesetzt werden können.
  • Deine Power befähigt dich dazu, dir dein Wohnumfeld so zu gestalten, wie du es dir in deiner Vorstellung ausgemalt hast.
  • Weil du deine Grenzen kennst und wahrst, bleibst du gesünder und im Gleichgewicht.
  • Du kannst dich immer besser in dir selbst verankern, weil du weißt, dass du wertvoll bist und an deine Stärke glaubst.

All das macht dich zu einem glücklicheren Menschen.

Du schwimmst nicht mehr im Strom der Masse mit, aber du hast jetzt Menschen um dich, die dich für das lieben, was du wirklich bist.

Ich glaube, das Leben „belohnt“ Menschen, die den Mut aufbringen, ihre Einzigartigkeit zu leben!

Authentizität vs Angepasstheit für Menschen mit Hochsensibilität - Vor- und Nachteile

 

Fazit: Authentisch sein wird dein Leben in jeder Hinsicht bereichern!

 

Dich gibt es nur ein einziges Mal auf dieser Welt.

Und deshalb bist du mit deinem besonderen Naturell in jeder Hinsicht ein Gewinn und darfst gern zeigen, wer du wirklich bist.

Authentizität befähigt dich, dein Leben nach deinen Vorstellungen gestalten zu können. Außerdem wird dein Selbstbewusstsein immer mehr wachsen, wenn du beginnst, auf dein Inneres zu vertrauen. Damit leistest du aktiven Gesundheitsschutz, kannst tiefere Beziehungen führen und deine Grenzen verteidigen.

Also dann! Zeig dieser Welt, welche Schätze in dir schlummern!

Brauchst du dabei ein wenig Hilfe? Dann nimm gern Kontakt zu mir auf!

Perfektionismus ablegen: Wie du perfektionistisches Verhalten überwindest

Perfektionismus ablegen: Wie du perfektionistisches Verhalten überwindest

In unserer Gesellschaft ist er allgegenwärtig: Perfektionismus, und zwar in jeder Form. Wir Hochsensiblen neigen dazu, sehr schnell perfektionistische Verhaltensweisen auszubilden. Warum das so ist, und wie du Perfektionismus ablegen kannst, erfährst du jetzt.

 

Du nimmst mit:

  • was Perfektionismus ist und wie er sich im Alltag äußert
  • wie traumatische Erfahrungen die Ausbildung eines solchen Verhaltens begünstigen
  • warum vor allem Selbstliebe und Selbstakzeptanz helfen, um Perfektionismus abzulegen

 

Was ist Perfektionismus überhaupt?

 

Manche bezeichnen ihn als Persönlichkeitsmerkmal, andere als Verhaltensweise.

Ich persönlich würde Perfektionismus als ein erlerntes Verhalten bezeichnen, das sich infolge ungünstiger emotionaler und sozialer Bedingungen entwickelt hat – und dem auch eine gewisse (genetische) Veranlagung zugrunde liegt.

Perfektionismus bei Menschen mit Hochsensibilität - Anzeichen

Was meine ich konkret?

Perfektionismus äußert sich vor allem durch sehr hohe Ansprüche an sich selbst und andere, einen sehr strengen inneren Kritiker und Antreiber sowie Kontrollstreben. Oft schwingt eine permanente Versagensangst (Angst, nicht gut genug zu sein) und Angst vor Kontrollverlust mit.

Im Grunde handelt es sich bei Perfektionismus um die Angst, andere könnten die eigene Fehlbarkeit erkennen und einen aufgrund dessen (wieder) verletzen, demütigen und beschämen. Und natürlich liegt die Ursache von Perfektionismus – wie so oft – in der Kindheit.

 

Die Ursachen liegen in der Kindheit!

 

Perfektionistisches Verhalten ist, in seiner krankhaften, dysfunktionalen Form, eine Traumafolge und kann zu Depressionen und anderen Erkrankungen führen.

Besonders, wenn du als hochsensibler Mensch in der Kindheit für deine bunte Gefühlswelt gerügt worden bist, deine Wahrnehmungen angezweifelt wurden und du für jeden „Fehler“ bestraft wurdest, liegt es nahe, perfektionistisches Verhalten auszubilden.

Denn Menschen mit Hochsensibilität sind auf ein liebevolles und bestärkendes Umfeld angewiesen, das dabei unterstützt, die eigene Intuition gesund zu leben. Die meisten von uns hatten ein solches Umfeld in der Kindheit nicht.

Ursachen von Perfektionismus bei Menschen mit Hochsensibilität

Je öfter hochsensible Kinder gespiegelt bekommen, dass sie nicht in Ordnung sind, desto früher und stärker bilden sich Perfektionismus und die Angst vor Fehlern aus.

 

Warum? Weil wir Hochsensiblen in vielerlei Hinsicht empfindlicher reagieren auf:

  • Bewertungen unserer Bezugspersonen
  • nonverbal kommunizierte oder direkt ausgesprochene Erwartungen
  • erlebten Schmerz, der sich tief in unsere Seele brennt
  • das Gefühl, unverstanden zu sein und uns nicht zugehörig zu fühlen
  • unser soziales Umfeld, ihre inneren Verletzungen und daraus resultierende Ansprüche an uns

Es ist unser natürlicher Anspruch, Dinge „gut“ zu machen.

Wird die Erfüllung unserer Grundbedürfnisse (z. B. Liebe) allerdings an Leistungen geknüpft, erzeugt das automatisch Druck und Angst. Und die sind idealer Nährboden, um krankhaften Perfektionismus zu entwickeln.

Übrigens: Wenn du wissen willst, was geschieht, wenn Trauma in früher Kindheit ausgebildet wird, dann schau gern einmal in mein kostenfreies PDF „Der Mensch als Schichtsystem – Warum Entwicklung in Spiralen erfolgt“ hinein!

 

Dysfunktionalen Perfektionismus ablegen: Ist das möglich?

 

Es ist wichtig, zu unterscheiden, ob Perfektionismus noch sinnstiftend oder schon krankhaft ist.

Manchmal ist ein wenig Kontrolle nicht schlecht! Wenn deine Gedanken allerdings permanent darum kreisen, ob du wirklich alles richtig gemacht hast und dich für jeden Fehler verurteilst, dann ist dein perfektionistisches Verhalten zu einer Bürde geworden.

Unterschiede zwischen funktionalem und dysfunktionalem Perfektionismus erkennen

Grundsätzlich versucht der innere Perfektionist, dich vor einer erneuten Beschämung seitens deines sozialen Umfelds zu bewahren, also dein (emotionales, soziales) Überleben zu sichern. Je größer er allerdings wird, desto mehr beraubt er dich deiner Leichtigkeit und Lebensfreude.

 

Ich persönlich habe mich die meiste Zeit meines Lebens für all das, was nicht „perfekt“ gelaufen ist, geschämt. So sehr, dass ich manchmal gern im Erdboden versunken wäre. Ich bin so oft für meine natürliche Menschlichkeit gedemütigt worden, dass ich irgendwann einen extrem hohen (nicht erfüllbaren) Anspruch an mich entwickelt hatte.

Erst, als nichts mehr ging, habe ich lernen müssen, Perfektionismus abzulegen. Und das hat natürlich eine Weile gedauert!

 

Selbstmitgefühl: Die Basis, um Perfektionismus zu überwinden

 

Du kannst deinen Perfektionismus ablegen – wenigstens zu einem gewissen Teil. Und das bringt dir eine Menge Leichtigkeit in dein Leben zurück. Ein liebevoller Umgang mit dir selbst ist die Basis, um dein perfektionistisches Verhalten zu reduzieren.

Ich habe das lange nicht verstanden.

Warum soll ich denn liebevoll mit mir sein, trotz dem ich Fehler mache (was übrigens normal ist, wenn man ein Mensch ist). Meine Liebe zu mir war immer davon abhängig, dass ich möglichst alles richtig mache. Ein Fehler – und schon habe ich mich selbst verurteilt, mich noch mehr unter Druck gesetzt. Ein Teufelskreis, der zu immer mehr Stress geführt hat.

 

Für dich ist es wichtig, zu verstehen, dass du dysfunktionalen Perfektionismus entwickelt hast, weil du verletzt worden bist. Er ist die Folge traumatischer Erfahrungen, die dir weh getan haben.

Erst, als ich das begriffen hatte, wurde ich ein wenig sanfter zu mir. Endlich erhielt ich Zugang zu all dem Schmerz, der sich über die Jahre angestaut hatte. Ich durfte trauern, meine Wut zulassen, und lernte, mir liebevoll zu begegnen.

Je besser ich das konnte, desto weniger Angriffsfläche hatte der Perfektionismus. Mit zunehmendem Selbstmitgefühl konnte ich ungesunde Erwartungen loslassen und mir ein gutes Stück Leichtigkeit zurückholen.

Selbstwertgefuhl bei Hochsensibilität stärken

 

3 Tipps für den Alltag, um perfektionistisches Verhalten abzubauen

 

Ich weiß, wie schwer es ist, alte Muster loszuwerden und durch gesünderes Verhalten zu ersetzen. Aber es ist möglich! Und du schaffst das auch.

Um Perfektionismus abzulegen, kannst du im Alltag auf 3 kleine Dinge achten:

  1. Versuche, dein Körpergefühl zu stärken. Je besser du mit deinem Körper verbunden bist, desto weniger Zeit verbringst du im Kopf. So kannst du das innere Gefühl von Sicherheit erhöhen – der Perfektionismus nimmt langsam ab. Zudem kannst du jetzt viel besser Grenzen setzen.
  2. Beame dich in den Beobachtermodus, wenn du bemerkst, dass du gerade viel zu streng mit dir bist. Du kannst diese Fähigkeit trainieren und identifizierst dich weniger mit dem verurteilenden inneren Kritiker.
  3. Werde der beste Freund/die beste Freundin für dich. Ja, das geht (und dauert, aber das ist OK). Pflege einen liebevollen Umgang mit dir. Wann immer du merkst, dass da gerade der innere Perfektionist werkelt, sprich dir innerlich gut zu.

 

Fazit: Perfektionismus ablegen durch Selbstmitgefühl

 

Niemand ist perfekt!

Und niemand muss perfekt sein, um geliebt zu werden. Verstehe, dass dein Überleben nicht (mehr) davon abhängig ist, wie andere dich beurteilen.

Du bist liebenswert, mit allem, was dich ausmacht!

 

Perfektionistisches Verhalten ist anstrengend. Du kannst es nach und nach abbauen, indem du lernst, den Schmerz darunter anzuerkennen und zu heilen. Die Stärkung deiner Körperwahrnehmung und ein liebevoller Umgang mit dir und deiner Einzigartigkeit helfen dir dabei, Perfektionismus abzulegen. In meinem PDF zum Thema „Perfektionismus abbauen“ findest du noch mehr Infos dazu.

Ich weiß genau, dass du das schaffst! Falls du dabei ein wenig Unterstützung brauchen solltest, dann nimm doch gern Kontakt zu mir auf.

 

Erwartungen loslassen: Weniger Druck & mehr innere Freiheit

Erwartungen loslassen: Weniger Druck & mehr innere Freiheit

Spürst du manchmal Enge in der Brust, weil die Ansprüche von dir und anderen viel zu hoch sind? Ich kenne das gut! Heute möchte ich dir zeigen, wie du ein paar deiner Erwartungen loslassen kannst, um zu mehr innerer Freiheit zu finden.

 

Du nimmst mit:

  • wo die Erwartungen, die dir zu schaffen machen, überhaupt herkommen
  • welche Erwartungen du getrost loslassen kannst
  • warum dich zu hohe Ansprüche an dich und andere krank machen können

 

Woher kommt meine Erwartungshaltung überhaupt?

 

In unserer Kindheit lernen wir, welche Ziele wir im Erwachsenenalter erreichen sollten, um gesellschaftlich anerkannt und wertvoll zu sein. Und natürlich auch, was passiert, wenn wir diesen Ansprüchen nicht gerecht werden.

Dann gelten wir offiziell als gescheitert – und wer will das schon?

Zudem ist es Teil der menschlichen Natur, dass wir uns ständig mit anderen vergleichen. Wir wollen mindestens denselben Lebensstandard erreichen wie unsere Altersgenossen, um uns zugehörig und nicht abgehängt zu fühlen. Die Angst, nicht gut genug zu sein, schwingt dabei immer mit.

 

Und das führt dazu, dass irgendwann eine riesige Erwartungshaltung im Raum steht und wir uns mächtig anstrengen müssen, um all die unterschiedlichen Ansprüche zu erfüllen. Außerdem plagen vor allem Menschen mit Hochsensibilität Schuldgefühle, wenn sie den Erwartungen ihres Umfelds nicht entsprechen.

Wie eine zu hohe Erwartungshaltung krankmacht

Wir erwarten ein perfektes, glückliches Leben mit einem gutbezahlten Job, dem Traumpartner/der Traumpartnerin, jeder Menge Zeit für Selbstverwirklichung, verständnisvolle Menschen um uns herum und lebenslänglich so viel Freude, dass wir mit der Sonne um die Wette strahlen.

DAS IST NATÜRLICH ABSOLUTER QUATSCH!

Egal, wie sehr du dich anstrengst – du wirst kein perfektes Leben führen. Kein Leben ist perfekt!

Was du bei solchen hohen Erwartungen ganz sicher bekommst, sind ein dauerhaftes Engegefühl in der Brust, jede Menge Stress und rapide abnehmende Lebensfreude.

Die eigene Erwartungshaltung ist meistens das Ergebnis eines Lernprozesses, bei dem andere uns beigebracht haben, wie unser Leben aussehen sollte, um zu genügen und glücklich zu sein. Gleichzeitig erwarten wir von anderen, dass sie uns so behandeln, wie wir es für richtig halten.

 

 

Zu hohe Erwartungen an sich selbst loslassen

 

Wenn du spürst, dass die Ansprüche an dein Leben viel zu hoch sind oder überhaupt nicht zu deinem Naturell passen, dann vertraue darauf! Du kannst lernen, zu hohe Erwartungen loszulassen und dich von all dem Druck zu befreien. Deine Intuition ist dabei ein hervorragender Wegweiser.

Ich persönlich bin nach vollendetem Studium in eine richtig fette Krise geschlittert.

Mir wurde schlagartig klar, dass ich ab jetzt erwachsen sein musste. In meinem Kopf war die Erwartungshaltung an mein Erwachsenenleben so immens hoch, dass ich wusste: „Das packe ich nicht. Diesen Erwartungen kann ich NIEMALS gerecht werden.“

 

Mir wurde beigebracht, dass ich nur dann akzeptiert bin, wenn ich:

  • keine Grenzen setze, sondern zu allen lieb und nett bin
  • einen anerkannten Beruf in Vollzeit ausübe und viel Geld verdiene
  • Kinder bekomme und in einer dauerhaften Beziehung lebe
  • bestenfalls ein eigenes Haus baue
  • niemals von diesem Weg abweiche und mein Leben konstant bleibt

Vielleicht haben einige Menschen kein Problem damit, diesen Weg zu gehen. Aber für mich hat sich diese Vorstellung wie ein Gefängnis angefühlt.

Denn ich bin nicht so leistungsfähig wie andere. Ich bin Sinnsucher, reagiere sensibel auf Schwingungen aller Art und brauche viel Ruhe und Zeit allein. Ich schätze Tiefgang, liebe Abwechslung und will authentisch sein!

Das zu begreifen UND dazu zu stehen, hat viele Jahre gedauert.

Doch je besser ich mich kenne und je mehr ich mich liebe, desto leichter fällt es mir, zu hohe Erwartungen an mich und mein Leben loszulassen.

Ich habe begriffen, dass das, was da in meinem Kopf unter „mein perfektes Leben“ verortet war, eigentlich die Idealvorstellung von anderen ist – und nichts mit mir zu tun hat.

4 Gründe, warum ein perfektes Leben als Hochsensibler langweilig ist

 

Ansprüche an andere abbauen: Erwartungen in einer Beziehung loslassen

 

Ob Freunde, Familie oder in der Partnerschaft: Selbstverständlich hast auch du Erwartungen an andere.

Du willst sicher, dass deine Grenzen respektiert werden, du vernünftig über Konflikte sprechen kannst und liebe Menschen dir Geborgenheit geben, wenn es dir schlecht geht.

Das sind ziemlich hohe Ansprüche, auch wenn du vielleicht denkst: „Das ist doch selbstverständlich! Ich würde mich ja auch so verhalten.“

Tatsächlich wünsche ich jedem Menschen, dass er in einem gesunden, respektvollen Umfeld leben kann. In der Praxis weißt du aber, dass sich manche Konflikte in Beziehungen nie auflösen werden. Und dass du immer mal wieder auf Unverständnis stößt, trotz dem du dich erklärt und mitgeteilt hast.

 

Deshalb solltest du die Erwartung, dass andere sich so verhalten, wie du es möchtest, loslassen. Du ziehst dabei deine persönlichen Grenzen.

Wenn du bemerkst, dass dir eine Beziehung langfristig schadet, ist es völlig OK, wenn du den Kontakt reduzierst oder abbrichst. Alternativ kannst du auch deine Einstellung zu diesen Menschen/diesen Beziehungen ändern.

Mich persönlich hat es befreit, zu verstehen, dass sich manche Menschen NIEMALS ÄNDERN werden, egal, wie viel Mühe ich mir mit ihnen gebe. Als ich das begriffen hatte, habe ich mich freier gefühlt. Denn ich habe meine Bittstellung abgelegt und meine Erwartungen diesbezüglich losgelassen.

 

 

Keine Erwartungen haben – ist das möglich?

 

Manche Menschen leben nach dem Motto: Keine Erwartungen, keine Enttäuschungen. Ich persönlich glaube nicht, dass ich so leben kann. Und das ist OK.

Jeder Mensch hat Ansprüche. Das ist normal und gesund!

Nur sollten sie sich in einem Rahmen bewegen, der realistisch ist, möglichst stressfrei aufrechterhalten werden kann und unserem Wohlbefinden dient. Dieser Rahmen sieht für jeden anders aus, weil wir alle so unterschiedlich sind.

Erwartungen können uns dabei helfen, zu wachsen. Wenn du aktiv auf ein Ziel hinsteuerst, das sich für dich richtig anfühlt, dann motiviert dich die Erwartung, dass es auch eintrifft.

Andernfalls können uns Ansprüche an uns selbst und andere einengen. Vor allem dann, wenn sie viel zu hoch sind und nicht zu unseren persönlichen Bedürfnissen passen. Wenn Hochsensible Intimität erleben, haben Erwartungen z. B. so gar keinen Platz.

 

Manche Erwartungen sind so destruktiv, dass du sie JETZT getrost loslassen kannst:

  • Die Erwartung, dass du perfekt sein musst, um liebenswert zu sein.
  • Die Erwartung, dass du es jedem recht machen musst.
  • Die Erwartung, dass du nur dann glücklich sein kannst, wenn du den richtigen Partner hast.
  • Die Erwartung, dass du erst etwas erreichen musst, um zu genügen und wertvoll zu sein.
  • Die Erwartung, dass andere Menschen deine Bedürfnisse erfüllen müssen.

Vielleicht hast du es bemerkt: Viele Erwartungen sind so absolut, dass sie mit dem Wörtchen „müssen“ verknüpft sind. Achte mal darauf, wie oft du dieses Wort denkst und sagst – und es dich spürbar unter Druck setzt.

Du MUSST nämlich gar nichts! Je weniger Erwartungen du an dich hast, desto authentischer bist du übrigens.

gesunde Erwartungshaltung für Menschen mit Hochsensibilität

 

Fazit: Erwartungshaltung abbauen und innere Freiheit genießen

 

Es ist ganz normal, dass du Ansprüche an dich, dein Leben und andere Menschen hast. Dennoch können die Erwartungen schnell überhandnehmen und dich in deiner Lebensfreude einschränken.

Spätestens dann, wenn du längerfristig inneren Druck verspürst oder sich Ängste entwickeln, ist es Zeit, zu hohe Erwartungen aufzuspüren und loszulassen. Vor allem die Angst vor Fehlern – also nicht perfekt zu sein – kann dich arg in die Enge treiben.

Oft sind die Vorstellungen von dem, was wir wollen, ziemlich idealistisch, haben eigentlich gar nichts mit uns zu tun und führen nur dazu, dass wir uns aufregen, wütend sind und leiden.

Beginne damit, herauszufinden, welche Erwartungen du an dich selbst hast und prüfe wohlwollend, ob und wie viele davon deinem Wohlbefinden und deinen persönlichen Zielen dienen. Zudem solltest du deine Zufriedenheit nicht von anderen Menschen abhängig machen.

 

Je realistischer deine Ansprüche sind, desto freier wirst du dich fühlen.

Zu hohe Erwartungen kannst du nach und nach einfach loslassen. Vielleicht hilft es dir, herauszufinden, was du für deine Zufriedenheit wirklich brauchst.

Distanziere dich von dem, was andere tun, denn Vergleichen bringt dich nicht weiter. Widme dich stattdessen eher dem Aufbau eines gesunden Selbstvertrauens.

Ich wünsche dir viel Kraft dabei, deinen eigenen Weg zu gehen, dich von fremden Erwartungen zu befreien und dem zu vertrauen, was dein Herz dir zuflüstert! Natürlich unterstütze ich dich gern! Nimm einfach Kontakt zu mir auf!