Sich selbst verlieren: Wenn Hochsensible sich nicht mehr spüren

Sich selbst verlieren: Wenn Hochsensible sich nicht mehr spüren

Es geschieht nicht plötzlich, dass du dich selbst verlierst. Meistens passiert es ganz leise.

Wenn du eine Nachricht bekommst und sofort darüber nachdenkst, wie du antworten musst, damit sich niemand vor den Kopf gestoßen fühlt. Wenn du eigentlich keine Kraft mehr hast, aber trotzdem zusagst, weil du schon weißt, wie enttäuscht der andere sein könnte.

Oder wenn jemand dich fragt: „Was möchtest du?“ Und du merkst, dass du darauf keine klare Antwort hast. Nicht, weil du keine Wünsche hast. Sondern weil du so lange damit beschäftigt warst, die Wünsche anderer wahrzunehmen, dass deine eigenen irgendwann leiser geworden sind.

Irgendwann fragst du dich, wann du aufgehört hast, dich selbst zu fragen, was du brauchst. In diesem Artikel erfährst du, wie du den Zugang zu dir und deinen Bedürfnissen wieder stärken kannst.

7 Anzeichen dafür, dass du dich als HSP selbst verloren hast, Nicole Trojahn

 

Wenn „Was brauchst du?“ leichter ist als „Was brauche ich?“

Vielleicht fällt es dir leicht, für andere da zu sein. Jemand erzählt dir von einem Problem – und du siehst sofort mehrere Möglichkeiten:

  • Du kannst zuhören.
  • Du kannst verstehen.
  • Du kannst verschiedene Seiten betrachten.
  • Du kannst sogar nachvollziehen, warum jemand etwas getan hat, das dich verletzt hat.

Aber dann geht es um dich:

„Soll ich bleiben oder gehen? Soll ich etwas ansprechen oder lieber warten? Ist meine Leidensfähigkeit in der Beziehung noch gesund? Brauche ich Nähe oder Abstand? Oder sage ich nur zu, weil ich Angst habe, jemanden zu enttäuschen?“

Manchmal sind es nicht einmal die großen Entscheidungen, sondern die kleinen.

Wenn du dich lange an anderen orientiert hast, können solche Fragen überraschend schwer werden. Denn du hast die Verbundenheit zu dir selbst vernachlässigt, weil du gelernt hast, immer zuerst nach außen zu schauen:

  • Was passt für alle?
  • Was braucht der andere?
  • Was wäre jetzt angemessen?
  • Was würde niemanden verletzen?

Und erst ganz am Ende kommt vielleicht die Frage: „Und was möchte ich?“

 

Anpassung beginnt oft ganz harmlos

Anpassung ist nichts Schlechtes.

Wir alle passen uns manchmal an. Wir machen Kompromisse. Wir verzichten auf etwas, weil es einem Menschen, den wir lieben, gerade wichtig ist. Wir nehmen Rücksicht. Vor allem wir Hochsensible sind gut darin, uns anzupassen – schon allein aufgrund unseres hohen Verantwortungsbewusstseins.

Anpassungsfähigkeit ist wichtig für Beziehungen.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht: „Passe ich mich an?“ Sondern: „Wie oft passe ich mich an, obwohl ich eigentlich etwas anderes möchte?“

Vielleicht sagst du Ja, obwohl du Nein fühlst. Du lächelst, obwohl du verletzt bist.

Du sagst: „Kein Problem.“ Obwohl es sehr wohl ein Problem ist. Einmal ist das kein großes Thema. Auch zehnmal vielleicht nicht.

Aber wenn es zu einem Muster wird, verändert sich etwas.

 

Dann ist Anpassung nicht mehr nur Rücksichtnahme: Sie wird zu einer Strategie.

  • Du passt dich an, damit niemand enttäuscht ist.
  • Du schweigst, damit es keinen Streit gibt.
  • Du gibst nach, damit die Stimmung wieder gut ist.
  • Du erklärst dich, damit niemand ein falsches Bild von dir bekommt.

Und irgendwann kann der Satz entstehen: „Ich weiß gar nicht mehr, was ich eigentlich selbst möchte.“

 

Wenn du so unkompliziert geworden bist, dass niemand deine Grenzen kennt

Menschen, die sich häufig anpassen, wirken oft besonders unkompliziert. Du bist flexibel, hast Verständnis, machst kein Drama. Du bist für viele Menschen angenehm.

Aber vielleicht wird genau das irgendwann zum Problem. Denn andere gewöhnen sich daran. Sie gewöhnen sich daran, dass du Verständnis hast, immer nachgibst und dich schon irgendwie arrangierst.

Und wenn du eines Tages beginnst, dich selbst ernster zu nehmen und Grenzen setzen willst, kann das irritieren:

  • „Du warst doch sonst nicht so.“
  • „Warum ist das jetzt plötzlich ein Problem?“
  • „Das hätte ich von dir nicht gedacht.“

Vielleicht bekommst du dann ein schlechtes Gewissen.

Und vielleicht fragst du dich: „Bin ich wirklich schwieriger geworden?“

 

Manchmal ist die Antwort unbequem: Du bist nicht unbedingt schwieriger geworden. Vielleicht bist du nur ehrlicher geworden.

Ich persönlich kann erst seit ein paar Jahren für mich einstehen, ohne danach ständig ein schlechtes Gewissen zu haben. Wir lernen ja alle irgendwie, dass andere immer wichtiger sind als wir selbst. Aber: Niemand ist wichtiger als du! Wir müssen uns selbst priorisieren, damit es uns langfristig gut geht.

Außenwirkung von Hochsensiblen, die sich selbst verloren haben und kaum Grenzen aufzeigen, Nicole Trojahn

 

Besonders in Beziehungen kann man sich selbst verlieren

In einer Partnerschaft kann Selbstverlust besonders leicht passieren, denn aus einem „Ich“ wird schnell ein „Wir“.

Am Anfang fühlt sich das wunderschön an:

  • Du möchtest möglichst viel Zeit miteinander verbringen.
  • Du möchtest die Welt des anderen kennenlernen.
  • Du übernimmst vielleicht Gewohnheiten.
  • Du entdeckst neue Interessen.

Das alles kann Nähe sein und dazu führen, dass gesunde Intimität entsteht.

Eine neue Liebe darf Raum einnehmen. Aber irgendwann sollte dein eigenes Leben darin nicht vollständig verschwinden.

 

Vielleicht bemerkst du irgendwann:

Du weißt genau, was dein Partner gerne macht.

Aber weißt du noch, was du gerne machst?

Du weißt, was ihn glücklich macht.

Aber weißt du noch, was dich glücklich macht?

Du kennst seine Bedürfnisse.

Aber wann hast du zuletzt über deine eigenen nachgedacht?

 

Vielleicht gibt es kaum noch Dinge, die nur dir gehören. Vielleicht triffst du Entscheidungen fast automatisch danach, was für euch beide passt. Vielleicht sagst du: „Mir ist eigentlich alles recht.“ Und meinst damit: „Ich weiß gar nicht mehr, was mir recht wäre.“

Das muss nicht bedeuten, dass deine Beziehung schlecht ist.

Aber es kann bedeuten, dass du dich selbst darin zu weit nach hinten geschoben hast.

 

Wenn Liebe mit Selbstaufgabe verwechselt wird

Vielleicht kennst du Gedanken wie: „Wenn ich ihn wirklich liebe, muss ich doch Verständnis haben.“ Oder: „Sie macht gerade so viel durch. Jetzt kann ich nicht auch noch mit meinen Bedürfnissen kommen.“

Solche Gedanken sind menschlich.

Natürlich gibt es Zeiten, in denen ein Mensch mehr Unterstützung braucht und du ihn ein bisschen „mitträgst“.

Aber irgendwann darf eine andere Frage auftauchen: „Wie lange kann ich mich selbst zurücknehmen, ohne dabei etwas Wichtiges in mir zu verlieren?“

 

Liebe bedeutet nicht, dass immer alles exakt ausgeglichen sein muss. Aber wenn einer dauerhaft trägt und der andere dauerhaft getragen wird, entsteht ein Ungleichgewicht.

Und manchmal bemerkt die Person, die immer trägt, dieses Ungleichgewicht erst sehr spät:

  • Weil sie es gewohnt ist.
  • Weil sie viel aushält.
  • Weil sie stark sein kann.
  • Weil sie die Bedürfnisse des anderen so gut versteht.

Und vielleicht auch, weil sie irgendwann vergessen hat, dass ihre eigenen Bedürfnisse genauso existieren.

Hinweis: Wenn du wissen willst, wie du lernst, deine Grenzen ernst zu nehmen, wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Bedürftigkeit stillen und Grenzen stabilisieren“.

 

Woran du merken kannst, dass du dich selbst immer weiter verlässt

Es gibt keine einfache Checkliste, mit der sich feststellen lässt, ob jemand „sich selbst verloren“ hat.

Aber bestimmte Muster können zum Nachdenken einladen.

Vielleicht kennst du einige davon:

  • Du sagst häufig Ja, obwohl dein erster Impuls eigentlich Nein war.
  • Du überlegst lange, wie andere auf deine Entscheidungen reagieren könnten.
  • Du fühlst dich schuldig, wenn du etwas nur für dich möchtest.
  • Du stellst deine Bedürfnisse zurück, sobald jemand anderes etwas braucht.
  • Du vermeidest Konflikte, obwohl dich etwas beschäftigt.
  • Du entschuldigst dich schnell, auch wenn du nicht genau weißt, wofür.
  • Du brauchst die Zustimmung anderer, um deiner eigenen Entscheidung zu vertrauen.
  • Du fühlst dich für die Stimmung anderer verantwortlich.
  • Du merkst erst sehr spät, dass dir etwas zu viel geworden ist.
  • Du hast Angst, jemanden zu enttäuschen.
  • Du fragst dich, ob du „zu empfindlich“ bist, wenn dich etwas verletzt.
  • Du fühlst dich in bestimmten Beziehungen nicht mehr ganz wie du selbst.
  • Du weißt sehr genau, was andere brauchen – aber kaum, was du selbst brauchst.

Vielleicht trifft einiges davon auf dich zu, vielleicht kaum etwas. Vieles, was du gerade gelesen hast, entspricht typischen Symptomen von Hochsensibilität.

Die Liste soll dir kein Etikett geben.

Sie soll nur eine andere Frage in dir auslösen: „Wie oft bin ich eigentlich auf meiner eigenen Seite?“

 

Wenn du deine eigenen Bedürfnisse so lange übergehst, bis du sie kaum noch wahrnimmst

Das Schwierige an Selbstübergehen ist: Man kann darin erstaunlich gut werden.

Am Anfang bemerkst du noch: „Ich bin müde.“ Dann kommt: „Aber ich kann das trotzdem machen.“ Später bemerkst du die Müdigkeit vielleicht erst, wenn dein Körper sie sehr deutlich macht.

Du funktionierst, hilfst, antwortest. Du bist ständig erreichbar und hältst durch. Und irgendwann kommt der Punkt, an dem du nur noch denkst: „Ich möchte niemanden mehr sehen.“

Vielleicht erschrickst du dann über dich selbst:

  • Warum brauche ich plötzlich so viel Abstand?
  • Warum bin ich so gereizt?
  • Warum möchte ich einfach nur allein sein?

Vielleicht ist die Antwort weniger dramatisch, als du denkst. Vielleicht hast du einfach sehr lange zu wenig Raum für dich gehabt.

 

Nicht unbedingt äußerlich. Sondern innerlich. Denn selbst wenn du für einen reizarmen Alltag sorgst und Zeit für dich allein einplanst, kann dein Kopf noch bei anderen Menschen sein:

  • Was denkt er?
  • Wie geht es ihr?
  • Habe ich etwas falsch gemacht?
  • Was braucht meine Familie?
  • Wem muss ich noch antworten?

Allein zu sein bedeutet nicht automatisch, bei sich zu sein.

Tipp: Es ist sinnvoll, dich immer wieder aus dem Alltag zu nehmen und deinen Energietank aufzuladen. Wirf dazu gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Selbstfürsorge für Hochsensible – 7 Routinen für den Alltag“.

 

People Pleasing ist nicht dasselbe wie Freundlichkeit

Vielleicht kennst du den Begriff People Pleasing.

Gemeint ist damit vereinfacht ein starkes Bedürfnis, es anderen recht zu machen und möglichst zu verhindern, dass jemand enttäuscht, verärgert oder unzufrieden mit dir ist.

Aber nicht jedes freundliche Verhalten ist People Pleasing. Und nicht jeder Mensch, der gerne hilft, verliert sich selbst.

Die interessantere Frage lautet: Was passiert in dir, wenn jemand enttäuscht von dir ist?

  • Kannst du es aushalten?
  • Oder entsteht sofort der Drang, etwas zu reparieren?
  • Möchtest du deine Entscheidung erklären?
  • Entschuldigst du dich?
  • Nimmst du dein Nein zurück?
  • Versuchst du, die Gefühle des anderen wieder ins Gleichgewicht zu bringen?

Genau dort liegt eine wichtige Grenze.

Du darfst empathisch sein. Aber Empathie bedeutet nicht, für die Gefühle anderer verantwortlich zu sein.

3 Gründe, warum Hochsensible oft Angst haben, jemanden zu enttäuschen, Nicole Trojahn

 

Du darfst jemanden enttäuschen, ohne etwas falsch gemacht zu haben

Das kann einer der schwierigsten Gedanken sein.

Wenn du sehr feinfühlig bist, kann es sich unangenehm anfühlen, einen anderen Menschen leiden zu sehen. Vor allem dann, wenn du glaubst: „Ich habe dieses Gefühl verursacht.“

Aber 2 Dinge können gleichzeitig wahr sein:

  • Du kannst jemanden enttäuschen. Und du kannst trotzdem nichts Falsches getan haben.
  • Du kannst Nein sagen. Der andere kann traurig sein.
  • Du kannst eine Grenze setzen. Der andere kann sie nicht verstehen.
  • Du kannst eine andere Meinung haben. Der andere kann sich darüber ärgern.

Das bedeutet nicht automatisch, dass du lieblos bist und dich mit Schamgefühlen herumplagen musst. Es bedeutet zunächst nur, dass du ein eigenständiger Mensch bist. Und der andere ist es auch.

 

Vielleicht ist genau das eine der schwierigsten Aufgaben in Beziehungen: Die Gefühle des anderen wahrzunehmen, ohne sie automatisch zu deiner Verantwortung zu machen.

Hinweis: Hochsensible, die wieder Zugang zu ihren Bedürfnissen erhalten, können erst mal mit Wut zu tun haben. Wut, die sich entwickelt hat, weil Grenzen viel zu oft übertreten worden sind. In meinem kostenfreien PDF „Hochsensibilität und Wut – Gesund mit Wut umgehen“ erfährst du, wie diese Emotion zu einer wertvollen Ressource für dich wird.

 

3 Fragen, mit denen du wieder Kontakt zu dir aufnehmen kannst

Du musst nicht sofort dein ganzes Leben verändern.

Vielleicht beginnt der Weg viel kleiner – indem du dich wieder häufiger selbst fragst, was in dir eigentlich passiert.

 

1. Was würde ich wollen, wenn ich niemanden enttäuschen könnte?

Diese Frage kann überraschend viel sichtbar machen.

Vielleicht würdest du genau das tun, was du ohnehin vorhattest. Vielleicht würdest du aber auch etwas anderes wählen:

  • Absagen.
  • Etwas ansprechen.
  • Mehr Abstand nehmen.
  • Eine Beziehung anders gestalten.
  • Dir etwas erlauben.

Die Antwort muss nicht automatisch deine Entscheidungsfindung beeinflussen.

Aber sie kann dir zeigen, was dein eigener Wunsch überhaupt ist.

 

2. Was fühle ich gerade – bevor ich es erkläre?

Gerade wenn du viel reflektierst, kann es passieren, dass du sofort deine Gefühle analysierst:

  • „Dafür gibt es doch keinen Grund.“
  • „Das ist bestimmt nur meine Hochsensibilität.“
  • „Ich bin wahrscheinlich einfach müde.“
  • „Die andere Person kann ja nichts dafür.“

Vielleicht stimmt das alles.

Aber bevor du dein Gefühl erklärst, darfst du es erst einmal wahrnehmen.

Bin ich traurig? Bin ich wütend? Bin ich überfordert? Bin ich verletzt? Bin ich erleichtert? Bin ich gelangweilt? Bin ich vielleicht sogar glücklich?

Du musst dein Gefühl nicht sofort rechtfertigen.

Ein Gefühl darf zunächst einmal existieren.

Unterschiede zwischen Gefühle fühlen und Gefühle denken, Nicole Trojahn

 

3. Wo sage ich Ja, obwohl ich Nein meine?

Vielleicht gibt es in deinem Alltag bestimmte Situationen, in denen dieses Muster immer wieder auftaucht, z. B. in der Familie, Partnerschaft oder bei deinen hochsensiblen Freunden.

Vielleicht auch bei ganz kleinen Dingen.

Frag dich nicht: „Warum setze ich mich nicht durch?“ Frag dich lieber: „Warum sage ich hier Ja?“ Ist es echte Zustimmung? Oder Angst? Schuldgefühl? Gewohnheit? Harmoniebedürfnis?

Vielleicht findest du dadurch genau den Punkt, an dem du dich selbst immer wieder verlässt.

Ich persönlich merke, dass ich meine Grenzen überschritten habe, wenn ich körperliche Symptome bekomme (z. B. ein Kloßgefühl im Hals, gereizter Magen-Darm-Bereich). Du solltest dich nicht verurteilen, wenn du bemerkst, dass du gerade deine eigene Grenze überschritten hast, um jemandem einen Gefallen zu tun. Versuche, es so wertfrei wie möglich wahrzunehmen und überlege dir, wie du anschließend wieder in Frieden mit dir kommen kannst. Das Gute an der Situation ist: Du hast Erkenntnisse darüber erhalten, wo genau deine Grenze verläuft und wie dein Körper Grenzverletzungen anzeigt.

 

Sich selbst wiederfinden bedeutet nicht, plötzlich nur noch an sich zu denken

Vielleicht macht dir genau das Angst: „Was passiert, wenn ich mehr auf mich achte? Werde ich egoistisch und rücksichtslos? Gelte ich plötzlich als unnahbar und schwierig?“

Zwischen Selbstaufgabe und Egoismus liegt sehr viel Raum.

Du musst nicht immer deine eigenen Bedürfnisse an die erste Stelle setzen. Aber sie dürfen überhaupt vorkommen und sollten ausreichend Priorität haben:

  • Wenn du eine Entscheidung triffst, dürfen deine Bedürfnisse Teil dieser Entscheidung sein.
  • Wenn du einen Menschen liebst, darfst du trotzdem Grenzen haben.
  • Wenn du jemandem helfen möchtest, darfst du vorher prüfen, ob du überhaupt die Kraft dafür hast.
  • Wenn du Nein sagst, darf dein Nein bestehen bleiben.

Und wenn jemand enttäuscht ist, darf diese Enttäuschung existieren. Du musst sie nicht sofort beseitigen.

Sich selbst treu bleiben und so oft wie möglich authentisch sein – das ist es, worum es geht.

 

Sätze, mit denen du anfangen kannst, Grenzen zu setzen

Manchmal wissen wir sehr genau, dass wir eine Grenze brauchen – wir wissen nur nicht, wie wir sie aussprechen sollen.

Vielleicht helfen einfache Sätze wie:

  • „Ich möchte darüber gerade nicht sprechen.“
  • „Ich brauche etwas Zeit, bevor ich dir eine Antwort geben kann.“
  • „Heute habe ich keine Energie dafür.“
  • „Ich sehe das anders.“
  • „Das möchte ich nicht.“
  • „Ich brauche heute Zeit für mich.“
  • „Ich verstehe, dass du enttäuscht bist. Trotzdem möchte ich bei meiner Entscheidung bleiben.“

Du musst diese Sätze nicht wortwörtlich verwenden. Bestimmt findest du deine eigenen Worte.

Wichtig ist nicht, besonders selbstbewusst zu klingen. Wichtig ist, ehrlich zu sein.

 

Eine Grenze kann sich falsch anfühlen und trotzdem richtig für dich sein

Vielleicht hast du bisher gedacht: „Wenn sich mein Nein schlecht anfühlt, war es wahrscheinlich falsch.“

Aber das muss nicht stimmen. Wenn du dich lange angepasst hast, kann eine Grenze zunächst ungewohnt sein. Manchmal stellen sich dann Schuldgefühle, Angst und Unruhe ein.

Das bedeutet nicht automatisch, dass deine Grenze falsch ist. Es bedeutet nur: Du machst gerade etwas anders als bisher. Und genau das kann sich zunächst unangenehm anfühlen.

Nicht jedes schlechte Gefühl ist ein Beweis dafür, dass du etwas falsch gemacht hast. Manchmal ist es einfach das Gefühl von Veränderung.

Sich selbst verlieren: so lernst du, noch besser für dich und deine Hochsensibilität einzustehen, Nicole Trojahn

Wenn andere deine Veränderung nicht verstehen

Wahrscheinlich werden Menschen überrascht sein, wenn du dich veränderst. Vielleicht sagt jemand: „Du bist irgendwie anders geworden.“ Und vielleicht stimmt das sogar. Vielleicht hast du früher schneller Ja gesagt, mehr ausgehalten, deine eigenen Bedürfnisse stärker zurückgestellt.

Das bedeutet nicht, dass dein früheres Ich falsch war. Es hat damals einfach versucht, auf die Weise zurechtzukommen, die ihm zur Verfügung stand.

Du darfst dich verändern. Und andere Menschen dürfen darauf reagieren.

Nicht jede negative Reaktion bedeutet automatisch, dass deine Grenze richtig ist. Manchmal kann eine Grenze unklar formuliert sein, dann könnt ihr darüber sprechen.

Aber eines bleibt wichtig: Die Enttäuschung eines anderen Menschen ist nicht automatisch ein Auftrag an dich, wieder so zu werden wie früher.

 

Vielleicht bist du nicht zu sensibel – vielleicht hast du dich zu lange selbst übergangen

Manchmal suchen wir die Erklärung an der falschen Stelle.

Gerade wir Hochsensiblen denken oft:

  • „Ich bin zu empfindlich.“
  • „Ich denke zu viel.“
  • „Ich mache mir zu viele Gedanken.“
  • „Ich muss härter werden.“

Ich glaube, du musst gar nicht härter werden.

Vielleicht darfst du stattdessen lernen, deine eigene Wahrnehmung wieder ernst zu nehmen:

  • Wenn du erschöpft bist, darfst du erschöpft sein.
  • Wenn dir etwas weh tut, darf es weh tun.
  • Wenn du Ruhe brauchst, darfst du Ruhe brauchen.
  • Wenn du jemanden gerade nicht sehen möchtest, darfst du das zunächst einmal wahrnehmen.

Das bedeutet nicht, dass jedes Gefühl automatisch eine Handlungsanweisung ist. Aber du musst es auch nicht sofort wegdiskutieren.

Du darfst lernen, zwischen diesen beiden Dingen zu unterscheiden: „Ich fühle etwas.“ Und „Ich muss deshalb sofort etwas tun.“ Dazwischen liegt ein großer Raum. Und in diesem Raum kannst du wieder anfangen, dich selbst zu hören.

 

Hinweis: Um die Verbundenheit zu dir selbst zu stärken, hilft es, deinen Alltag so entspannt wie möglich zu gestalten. Wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Reizarme Alltagsgestaltung für Menschen mit Hochsensibilität“.

 

Unter der Anpassung steckt manchmal die Angst, nicht mehr geliebt zu werden

Vielleicht liegt unter all dem noch etwas Tieferes: Die Angst, dass Menschen dich nicht mehr lieben, wenn du dich wirklich zeigst – mit deinen Bedürfnissen, Grenzen und Facetten. Wenn du nicht mehr immer verfügbar bist. Wenn du nicht mehr die unkomplizierte Version deiner selbst bist.

Vielleicht steckt dahinter eine Frage wie: „Bin ich auch dann noch liebenswert, wenn ich nicht das tue, was andere von mir erwarten?“

Das ist keine kleine Frage. Sie lässt sich auch nicht einfach mit einem beruhigenden Satz beantworten. Denn wir alle erleben Ablehnung. Wir alle erleben Menschen, die mit bestimmten Seiten von uns nicht umgehen können.

Und manchmal gehen Beziehungen auseinander.

Authentisch zu sein bedeutet deshalb nicht, dass jeder dich plötzlich verstehen wird. Vielleicht bedeutet es eher: Du hörst auf, dich selbst so stark zu verändern, nur damit niemand einen Grund hat, dich abzulehnen.

Denn irgendwann stellt sich eine andere Frage: „Was bleibt von mir übrig, wenn ich mich ständig so verändere, dass es für alle anderen passt?“

 

Hinweis: Wenn du zum Thema „sich selbst verlieren“ eine berührende Geschichte lesen möchtest, dann wirf gern einen Blick in „Mavie und ich: Eine Geschichte übers Verlieren und Wiederfinden“. Ich habe sie selbst geschrieben und darin meine Erfahrungen verarbeitet.

 

Du musst nicht immer genau wissen, wer du bist

Vielleicht setzt du dich zusätzlich unter Druck, weil du denkst: „Ich muss doch wissen, was ich will.“

Wenn du dich lange an anderen orientiert hast, ist es nicht ungewöhnlich, dass deine eigenen Wünsche zunächst undeutlich sind. Es braucht Zeit, Neugier und Selbstmitgefühl, um herauszufinden, was du möchtest.

Vielleicht merkst du erst durch ein Nein, dass du eigentlich Ja sagen wolltest. Vielleicht merkst du erst durch ein Ja, dass es eigentlich ein Nein war. Auch das gehört dazu.

Du musst irgendwann nicht die perfekte Antwort auf die Frage kennen: „Wer bin ich?“ Wir sind alle immer im Wandel – unsere Persönlichkeit entwickelt sich ständig weiter.

Es geht um etwas viel Einfacheres: „Bin ich heute ehrlich mit mir?“

Heute möchtest du vielleicht Ruhe, morgen Gesellschaft, übermorgen Abstand – das ist OK. Bedürfnisse ändern sich.

Sich selbst treu zu bleiben bedeutet nicht, immer derselbe Mensch zu sein. Es bedeutet, ehrlich mit dem Menschen zu sein, der du gerade bist.

Übung für Hochsensible: Sich selbst besser kennenlernen, Nicole Trojahn

 

Vielleicht musst du dich gar nicht wiederfinden

Wenn du das Gefühl hast, dich selbst verloren zu haben, entsteht leicht ein bestimmter Gedanke: „Ich muss mich wiederfinden.“

Als wäre irgendwo ein altes Ich verschwunden, das du nur suchen müsstest. Aber vielleicht ist es gar nicht weg, sondern nur sehr leise geworden.

Unter Erwartungen, Rollen, zu viel Anpassung und all den Gedanken darüber, was richtig wäre.

 

Vielleicht hast du so oft gefragt:

  • „Was braucht er?“
  • „Was braucht sie?“
  • „Was erwarten sie von mir?“
  • „Was ist jetzt angemessen?“
  • „Was kann ich tun, damit es allen gut geht?“

Dass eine andere Frage irgendwann ungewohnt geworden ist: „Was brauche ich?“

Vielleicht musst du dich deshalb gar nicht neu erfinden. Vielleicht musst du nur wieder anfangen, dich selbst zu fragen.

Tipp: Wenn du wissen willst, wie schwierige Erfahrungen dazu führen, dass wir den Zugang zu uns selbst verlieren, schau gern in meinen kostenfreien PDF „Der Mensch als Schichtmodell – Warum Entwicklung in Spiralen erfolgt“.

 

Du darfst andere verstehen, ohne dich selbst zu verlassen

Vielleicht möchtest du deine Feinfühligkeit gar nicht verlieren. Und das musst du auch nicht. Du darfst weiterhin spüren, wenn jemand traurig ist. Du darfst Verständnis haben, helfen, Rücksicht nehmen. Du darfst deine Energiesensibilität leben.

Die Frage ist nur: Kannst du all das tun, ohne dich selbst dabei zu verlieren?

  • Kannst du merken, dass dein Partner einen schlechten Tag hat, ohne automatisch dafür verantwortlich zu werden?
  • Kannst du verstehen, warum deine Freundin gerade schwierig reagiert, ohne deine eigene Verletzung deshalb für ungültig zu erklären?
  • Kannst du die Bedürfnisse deiner Familie sehen, ohne deine eigenen ständig nach hinten zu stellen?

Vielleicht ist genau das die Form von Abgrenzung, die du brauchst: Nicht weniger Empathie, sondern mehr Selbstkontakt.

 

Du musst dich nicht verlieren, um geliebt zu werden

Wahrscheinlich ist das eine der schwierigsten Erkenntnisse: Liebe sollte nicht davon abhängen, wie viel du aushältst.

Du musst nicht die unkomplizierteste Version deiner selbst sein, um liebenswert zu sein.

Du darfst sagen: „Das möchte ich nicht.“ Und ja – du darfst sogar jemanden enttäuschen.

Nicht, weil dir der andere egal ist, sondern weil du selbst auch jemand bist. Jemand, dessen Gefühle, Bedürfnisse und Grenzen zählen.

Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Beziehungen noch tiefer und verlässlicher anfühlen, wenn wir uns trauen, ehrlich mit uns und unserem Gegenüber zu sein. Denn wie sollen wir uns bei einer anderen Person sicher fühlen, wenn wir nicht wir selbst sein können? Nur, wenn wir uns wirklich zeigen, können wahrhaftige Verbundenheit und echtes Vertrauen entstehen.

 

Der Weg zurück zu dir beginnt vielleicht ganz klein

Sich selbst zu verlieren ist selten eine einzige große Entscheidung – es sind oft viele kleine Momente der Anpassung, in denen du dein Nein nicht ausgesprochen und deine Wünsche zurückgestellt hast.

Viele Situationen, in denen du dachtest: „Es ist schon okay.“ Bis du irgendwann nicht mehr weißt, ob es wirklich okay ist.

Der Weg zurück kann deshalb ganz behutsam starten.

Mit einem ehrlichen: „Eigentlich möchte ich das nicht.“, „Ich brauche heute Zeit für mich.“, „Ich muss darüber erst nachdenken.“

Du musst nicht sofort wissen, was du willst. Du musst nicht plötzlich alle Grenzen perfekt setzen.

Vielleicht reicht es zunächst, wieder hinzuhören. Denn vielleicht bedeutet Authentizität gar nicht, immer genau zu wissen, wer man ist. Vielleicht bedeutet sie, ehrlich genug mit sich selbst zu sein, um immer wieder hinzuhören.

Und vielleicht stellst du irgendwann fest: Du hast dich gar nicht vollständig verloren. Du warst die ganze Zeit da. Du hast dich nur sehr lange selbst überhört.

 

Hinweis: Wenn du wissen willst, wie du die Verbundenheit zu dir und deinem Körper weiter stärken kannst, wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Körperarbeit für Hochsensible – Signale des Körpers verstehen“.

4 Anzeichen dafür, dass du als Hochsensibker gut mit dir selbst verbunden bist, Nicole Trojahn

Häufige Fragen (FAQ) zum Thema sich selbst verlieren

Was bedeutet es, sich selbst zu verlieren?

Sich selbst zu verlieren kann bedeuten, dass die eigenen Bedürfnisse, Gefühle und Wünsche immer stärker hinter denen anderer zurücktreten. Man richtet sich häufig danach, was andere brauchen, erwarten oder fühlen, und verliert dadurch den Kontakt zur eigenen Wahrnehmung. Besonders auffällig kann das werden, wenn es schwerfällt, eigene Wünsche zu erkennen oder Nein zu sagen.

Warum verlieren sich hochsensible Menschen manchmal selbst?

Hochsensible Menschen nehmen häufig besonders viele Reize, Stimmungen und zwischenmenschliche Veränderungen wahr. Dadurch kann es leicht passieren, dass die Aufmerksamkeit stark auf andere gerichtet ist. Wenn jemand ständig spürt, wie es anderen geht, kann die eigene Wahrnehmung dabei in den Hintergrund geraten. Hochsensibilität bedeutet jedoch nicht automatisch, dass man sich selbst verliert. Entscheidend ist vielmehr, wie man mit der eigenen Sensibilität und den eigenen Grenzen umgeht.

Woran erkenne ich, dass ich mich selbst zu stark an andere anpasse?

Mögliche Hinweise sind, dass du häufig Ja sagst, obwohl du eigentlich Nein möchtest, dich für die Gefühle anderer verantwortlich fühlst oder Entscheidungen stark davon abhängig machst, wie andere darauf reagieren könnten. Auch Schuldgefühle bei eigenen Bedürfnissen, Konfliktvermeidung und die Frage „Was möchte ich eigentlich?“ können darauf hinweisen, dass du dich selbst zu wenig berücksichtigst.

Wie kann ich wieder lernen, meine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen?

Du kannst zunächst mit kleinen Fragen beginnen: Was fühle ich gerade? Was brauche ich? Was würde ich wollen, wenn ich niemanden enttäuschen müsste? Hilfreich kann auch sein, bewusster auf Situationen zu achten, in denen du automatisch Ja sagst, obwohl du eigentlich Nein meinst. Es geht dabei nicht darum, nur noch die eigenen Bedürfnisse durchzusetzen, sondern wieder einen gleichwertigen Platz für die eigene Wahrnehmung zu schaffen.

Ist es egoistisch, Grenzen zu setzen und Nein zu sagen?

Nein zu sagen ist nicht automatisch egoistisch. Eine gesunde Grenze bedeutet zunächst, die eigenen Bedürfnisse, Kräfte und persönlichen Grenzen ernst zu nehmen. Du kannst Rücksicht auf andere nehmen und gleichzeitig Rücksicht auf dich selbst nehmen. Gerade wenn du dich bisher häufig angepasst hast, kann sich das Setzen von Grenzen zunächst ungewohnt oder sogar mit Schuldgefühlen verbunden anfühlen. Das allein bedeutet jedoch nicht, dass die Grenze falsch ist.

Nicole Trojahn

Nicole Trojahn

Freiberufliche Autorin, Texterin und Beraterin für Hochsensible


Viele Hochsensible haben sich so lange angepasst, dass sie sich irgendwann selbst verloren haben.

In meiner Beratung begleite ich HSP dabei, sich wieder mit ihren Bedürfnissen und Wünschen zu verbinden, Grenzen setzen zu lernen und für sich einzustehen.

Falls auch du dabei eine Begleitung suchst, nimm gern Kontakt zu mir auf.

 

Authentisch sein: 5 Gründe für mehr Authentizität in deinem Leben

Authentisch sein: 5 Gründe für mehr Authentizität in deinem Leben

Hast auch du das Gefühl, immer irgendeine Rolle spielen zu müssen? Und dass du manchmal gar nicht mehr weißt, wer du eigentlich bist? Ich kenne das auch! Deshalb möchte ich dir heute 5 Gründe mit auf den Weg geben, warum es sich lohnt, authentisch zu sein.

 

Du nimmst mit:

  • weshalb du nichts gewinnst, wenn du immer mit Maske herumläufst
  • was die Grundlage dafür bildet, authentisch sein zu können
  • wie deine Authentizität dir dabei hilft, Hochsensibilität im Alltag zu leben

 

Was bedeutet „authentisch sein“ überhaupt?

Keiner von uns ist ein unbeschriebenes Blatt. Sobald wir auf der Welt sind, lernen wir.

Dir wird beigebracht, wie Dinge funktionieren, was erlaubt ist, und was nicht. Und wenn du Glück hast, sind die Bedingungen so gut, dass du dich richtig kennenlernen kannst.

Leider steigen mit zunehmendem Lebensalter auch die Anforderungen und Erwartungen. Und dann kann es schnell passieren, dass du vergisst, was deine wahre Natur ist.

 

Denn Intuition und Hochsensibilität gesund zu leben, ist in unserer Gesellschaft nicht ganz einfach.

Authentisch sein bedeutet, die Verbindung zu sich selbst zu halten und diese so gut wie möglich auszuleben. Authentizität macht dich zu einem bunten Schmetterling inmitten einer eher farblosen und grauen Masse.

Sobald du deine Ecken und Kanten, Facetten, Stärken und Schwächen nicht mehr verbirgst, sondern offen zeigst, wirst du dir das Leben aufbauen können, das wirklich zu dir passt. Denn wenn du weißt, wer du bist und was du willst, ziehst du auf magische Art und Weise an, was dir und deinem Naturell entspricht.

Was authentisch sein für Hochsensible bedeutet: sich nicht zu verbiegen, Emotionen auszuleben, bedürfnisgerecht zu leben

 

Nr. 1: Warum authentisch sein? Masken entfremden dich von dir!

Was möchtest du am Ende deines Lebens sagen können? Dass du DEIN Leben gelebt hast, oder? (Zumindest möchte ich das sagen können, wenn ich diese Welt verlasse.)

Klar, Masken zu tragen und eine Rolle zu spielen, ist manchmal unumgänglich. In einem gewissen Maße können sie uns schützen.

 

Aber einige Menschen laufen immerzu mit einer Maske herum und können diese nicht einmal vor sich selbst fallen lassen. Die Erfahrung hat sie gelehrt, dass sie in ihrem ursprünglichen Naturell nicht akzeptiert werden. Sie lernen, dass sie nur dann gemocht werden, wenn sie eine Rolle spielen (z. B. die der braven Tochter, der aufopfernden Mutter, des starken und fleißigen Vaters). Mit der Zeit stellen sie immer höhere Erwartungen an sich selbst.

Menschen vergessen so nach und nach, wer sie sind und was sie eigentlich wollen. Sie sind oft so auf eine Rolle festgelegt, dass ihre ehemals bunte Gefühlswelt nach und nach einfriert.

Das Resultat ist ein ziemlich anstrengendes, entbehrungsreiches, angepasstes Leben, das sich überdies vielleicht sogar fremd anfühlt. Auch deine hochsensiblen Freundschaften können sich nicht vertiefen, wenn du immer eine Rolle spielst.

Ich finde, niemand hat so ein Leben verdient!

 

Nr. 2: Authentisch sein hilft dir, gesund zu bleiben!

Außerdem entwickeln sich schnell psychische Dysbalancen und körperliche Beschwerden, wenn du langfristig deine wahre Natur übergehst und bei der Entscheidungsfindung dein authentisches Selbst umgehst.

Depressionen, Erschöpfungssymptome, Reizdarm und Co. – all das kann (muss nicht!) darauf hinweisen, dass du viel Anstrengung investierst, um es anderen recht zu machen. Und am Ende keine Kraft mehr übrigbleibt, um deinen eigenen Bedürfnissen nachzukommen.

Wenn du zu dir selbst stehst und den Erwartungen anderer Einhalt gebietest, dann schützt du dich und deine Gesundheit.

Grenzen setzen und verteidigen kannst du nämlich nur, wenn du weißt, wo sie sind. Und dafür ist viel Selbsterkenntnis nötig.

Vorteile von Authentizität für Menschen mit Hochsensibilität

 

Nr. 3: Authentizität bereichert deine sozialen Beziehungen!

Immerzu Masken zu tragen und Rollen zu spielen macht dich unnahbar – gegenüber dir selbst und anderen. Wahrhaftige Beziehungen sind unmöglich. Und es ist in diesem Zustand ebenso unmöglich, sich zu entwickeln.

Authentisch sein bewahrt dich vor einem Leben voller Zwänge, Erwartungen und Dogmen.

Wenn du authentisch bist, spielst du nicht mehr nach den Spielregeln anderer, sondern nach deinen eigenen. Das macht dich für deine bisherigen sozialen Kontakte vielleicht zu einem unbequemen Zeitgenossen, weil du nicht mehr das machst, was sie von dir wollen. Aber du weißt, dass du DEIN Leben lebst, und du wirst nun Menschen in dein Leben ziehen, die dich für deine Authentizität feiern!

Authentisch zu sein, bedeutet, authentische Beziehungen führen zu können – und deine Hochsensibilität in der Partnerschaft in all ihren Facetten zu leben. Deine Beziehungen werden sich für dich zu einer Quelle des Wachstums entwickeln.

 

Ich persönlich erfahre durch Authentizität in meinem sozialen Umfeld:

  • offene Kommunikation von Grenzen und Bedürfnissen
  • tiefe Verbundenheit
  • wahrhaftige emotionale Unterstützung und Geborgenheit
  • die Möglichkeit, bei Entwicklungen unterstützt zu werden
  • dass immer mehr Menschen mit ähnlichem Naturell zusammenfinden

 

Nr. 4: Authentisch leben hilft dir, durchsetzungsfähig zu sein!

Mal ehrlich: Kannst du jemanden ernst nehmen, der gerade etwas Wichtiges mit dir besprechen möchte, aber dabei nervös auf den Boden schaut und vor sich hin stammelt? Offensichtlich hat dieser Jemand Angst und kann nicht selbstbewusst für seine Bedürfnisse einstehen.

Angst kommt von Enge.

Und Enge entsteht unter anderem, wenn wir Dinge machen müssen, die wir nicht machen wollen bzw. können. Wer nie gelernt hat, erhobenen Hauptes für sich einzustehen und auch mal „NEIN“ zu sagen, der wird im Leben oft hin und her geschubst. Weil einfach keine Gegenwehr zu erwarten ist.

 

Wenn du authentisch bist, bist du automatisch in deiner Kraft. Und dann kannst du dich besser verteidigen, wenn dir jemand die Butter vom Brot nehmen will. Eine aufrechte Körperhaltung, Blickkontakt und eine ernste Miene genügen manchmal schon, um deinen Standpunkt zu vermitteln.

Reicht das nicht, hilft dir deine Authentizität auch dabei, sprichwörtlich mit der Hand auf den Tisch zu hauen. Je authentischer du sein kannst, desto mehr wird dein Selbstvertrauen anwachsen.

 

Nr. 5: Authentizität macht dich glücklicher!

Sobald du gelernt hast, authentisch zu sein, wird sich dein Leben Stück für Stück so entwickeln, wie es zu dir passt:

  • Menschen, die mit deinem Selbstbewusstsein nicht zurechtkommen, werden aus deinem Umfeld verschwinden.
  • Beruflich werden sich Möglichkeiten ergeben, bei denen deine Fähigkeiten und Talente entsprechend deinen Bedürfnissen eingesetzt werden können.
  • Deine Power befähigt dich dazu, dir dein Wohnumfeld so zu gestalten, wie du es dir in deiner Vorstellung ausgemalt hast.
  • Weil du deine Grenzen kennst und wahrst, bleibst du gesünder und im Gleichgewicht.
  • Du kannst dich immer besser in dir selbst verankern, weil du weißt, dass du wertvoll bist und an deine Stärke glaubst.

All das macht dich zu einem glücklicheren Menschen.

Du schwimmst nicht mehr im Strom der Masse mit, aber du hast jetzt Menschen um dich, die dich für das lieben, was du wirklich bist.

Ich glaube, das Leben „belohnt“ Menschen, die den Mut aufbringen, ihre Einzigartigkeit zu leben!

Authentizität vs Angepasstheit für Menschen mit Hochsensibilität - Vor- und Nachteile

 

Fazit: Authentisch sein wird dein Leben in jeder Hinsicht bereichern!

Dich gibt es nur ein einziges Mal auf dieser Welt.

Und deshalb bist du mit deinem besonderen Naturell in jeder Hinsicht ein Gewinn und darfst gern zeigen, wer du wirklich bist.

Authentizität befähigt dich, dein Leben nach deinen Vorstellungen gestalten zu können. Außerdem wird dein Selbstbewusstsein immer mehr wachsen, wenn du beginnst, auf dein Inneres zu vertrauen. Damit leistest du aktiven Gesundheitsschutz, kannst tiefere Beziehungen führen und deine Grenzen verteidigen.

Also dann! Zeig dieser Welt, welche Schätze in dir schlummern!

Brauchst du dabei ein wenig Hilfe? Dann nimm gern Kontakt zu mir auf!

 

Nicole Trojahn

Nicole Trojahn

Freiberufliche Autorin, Texterin und Beraterin für Hochsensible


Wer sich verbiegt, um dazuzugehören, bekommt oft genau das, was alle bekommen: ein Leben voller Erwartungen, Druck und Mittelmäßigkeit.

In meiner Beratung unterstütze ich HSP dabei, ihr wahres Potenzial zu entfalten und authentischer zu leben.

Die Welt braucht kreative, authentische Menschen, die mutig ihren Weg gehen und zu ihrer Hochsensibilität stehen.