Du bist müde. Eigentlich sogar richtig erschöpft. Der Tag war lang und du hast dich schon den ganzen Nachmittag auf dein Bett gefreut. Endlich Ruhe. Doch kaum liegst du im Bett, passiert etwas Merkwürdiges: Dein Körper ist müde – aber dein Kopf ist hellwach.

Plötzlich kommen die Gedanken. Du möchtest abschalten. Aber es funktioniert einfach nicht. In diesem Artikel möchte ich dir aufzeigen, warum viele HSP Probleme beim Schlafen haben und wie du deine Schlafqualität verbessern kannst.

Tipps für einen besseren Schlaf bei Hochsensibilität, Nicole Trojahn

 

Hochsensibilität und Schlaf – gibt es einen Zusammenhang?

Hochsensibilität ist keine Krankheit und keine Schlafstörung. Sie beschreibt ein Persönlichkeitsmerkmal, bei dem Menschen Reize besonders intensiv wahrnehmen und tiefer verarbeiten können.

Viele hochsensible Menschen haben beispielsweise besonders feine Antennen für die Stimmung anderer Menschen.

Sie nehmen Geräusche, Gerüche, Schwingungen, Licht oder körperliche Empfindungen intensiver wahr. Auch Gefühle und zwischenmenschliche Situationen können lange nachwirken.

Studien wie von Costa-López et al. (2024) zeigen, dass Hochsensibilität auch mit stärkerem Stresserleben und einer schlechteren Schlafqualität zusammenhängt. Für hochsensible Menschen können ausreichende Phasen der Erholung deshalb besonders wichtig sein.

Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder hochsensible Mensch automatisch schlecht schläft.

Trotzdem kann die intensive Reizverarbeitung eine Rolle spielen, wenn du merkst, dass du nach besonders ereignisreichen Tagen schlechter einschläfst oder nachts nicht richtig zur Ruhe kommst.

 

Was bedeutet ein reizoffenes Nervensystem?

Der Begriff „reizoffenes Nervensystem“ wird im Zusammenhang mit Hochsensibilität häufig verwendet. Gemeint ist damit vereinfacht gesagt, dass besonders viele Informationen aus der Umwelt und aus dem eigenen Inneren wahrgenommen werden.

Das können ganz offensichtliche Dinge sein:

Aber auch subtilere Dinge können eine Rolle spielen:

  • die Stimmung eines anderen Menschen
  • ein bestimmter Gesichtsausdruck
  • ein veränderter Tonfall
  • ungelöste Konflikte
  • eigene Gefühle
  • Sorgen und Gedanken

 

Wenn dein Nervensystem während des Tages ständig neue Informationen verarbeitet, kann es sein, dass du am Abend zwar körperlich müde bist, innerlich aber noch nicht wirklich im Ruhemodus angekommen bist.

Auch Reizüberflutung kann zu einem dysregulierten Nervensystem führen, sodass du im Nachhinein viel Zeit brauchst, bis du wirklich zur Ruhe kommen kannst.

Tipp: Wenn du im Alltag öfter unter Reizüberflutung leidest und dich schnell wieder in Balance bringen möchtest, wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Nervensystem regulieren“.

 

Warum Hochsensible manchmal mehr Regeneration brauchen

Vielleicht hast du schon einmal gedacht: „Warum bin ich nach einem normalen Tag eigentlich so erschöpft?“

Von außen betrachtet war vielleicht gar nichts Besonderes los. Du warst arbeiten. Hast eingekauft, mit ein paar Menschen gesprochen und deine normalen Aufgaben erledigt. Für dein Nervensystem können diese vielen kleinen Reize aber trotzdem eine große Menge an Verarbeitung bedeuten.

Deshalb brauchen hochsensible Menschen manchmal mehr Rückzug und Regeneration, als ihnen ihr Umfeld zugesteht.

Das bedeutet nicht, dass du weniger belastbar bist.

Es kann einfach bedeuten, dass dein System anders mit Reizen umgeht. Genau deshalb ist es wichtig, auf deinen eigenen Körper zu hören – und ihm Ruhe zu gönnen, ohne Reizschuld zu haben.

Wie das Nervensystem von Hochsensiblen funktioniert, Nicole Trojahn

Warum können Hochsensible abends nicht abschalten?

„Ich kann nicht abschalten“ ist wahrscheinlich einer der Sätze, die viele Hochsensible rund um das Thema Schlaf kennen.

Du möchtest dich entspannen. Aber dein Kopf macht weiter. Warum?

 

1. Dein Gehirn verarbeitet den Tag noch

Während des Tages gibt es häufig gar keine Zeit, alle Eindrücke bewusst wahrzunehmen und einzuordnen.

Du funktionierst einfach. Du beantwortest eine E-Mail, gehst in ein Meeting, telefonierst mit einer Freundin, während du gerade beim Einkaufen bist und kümmerst dich danach zu Hause um die nächsten Aufgaben.

Erst wenn es ruhig wird, merkst du, wie viel eigentlich passiert ist.

Dann kommt beispielsweise der Gedanke: „Warum hat meine Kollegin heute so komisch reagiert?“ Und schon bist du mitten in einer Analyse. Was hat sie gemeint? Habe ich etwas falsch gemacht?

Vielleicht kennst du dieses Gedankenkreisen.

Gerade bei Hochsensibilität kann die tiefe Verarbeitung dazu führen, dass Erlebnisse noch lange im Inneren nachwirken.

 

Ich persönlich habe viele Jahre meines Lebens damit verbracht, Gespräche, die ich während des Tages geführt hatte, zu analysieren. Oft hatte ich dann mit Schuldgefühlen zu tun, weil ich sehr kritisch mit mir ins Gericht gegangen bin und meistens zu dem Schluss kam, dass ich Dinge hätte anders sagen/machen können.

Mittlerweile habe ich mir dieses Muster größtenteils abgewöhnt. Denn diese Grübelschleifen führen zu nichts (außer zu Stress) und waren in meinem Fall eher Ausdruck meiner Unsicherheit.

 

2. Reizüberflutung kann bis in den Abend hineinwirken

Ein voller Tag endet nicht automatisch mit dem Feierabend. Da ist noch so viel zu erledigen. Einkaufen, Kinder abholen, Haushalt, Abendbrot machen, duschen, den nächsten Tag vorbereiten etc. – und plötzlich ist es 22:30 Uhr.

Du bist zwar schon ein paar Stunden zu Hause – aber dein Nervensystem hatte noch keine echte Pause.

Gerade für Menschen mit Hochsensibilität kann eine solche Reizdichte belastend sein. Reizüberflutung entsteht schließlich nicht nur durch ein einzelnes besonders intensives Erlebnis. Es kann auch die Summe vieler kleiner Reize sein.

 

3. Gefühle kommen abends hoch

Manchmal sind es gar nicht die äußeren Reize, die dich wachhalten, sondern deine Gefühle.

Vielleicht hattest du tagsüber einen Konflikt in deiner Partnerschaft, der dich verletzt hat. Aber du hattest keine Zeit, dich mit all den Gefühlen auseinanderzusetzen, weil der Alltag irgendwie weitergehen musste.

Also hast du deine Wut und Traurigkeit unterdrückt und funktioniert.

Abends im Bett ist plötzlich Raum für all diese Gefühle. Und dann spürst du erst: „Eigentlich hat mich das heute ziemlich getroffen.“

Gerade zwischenmenschliche Situationen wie z. B. neurotisches Verhalten können bei hochsensiblen Menschen besonders intensiv nachwirken. Feinste Veränderungen in Mimik und Stimme werden wahrgenommen und können noch lange beschäftigt halten.

 

4. Du nimmst die Ruhe plötzlich sehr intensiv wahr

Auch das klingt zunächst paradox. Tagsüber wünschst du dir Ruhe. Wenn sie dann da ist, wird sie fast ungewohnt.

Du hörst plötzlich jedes Geräusch. Das Ticken der Uhr. Den Kühlschrank. Die Heizung. Vielleicht spürst du deine Bettdecke auf der Haut oder bemerkst deinen eigenen Herzschlag.

Während andere Menschen solche Reize kaum beachten, können sie deine Aufmerksamkeit regelrecht anziehen.

Dann wird aus „endlich Ruhe“ plötzlich: „Warum höre ich dieses Geräusch so laut?“ Und schon bist du wieder wach.

 

Ich persönlich kenne viele Hochsensible, die sogar ein bisschen Angst vor Ruhe haben. Vor allem Menschen, die viel Trauma erlebt und abgespeichert haben, erleben Stille oft als etwas Bedrohliches. Denn nun kommen traumatische Erlebnisse wieder ins Bewusstsein. Aus diesem Grund schlafen manche nur ein, wenn ihr Fernseher läuft oder sie wirklich so erschöpft sind, dass sie ganz schnell einschlafen.

Hinweis: Falls du dir nicht sicher bist, ob du hochsensibel oder traumatisiert bist, bzw. mehr zum Thema Trauma wissen möchtest, wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Trauma und Hochsensibilität – Entwicklung und Heilung von Traumata“.

 

Hochsensibel und Schlafprobleme: Ein Teufelskreis kann entstehen

Wenn du häufiger schlecht schläfst, kann zusätzlich ein innerer Druck entstehen.

Du liegst im Bett und denkst: „Ich muss jetzt schlafen.“ Dann schaust du auf die Uhr. 23:47 Uhr. „Morgen muss ich früh aufstehen.“ Du drehst dich um. 00:15 Uhr.

Du fragst dich immer wieder: „Warum schlafe ich immer noch nicht?“ – und schon fühlst du dich unter Druck gesetzt, schließlich musst du morgen früh fit sein.

 

Der Gedanke „Ich muss schlafen“ erzeugt zusätzlichen Stress

Schlaf lässt sich nicht erzwingen. Das ist vielleicht einer der schwierigsten Aspekte. Du kannst dich nicht einfach hinlegen und beschließen: „So, jetzt muss ich schlafen, also schlafe ich jetzt.“

Je stärker du kontrollierst, ob du bereits schläfst, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt dein Wachzustand.

Du bist keine Maschine, sondern ein Mensch.

Versuche es deshalb eher mit einer Erlaubnis: „Ich muss gerade nichts leisten. Ich darf einfach ruhen. Und wenn ich nicht schlafen kann, dann ist das nicht schlimm.“

Atmen. Die Augen schließen. Den Körper spüren. Und den Schlaf kommen lassen, wenn er kommt. Diese Zeit kannst du nutzen, um die Verbundenheit mit dir selbst zu stärken und liebevoll zu dir zu sein.

Einfache Einschlafübung für Menschen mit Hochsensibilität, Nicole Trojahn

 

Hochsensibel nachts wach – was kann dahinterstecken?

Manche Menschen mit Hochsensibilität schlafen zunächst problemlos ein und wachen später in der Nacht auf.

Vielleicht kennst du das: Du wachst um drei Uhr auf und bist plötzlich hellwach. Und kaum bist du wach, beginnt dein Kopf zu arbeiten.

 

Das Gedankenkarussell mitten in der Nacht

Nachts gibt es kaum Ablenkung. Keine E-Mails. Keine Gespräche. Keine Aufgaben. Nur dich und deine Gedanken.

Und genau deshalb können Sorgen nachts besonders groß wirken.

Vielleicht denkst du über die Arbeit nach. Oder über deine Beziehung. Oder eine Entscheidungsfindung treibt dich um. Oder eine alte Erinnerung lässt dich nicht los.

Was tagsüber nur ein kleiner Gedanke war, kann um drei Uhr morgens plötzlich riesig wirken. Versuche in solchen Momenten nicht, mitten in der Nacht dein ganzes Leben zu lösen.

Du musst dieses Problem jetzt nicht bearbeiten. Du kannst dir sagen: „Das darf bis morgen warten.“

 

Der eigentliche Schlüssel liegt manchmal im Tagesablauf

Wenn du dich fragst, warum du abends nicht abschalten kannst, lohnt es sich, nicht nur auf deine Schlafenszeit zu schauen.

Schau auf deinen ganzen Tag.

 

Wie viele Reize hast du tagsüber?

Vielleicht bist du trotz Hochsensibilität im Beruf 8 Stunden in einem Großraumbüro beschäftigt.

Danach fährst du durch den Berufsverkehr. Kaufst noch ein Geschenk. Abends beantwortest du Nachrichten und musst zum Elternabend. Auf dem Heimweg telefonierst du noch mit deiner hochsensiblen Freundin.

Und wenn du dann endlich zu Hause bist, fragst du dich, warum dein Kopf nicht ruhig wird.

Vielleicht ist die Antwort gar nicht kompliziert: Du hattest den ganzen Tag kaum Gelegenheit, wirklich zur Ruhe zu kommen.

 

Wie viele echte Pausen machst du?

Eine Pause bedeutet nicht automatisch, dass du kurz dein Handy anschaust. Social Media, Messengerdienste und Apps sind auch Reize – und zwar ziemlich anstrengende.

Eine echte Pause könnte bedeuten:

  • Du sitzt fünf Minuten am Fenster.
  • Du gehst kurz nach draußen.
  • Du trinkst deinen Kaffee ohne Handy.
  • Du schließt die Bürotür.
  • Du gehst ein paar Minuten spazieren.
  • Du bist einfach einmal nicht erreichbar.

Gerade für hochsensible Menschen können solche kleinen Inseln wichtig sein.

 

Ich persönlich liebe es, zwischendurch immer mal wieder tief in den Bauch zu atmen und mich so mit meinem Körper zu verbinden. Es passiert nämlich schnell, dass wir HSP aufgrund von zu viel Stress nur noch ganz flach atmen und viel zu wenig Sauerstoff aufnehmen.

Tipp: Falls du die Verbundenheit zu deinem Körper noch mehr stärken möchtest, dann wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Körperarbeit für Hochsensible – Signale des Körpers verstehen“.

 

8 Tipps für besseren Schlaf bei Hochsensibilität

Du musst nicht alle Tipps gleichzeitig ausprobieren. Vielleicht findest du einen, der sich für dich sofort richtig anfühlt.

 

1. Baue einen Übergang zwischen Alltag und Schlaf ein

Wenn du nach einem stressigen Tag direkt ins Bett gehst, erwartest du von deinem Körper einen ziemlich abrupten Wechsel. Von Aktivität zu Ruhe. Von vielen Reizen zu Stille. Von Funktionieren zu Schlaf.

Ich vermute stark, dein Nervensystem braucht etwas mehr Zeit – und sanfte Übergänge.

Du könntest beispielsweise:

  • nach der Arbeit spazieren gehen
  • duschen
  • bequeme hochsensiblenfreundliche Kleidung anziehen
  • das Licht dimmen
  • eine Tasse Tee trinken
  • ein paar Minuten still sitzen
  • Musik hören
  • ein Buch lesen

Es geht nicht darum, eine perfekte Abendroutine zu entwickeln.

Es geht um das Signal: Der Tag wird langsam ruhiger. Ich darf mich entspannen.

 

2. Reduziere abends die Reizüberflutung

Wenn du bereits merkst, dass dein Nervensystem überreizt ist, brauchst du vielleicht nicht noch mehr Input.

Frage dich am Abend: Muss der Fernseher wirklich laufen? Möchte ich gerade überhaupt telefonieren? Brauche ich Social Media?

Oder wäre weniger gerade mehr?

Ein reizärmerer Abend kann für hochsensible Menschen sehr wohltuend sein.

3 Störquellen, die auf HSP abends reizüberflutend wirken und zu Schlafproblemen führen, Nicole Trojahn

 

3. Lege das Handy bewusst zur Seite

Das Smartphone ist praktisch. Aber es ist auch eine permanente Einladung zu neuen Reizen.

Wenn dein Kopf ohnehin schon voll ist, kann es hilfreich sein, diese Informationsquelle für eine Weile auszuschalten. Es ist gesund, mal nicht erreichbar zu sein und auch mal Grenzen zu setzen.

Du musst dein Handy nicht komplett aus deinem Leben verbannen. Vielleicht reicht es, es eine Stunde vor dem Schlafengehen außer Reichweite zu legen.

 

4. Schreibe das Gedankenkarussell aus deinem Kopf

Wenn du abends ständig über Dinge nachdenkst, probiere ein kleines Abend-Journal. Nimm einen Zettel und schreibe alles auf, was gerade in deinem Kopf ist.

Zum Beispiel:

  • „Ich muss morgen noch den Termin vereinbaren.“
  • „Das Gespräch mit meiner Freundin beschäftigt mich.“
  • „Ich habe Angst vor dem morgigen Meeting.“
  • „Ich möchte über meine berufliche Situation nachdenken.“
  • „Der Konflikt mit meinem Partner macht mich wütend.

Danach kannst du dir sagen: „Ich habe es aufgeschrieben. Ich muss es jetzt nicht vergessen. Ich kann mich morgen darum kümmern.“

Das kann unglaublich entlastend sein.

 

5. Schaffe dir einen reizarmen Schlafplatz

Wenn du hochsensibel bist, darf dein Schlafzimmer besonders auf deine Bedürfnisse abgestimmt sein. Denn dies ist der Ort, an dem du dich regenerierst und Kraft tankst.

 

Geräusche reduzieren

Vielleicht brauchst du absolute Ruhe. Oder ein gleichmäßiges Hintergrundgeräusch.

Vielleicht stört dich das Ticken einer Uhr, das Schnarchen deines Partners oder der Straßenlärm (vor allem bei Hochsensibilität im Urlaub), sodass du über Ohrstöpsel nachdenken solltest.

Beobachte, was dich tatsächlich beruhigt. Gib dir die Erlaubnis, die Geräuschkulisse an deine Bedürfnisse anzupassen.

Übrigens: Es ist legitim, getrennt zu schlafen, wenn du durch die Geräusche deines Bettnachbarn einfach nicht zur Ruhe kommst.

 

Licht reduzieren

Straßenlaternen, Standby-Lichter oder helle Displays können störend sein. Vielleicht schläfst du besser, wenn dein Schlafzimmer wirklich dunkel ist.

Dafür könntest du Folgendes beachten:

  • Vermeide Wecker, die ihre Ziffern an die Decke projizieren.
  • Wähle blickdichte Vorhänge.
  • Drehe die Displays von Smartphone, Tablet und Co. nach unten.
  • Schließe deine Schlafzimmertür, damit du nicht vom Licht in der Wohnung gestört wirst.

 

Angenehme Materialien wählen

Auch körperliche Reize können eine Rolle spielen.

Kratzt deine Bettwäsche? Ist deine Decke zu warm? Stört dich dein Schlafanzug? Ist die Matratze zu hart?

Gerade wenn du auch im Alltag empfindlich auf Kleidung und Materialien reagierst, lohnt sich ein Blick auf deine Schlafumgebung.

 

Schwingungen reduzieren

Für viele Nicht-Hochsensible sind sie vielleicht nicht spürbar: die Schwingungen, die auch nachts wirken.

Die hohe Energiesensibilität von uns HSP bringt es mit sich, dass wir auch nachts mit allerlei Energien beschäftigt sind. Vielleicht schwelt noch ein Familienkonflikt oder der Partner wirkt auch nachts gestresst, weil er einen schweren Tag hatte. All das wirkt sich auf die Schlafqualität aus.

Es ist daher sehr hilfreich, sich mit Energiearbeit zu beschäftigen, latente Konflikte vor dem Zubettgehen zu besprechen und auch mal dem Partner zu signalisieren: „Ich nehme deinen Stress wahr und möchte gern etwas Abstand dazu haben, um mich erholen zu können.“

Tipp: Falls du wissen möchtest, wie du deine Feinfühligkeit im Alltag schützen kannst, wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Energiesensibilität gesund leben – Als HSP vor Fremdenergien schützen“.

 

6. Plane Rückzug schon vor der Erschöpfung ein

Viele Hochsensible machen erst dann Pause, wenn sie gar nicht mehr können. Doch Selbstfürsorge beginnt idealerweise früher.

Du musst nicht warten, bis dein Nervensystem völlig überreizt ist.

Vielleicht weißt du inzwischen ganz gut, welche Warnzeichen bei dir auftreten (Gereiztheit, starkes Rückzugsbedürfnis, Konzentrationsprobleme, innere Unruhe etc.).

Nimm diese Signale ernst und mach eine Pause.

Tipp: Falls du wissen willst, wie du dich im Alltag gut um dich kümmern kannst, wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Selbstfürsorge für Hochsensible – 7 Routinen für den Alltag“.

 

7. Überprüfe deine persönlichen Schlaf-Trigger

Es gibt nicht den einen Grund, warum Hochsensible schlecht schlafen.

Deshalb lohnt es sich, dich selbst zu beobachten:

  • Was war an den Tagen anders, an denen du besonders schlecht geschlafen hast?
  • Hattest du viel Stress?
  • Kamst du schon die Nächte vorher nicht zur Ruhe?
  • Warst du lange am Handy?
  • Hast du spät Kaffee getrunken?
  • Hattest du einen Konflikt?
  • Warst du den ganzen Tag unter Menschen?
  • Hast du Pausen gemacht?
  • Oder war dein Tag eigentlich entspannt?

Ein kleines Schlaf- und Reiztagebuch kann helfen, Muster zu erkennen.

 

8. Setze auf sanfte Intimität

Abends ist oft die Zeit für Zweisamkeit und Berührung.

Da körperliche Reize auch anstrengend sein können, ist für Hochsensible eine erwartungsfreie und langsame Intimität besonders geeignet – ohne Druck, Erwartungen und festes Programm.

Um das Nervensystem beim Entspannen zu unterstützen, solltest du deinem Partner/deiner Partnerin offen mitteilen, wie du dich fühlst und welche Art von Berührung du dir wünschst bzw. nicht möchtest. Auch Slow Sex kann dabei helfen, den Entspannungsgrad zu erhöhen und Intimität als heilsamen Ort zu gestalten.

Hinweis: Falls du wissen möchtest, wie heilsame Sexualität gelingen kann, wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Hochsensibilität und Sexualität – Intimität gesund gestalten“.

Wie sanfte Berührung und Nähe die Schlafqualität von HSP verbessern können, Nicole Trojahn

Hochsensibilität, Koffein und Schlaf

Auch Koffein kann ein Thema sein.

Vielleicht merkst du, dass Kaffee dich schnell unruhig macht. Vielleicht kannst du aber auch abends problemlos noch einen Espresso oder ein Glas Wein trinken.

Hochsensible Menschen reagieren nicht alle gleich, doch viele sind koffeinempfindlich.

Du musst nicht automatisch auf Kaffee oder dein Glas Wein verzichten.

Aber du kannst dich beobachten und deine Gewohnheiten ein bisschen besser an dein hochsensibles Nervensystem anpassen.

 

Ein kleines Experiment zum Thema Koffein und Hochsensibilität

Trink für einige Tage deinen letzten Kaffee deutlich früher als sonst (z. B. 2 h).

Beobachte:

  • Wie schnell schläfst du ein?
  • Wie oft wachst du nachts auf?
  • Wie fühlst du dich morgens?
  • Wie ruhig fühlst du dich abends?

So findest du heraus, wie dein Körper individuell reagiert.

Du kannst dir auch über einen längeren Zeitraum aufschreiben, wie viel und wann du Koffein konsumierst und wie sich das auf deine Schlafqualität auswirkt. So erhältst du Ergebnisse, die dir dabei helfen, deine Routinen anzupassen.

 

Selbstfürsorge für Hochsensible beginnt nicht erst am Abend

Vielleicht liegt die wichtigste Erkenntnis zum Thema Hochsensibilität und Schlaf sogar hier: Dein Schlafproblem beginnt möglicherweise nicht nachts.

Vielleicht beginnt es morgens. Mit einem zu vollen Terminkalender. Mit zu vielen sozialen Verpflichtungen wegen eines zu hohen Verantwortungsbewusstseins. Mit dem Gefühl, immer funktionieren zu müssen. Mit dem Nichtbeachten deiner eigenen Grenzen.

Wenn du den ganzen Tag über deine Bedürfnisse hinweggehst, ist es nicht verwunderlich, wenn dein Körper irgendwann am Abend nach Ruhe verlangt.

 

Grenzen setzen kann auch Schlafhygiene für Hochsensible sein

Vielleicht bist auch du bisher zu streng mit dir gewesen, hast deine Bedürfnisse zu oft vernachlässigt, das Wohl anderer immer über dein eigenes gestellt – und so Schlafprobleme provoziert. Daher ist es ein wichtiger Schritt, mehr Sanftheit einzuladen und mitfühlender mit dir und deinen Grenzen umzugehen.

Ein Nein kann manchmal mehr für deinen Schlaf tun als eine neue Einschlaftechnik.

Ein Nein zu einem zusätzlichen Termin. Ein Nein zu einem Telefonat am späten Abend. Ein Nein dazu, am Wochenende jede freie Minute zu verplanen.

Grenzen zu setzen ist Selbstfürsorge. Und Selbstfürsorge kann bedeuten, deinem Nervensystem regelmäßig die Ruhe zu geben, die es braucht.

 

Was kannst du heute Abend ausprobieren?

Du musst nicht dein gesamtes Leben verändern. Vielleicht probierst du heute nur eine Sache aus.

Variante 1: Eine Stunde ohne Handy

Lege dein Smartphone eine Stunde vor dem Schlafengehen außer Reichweite. Schalte es am besten auf „stumm“ oder gleich ganz aus. Du hast das Recht, auch mal eine Weile nicht erreichbar zu sein.

Variante 2: Gedanken aufschreiben

Nimm 5 Minuten und schreibe alles auf, was dich beschäftigt. Bewerte dabei nicht, sondern schreibe einfach. All deine Gedanken haben ihre Berechtigung und dürfen zu Papier gebracht werden.

Variante 3: Reize reduzieren

Dimme das Licht. Schalte den Fernseher aus. Mach es leiser. Mach es gemütlich. Sorge für eine angenehme Atmosphäre, die deinen Bedürfnissen entspricht.

Variante 4: Nichts mehr leisten, sondern alles erlauben

Lege dich ins Bett und sage dir: „Ich muss jetzt nicht schlafen. Alles darf sein.“ Vielleicht schläfst du danach schneller ein. Vielleicht auch nicht. Beides ist in Ordnung.

 

Wann solltest du Schlafprobleme abklären lassen?

So wichtig das Thema Hochsensibilität auch ist: Bitte versuche nicht, jede Schlafstörung damit zu erklären.

Wenn du über längere Zeit schlecht schläfst, häufig nachts wach wirst, morgens dauerhaft erschöpft bist oder dein reizarmer Alltag aufgrund von Schlafmangel anstrengend ist, ist es sinnvoll, die Ursachen ärztlich abklären zu lassen.

Denn Schlafprobleme können ganz unterschiedliche Ursachen haben.

Stress kann eine Rolle spielen. Aber auch Erkrankungen wie z. B. ADHS, psychische Belastungen, Medikamente, bestimmte Schlafstörungen oder andere Faktoren kommen infrage.

Hochsensibilität ist keine Erklärung für alles.

Und du musst dich nicht damit abfinden, schlecht zu schlafen, nur weil du hochsensibel bist.

 

Erfahrungsbericht: Meine persönliche Schlafroutine als HSP

Ohne ausreichend gesunden Schlaf geht bei mir gar nichts. Es gab Zeiten, da habe ich durchschnittlich 5 bis 6 Stunden geschlafen, habe super funktioniert, aber leider überhaupt nichts mehr gespürt.

Erst, als ich irgendwann die Möglichkeit hatte, mehr zu schlafen, habe ich überhaupt erst wieder Zugang zu meiner Innenwelt erhalten.

Mittlerweile weiß ich, dass ich mindestens 8 bis 9 Stunden Schlaf brauche, um über den Tag hinweg die Verbindung zu meinen Gefühlen, meinem Körper und meiner Intuition (größtenteils) aufrechterhalten zu können.

 

Meine Schlafroutine sieht so aus:

  • Wenn möglich, schlafe ich aus und lege Termine eher in den Nachmittag/Abend.
  • Mein Smartphone liegt außerhalb des Schlafbereichs und ist nachts stumm geschaltet.
  • Vor dem Zubettgehen verzichte ich auf Bildschirme und grelles Licht.
  • Mein Bett ist heilig – dementsprechend achte ich auf Gemütlichkeit und Sauberkeit.
  • Mein Wecker macht keine Geräusche und sendet auch keine Lichtimpulse.
  • Ich schlafe am besten, wenn ich allein bin – so kommt mein Nervensystem richtig zur Ruhe.
  • Mein Schlafbereich ist abgedunkelt, damit ich morgens ganz langsam aufwache.
  • Ich nehme mir morgens Zeit, um Träume (besonders Albträume) zu verarbeiten.

Jeder Mensch ist anders. Dementsprechend muss jeder für sich selbst herausfinden, wie er seine Schlafqualität optimieren kann.

Wichtig ist, auf sich selbst zu hören und für bestmögliche Umstände zu sorgen – auch wenn sie unkonventionell sind.

Hochsensibilität und Schlafen - Das ist mir als hochsensible Frau wichtig, Nicole Trojahn

Häufige Fragen (FAQ) zu Hochsensibilität und Schlaf

Warum können hochsensible Menschen schlechter schlafen?

Hochsensible Menschen nehmen Reize wie Geräusche, Licht, Gedanken und Emotionen häufig intensiver wahr. Dadurch kann das Nervensystem auch abends noch aktiv sein und die Verarbeitung des Tages das Einschlafen erschweren. Hochsensibilität bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jemand Schlafprobleme hat.

Warum wachen hochsensible Menschen nachts so häufig auf?

Geräusche, Licht, Bewegungen oder andere Reize können bei hochsensiblen Menschen leichter zu nächtlichem Aufwachen führen. Auch Stress und die intensive Verarbeitung emotionaler Erlebnisse können den Schlaf beeinflussen. Häufiges Aufwachen kann jedoch auch andere Ursachen haben.

Wie kann man als hochsensibler Mensch besser einschlafen?

Eine ruhige, reizreduzierte Abendroutine kann helfen. Gedämpftes Licht, wenig Bildschirmzeit, feste Schlafenszeiten und Entspannung vor dem Zubettgehen können das Abschalten erleichtern. Wichtig ist, herauszufinden, welche Rituale persönlich beruhigend wirken.

Warum sind hochsensible Menschen morgens trotz ausreichend Schlaf erschöpft?

Auch ausreichend lange Schlafdauer garantiert nicht automatisch erholsamen Schlaf. Häufiges Aufwachen, innere Unruhe oder eine intensive Verarbeitung von Eindrücken können dazu beitragen, dass man sich morgens erschöpft fühlt. Anhaltende Müdigkeit sollte jedoch nicht ausschließlich auf Hochsensibilität zurückgeführt werden.

Welche Schlafumgebung brauchen hochsensible Menschen für erholsamen Schlaf?

Eine möglichst ruhige und reizreduzierte Umgebung kann hilfreich sein. Dazu gehören beispielsweise ein dunkles Schlafzimmer, eine angenehme Temperatur und wenig störende Geräusche. Was als angenehm empfunden wird, ist individuell – entscheidend ist, störende Reize so weit wie möglich zu reduzieren.

Ab wann sollte ich mit meinen Schlafproblemen zum Arzt gehen?

Wenn Schlafprobleme über mehrere Wochen anhalten, regelmäßig auftreten oder deinen Alltag deutlich beeinträchtigen, solltest du sie ärztlich abklären lassen. Das gilt auch bei starkem Schnarchen, Atemaussetzern, ausgeprägter Tagesmüdigkeit oder wenn du trotz ausreichend Schlaf dauerhaft erschöpft bist. Hochsensibilität kann den Schlaf beeinflussen, sollte aber nicht vorschnell als alleinige Ursache angenommen werden.

Nicole Trojahn

Nicole Trojahn

Freiberufliche Autorin, Texterin und Beraterin für Hochsensible


Viele Hochsensible leiden hin und wieder unter Einschlaf- und Durchschlafproblemen – oft wegen zu vieler Gedanken und einer ungünstigen Schlafumgebung.

In meiner Beratung begleite ich HSP dabei, ihre Schlafgewohnheiten an ihre Bedürfnisse anzupassen und die Schlafqualität zu erhöhen.

Falls auch du dabei eine Begleitung suchst, nimm gern Kontakt zu mir auf.

 

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