Hochsensibel & Schlaf: Warum du abends nicht abschalten kannst

Hochsensibel & Schlaf: Warum du abends nicht abschalten kannst

Du bist müde. Eigentlich sogar richtig erschöpft. Der Tag war lang und du hast dich schon den ganzen Nachmittag auf dein Bett gefreut. Endlich Ruhe. Doch kaum liegst du im Bett, passiert etwas Merkwürdiges: Dein Körper ist müde – aber dein Kopf ist hellwach.

Plötzlich kommen die Gedanken. Du möchtest abschalten. Aber es funktioniert einfach nicht. In diesem Artikel möchte ich dir aufzeigen, warum viele HSP Probleme beim Schlafen haben und wie du deine Schlafqualität verbessern kannst.

Tipps für einen besseren Schlaf bei Hochsensibilität, Nicole Trojahn

 

Hochsensibilität und Schlaf – gibt es einen Zusammenhang?

Hochsensibilität ist keine Krankheit und keine Schlafstörung. Sie beschreibt ein Persönlichkeitsmerkmal, bei dem Menschen Reize besonders intensiv wahrnehmen und tiefer verarbeiten können.

Viele hochsensible Menschen haben beispielsweise besonders feine Antennen für die Stimmung anderer Menschen.

Sie nehmen Geräusche, Gerüche, Schwingungen, Licht oder körperliche Empfindungen intensiver wahr. Auch Gefühle und zwischenmenschliche Situationen können lange nachwirken.

Studien wie von Costa-López et al. (2024) zeigen, dass Hochsensibilität auch mit stärkerem Stresserleben und einer schlechteren Schlafqualität zusammenhängt. Für hochsensible Menschen können ausreichende Phasen der Erholung deshalb besonders wichtig sein.

Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder hochsensible Mensch automatisch schlecht schläft.

Trotzdem kann die intensive Reizverarbeitung eine Rolle spielen, wenn du merkst, dass du nach besonders ereignisreichen Tagen schlechter einschläfst oder nachts nicht richtig zur Ruhe kommst.

 

Was bedeutet ein reizoffenes Nervensystem?

Der Begriff „reizoffenes Nervensystem“ wird im Zusammenhang mit Hochsensibilität häufig verwendet. Gemeint ist damit vereinfacht gesagt, dass besonders viele Informationen aus der Umwelt und aus dem eigenen Inneren wahrgenommen werden.

Das können ganz offensichtliche Dinge sein:

Aber auch subtilere Dinge können eine Rolle spielen:

  • die Stimmung eines anderen Menschen
  • ein bestimmter Gesichtsausdruck
  • ein veränderter Tonfall
  • ungelöste Konflikte
  • eigene Gefühle
  • Sorgen und Gedanken

 

Wenn dein Nervensystem während des Tages ständig neue Informationen verarbeitet, kann es sein, dass du am Abend zwar körperlich müde bist, innerlich aber noch nicht wirklich im Ruhemodus angekommen bist.

Auch Reizüberflutung kann zu einem dysregulierten Nervensystem führen, sodass du im Nachhinein viel Zeit brauchst, bis du wirklich zur Ruhe kommen kannst.

Tipp: Wenn du im Alltag öfter unter Reizüberflutung leidest und dich schnell wieder in Balance bringen möchtest, wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Nervensystem regulieren“.

 

Warum Hochsensible manchmal mehr Regeneration brauchen

Vielleicht hast du schon einmal gedacht: „Warum bin ich nach einem normalen Tag eigentlich so erschöpft?“

Von außen betrachtet war vielleicht gar nichts Besonderes los. Du warst arbeiten. Hast eingekauft, mit ein paar Menschen gesprochen und deine normalen Aufgaben erledigt. Für dein Nervensystem können diese vielen kleinen Reize aber trotzdem eine große Menge an Verarbeitung bedeuten.

Deshalb brauchen hochsensible Menschen manchmal mehr Rückzug und Regeneration, als ihnen ihr Umfeld zugesteht.

Das bedeutet nicht, dass du weniger belastbar bist.

Es kann einfach bedeuten, dass dein System anders mit Reizen umgeht. Genau deshalb ist es wichtig, auf deinen eigenen Körper zu hören – und ihm Ruhe zu gönnen, ohne Reizschuld zu haben.

Wie das Nervensystem von Hochsensiblen funktioniert, Nicole Trojahn

Warum können Hochsensible abends nicht abschalten?

„Ich kann nicht abschalten“ ist wahrscheinlich einer der Sätze, die viele Hochsensible rund um das Thema Schlaf kennen.

Du möchtest dich entspannen. Aber dein Kopf macht weiter. Warum?

 

1. Dein Gehirn verarbeitet den Tag noch

Während des Tages gibt es häufig gar keine Zeit, alle Eindrücke bewusst wahrzunehmen und einzuordnen.

Du funktionierst einfach. Du beantwortest eine E-Mail, gehst in ein Meeting, telefonierst mit einer Freundin, während du gerade beim Einkaufen bist und kümmerst dich danach zu Hause um die nächsten Aufgaben.

Erst wenn es ruhig wird, merkst du, wie viel eigentlich passiert ist.

Dann kommt beispielsweise der Gedanke: „Warum hat meine Kollegin heute so komisch reagiert?“ Und schon bist du mitten in einer Analyse. Was hat sie gemeint? Habe ich etwas falsch gemacht?

Vielleicht kennst du dieses Gedankenkreisen.

Gerade bei Hochsensibilität kann die tiefe Verarbeitung dazu führen, dass Erlebnisse noch lange im Inneren nachwirken.

 

Ich persönlich habe viele Jahre meines Lebens damit verbracht, Gespräche, die ich während des Tages geführt hatte, zu analysieren. Oft hatte ich dann mit Schuldgefühlen zu tun, weil ich sehr kritisch mit mir ins Gericht gegangen bin und meistens zu dem Schluss kam, dass ich Dinge hätte anders sagen/machen können.

Mittlerweile habe ich mir dieses Muster größtenteils abgewöhnt. Denn diese Grübelschleifen führen zu nichts (außer zu Stress) und waren in meinem Fall eher Ausdruck meiner Unsicherheit.

 

2. Reizüberflutung kann bis in den Abend hineinwirken

Ein voller Tag endet nicht automatisch mit dem Feierabend. Da ist noch so viel zu erledigen. Einkaufen, Kinder abholen, Haushalt, Abendbrot machen, duschen, den nächsten Tag vorbereiten etc. – und plötzlich ist es 22:30 Uhr.

Du bist zwar schon ein paar Stunden zu Hause – aber dein Nervensystem hatte noch keine echte Pause.

Gerade für Menschen mit Hochsensibilität kann eine solche Reizdichte belastend sein. Reizüberflutung entsteht schließlich nicht nur durch ein einzelnes besonders intensives Erlebnis. Es kann auch die Summe vieler kleiner Reize sein.

 

3. Gefühle kommen abends hoch

Manchmal sind es gar nicht die äußeren Reize, die dich wachhalten, sondern deine Gefühle.

Vielleicht hattest du tagsüber einen Konflikt in deiner Partnerschaft, der dich verletzt hat. Aber du hattest keine Zeit, dich mit all den Gefühlen auseinanderzusetzen, weil der Alltag irgendwie weitergehen musste.

Also hast du deine Wut und Traurigkeit unterdrückt und funktioniert.

Abends im Bett ist plötzlich Raum für all diese Gefühle. Und dann spürst du erst: „Eigentlich hat mich das heute ziemlich getroffen.“

Gerade zwischenmenschliche Situationen wie z. B. neurotisches Verhalten können bei hochsensiblen Menschen besonders intensiv nachwirken. Feinste Veränderungen in Mimik und Stimme werden wahrgenommen und können noch lange beschäftigt halten.

 

4. Du nimmst die Ruhe plötzlich sehr intensiv wahr

Auch das klingt zunächst paradox. Tagsüber wünschst du dir Ruhe. Wenn sie dann da ist, wird sie fast ungewohnt.

Du hörst plötzlich jedes Geräusch. Das Ticken der Uhr. Den Kühlschrank. Die Heizung. Vielleicht spürst du deine Bettdecke auf der Haut oder bemerkst deinen eigenen Herzschlag.

Während andere Menschen solche Reize kaum beachten, können sie deine Aufmerksamkeit regelrecht anziehen.

Dann wird aus „endlich Ruhe“ plötzlich: „Warum höre ich dieses Geräusch so laut?“ Und schon bist du wieder wach.

 

Ich persönlich kenne viele Hochsensible, die sogar ein bisschen Angst vor Ruhe haben. Vor allem Menschen, die viel Trauma erlebt und abgespeichert haben, erleben Stille oft als etwas Bedrohliches. Denn nun kommen traumatische Erlebnisse wieder ins Bewusstsein. Aus diesem Grund schlafen manche nur ein, wenn ihr Fernseher läuft oder sie wirklich so erschöpft sind, dass sie ganz schnell einschlafen.

Hinweis: Falls du dir nicht sicher bist, ob du hochsensibel oder traumatisiert bist, bzw. mehr zum Thema Trauma wissen möchtest, wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Trauma und Hochsensibilität – Entwicklung und Heilung von Traumata“.

 

Hochsensibel und Schlafprobleme: Ein Teufelskreis kann entstehen

Wenn du häufiger schlecht schläfst, kann zusätzlich ein innerer Druck entstehen.

Du liegst im Bett und denkst: „Ich muss jetzt schlafen.“ Dann schaust du auf die Uhr. 23:47 Uhr. „Morgen muss ich früh aufstehen.“ Du drehst dich um. 00:15 Uhr.

Du fragst dich immer wieder: „Warum schlafe ich immer noch nicht?“ – und schon fühlst du dich unter Druck gesetzt, schließlich musst du morgen früh fit sein.

 

Der Gedanke „Ich muss schlafen“ erzeugt zusätzlichen Stress

Schlaf lässt sich nicht erzwingen. Das ist vielleicht einer der schwierigsten Aspekte. Du kannst dich nicht einfach hinlegen und beschließen: „So, jetzt muss ich schlafen, also schlafe ich jetzt.“

Je stärker du kontrollierst, ob du bereits schläfst, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt dein Wachzustand.

Du bist keine Maschine, sondern ein Mensch.

Versuche es deshalb eher mit einer Erlaubnis: „Ich muss gerade nichts leisten. Ich darf einfach ruhen. Und wenn ich nicht schlafen kann, dann ist das nicht schlimm.“

Atmen. Die Augen schließen. Den Körper spüren. Und den Schlaf kommen lassen, wenn er kommt. Diese Zeit kannst du nutzen, um die Verbundenheit mit dir selbst zu stärken und liebevoll zu dir zu sein.

Einfache Einschlafübung für Menschen mit Hochsensibilität, Nicole Trojahn

 

Hochsensibel nachts wach – was kann dahinterstecken?

Manche Menschen mit Hochsensibilität schlafen zunächst problemlos ein und wachen später in der Nacht auf.

Vielleicht kennst du das: Du wachst um drei Uhr auf und bist plötzlich hellwach. Und kaum bist du wach, beginnt dein Kopf zu arbeiten.

 

Das Gedankenkarussell mitten in der Nacht

Nachts gibt es kaum Ablenkung. Keine E-Mails. Keine Gespräche. Keine Aufgaben. Nur dich und deine Gedanken.

Und genau deshalb können Sorgen nachts besonders groß wirken.

Vielleicht denkst du über die Arbeit nach. Oder über deine Beziehung. Oder eine Entscheidungsfindung treibt dich um. Oder eine alte Erinnerung lässt dich nicht los.

Was tagsüber nur ein kleiner Gedanke war, kann um drei Uhr morgens plötzlich riesig wirken. Versuche in solchen Momenten nicht, mitten in der Nacht dein ganzes Leben zu lösen.

Du musst dieses Problem jetzt nicht bearbeiten. Du kannst dir sagen: „Das darf bis morgen warten.“

 

Der eigentliche Schlüssel liegt manchmal im Tagesablauf

Wenn du dich fragst, warum du abends nicht abschalten kannst, lohnt es sich, nicht nur auf deine Schlafenszeit zu schauen.

Schau auf deinen ganzen Tag.

 

Wie viele Reize hast du tagsüber?

Vielleicht bist du trotz Hochsensibilität im Beruf 8 Stunden in einem Großraumbüro beschäftigt.

Danach fährst du durch den Berufsverkehr. Kaufst noch ein Geschenk. Abends beantwortest du Nachrichten und musst zum Elternabend. Auf dem Heimweg telefonierst du noch mit deiner hochsensiblen Freundin.

Und wenn du dann endlich zu Hause bist, fragst du dich, warum dein Kopf nicht ruhig wird.

Vielleicht ist die Antwort gar nicht kompliziert: Du hattest den ganzen Tag kaum Gelegenheit, wirklich zur Ruhe zu kommen.

 

Wie viele echte Pausen machst du?

Eine Pause bedeutet nicht automatisch, dass du kurz dein Handy anschaust. Social Media, Messengerdienste und Apps sind auch Reize – und zwar ziemlich anstrengende.

Eine echte Pause könnte bedeuten:

  • Du sitzt fünf Minuten am Fenster.
  • Du gehst kurz nach draußen.
  • Du trinkst deinen Kaffee ohne Handy.
  • Du schließt die Bürotür.
  • Du gehst ein paar Minuten spazieren.
  • Du bist einfach einmal nicht erreichbar.

Gerade für hochsensible Menschen können solche kleinen Inseln wichtig sein.

 

Ich persönlich liebe es, zwischendurch immer mal wieder tief in den Bauch zu atmen und mich so mit meinem Körper zu verbinden. Es passiert nämlich schnell, dass wir HSP aufgrund von zu viel Stress nur noch ganz flach atmen und viel zu wenig Sauerstoff aufnehmen.

Tipp: Falls du die Verbundenheit zu deinem Körper noch mehr stärken möchtest, dann wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Körperarbeit für Hochsensible – Signale des Körpers verstehen“.

 

8 Tipps für besseren Schlaf bei Hochsensibilität

Du musst nicht alle Tipps gleichzeitig ausprobieren. Vielleicht findest du einen, der sich für dich sofort richtig anfühlt.

 

1. Baue einen Übergang zwischen Alltag und Schlaf ein

Wenn du nach einem stressigen Tag direkt ins Bett gehst, erwartest du von deinem Körper einen ziemlich abrupten Wechsel. Von Aktivität zu Ruhe. Von vielen Reizen zu Stille. Von Funktionieren zu Schlaf.

Ich vermute stark, dein Nervensystem braucht etwas mehr Zeit – und sanfte Übergänge.

Du könntest beispielsweise:

  • nach der Arbeit spazieren gehen
  • duschen
  • bequeme hochsensiblenfreundliche Kleidung anziehen
  • das Licht dimmen
  • eine Tasse Tee trinken
  • ein paar Minuten still sitzen
  • Musik hören
  • ein Buch lesen

Es geht nicht darum, eine perfekte Abendroutine zu entwickeln.

Es geht um das Signal: Der Tag wird langsam ruhiger. Ich darf mich entspannen.

 

2. Reduziere abends die Reizüberflutung

Wenn du bereits merkst, dass dein Nervensystem überreizt ist, brauchst du vielleicht nicht noch mehr Input.

Frage dich am Abend: Muss der Fernseher wirklich laufen? Möchte ich gerade überhaupt telefonieren? Brauche ich Social Media?

Oder wäre weniger gerade mehr?

Ein reizärmerer Abend kann für hochsensible Menschen sehr wohltuend sein.

3 Störquellen, die auf HSP abends reizüberflutend wirken und zu Schlafproblemen führen, Nicole Trojahn

 

3. Lege das Handy bewusst zur Seite

Das Smartphone ist praktisch. Aber es ist auch eine permanente Einladung zu neuen Reizen.

Wenn dein Kopf ohnehin schon voll ist, kann es hilfreich sein, diese Informationsquelle für eine Weile auszuschalten. Es ist gesund, mal nicht erreichbar zu sein und auch mal Grenzen zu setzen.

Du musst dein Handy nicht komplett aus deinem Leben verbannen. Vielleicht reicht es, es eine Stunde vor dem Schlafengehen außer Reichweite zu legen.

 

4. Schreibe das Gedankenkarussell aus deinem Kopf

Wenn du abends ständig über Dinge nachdenkst, probiere ein kleines Abend-Journal. Nimm einen Zettel und schreibe alles auf, was gerade in deinem Kopf ist.

Zum Beispiel:

  • „Ich muss morgen noch den Termin vereinbaren.“
  • „Das Gespräch mit meiner Freundin beschäftigt mich.“
  • „Ich habe Angst vor dem morgigen Meeting.“
  • „Ich möchte über meine berufliche Situation nachdenken.“
  • „Der Konflikt mit meinem Partner macht mich wütend.

Danach kannst du dir sagen: „Ich habe es aufgeschrieben. Ich muss es jetzt nicht vergessen. Ich kann mich morgen darum kümmern.“

Das kann unglaublich entlastend sein.

 

5. Schaffe dir einen reizarmen Schlafplatz

Wenn du hochsensibel bist, darf dein Schlafzimmer besonders auf deine Bedürfnisse abgestimmt sein. Denn dies ist der Ort, an dem du dich regenerierst und Kraft tankst.

 

Geräusche reduzieren

Vielleicht brauchst du absolute Ruhe. Oder ein gleichmäßiges Hintergrundgeräusch.

Vielleicht stört dich das Ticken einer Uhr, das Schnarchen deines Partners oder der Straßenlärm (vor allem bei Hochsensibilität im Urlaub), sodass du über Ohrstöpsel nachdenken solltest.

Beobachte, was dich tatsächlich beruhigt. Gib dir die Erlaubnis, die Geräuschkulisse an deine Bedürfnisse anzupassen.

Übrigens: Es ist legitim, getrennt zu schlafen, wenn du durch die Geräusche deines Bettnachbarn einfach nicht zur Ruhe kommst.

 

Licht reduzieren

Straßenlaternen, Standby-Lichter oder helle Displays können störend sein. Vielleicht schläfst du besser, wenn dein Schlafzimmer wirklich dunkel ist.

Dafür könntest du Folgendes beachten:

  • Vermeide Wecker, die ihre Ziffern an die Decke projizieren.
  • Wähle blickdichte Vorhänge.
  • Drehe die Displays von Smartphone, Tablet und Co. nach unten.
  • Schließe deine Schlafzimmertür, damit du nicht vom Licht in der Wohnung gestört wirst.

 

Angenehme Materialien wählen

Auch körperliche Reize können eine Rolle spielen.

Kratzt deine Bettwäsche? Ist deine Decke zu warm? Stört dich dein Schlafanzug? Ist die Matratze zu hart?

Gerade wenn du auch im Alltag empfindlich auf Kleidung und Materialien reagierst, lohnt sich ein Blick auf deine Schlafumgebung.

 

Schwingungen reduzieren

Für viele Nicht-Hochsensible sind sie vielleicht nicht spürbar: die Schwingungen, die auch nachts wirken.

Die hohe Energiesensibilität von uns HSP bringt es mit sich, dass wir auch nachts mit allerlei Energien beschäftigt sind. Vielleicht schwelt noch ein Familienkonflikt oder der Partner wirkt auch nachts gestresst, weil er einen schweren Tag hatte. All das wirkt sich auf die Schlafqualität aus.

Es ist daher sehr hilfreich, sich mit Energiearbeit zu beschäftigen, latente Konflikte vor dem Zubettgehen zu besprechen und auch mal dem Partner zu signalisieren: „Ich nehme deinen Stress wahr und möchte gern etwas Abstand dazu haben, um mich erholen zu können.“

Tipp: Falls du wissen möchtest, wie du deine Feinfühligkeit im Alltag schützen kannst, wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Energiesensibilität gesund leben – Als HSP vor Fremdenergien schützen“.

 

6. Plane Rückzug schon vor der Erschöpfung ein

Viele Hochsensible machen erst dann Pause, wenn sie gar nicht mehr können. Doch Selbstfürsorge beginnt idealerweise früher.

Du musst nicht warten, bis dein Nervensystem völlig überreizt ist.

Vielleicht weißt du inzwischen ganz gut, welche Warnzeichen bei dir auftreten (Gereiztheit, starkes Rückzugsbedürfnis, Konzentrationsprobleme, innere Unruhe etc.).

Nimm diese Signale ernst und mach eine Pause.

Tipp: Falls du wissen willst, wie du dich im Alltag gut um dich kümmern kannst, wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Selbstfürsorge für Hochsensible – 7 Routinen für den Alltag“.

 

7. Überprüfe deine persönlichen Schlaf-Trigger

Es gibt nicht den einen Grund, warum Hochsensible schlecht schlafen.

Deshalb lohnt es sich, dich selbst zu beobachten:

  • Was war an den Tagen anders, an denen du besonders schlecht geschlafen hast?
  • Hattest du viel Stress?
  • Kamst du schon die Nächte vorher nicht zur Ruhe?
  • Warst du lange am Handy?
  • Hast du spät Kaffee getrunken?
  • Hattest du einen Konflikt?
  • Warst du den ganzen Tag unter Menschen?
  • Hast du Pausen gemacht?
  • Oder war dein Tag eigentlich entspannt?

Ein kleines Schlaf- und Reiztagebuch kann helfen, Muster zu erkennen.

 

8. Setze auf sanfte Intimität

Abends ist oft die Zeit für Zweisamkeit und Berührung.

Da körperliche Reize auch anstrengend sein können, ist für Hochsensible eine erwartungsfreie und langsame Intimität besonders geeignet – ohne Druck, Erwartungen und festes Programm.

Um das Nervensystem beim Entspannen zu unterstützen, solltest du deinem Partner/deiner Partnerin offen mitteilen, wie du dich fühlst und welche Art von Berührung du dir wünschst bzw. nicht möchtest. Auch Slow Sex kann dabei helfen, den Entspannungsgrad zu erhöhen und Intimität als heilsamen Ort zu gestalten.

Hinweis: Falls du wissen möchtest, wie heilsame Sexualität gelingen kann, wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Hochsensibilität und Sexualität – Intimität gesund gestalten“.

Wie sanfte Berührung und Nähe die Schlafqualität von HSP verbessern können, Nicole Trojahn

Hochsensibilität, Koffein und Schlaf

Auch Koffein kann ein Thema sein.

Vielleicht merkst du, dass Kaffee dich schnell unruhig macht. Vielleicht kannst du aber auch abends problemlos noch einen Espresso oder ein Glas Wein trinken.

Hochsensible Menschen reagieren nicht alle gleich, doch viele sind koffeinempfindlich.

Du musst nicht automatisch auf Kaffee oder dein Glas Wein verzichten.

Aber du kannst dich beobachten und deine Gewohnheiten ein bisschen besser an dein hochsensibles Nervensystem anpassen.

 

Ein kleines Experiment zum Thema Koffein und Hochsensibilität

Trink für einige Tage deinen letzten Kaffee deutlich früher als sonst (z. B. 2 h).

Beobachte:

  • Wie schnell schläfst du ein?
  • Wie oft wachst du nachts auf?
  • Wie fühlst du dich morgens?
  • Wie ruhig fühlst du dich abends?

So findest du heraus, wie dein Körper individuell reagiert.

Du kannst dir auch über einen längeren Zeitraum aufschreiben, wie viel und wann du Koffein konsumierst und wie sich das auf deine Schlafqualität auswirkt. So erhältst du Ergebnisse, die dir dabei helfen, deine Routinen anzupassen.

 

Selbstfürsorge für Hochsensible beginnt nicht erst am Abend

Vielleicht liegt die wichtigste Erkenntnis zum Thema Hochsensibilität und Schlaf sogar hier: Dein Schlafproblem beginnt möglicherweise nicht nachts.

Vielleicht beginnt es morgens. Mit einem zu vollen Terminkalender. Mit zu vielen sozialen Verpflichtungen wegen eines zu hohen Verantwortungsbewusstseins. Mit dem Gefühl, immer funktionieren zu müssen. Mit dem Nichtbeachten deiner eigenen Grenzen.

Wenn du den ganzen Tag über deine Bedürfnisse hinweggehst, ist es nicht verwunderlich, wenn dein Körper irgendwann am Abend nach Ruhe verlangt.

 

Grenzen setzen kann auch Schlafhygiene für Hochsensible sein

Vielleicht bist auch du bisher zu streng mit dir gewesen, hast deine Bedürfnisse zu oft vernachlässigt, das Wohl anderer immer über dein eigenes gestellt – und so Schlafprobleme provoziert. Daher ist es ein wichtiger Schritt, mehr Sanftheit einzuladen und mitfühlender mit dir und deinen Grenzen umzugehen.

Ein Nein kann manchmal mehr für deinen Schlaf tun als eine neue Einschlaftechnik.

Ein Nein zu einem zusätzlichen Termin. Ein Nein zu einem Telefonat am späten Abend. Ein Nein dazu, am Wochenende jede freie Minute zu verplanen.

Grenzen zu setzen ist Selbstfürsorge. Und Selbstfürsorge kann bedeuten, deinem Nervensystem regelmäßig die Ruhe zu geben, die es braucht.

 

Was kannst du heute Abend ausprobieren?

Du musst nicht dein gesamtes Leben verändern. Vielleicht probierst du heute nur eine Sache aus.

Variante 1: Eine Stunde ohne Handy

Lege dein Smartphone eine Stunde vor dem Schlafengehen außer Reichweite. Schalte es am besten auf „stumm“ oder gleich ganz aus. Du hast das Recht, auch mal eine Weile nicht erreichbar zu sein.

Variante 2: Gedanken aufschreiben

Nimm 5 Minuten und schreibe alles auf, was dich beschäftigt. Bewerte dabei nicht, sondern schreibe einfach. All deine Gedanken haben ihre Berechtigung und dürfen zu Papier gebracht werden.

Variante 3: Reize reduzieren

Dimme das Licht. Schalte den Fernseher aus. Mach es leiser. Mach es gemütlich. Sorge für eine angenehme Atmosphäre, die deinen Bedürfnissen entspricht.

Variante 4: Nichts mehr leisten, sondern alles erlauben

Lege dich ins Bett und sage dir: „Ich muss jetzt nicht schlafen. Alles darf sein.“ Vielleicht schläfst du danach schneller ein. Vielleicht auch nicht. Beides ist in Ordnung.

 

Wann solltest du Schlafprobleme abklären lassen?

So wichtig das Thema Hochsensibilität auch ist: Bitte versuche nicht, jede Schlafstörung damit zu erklären.

Wenn du über längere Zeit schlecht schläfst, häufig nachts wach wirst, morgens dauerhaft erschöpft bist oder dein reizarmer Alltag aufgrund von Schlafmangel anstrengend ist, ist es sinnvoll, die Ursachen ärztlich abklären zu lassen.

Denn Schlafprobleme können ganz unterschiedliche Ursachen haben.

Stress kann eine Rolle spielen. Aber auch Erkrankungen wie z. B. ADHS, psychische Belastungen, Medikamente, bestimmte Schlafstörungen oder andere Faktoren kommen infrage.

Hochsensibilität ist keine Erklärung für alles.

Und du musst dich nicht damit abfinden, schlecht zu schlafen, nur weil du hochsensibel bist.

 

Erfahrungsbericht: Meine persönliche Schlafroutine als HSP

Ohne ausreichend gesunden Schlaf geht bei mir gar nichts. Es gab Zeiten, da habe ich durchschnittlich 5 bis 6 Stunden geschlafen, habe super funktioniert, aber leider überhaupt nichts mehr gespürt.

Erst, als ich irgendwann die Möglichkeit hatte, mehr zu schlafen, habe ich überhaupt erst wieder Zugang zu meiner Innenwelt erhalten.

Mittlerweile weiß ich, dass ich mindestens 8 bis 9 Stunden Schlaf brauche, um über den Tag hinweg die Verbindung zu meinen Gefühlen, meinem Körper und meiner Intuition (größtenteils) aufrechterhalten zu können.

 

Meine Schlafroutine sieht so aus:

  • Wenn möglich, schlafe ich aus und lege Termine eher in den Nachmittag/Abend.
  • Mein Smartphone liegt außerhalb des Schlafbereichs und ist nachts stumm geschaltet.
  • Vor dem Zubettgehen verzichte ich auf Bildschirme und grelles Licht.
  • Mein Bett ist heilig – dementsprechend achte ich auf Gemütlichkeit und Sauberkeit.
  • Mein Wecker macht keine Geräusche und sendet auch keine Lichtimpulse.
  • Ich schlafe am besten, wenn ich allein bin – so kommt mein Nervensystem richtig zur Ruhe.
  • Mein Schlafbereich ist abgedunkelt, damit ich morgens ganz langsam aufwache.
  • Ich nehme mir morgens Zeit, um Träume (besonders Albträume) zu verarbeiten.

Jeder Mensch ist anders. Dementsprechend muss jeder für sich selbst herausfinden, wie er seine Schlafqualität optimieren kann.

Wichtig ist, auf sich selbst zu hören und für bestmögliche Umstände zu sorgen – auch wenn sie unkonventionell sind.

Hochsensibilität und Schlafen - Das ist mir als hochsensible Frau wichtig, Nicole Trojahn

Häufige Fragen (FAQ) zu Hochsensibilität und Schlaf

Warum können hochsensible Menschen schlechter schlafen?

Hochsensible Menschen nehmen Reize wie Geräusche, Licht, Gedanken und Emotionen häufig intensiver wahr. Dadurch kann das Nervensystem auch abends noch aktiv sein und die Verarbeitung des Tages das Einschlafen erschweren. Hochsensibilität bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jemand Schlafprobleme hat.

Warum wachen hochsensible Menschen nachts so häufig auf?

Geräusche, Licht, Bewegungen oder andere Reize können bei hochsensiblen Menschen leichter zu nächtlichem Aufwachen führen. Auch Stress und die intensive Verarbeitung emotionaler Erlebnisse können den Schlaf beeinflussen. Häufiges Aufwachen kann jedoch auch andere Ursachen haben.

Wie kann man als hochsensibler Mensch besser einschlafen?

Eine ruhige, reizreduzierte Abendroutine kann helfen. Gedämpftes Licht, wenig Bildschirmzeit, feste Schlafenszeiten und Entspannung vor dem Zubettgehen können das Abschalten erleichtern. Wichtig ist, herauszufinden, welche Rituale persönlich beruhigend wirken.

Warum sind hochsensible Menschen morgens trotz ausreichend Schlaf erschöpft?

Auch ausreichend lange Schlafdauer garantiert nicht automatisch erholsamen Schlaf. Häufiges Aufwachen, innere Unruhe oder eine intensive Verarbeitung von Eindrücken können dazu beitragen, dass man sich morgens erschöpft fühlt. Anhaltende Müdigkeit sollte jedoch nicht ausschließlich auf Hochsensibilität zurückgeführt werden.

Welche Schlafumgebung brauchen hochsensible Menschen für erholsamen Schlaf?

Eine möglichst ruhige und reizreduzierte Umgebung kann hilfreich sein. Dazu gehören beispielsweise ein dunkles Schlafzimmer, eine angenehme Temperatur und wenig störende Geräusche. Was als angenehm empfunden wird, ist individuell – entscheidend ist, störende Reize so weit wie möglich zu reduzieren.

Ab wann sollte ich mit meinen Schlafproblemen zum Arzt gehen?

Wenn Schlafprobleme über mehrere Wochen anhalten, regelmäßig auftreten oder deinen Alltag deutlich beeinträchtigen, solltest du sie ärztlich abklären lassen. Das gilt auch bei starkem Schnarchen, Atemaussetzern, ausgeprägter Tagesmüdigkeit oder wenn du trotz ausreichend Schlaf dauerhaft erschöpft bist. Hochsensibilität kann den Schlaf beeinflussen, sollte aber nicht vorschnell als alleinige Ursache angenommen werden.

Nicole Trojahn

Nicole Trojahn

Freiberufliche Autorin, Texterin und Beraterin für Hochsensible


Viele Hochsensible leiden hin und wieder unter Einschlaf- und Durchschlafproblemen – oft wegen zu vieler Gedanken und einer ungünstigen Schlafumgebung.

In meiner Beratung begleite ich HSP dabei, ihre Schlafgewohnheiten an ihre Bedürfnisse anzupassen und die Schlafqualität zu erhöhen.

Falls auch du dabei eine Begleitung suchst, nimm gern Kontakt zu mir auf.

 

Hochsensibilität oder ADHS – Gemeinsamkeiten & Unterschiede

Hochsensibilität oder ADHS – Gemeinsamkeiten & Unterschiede

Viele Menschen fragen sich, ob ihre schnelle Reizüberflutung, ihre intensive Gefühlswelt oder ihre Schwierigkeiten im Alltag auf Hochsensibilität und ADHS zurückzuführen sind.

Tatsächlich gibt es einige Überschneidungen. Sowohl hochsensible Menschen als auch Menschen mit ADHS erleben ihre Umwelt oft intensiver als andere. Beide können unter Reizüberflutung leiden, sich nach Ruhe sehnen oder sich von ihrem Umfeld missverstanden fühlen. Dennoch handelt es sich um zwei unterschiedliche Konzepte.

In diesem Artikel erfährst du, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es zwischen Hochsensibilität und ADHS gibt und woran du erkennst, welche Erklärung besser zu deinen Erfahrungen passt.

Hochsensibilität vs ADHS, Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Nicole Trojahn

 

Was bedeutet Hochsensibilität?

Ein hochsensibles Nervensystem verarbeitet Informationen häufig gründlicher als durchschnittlich. Das betrifft nicht nur Sinneseindrücke wie Geräusche, Licht oder Gerüche, sondern auch emotionale und soziale Reize.

Viele hochsensible Menschen berichten beispielsweise davon:

  • Stimmungen anderer Menschen schnell wahrzunehmen und energiesensibel zu sein
  • intensive Gefühle zu erleben
  • lange über Gespräche oder Konflikte nachzudenken
  • Schönheit, Musik oder Natur besonders tief zu empfinden
  • nach anstrengenden Tagen mehr Erholung zu benötigen

Diese Eigenschaften sind keine Krankheit. Sie können sogar eine große Stärke sein.

Viele Hochsensible verfügen über ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen, Kreativität und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erkennen.

Gleichzeitig bringt diese intensive Wahrnehmung Herausforderungen mit sich. Wer ständig viele Reize verarbeitet, benötigt oft bewusst eingeplante Ruhephasen, um ein potenziell dysreguliertes Nervensystem zu entlasten. Ohne ausreichende Erholung kann es zu Überforderung, Erschöpfung oder innerem Stress kommen.

Ein wichtiger Punkt ist dabei: Hochsensibilität bedeutet nicht automatisch, dass jemand schüchtern, introvertiert oder ängstlich ist. Ebenso gibt es extrovertierte Hochsensible, die soziale Kontakte genießen und dennoch regelmäßig Rückzug brauchen.

 

Was ist ADHS?

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Sie gehört zu den neuroentwicklungsbedingten Störungen und beginnt bereits in der Kindheit, auch wenn sie häufig erst im Erwachsenenalter erkannt wird.

Viele Menschen verbinden ADHS ausschließlich mit unruhigen Kindern.

Tatsächlich zeigt sich ADHS bei Erwachsenen jedoch oft ganz anders.

Typische Merkmale sind:

  • Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit über längere Zeit zu steuern
  • Vergesslichkeit
  • Probleme bei Planung und Organisation
  • impulsives Verhalten
  • innere Unruhe
  • schnelles Abschweifen der Gedanken

 

Interessanterweise können Menschen mit ADHS gleichzeitig Phasen intensiver Konzentration erleben – den sogenannten Hyperfokus. Dabei tauchen sie vollständig in ein Thema ein und verlieren das Zeitgefühl. Dieses Phänomen unterscheidet ADHS deutlich von der Vorstellung, Betroffene könnten sich grundsätzlich nicht konzentrieren.

Auch emotionale Reaktionen spielen bei ADHS häufig eine große Rolle. Viele Betroffene erleben Gefühle besonders intensiv und reagieren sensibel auf Kritik oder Ablehnung. Es gibt durchaus Schnittmengen mit den Hochsensibilität-Symptomen, obwohl die Ursachen unterschiedlich sind.

 

ADHS ist heute gut erforscht.

Die Diagnose erfolgt durch speziell qualifizierte Fachkräfte anhand standardisierter Kriterien. Dabei werden unter anderem die Entwicklungsgeschichte, aktuelle Beschwerden und mögliche andere Ursachen berücksichtigt.

Nicht jede Unkonzentriertheit bedeutet automatisch ADHS. Stress, Schlafmangel, Angststörungen, Depressionen oder dauerhafte Überforderung können ähnliche Symptome hervorrufen. Deshalb ist eine sorgfältige diagnostische Abklärung wichtig, wenn der Verdacht auf ADHS besteht.

Tipp: Ob Hochsensibilität oder ADHS – Nervensystemregulation ist das Zauberwort. In meinem kostenfreien PDF „Nervensystem regulieren“ findest du viele Ideen, wie du im Alltag immer wieder in deine Balance zurückfindest.

 

Gemeinsamkeiten von Hochsensibilität und ADHS – Warum die Verwechslung so häufig vorkommt

Wer nach „Hochsensibilität und ADHS“ sucht, hat oft schon viele Selbsttests gemacht, Bücher gelesen oder Beiträge in sozialen Medien gesehen. Nicht selten bleibt am Ende mehr Verwirrung als Klarheit. Das liegt daran, dass sich Hochsensibilität und ADHS in einigen Bereichen tatsächlich ähneln. Die Ursachen dieser Gemeinsamkeiten sind jedoch nicht zwangsläufig dieselben.

Gerade deshalb ist es wichtig, die Überschneidungen zu kennen, bevor man sich mit den Unterschieden beschäftigt.

 

Reizüberflutung: Ein häufiges Merkmal bei Hochsensibilität und ADHS

Eines der bekanntesten Merkmale, das sowohl bei Hochsensibilität als auch bei ADHS bei Erwachsenen vorkommen kann, ist die Reizüberflutung.

Einkaufen im vollen Supermarkt, ein Großraumbüro, mehrere Gespräche gleichzeitig oder ein hektischer Tagesablauf können dazu führen, dass das Gehirn mit der Verarbeitung der vielen Eindrücke an seine Grenzen kommt.

Typische Anzeichen einer Reizüberflutung sind:

  • das Gefühl, „abschalten“ zu wollen
  • Konzentrationsprobleme
  • Gereiztheit und neurotisches Verhalten
  • schnelle Erschöpfung
  • Kopfschmerzen
  • das Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug

Bei hochsensiblen Menschen entsteht die Überforderung häufig dadurch, dass Sinneseindrücke besonders intensiv verarbeitet werden. Menschen mit ADHS erleben Reizüberflutung dagegen oft, weil das Gehirn Schwierigkeiten hat, wichtige von unwichtigen Informationen zu unterscheiden und die Aufmerksamkeit gezielt zu steuern.

Das Ergebnis kann sich im Alltag ähnlich anfühlen – die zugrunde liegenden Mechanismen unterscheiden sich jedoch.

 

Intensive Gefühle und emotionale Sensibilität

Viele Menschen fragen sich: Kann ADHS hochsensibel machen?

Die Antwort lautet: Emotionale Intensität kommt sowohl bei Hochsensibilität als auch bei ADHS häufig vor, allerdings aus unterschiedlichen Gründen.

Hochsensible Menschen nehmen Gefühle oft besonders bewusst wahr. Sie reagieren stark auf zwischenmenschliche Schwingungen, freuen sich intensiv über schöne Erlebnisse und beschäftigen sich häufig lange mit emotionalen Ereignissen.

Auch Erwachsene mit ADHS berichten oft von starken Gefühlen.

Freude, Wut, Frustration oder Begeisterung können sehr intensiv erlebt werden und wechseln manchmal schneller als bei anderen Menschen. Einige Betroffene erleben außerdem eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Kritik oder Zurückweisung.

Wer sich selbst als zu sensibel erlebt, kann sich deshalb sowohl in Beschreibungen der Hochsensibilität als auch in Berichten über ADHS wiederfinden.

 

Konzentrationsprobleme – aber nicht aus denselben Gründen

Ein weiteres häufig gesuchtes Thema lautet: Kann man als hochsensibler Mensch Konzentrationsprobleme haben?

Ja. Allerdings bedeutet das nicht automatisch, dass eine ADHS-Diagnose vorliegt.

Ein hochsensibler Mensch kann Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren, wenn:

  • die Umgebung zu laut ist
  • zu viele Reize gleichzeitig auftreten
  • emotional belastende Ereignisse verarbeitet werden
  • Stress oder Überforderung bestehen

Die Konzentration verbessert sich häufig deutlich, sobald die Reizbelastung sinkt.

Bei ADHS bestehen Aufmerksamkeitsprobleme dagegen meist unabhängig von der Umgebung. Laut einer Studie von  Tucha et al. (2015) haben Betroffene Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit über längere Zeit aufrechtzuerhalten.

Dieser Unterschied gehört später zu den wichtigsten Kriterien bei der Abgrenzung von Hochsensibilität und ADHS.

Hinweis: Auch Traumata können Konzentrationsprobleme verursachen. Wenn du mehr dazu wissen möchtest, wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Trauma und Hochsensibilität – Entwicklung und Heilung von Traumata“.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Trauma, Hochsensibilität und ADHS; Nicole Trojahn

Schnelle Erschöpfung

Sowohl hochsensible Menschen als auch Menschen mit ADHS berichten häufig davon, nach einem langen Arbeitstag vollkommen erschöpft zu sein.

Gründe können sein:

  • permanente Reizverarbeitung (z. B. durch ständige Erreichbarkeit)
  • viele soziale Kontakte
  • ständiges Multitasking
  • hohe emotionale Belastung
  • dauerhafte Selbstkontrolle

Während Hochsensible häufig Erholung brauchen, weil sie viele Eindrücke intensiv verarbeitet haben, entsteht die Erschöpfung bei ADHS oft zusätzlich durch den hohen Energieaufwand, Aufmerksamkeit, Organisation und Impulse im Alltag zu regulieren.

Deshalb kann sich der Feierabend für beide Gruppen ähnlich anfühlen – obwohl die Ursachen unterschiedlich sind.

 

Kreativität und neue Ideen

Sowohl Hochsensibilität als auch ADHS bei Erwachsenen werden häufig mit Kreativität in Verbindung gebracht.

Viele Betroffene berichten davon:

  • ungewöhnliche Lösungswege zu finden
  • Muster schnell zu erkennen
  • kreativ zu denken
  • intensive Fantasie zu besitzen
  • sich für viele Themen zu begeistern

Viele Menschen erleben ihre intensive Wahrnehmung als Quelle neuer Ideen.

 

Schwierigkeiten im Berufsalltag

Viele Betroffene fragen sich, wie sie ADHS und Hochsensibilität im Beruf integrieren können.

Im Arbeitsleben können sich ähnliche Herausforderungen zeigen:

  • Lärm im Büro führt zu Überforderung.
  • Viele Unterbrechungen erschweren konzentriertes Arbeiten.
  • Meetings kosten viel Energie.
  • Zeitdruck erhöht den Stress.
  • Konflikte mit Kollegen wirken lange nach.

Deshalb suchen viele Betroffene nach Berufen für Hochsensible, nach Informationen über ADHS im Job oder nach Möglichkeiten, ihren Arbeitsplatz reizärmer zu gestalten.

 

Zwischenmenschliche Beziehungen

Auch in Beziehungen gibt es Überschneidungen.

Menschen mit Hochsensibilität und ADHS berichten häufig über:

  • Missverständnisse
  • Konflikte durch unterschiedliche Kommunikationsstile
  • das Gefühl, unverstanden zu sein
  • Rückzug nach intensiven sozialen Situationen
  • hohe Empathie

Während Hochsensible häufig sehr fein auf Stimmungen reagieren und Harmonie schätzen, können Menschen mit ADHS zusätzlich Schwierigkeiten mit Impulsivität oder Vergesslichkeit erleben. Dadurch entstehen manchmal Konflikte, obwohl beide Seiten einander wichtig sind.

Ich persönlich habe eine gute Freundin mit ADHS. Manchmal geraten wir aneinander, weil wir völlig unterschiedliche Vorstellungen von Organisation, Gefühlsregulation und Struktur haben. Obwohl unsere Naturelle ganz unterschiedlich sind, schaffen wir es trotzdem, immer zusammenzufinden. Gegenseitiger Respekt und Verständnis sind dabei ganz wichtig.

 

Warum Selbsttests allein nicht ausreichen

Wer im Internet nach Bin ich hochsensibel oder habe ich ADHS?, Hochsensibilität Test oder ADHS Test Erwachsene sucht, stößt auf zahlreiche Fragebögen.

Solche Selbsttests können erste Anhaltspunkte liefern, ersetzen aber keine fundierte Einordnung. Viele Fragen überschneiden sich, weil sie allgemeine Erfahrungen wie Reizüberflutung, emotionale Intensität oder Konzentrationsprobleme abfragen.

Zudem können auch andere Faktoren – etwa chronischer Stress, Angststörungen, Depressionen oder Schlafmangel – ähnliche Beschwerden verursachen.

Wenn die Symptome den Alltag deutlich beeinträchtigen oder schon seit der Kindheit bestehen, ist eine diagnostische Abklärung durch qualifizierte Fachkräfte sinnvoll.

Scheue dich also nicht, um Unterstützung zu bitten!

 

Hochsensibilität oder ADHS? Die wichtigsten Unterschiede im Überblick

Obwohl sich Hochsensibilität und ADHS in einigen Bereichen ähneln, gibt es entscheidende Unterschiede. Wer diese kennt, kann die eigenen Erfahrungen besser einordnen – ohne vorschnelle Schlüsse zu ziehen.

Wichtig ist dabei: Kein einzelnes Merkmal reicht aus, um zwischen Hochsensibilität oder ADHS zu unterscheiden. Es geht immer um das Gesamtbild, die Entwicklung seit der Kindheit und die Frage, wie stark die Symptome den Alltag beeinflussen.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Hochsensibilität und ADHS; Nicole Trojahn

Diese Übersicht zeigt bereits: Die eigentliche Herausforderung liegt weniger in der Sensibilität, sondern in den Ursachen der jeweiligen Erfahrungen.

 

Unterschied 1: Die Aufmerksamkeit funktioniert anders

Der wohl wichtigste Unterschied zwischen Hochsensibilität und ADHS betrifft die Aufmerksamkeit.

Ein hochsensibler Mensch kann sich oft hervorragend konzentrieren – vorausgesetzt, die Umgebung ist ruhig und frei von störenden Reizen. Viele berichten sogar von einer außergewöhnlich tiefen Konzentration, wenn sie ungestört arbeiten können.

Wer hingegen ADHS bei Erwachsenen hat, erlebt häufig Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit bewusst zu steuern.

Das kann sich so zeigen:

  • Aufgaben werden begonnen, aber nicht beendet.
  • Gedanken springen ständig zwischen verschiedenen Themen.
  • Termine werden vergessen.
  • Man lässt sich leicht ablenken.
  • Prioritäten zu setzen fällt schwer.

Interessanterweise bedeutet ADHS nicht, dass Konzentration grundsätzlich unmöglich ist.

Viele Betroffene erleben den sogenannten Hyperfokus. Dabei beschäftigen sie sich stundenlang intensiv mit einem Thema und blenden ihre Umgebung vollständig aus.

Gerade dieser Wechsel zwischen extremer Konzentration und starker Ablenkbarkeit ist typisch für ADHS.

Bei Hochsensibilität steht dagegen meist nicht die Aufmerksamkeitssteuerung im Vordergrund, sondern die Belastung durch äußere oder innere Reize. Menschen mit ADHS und Hochsensibilität profitieren von einem reizarmen Alltag.

 

Unterschied 2: Wann treten die Schwierigkeiten auf?

Ein weiterer wichtiger Unterschied betrifft die Situation, in der Beschwerden auftreten.

Bei Hochsensibilität

Die Belastung steigt häufig:

  • wenn viele Menschen gleichzeitig sprechen
  • bei grellem Licht
  • nach langen sozialen Kontakten
  • unter Zeitdruck
  • in emotional belastenden Situationen (z. B. mit toxischen Menschen)

Reduzieren sich diese Reize, fühlen sich viele Hochsensible schnell wieder ausgeglichener.

Bei ADHS

Die Schwierigkeiten bestehen oft auch dann, wenn die Umgebung ruhig ist.

Beispiele:

  • Der Schreibtisch ist still – trotzdem schweifen die Gedanken ab.
  • Eine wichtige Aufgabe liegt vor einem – dennoch fällt es schwer, anzufangen.
  • Trotz guter Vorsätze wird Organisieren immer wieder zur Herausforderung.

Deshalb fragen viele Menschen: Warum kann ich mich nicht konzentrieren, obwohl es ruhig ist?

Diese Frage spricht eher für Schwierigkeiten der Aufmerksamkeitsregulation als für eine reine Reizüberflutung.

Hinweis: Du kannst viel dafür tun, dass die Arbeitsbedingungen so angenehm wie möglich sind. In meinem kostenfreien PDF „Reizarme Alltagsgestaltung für Menschen mit Hochsensibilität“ findest du nützliche Infos dazu.

 

Unterschied 3: Organisation und Alltag

Viele hochsensible Menschen gelten als gewissenhaft und sorgfältig. Sie planen häufig vorausschauend, denken über mögliche Probleme nach und möchten Fehler vermeiden.

Menschen mit ADHS erleben dagegen oft Schwierigkeiten bei den sogenannten exekutiven Funktionen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Zeitmanagement
  • Planung
  • Prioritäten setzen
  • Arbeitsgedächtnis
  • Selbstorganisation
  • Aufgaben abschließen

Das bedeutet nicht, dass Menschen mit ADHS unmotiviert oder unstrukturiert sind. Vielmehr fällt es ihrem Gehirn schwerer, diese Prozesse zuverlässig zu steuern.

Gerade Erwachsene mit ADHS entwickeln deshalb oft kreative Strategien, um ihren Alltag zu bewältigen – etwa digitale Erinnerungen, feste Routinen oder visuelle Planungshilfen.

Warum ADHS-Betroffene Probleme beim Organisieren haben, Nicole Trojahn

Unterschied 4: Der Umgang mit Reizen

Sowohl Hochsensible als auch Menschen mit ADHS berichten über Reizüberflutung. Der Weg dorthin unterscheidet sich jedoch.

Hochsensibilität

Das Nervensystem verarbeitet Sinneseindrücke besonders intensiv.

Beispiele:

  • laute Musik
  • intensive Gerüche
  • kratzende Kleidung
  • Menschenmengen
  • starke Emotionen anderer Menschen

Die Folge ist häufig das Bedürfnis nach Ruhe, Rückzug und Regeneration. Viele HSP leiden unter Reizschuld, wenn sie diesem Bedürfnis nachkommen.

 

ADHS

Menschen mit ADHS nehmen ebenfalls viele Reize wahr. Der Unterschied besteht darin, dass das Gehirn oft Schwierigkeiten hat, diese Reize nach ihrer Wichtigkeit zu filtern. Dadurch konkurrieren zahlreiche Eindrücke gleichzeitig um Aufmerksamkeit.

Ein klingelndes Handy, ein Gespräch im Hintergrund, eine E-Mail und die eigentliche Aufgabe werden nahezu gleich stark wahrgenommen.

Diese fehlende Priorisierung führt häufig zu Überforderung. Zwar haben auch HSP keinen Reizfilter, dennoch schaffen sie es aber etwas besser, Aufgaben nach ihrer Wichtigkeit zu sortieren.

 

Unterschied 5: Die Entwicklung beginnt unterschiedlich

Eine wichtige Frage in der Diagnostik lautet: Seit wann bestehen die Symptome?

Bei ADHS zeigen sich typische Merkmale bereits in der Kindheit – auch wenn sie damals möglicherweise nicht erkannt wurden.

Viele Erwachsene erinnern sich später an Situationen wie:

  • häufiges Tagträumen
  • Schwierigkeiten im Unterricht
  • Vergesslichkeit
  • impulsives Verhalten
  • Probleme mit Hausaufgaben
  • chaotische Organisation

Hochsensibilität wird dagegen häufig als stabiles Temperamentsmerkmal beschrieben.

Viele Hochsensible erinnern sich ebenfalls daran, schon als hochsensibles Kind besonders empfindlich auf Lärm, Konflikte oder intensive Gefühle reagiert zu haben. Im Unterschied zu ADHS stehen dabei jedoch meist nicht anhaltende Probleme mit Aufmerksamkeit oder Selbstorganisation im Vordergrund.

 

Kann man hochsensibel sein, ohne ADHS zu haben?

Ja – und das ist sogar der häufigere Fall.

Nicht jeder hochsensible Mensch hat Schwierigkeiten mit Konzentration, Organisation oder Impulsivität. Viele erleben ihre Sensibilität vor allem als intensive Wahrnehmung, starke Empathie und das Bedürfnis nach regelmäßigen Erholungsphasen.

Umgekehrt gilt ebenfalls: Nicht jeder Mensch mit ADHS ist hochsensibel.

Zwar berichten viele Betroffene von einer ausgeprägten Empfindlichkeit gegenüber Reizen oder Emotionen, doch diese Erfahrungen lassen sich nicht automatisch mit Hochsensibilität gleichsetzen.

 

Können Hochsensibilität und ADHS gleichzeitig auftreten?

Eine der häufigsten Fragen lautet: Kann man gleichzeitig hochsensibel sein und ADHS haben?

Die kurze Antwort lautet: Ja, das ist möglich.

Menschen sind komplex. Persönlichkeitsmerkmale, Temperament und medizinische Diagnosen schließen sich nicht gegenseitig aus. Ein Mensch kann sowohl eine ADHS-Diagnose haben als auch eine besonders intensive Wahrnehmung und Verarbeitung von Reizen erleben.

Gleichzeitig ist Vorsicht geboten: Nicht jede Person mit ADHS ist automatisch hochsensibel, und nicht jede hochsensible Person hat ADHS. Gerade in sozialen Medien werden diese Begriffe manchmal vermischt oder gleichgesetzt – das führt aber eher zu Schwierigkeiten.

 

Warum sich Hochsensibilität und ADHS überschneiden können

Hochsensibilität beschreibt eine erhöhte Sensibilität für innere und äußere Reize. ADHS betrifft vor allem die Regulation von Aufmerksamkeit, Impulsen und exekutiven Funktionen.

Treffen beide zusammen, kann sich das beispielsweise so äußern:

  • Du nimmst Geräusche, Gerüche oder Stimmungen sehr intensiv wahr.
  • Gleichzeitig fällt es dir schwer, unwichtige Reize auszublenden.
  • Du bist schnell emotional berührt und reagierst impulsiver, als du möchtest.
  • Nach einem Arbeitstag fühlst du dich nicht nur erschöpft, sondern auch geistig „überladen“.
  • Du brauchst viel Zeit für Erholung, hast aber Schwierigkeiten, wirklich zur Ruhe zu kommen.

Für Betroffene kann diese Kombination besonders belastend sein. Deshalb ist es wichtig, genau hinzuschauen und nicht vorschnell alles einer einzigen Ursache zuzuschreiben.

Hinweis: Auch Traumata können solche Symptome hervorrufen. Deshalb fragen sich viele Menschen, ob sie hochsensibel oder traumatisiert sind. Wenn du mehr zu diesem Thema wissen möchtest, wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Der Mensch als Schichtmodell – Warum Entwicklung in Spiralen erfolgt“.

 

Warum eine Selbstdiagnose oft in die Irre führt

Wer sich mit Hochsensibilität und ADHS beschäftigt, möchte verständlicherweise Orientierung finden. Doch genau hier liegt eine Herausforderung.

Viele Beschreibungen im Internet sind sehr allgemein formuliert.

Beispiele:

  • „Ich bin leicht ablenkbar.“
  • „Ich bin oft überfordert.“
  • „Ich denke sehr viel nach.“
  • „Ich bin emotional.“
  • „Ich brauche Ruhe.“

Diese Aussagen treffen auf viele Menschen zu – besonders in stressigen Lebensphasen.

Chronischer Stress, Angststörungen, Depressionen, Schlafmangel oder ein Burnout können ähnliche Beschwerden verursachen. Deshalb reicht es nicht aus, einzelne Symptome abzuhaken. Eine fundierte Einordnung berücksichtigt immer den gesamten Lebensverlauf.

Wichtig: Während deiner Nachforschungen solltest du auch immer austesten, was dir gerade guttut. Denn egal, unter welchen Symptomen du leidest – Selbstfürsorge ist immer wichtig. Wirf dazu gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Selbstfürsorge für Hochsensible – 7 Routinen für den Alltag“.

 

ADHS oder Hochsensibilität? Diese Fragen helfen bei der Orientierung

Auch wenn sie keine Diagnose ersetzen, können folgende Reflexionsfragen hilfreich sein. Beantworte diese Fragen (am besten mehrmals in regelmäßigen Abständen), um ein Gefühl für deine Symptomatik zu bekommen.

 

Wie zeigt sich deine Konzentration?

Kannst du dich in einer ruhigen Umgebung über längere Zeit gut auf eine Aufgabe konzentrieren?

Oder schweifen deine Gedanken selbst dann immer wieder ab?

 

Seit wann kennst du diese Schwierigkeiten?

Gab es bereits in der Grundschule Hinweise wie:

  • häufiges Vergessen
  • Tagträumen
  • große Probleme mit Hausaufgaben
  • impulsives Verhalten
  • ständiges Dazwischenreden
  • chaotische Organisation

Oder traten die Beschwerden erst später auf – etwa durch beruflichen Stress oder eine belastende Lebensphase?

 

Was belastet dich am meisten?

Frage dich ehrlich:

Sind es vor allem

  • Lärm
  • Menschenmengen
  • starke Emotionen
  • Konflikte
  • viele Sinneseindrücke

Oder stehen eher diese Schwierigkeiten im Vordergrund?

  • Aufgaben beginnen
  • Termine vergessen
  • Zeitmanagement
  • Organisation
  • Prioritäten setzen
  • Impulskontrolle

Je nachdem, welche Bereiche dominieren, ergeben sich unterschiedliche Hinweise.

Hinweis: Es geht bei diesen Fragen niemals darum, deinen Wert als Mensch infrage zu stellen oder dich bloßzustellen! Sie dienen nur dazu, dich bei einem bedürfnisgerechten Leben zu unterstützen.

4 Gründe, warum Diagnosen bei Neurodivergenz manchmal Sinn machen

 

Hochsensibilität ist keine Krankheit

Ein wichtiger Punkt wird in Diskussionen häufig übersehen: Hochsensibilität ist keine psychische Erkrankung und keine medizinische Diagnose.

Viele hochsensible Menschen erleben ihre intensive Wahrnehmung nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Bereicherung.

Typische Stärken sind beispielsweise:

  • ausgeprägte Empathie
  • Kreativität
  • Beobachtungsgabe
  • tiefes Nachdenken
  • Gewissenhaftigkeit
  • Sinn für Details
  • hohe emotionale Intelligenz

Probleme entstehen häufig erst dann, wenn dauerhaft zu viele Reize verarbeitet werden oder keine ausreichenden Erholungsphasen möglich sind.

 

ADHS ist mehr als Ablenkbarkeit

Ebenso wichtig ist es, ADHS nicht auf Konzentrationsprobleme zu reduzieren. ADHS kann viele Lebensbereiche beeinflussen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Motivation
  • Selbstorganisation
  • Arbeitsgedächtnis
  • Zeitgefühl
  • Emotionsregulation
  • Impulskontrolle

Viele Erwachsene entwickeln im Laufe ihres Lebens wertvolle Strategien, um diese Schwierigkeiten zu kompensieren.

Deshalb bleibt ADHS häufig lange unentdeckt – insbesondere bei Frauen, deren Symptome oft weniger durch offensichtliche Hyperaktivität auffallen.

Wichtig: Keine von beiden Symptomatiken ist besser oder schlechter! ADHS und Hochsensibilität verlangen einfach nur einen bedürfnisgerechten Lebensstil, viel Verständnis und eine gute Verbundenheit mit sich selbst.

 

Wann ist eine Diagnostik sinnvoll?

Wenn du dich in vielen Beschreibungen von ADHS wiedererkennst und deine Schwierigkeiten deinen Alltag deutlich beeinträchtigen, kann eine diagnostische Abklärung sinnvoll sein.

Das gilt insbesondere, wenn

  • die Probleme bereits seit der Kindheit bestehen
  • Beruf oder Ausbildung darunter leiden
  • Beziehungen zu Partnern und Freunden immer wieder belastet werden
  • Organisation und Zeitmanagement dauerhaft schwerfallen
  • du trotz großer Anstrengung immer wieder mit denselben Herausforderungen kämpfst

Eine Diagnose dient nicht dazu, Menschen in Schubladen zu stecken. Sie kann vielmehr helfen, die eigenen Erfahrungen besser zu verstehen und passende Unterstützung zu finden.

 

Was bedeutet das für hochsensible Menschen?

Viele Menschen sind erleichtert, wenn sie erkennen, dass ihre intensive Wahrnehmung Teil ihrer Persönlichkeit ist und nicht bedeutet, dass mit ihnen etwas „nicht stimmt“.

Ebenso erleben manche Menschen Erleichterung, wenn sie nach Jahren der Selbstzweifel erfahren, dass hinter ihren Schwierigkeiten tatsächlich ADHS steckt – und sie sich dafür nicht schämen müssen.

Beides kann ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstverständnis sein.

 

Entscheidend ist jedoch, offen für verschiedene Erklärungen zu bleiben und sich nicht ausschließlich mit einem Begriff zu identifizieren.

Denn jeder Mensch ist mehr als eine Diagnose oder ein Persönlichkeitsmerkmal.

 

Diagnose, Selbsttest und häufige Irrtümer – Wie lassen sich Hochsensibilität und ADHS einordnen?

Wer sich intensiv mit Hochsensibilität und ADHS beschäftigt, stößt früher oder später auf Selbsttests, Checklisten und Erfahrungsberichte. Diese können zwar erste Anhaltspunkte liefern, ersetzen jedoch keine fundierte Einordnung.

Gerade weil sich Hochsensibilität und ADHS in einigen Merkmalen überschneiden, entstehen viele Missverständnisse.

 

Kann ein Selbsttest zeigen, ob ich hochsensibel oder ADHS habe?

Im Internet gibt es zahlreiche Angebote wie:

  • Hochsensibilität Test
  • Hochsensibilität Test Erwachsene
  • ADHS Test Erwachsene
  • Bin ich hochsensibel?
  • Habe ich ADHS?

Solche Tests können dazu anregen, über die eigene Wahrnehmung und das eigene Verhalten nachzudenken. Sie können jedoch keine Diagnose stellen.

Der Grund dafür ist einfach: Viele Fragen beziehen sich auf allgemeine Erfahrungen, die auch bei anderen Themen auftreten können. Ein Selbsttest kann daher ein Ausgangspunkt sein – mehr jedoch nicht.

Hinweis: Die Ergebnisse solcher Selbsttests sind aber gut geeignet, um sie zu einem therapeutischen Erstgespräch bzw. einer Beratung mitzunehmen.

3 Schlüsse, die du aus einem kostenlosen Selbsttest zu Hochsensibilität und ADHS ziehen kannst, Nicole Trojahn

Wie wird ADHS bei Erwachsenen diagnostiziert?

Wenn der Verdacht auf ADHS bei Erwachsenen besteht, erfolgt die Diagnostik durch entsprechend qualifizierte Fachkräfte.

Dabei geht es nicht nur um die Frage, welche Symptome heute bestehen. Entscheidend ist das Gesamtbild.

Typischerweise werden unter anderem folgende Aspekte betrachtet:

  • Wie verlief die Kindheit?
  • Gab es bereits in der Schule Auffälligkeiten?
  • Welche Schwierigkeiten bestehen heute?
  • In welchen Lebensbereichen treten sie auf?
  • Gibt es andere mögliche Erklärungen für die Beschwerden?
  • Wie schätzt das nahe Umfeld die betroffene Person ein?

Außerdem wird geprüft, ob die Symptome über längere Zeit bestehen und den Alltag deutlich beeinträchtigen.

 

Gibt es eine Diagnose für Hochsensibilität?

Im Gegensatz zu ADHS gibt es keine medizinische Diagnose Hochsensibilität.

Hochsensibilität wird in der Regel als Persönlichkeitsmerkmal oder Temperament verstanden. Das bedeutet:

  • Sie gilt nicht als psychische Erkrankung.
  • Sie ist keine neuroentwicklungsbedingte Störung, ist aber Teil der Neurodiversität.
  • Es gibt keine offiziellen Diagnosekriterien wie bei ADHS.

Viele Menschen empfinden diese Einordnung als hilfreich, weil sie ihre intensive Wahrnehmung besser verstehen können. Gleichzeitig ist es wichtig, Hochsensibilität nicht als Erklärung für jede Schwierigkeit im Alltag zu verwenden.

 

Häufige Irrtümer über Hochsensibilität und ADHS

Im Internet kursieren viele Aussagen, die zwar eingängig klingen, aber zu pauschal sind. Hier sind einige der häufigsten Missverständnisse.

Irrtum 1: Wer hochsensibel ist, hat wahrscheinlich ADHS

Nein. Viele hochsensible Menschen haben keine Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Organisation oder Impulskontrolle. Sie nehmen Reize lediglich intensiver wahr und benötigen häufiger Erholungsphasen.

Irrtum 2: Menschen mit ADHS sind immer hyperaktiv

Auch das stimmt nicht. Gerade bei Erwachsenen zeigt sich ADHS häufig weniger durch sichtbare Unruhe als durch innere Rastlosigkeit, Vergesslichkeit oder Probleme mit der Selbstorganisation.

Deshalb bleibt ADHS oft viele Jahre unerkannt.

Irrtum 3: Hochsensibilität ist eine Modeerscheinung

Der Begriff wird heute zwar häufig verwendet, doch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit individueller Sensitivität reicht mehrere Jahrzehnte zurück.

Gleichzeitig gibt es innerhalb der Forschung unterschiedliche Auffassungen darüber, wie Hochsensibilität definiert und gemessen werden sollte. Das ist ein wichtiger Unterschied zu ADHS, für das etablierte diagnostische Kriterien existieren. Ein seriöser Umgang mit dem Thema berücksichtigt diese Unterschiede und vermeidet vereinfachende Aussagen.

Irrtum 4: Jeder, der schnell überfordert ist, ist hochsensibel

Nicht unbedingt. Stress, Schlafmangel, eine hohe Arbeitsbelastung oder psychische Erkrankungen können ebenfalls dazu führen, dass Menschen empfindlicher auf Reize reagieren.

Deshalb lohnt sich immer die Frage: War das schon immer so oder erst seit einer bestimmten Lebensphase?

Irrtum 5: Hochsensible Menschen können sich nicht konzentrieren

Viele hochsensible Menschen können sich sogar ausgesprochen gut konzentrieren – insbesondere dann, wenn sie ungestört arbeiten können. Schwierigkeiten entstehen häufig erst dann, wenn viele Reize gleichzeitig verarbeitet werden müssen oder emotionale Belastungen viel Aufmerksamkeit binden.

 

Wann solltest du professionelle Unterstützung suchen?

Unabhängig davon, ob es um Hochsensibilität oder ADHS geht, kann Unterstützung sinnvoll sein, wenn deine Beschwerden deinen Alltag und deine Beziehungen deutlich beeinträchtigen.

Das gilt beispielsweise, wenn

  • du ständig erschöpft bist
  • dich Reize dauerhaft überfordern
  • Konzentrationsprobleme deine Arbeit beeinträchtigen
  • Beziehungen unter deinen Schwierigkeiten leiden
  • du dich seit langer Zeit selbst nicht verstehst
  • du immer Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung hast

Ein erster Schritt kann ein Gespräch mit einer psychotherapeutischen oder ärztlichen Fachperson sein. Wenn der Verdacht auf ADHS besteht, sollte die Abklärung durch entsprechend qualifizierte Fachkräfte erfolgen.

Auch wenn keine ADHS-Diagnose gestellt wird, kann eine professionelle Beratung helfen, Belastungen besser einzuordnen und passende Strategien für den Alltag zu entwickeln.

 

Was bedeutet das für deinen Alltag?

Viele Menschen wünschen sich nach ihrer Recherche vor allem eine klare Antwort auf die Frage: Bin ich hochsensibel oder habe ich ADHS?

In der Praxis führt jedoch oft eine andere Frage weiter: Welche Herausforderungen erlebe ich konkret – und welche Unterstützung hilft mir dabei?

Ob deine Reizüberflutung eher mit Hochsensibilität zusammenhängt, ob eine ADHS-Diagnostik sinnvoll wäre oder ob andere Faktoren eine Rolle spielen: Entscheidend ist, dass du deine Erfahrungen ernst nimmst und dir die Unterstützung suchst, die zu deiner Situation passt.

3 Ideen, wie du dein Umfeld über deine Neurodivergenz informieren kannst, Nicole Trojahn

 

Denn das Ziel sollte nicht sein, möglichst schnell ein Etikett zu finden. Viel hilfreicher ist es, die eigenen Bedürfnisse zu verstehen und Wege zu entwickeln, den Alltag langfristig gesünder und entspannter zu gestalten.

 

Hochsensibilität und ADHS im Alltag – Drei Beispiele aus dem echten Leben

Manchmal sind Definitionen schwer greifbar. An konkreten Alltagssituationen wird oft deutlicher, worin sich Hochsensibilität und ADHS unterscheiden und wo sie sich überschneiden können.

Die folgenden Beispiele sind fiktiv. Sie sollen typische Muster veranschaulichen und keine Diagnose ersetzen.

 

Beispiel 1: Anna ist hochsensibel

Anna arbeitet als Grafikdesignerin und liebt ihren Beruf. Wenn sie ungestört arbeiten kann, versinkt sie oft stundenlang in kreativen Projekten.

Nach einem Tag im Großraumbüro fühlt sie sich jedoch erschöpft. Das Telefon klingelt, Kollegen unterhalten sich, ständig laufen Menschen an ihrem Arbeitsplatz vorbei. Zuhause angekommen braucht sie zunächst Ruhe, bevor sie wieder Gespräche führen oder Entscheidungen treffen möchte.

Im Alltag fällt Anna außerdem auf:

  • Sie nimmt Spannungen zwischen Menschen schnell wahr.
  • Sie ist koffeinempfindlich und achtet auf gesunde Ernährung.
  • Sie fühlt sich von lauter Musik oder grellem Licht schneller gestört als andere.
  • Filme oder Bücher berühren sie oft tief.
  • Sie arbeitet sehr gewissenhaft, hat ein hohes Verantwortungsbewusstsein und denkt lange über Entscheidungen nach.

 

Trotz ihrer Sensibilität organisiert sie ihren Alltag gut. Termine vergisst sie selten und wichtige Aufgaben erledigt sie zuverlässig.

Was spricht hier eher für Hochsensibilität?

✔ Konzentration funktioniert gut, wenn die Umgebung ruhig ist.

✔ Die Schwierigkeiten entstehen hauptsächlich durch viele Reize.

✔ Organisation und Zeitmanagement fallen nicht grundsätzlich schwer.

 

Beispiel 2: Max hat ADHS

Max arbeitet als Projektmanager. Fast jeden Morgen nimmt er sich vor, den Tag gut zu strukturieren.

Doch schon nach kurzer Zeit beantwortet er E-Mails, beginnt mehrere Aufgaben gleichzeitig, wird von einer Nachricht unterbrochen und vergisst schließlich, weshalb er den Computer ursprünglich eingeschaltet hatte.

Obwohl sein Büro ruhig ist, schweifen seine Gedanken ständig ab. Wenn ihn ein Thema begeistert, arbeitet er dagegen mehrere Stunden hoch konzentriert und bemerkt kaum, wie die Zeit vergeht.

 

Typisch für seinen Alltag sind außerdem:

  • Termine werden vergessen.
  • Unterlagen verschwinden.
  • Rechnungen bleiben liegen.
  • Zeit wird häufig falsch eingeschätzt.
  • Impulsive Entscheidungen sorgen später für Stress.

Lärm stört ihn zwar ebenfalls, doch seine größten Schwierigkeiten bestehen auch dann, wenn die Umgebung ruhig ist.

Was spricht hier eher für ADHS?

✔ Probleme mit Aufmerksamkeit und Selbstorganisation.

✔ Schwierigkeiten bestehen unabhängig von der Reizumgebung.

✔ Typischer Wechsel zwischen Ablenkbarkeit und Hyperfokus.

 

Beispiel 3: Laura erlebt Hochsensibilität und ADHS gleichzeitig

Laura erhielt ihre ADHS-Diagnose erst mit Anfang 40. Schon als Kind war sie sehr geräuschempfindlich und zog sich nach Familienfeiern häufig zurück.

Heute erlebt sie beides.

Sie fühlt sich von vielen Sinneseindrücken schnell erschöpft und reagiert stark auf Konflikte. Gleichzeitig vergisst sie regelmäßig Termine, verliert den Überblick über Aufgaben und kämpft mit ihrer Selbstorganisation.

Besonders belastend ist für sie, dass sich beide Bereiche gegenseitig verstärken. Wenn sie gestresst ist, fällt ihr die Organisation noch schwerer. Wenn viele Aufgaben gleichzeitig anstehen, reagiert sie noch empfindlicher auf Lärm und soziale Reize.

 

Was zeigt dieses Beispiel?

Menschen können sowohl hochsensibel sein als auch ADHS haben. Die beiden Aspekte schließen sich nicht gegenseitig aus.

 

Hochsensibilität oder ADHS? Diese Fragen helfen bei der Einordnung

Falls du dich fragst, „Bin ich hochsensibel oder habe ich ADHS?“, können dir diese Fragen eine erste Orientierung geben.

Fühlst du dich hauptsächlich durch Reize belastet?

Dann könnten Fragen hilfreich sein wie:

  • Bin ich nach sozialen Kontakten mit meinen Freunden erschöpft?
  • Reagiere ich empfindlich auf Geräusche, Licht oder Gerüche?
  • Brauche ich regelmäßig Rückzug?
  • Erhole ich mich deutlich, wenn es ruhig wird?

Diese Erfahrungen passen häufig zu Hochsensibilität.

 

Oder fällt dir vor allem Selbstorganisation schwer?

Frage dich beispielsweise:

  • Vergesse ich häufig Termine?
  • Fällt es mir schwer, Aufgaben zu beginnen?
  • Springe ich ständig zwischen verschiedenen Tätigkeiten?
  • Verschätze ich mich regelmäßig bei der Zeit?
  • Habe ich diese Schwierigkeiten schon seit meiner Kindheit?

Diese Fragen sprechen eher Themen an, die bei ADHS häufig eine Rolle spielen.

 

Was Hochsensible und ADHS-Betroffene verbindet

Trotz aller Unterschiede berichten viele Menschen mit Hochsensibilität und ADHS über ähnliche Wünsche.

Sie möchten

  • weniger erschöpft sein
  • sich selbst besser verstehen
  • ihre Grenzen früher erkennen und Grenzen setzen können
  • entspannter arbeiten
  • Beziehungen bewusster gestalten
  • sich nicht ständig „zu viel“ oder „nicht genug“ fühlen

Hier zeigt sich, dass es oft gar nicht darum geht, sich möglichst eindeutig einer Kategorie zuzuordnen. Viel wichtiger ist die Frage: Welche Bedingungen helfen meinem Nervensystem, gut zu funktionieren?

 

Praktische Strategien – unabhängig von der Ursache

Ob deine Erfahrungen eher mit Hochsensibilität, ADHS oder einer Kombination aus beidem zusammenhängen: Einige Maßnahmen empfinden viele Betroffene als hilfreich.

 

Reizquellen bewusst reduzieren

Nicht jede Reizüberflutung lässt sich vermeiden. Oft helfen jedoch kleine Veränderungen:

  • Noise-Cancelling-Kopfhörer in lauten Umgebungen
  • regelmäßige Bildschirmpausen
  • Benachrichtigungen auf Smartphone und Computer reduzieren
  • feste Ruhezeiten im Alltag einplanen

 

Energie statt Zeit planen

Viele Menschen planen ihren Tag nach der Uhr. Hilfreicher kann es sein, nach dem persönlichen Energielevel zu planen.

Lege anspruchsvolle Aufgaben in Phasen, in denen du dich konzentriert fühlst. Weniger anspruchsvolle Tätigkeiten können Zeiten vorbehalten sein, in denen deine Energie sinkt.

Tipp: Energiearbeit kann dich dabei unterstützen, dich besser vor Reizen zu schützen und dein Energielevel konstant zu halten.

 

Erholung aktiv gestalten

Erholung bedeutet nicht für jeden dasselbe. Während manche Menschen Kraft aus Spaziergängen in der Natur schöpfen, entspannen andere beim Lesen, Musizieren oder in einem ruhigen Gespräch.

Entscheidend ist, regelmäßig Räume zu schaffen, in denen dein Nervensystem nicht ständig neue Reize verarbeiten muss.

 

Mit Selbstmitgefühl statt Selbstkritik reagieren

Viele Menschen mit Hochsensibilität oder ADHS leiden unter Schuldgefühlen und haben über Jahre das Gefühl entwickelt, sie müssten „einfach besser funktionieren“.

Ein hilfreicher Perspektivwechsel besteht darin, nicht gegen die eigenen Besonderheiten anzukämpfen, sondern den Alltag so zu gestalten, dass er zu den eigenen Bedürfnissen passt.

5 Auswirkungen von Selbstmitgefühl auf Menschen mit Neurodivergenz, Nicole Trojahn

 

Erfahrungsbericht: Umgang mit HSP und Menschen mit ADHS

Ich würde mich selbst als hochsensibel bezeichnen und kenne viele Menschen, die hochsensibel sind und auch viele, die ADHS haben.

Mit anderen Hochsensiblen komme ich schon immer sehr gut klar. Ihre Vorsicht, ihr Perfektionismus und ihre Strukturiertheit sind mir vertraut, ebenso wie ihre Nachdenklichkeit.

Mit meinen Freunden mit ADHS war es anfangs nicht so einfach. Ich war oft wütend darüber, dass sie ständig Probleme mit der Organisation von Projekten hatten, unter der ich als Beteiligte gelitten habe. Es war mir einfach nicht in den Sinn gekommen, dass ihre Art der Organisation (die ich leider oft als „schlampig“ bewertet hatte) kein böser Wille war.

Und auch mit der Impulsivität und Sprunghaftigkeit hatte ich lange Schwierigkeiten. Ganz sicher habe ich meine Freunde im Gegenzug mit meinen hohen Ansprüchen und meinem Bedarf nach Struktur und Reizarmut genervt.

Letztlich geht es nicht darum, welche Symptome und Diagnose jemand hat, sondern um gegenseitiges Verständnis.

Niemand fühlt gleich. Jeder ist anders. Und wenn wir lernen, uns offen mitzuteilen und uns unsere Menschlichkeit zuzugestehen, sind gesunde soziale Beziehungen gar nicht so schwierig.

 

Häufige Fragen (FAQ) zu Hochsensibilität und ADHS

Ist Hochsensibilität eine Form von ADHS?

Nein. Hochsensibilität und ADHS sind zwei unterschiedliche Konzepte.

ADHS ist eine medizinisch anerkannte neuroentwicklungsbedingte Störung, die unter anderem die Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Selbstorganisation beeinflusst.

Hochsensibilität wird dagegen als Persönlichkeitsmerkmal beziehungsweise Temperamentsausprägung verstanden. Hochsensible Menschen nehmen Reize häufig intensiver wahr und verarbeiten sie tiefer. Hochsensibilität gilt jedoch nicht als Erkrankung.

Kann ADHS mit Hochsensibilität verwechselt werden?

Ja. Beide können mit Reizüberflutung, emotionaler Intensität und Erschöpfung verbunden sein. Der wichtigste Unterschied liegt jedoch in der Ursache. Bei Hochsensibilität steht die intensive Verarbeitung von Reizen im Vordergrund. Bei ADHS betrifft die Schwierigkeit vor allem die Regulation von Aufmerksamkeit und exekutiven Funktionen wie Planung, Organisation oder Impulskontrolle.

Kann man gleichzeitig hochsensibel und ADHS haben?

Ja. Ein Mensch kann sowohl hochsensibel sein als auch ADHS haben. Das eine schließt das andere nicht aus. Treffen beide zusammen, erleben Betroffene häufig sowohl eine intensive Wahrnehmung als auch Schwierigkeiten bei Aufmerksamkeit und Selbstorganisation.

Was ist der größte Unterschied zwischen Hochsensibilität und ADHS?

Der größte Unterschied betrifft die Aufmerksamkeit. Viele hochsensible Menschen können sich in einer ruhigen Umgebung sehr gut konzentrieren. Menschen mit ADHS haben dagegen häufig Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit gezielt zu steuern – selbst dann, wenn kaum äußere Ablenkung vorhanden ist.

Haben hochsensible Menschen Konzentrationsprobleme?

Das kann vorkommen. Die Ursache liegt jedoch häufig in einer hohen Reizbelastung. Nach einer Erholungsphase verbessert sich die Konzentration bei vielen Hochsensiblen deutlich. Bei ADHS bestehen Aufmerksamkeitsprobleme dagegen meist unabhängig davon, ob die Umgebung ruhig oder laut ist.

Warum fühlen sich Hochsensible so schnell erschöpft?

Das Nervensystem verarbeitet Sinneseindrücke, soziale Situationen und emotionale Informationen häufig besonders intensiv. Dadurch wird mehr Energie benötigt, um die Vielzahl an Eindrücken zu verarbeiten. Regelmäßige Erholungsphasen können helfen, das Gleichgewicht wiederherzustellen.

Warum sind Menschen mit ADHS oft reizempfindlich?

Viele Menschen mit ADHS berichten ebenfalls über eine hohe Empfindlichkeit gegenüber Reizen. Dies hängt vermutlich unter anderem damit zusammen, dass das Gehirn Schwierigkeiten hat, wichtige von unwichtigen Informationen zu filtern. Dadurch konkurrieren viele Eindrücke gleichzeitig um Aufmerksamkeit.

Können auch Erwachsene erstmals erkennen, dass sie ADHS haben?

Ja. Viele Menschen erhalten ihre Diagnose erst im Erwachsenenalter. Nicht selten wurden Schwierigkeiten in der Kindheit als Unkonzentriertheit, Verträumtheit oder mangelnde Motivation interpretiert. Gerade Frauen werden deshalb häufig erst spät diagnostiziert.

Kann Stress ähnliche Symptome wie ADHS verursachen?

Ja. Chronischer Stress kann Konzentration, Gedächtnis und Emotionsregulation deutlich beeinträchtigen. Deshalb ist eine sorgfältige diagnostische Abklärung wichtig, bevor aus einzelnen Symptomen auf ADHS geschlossen wird.

Muss ich mich überhaupt zwischen Hochsensibilität und ADHS entscheiden?

Nicht unbedingt. Manche Menschen erkennen sich überwiegend in Beschreibungen der Hochsensibilität wieder, andere erfüllen die Kriterien einer ADHS-Diagnose und wieder andere erleben beides gleichzeitig. Entscheidend ist weniger das Etikett als die Frage: Was tut mir gut und wie gehe ich mit Herausforderungen um?

 

Nicole Trojahn

Nicole Trojahn

Freiberufliche Autorin, Texterin und Beraterin für Hochsensible


Viele Menschen fragen sich, ob sie hochsensibel sind oder ADHS haben.

In meiner Beratung begleite ich Menschen dabei, ihre Symptome genauer unter die Lupe zu nehmen und ihr Leben bedürfnisgerecht zu gestalten.

Falls auch du noch mehr über dich selbst erfahren möchtest und deine Symptome einordnen möchtest, dann nimm gern Kontakt zu mir auf.

 

Hochsensibilität & ständige Erreichbarkeit: 7 einfache Tipps

Hochsensibilität & ständige Erreichbarkeit: 7 einfache Tipps

Für viele hochsensible Menschen ist nicht die Arbeit selbst das größte Problem, sondern das Gefühl, nie wirklich abschalten zu dürfen. Ständige WhatsApp-Nachrichten, Social Media-Posts, eine E-Mail „nur kurz zur Info“ – und innerlich bist du sofort wieder im Betriebsmodus. Wenn du hochsensibel bist, fühlt sich ständige Erreichbarkeit nicht nur stressig an, sondern übergriffig.

Ich zeige dir, warum das so ist und wie du dich davor schützt.

7 Tipps, um Erreichbarkeit für Menschen mit Hochsensibilität gesund zu gestalten

 

Warum ständige Erreichbarkeit Hochsensible besonders belastet

Laut einer Studie zu Hochsensibilität und Überstimulation wurde herausgefunden, dass ständige Erreichbarkeit dazu führt, dass HSP schnell reizüberflutet sind. Wir Hochsensiblen verarbeiten Reize tiefer und intensiver. Das betrifft nicht nur Geräusche oder Stimmungen, sondern auch soziale Erwartungen.

Jeder Reiz, der auf uns einprasselt, erfordert viel Energie, um ihn gesund zu verarbeiten. Und wenn uns die Zeit für Verarbeitung fehlt, neigen wir zu einem dysregulierten Nervensystem

Heutzutage sind wir immer von Reizen umgeben. Die Informationsflut ist enorm. Messengerdienste, Social Media und beruflich geforderte Abrufbarkeit sind für uns HSP absolute Stressoren.

 

Denn eine Nachricht ist für uns Hochsensible nicht nur eine Nachricht. Sie bedeutet:

  • eine unausgesprochene Erwartung und den Gedanken „Ich will niemanden enttäuschen.“
  • eine emotionale Verbindung und Schuldgefühle, wenn nicht sofort reagiert wird
  • einen inneren Film mit all den Konsequenzen, den unser (Nicht-)Handeln auslösen könnte

 

Während andere kurz ihre Nachrichten checken und munter mit ihrem Tagesablauf weitermachen, bleibt unser hochsensibles Nervensystem aktiviert – selbst wenn wir nicht antworten.

Bei permanenter Reizüberflutung bleibt uns manchmal gar nichts anderes übrig, als uns komplett zurückzuziehen (und melden uns oft tagelang nicht mehr). Das erzeugt wiederum Reizschuld, die uns HSP zu schaffen macht.

3 Auswirkungen ständiger Erreichbarkeit auf das hochsensible Nervensystem

 

WhatsApp, TikTok, Instagram & Co.: Die stille Dauerbelastung

Digitale Erreichbarkeit ist für Menschen mit Hochsensibilität tückisch, weil sie keine klaren Grenzen kennt. Während Generationen vor uns nicht einmal ein Telefon besaßen, sollen wir permanent abrufbar sein.

Gerade für Hochsensible im Beruf ist es eine Tortur, wenn sie immer auf ihrem Arbeitshandy erreichbar sein müssen.

Früher gab es Feierabend. Heute gibt es:

  • Gruppen-Chats (auch ganz besonders nervige, wie z. B. Elterngruppen bzgl. Schule)
  • Statusanzeigen („online“, „zuletzt gesehen“)
  • Lesebestätigungen, die die Erwartung triggern, schnell zu antworten
  • Push-Benachrichtigungen rund um die Uhr

 

Für Hochsensible entsteht daraus ein Dauer-Alarmzustand. Selbst wenn das Handy still ist, bleibt innerlich die Anspannung: Es könnte jederzeit etwas kommen.

Das verhindert, dass wir in den Entspannungsmodus wechseln können. Dieser ist aber dringend notwendig, um das Tagesgeschehen zu verarbeiten und langfristig emotional gesund zu bleiben.

 

Warum „einfach ignorieren“ keine Lösung ist

Sicher hast auch du schon viele Ratschläge von Nicht-HSP gehört, deren Nervensystem ganz anders mit der Reizflut umgeht, als deines. Viele gut gemeinten Ideen gehen an der Realität vorbei:

Diese Äußerungen führen dazu, dass wir uns eher schlecht fühlen:

  • „Leg das Handy halt weg.“
  • „Du musst lernen, Grenzen zu setzen.“
  • „Beantworte die Nachrichten einfach später und denke nicht mehr darüber nach.“

Was einmal in unser hochsensibles System eingedrungen ist, lässt sich von uns kaum ignorieren.

Das Problem ist nicht die Nachricht an sich, sondern das, was sie in uns auslöst. Wir hochsensiblen Menschen spüren Erwartungen oft stärker als andere – selbst dann, wenn sie nur vermutet sind.

Das kann schnell dazu führen, dass wir eine Opferrolle einnehmen.

Was ständige Nachrichten bei Hochsensiblen auslösen

 

Gesunde Abgrenzung beginnt deshalb nicht bei der App, sondern im Inneren. Wir können lernen, tief liegende Persönlichkeitsschichten von uns zu schützen, sodass Eindrücke uns nicht mehr bis ins Mark erschüttern.

Tipp: Wenn du wissen willst, wie du gesunde Abgrenzung trainieren kannst, dann wirf gern einen Blick in meinen kostenfreien PDF „Bedürftigkeit stillen und Grenzen stabilisieren“.

 

Hochsensibilität & Erreichbarkeit: 7 konkrete Strategien

Viele von uns Hochsensiblen haben über Jahre hinweg ein immenses Stressniveau entwickelt, dass es uns schwermacht, die Verbindung zu uns selbst zu stärken.

Ohne diese Verbundenheit wissen wir aber gar nicht, was wir tun müssen, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen und gesund mit ständiger Erreichbarkeit umzugehen.

Je besser du deine äußeren Grenzen schützen kannst, desto mehr bist du in der Lage, dich mit deiner Intuition zu verbinden. Und je besser das gelingt, desto weniger triggert es dich, wenn eine Nachricht nach der anderen hereinflattert.

 

1. Trenne Erreichbarkeit von Verfügbarkeit

Du darfst erreichbar sein, ohne verfügbar zu sein.

Eine ungelesene Nachricht ist kein persönliches Versagen. Niemand kann und darf dich zwingen, sofort auf ein Anliegen zu reagieren. Vor allem, wenn du deiner Hochsensibilität im Urlaub eine Pause gönnst, musst du nicht verfügbar sein.

Wir HSP brauchen einfach unsere Zeit, um über die Information nachzudenken und eine Entscheidung zu treffen.

Um die Erwartung ständiger Verfügbarkeit zu entgehen, kannst du:

  • Lesebestätigungen ausschalten
  • „Zuletzt online“ deaktivieren

 

2. Feste Antwortzeiten definieren (für dich!)

Nicht kommunizieren, wann andere dich erreichen dürfen, sondern wann du antwortest. Du kennst deine Grenzen und Bedürfnisse am besten und weißt, ob du gerade in der Lage bist, zu reagieren. Dadurch schaffst du dir einen Schutzraum, der Entspannungsmomente ermöglicht.

Beispiel:

  • E-Mails: 1–2 feste Antwortzeiten am Tag
  • Messenger: nur zu bestimmten, von dir festgelegten Uhrzeiten

 

3. Mikro-Pausen für dein Nervensystem

Wenn du von einem reizarmen Alltag weit entfernt bist, solltest du dir wenigstens kleine Erholungspausen gönnen. Schon 2–3 Minuten ohne Bildschirm helfen dir dabei, dein Nervensystem zu regulieren.

Probieres es mit:

  • tiefem Ausatmen und Erlernen der Bauchatmung
  • Blick aus dem Fenster
  • Smartphone bewusst weglegen
  • Körperwahrnehmung stärken und Verspannungen bewusst lösen

 

Hinweis: Wenn du dein Nervensystem langfristig stabilisieren willst, brauchst du eine gute Verbindung zu deinem Körper. In meinem kostenfreien PDF „Körperarbeit für Hochsensible – Signale des Körpers verstehen“ findest du Ideen, wie du dich in dir noch mehr zuhause fühlst.

 

4. Schuldgefühle bewusst hinterfragen

Frage dich: Habe ich wirklich eine Verpflichtung – oder nur ein schlechtes Gefühl?

Gefühle sind kein Beweis für Verantwortung. Ohnehin darfst du an deinem hohen Verantwortungsbewusstsein etwas arbeiten, denn du bist nicht verpflichtet, der Welt gegenüber immerzu verfügbar zu sein.

Schuldgefühle sind bei Hochsensiblen leider sehr häufig zu finden. Sie plagen uns nur deshalb, weil die Gesellschaft uns eingebläut hat, dass gesunde Selbstfürsorge und Selbstschutz egoistisch seien.

Wie Schuldgefühle gesunde Abgrenzung verhindern

 

5. Erreichbarkeit aktiv gestalten

In den meisten Fällen hilft es, dein soziales Umfeld aktiv über deine Grenzen zu informieren.

Du darfst aber auch genauso:

  • Gruppen stummschalten
  • Chats archivieren
  • Benachrichtigungen reduzieren

 

Nicht aus Schwäche, sondern aus Selbstschutz. Leider gibt es viele toxische Menschen, die kein Verständnis für deine Grenzen und Bedürfnisse haben. Es ist daher auch vollkommen legitim, die Erreichbarkeit stark einzuschränken oder sogar zu unterbinden.

 

6. Innere Erlaubnis statt äußere Erklärung

Viele Menschen mit Hochsensibilität glauben, sie müssten ihre Nicht-Erreichbarkeit begründen („Ich war beschäftigt“, „Sorry, ich hatte viel zu tun“).

Das erzeugt inneren Druck und gibt dir selbst das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun.

Übe stattdessen stille Erlaubnis:

  • Du musst nicht erklären, warum du später antwortest.
  • Deine Zeit ist kein Rechtfertigungsprojekt.
  • Du bist keine Maschine, sondern ein Mensch mit hoher Energiesensibilität, der sich von all den Zwischentönen immer wieder erholen muss.

 

Ein einfacher innerer Satz, den du dir immer wieder sagen darfst, lautet: „Ich darf in meinem Tempo reagieren.“

Das entlastet dein Nervensystem mehr als jede technische Einstellung.

 

7. Übergangsrituale nach jeder digitalen Unterbrechung

Hochsensible Menschen wechseln können nicht so schnell auf gesunde Art und Weise zwischen Anspannung und Entspannung wechseln, wie Nicht-Hochsensible. Jede Nachricht reißt dich innerlich aus deinem Fokus – auch wenn sie harmlos ist.

Du brauchst kleine Rituale, um die inneren Grenzen zu wahren und dich gesund zwischen den einzelnen Persönlichkeitsschichten hin- und herbewegen zu können.

 

Hilfreich sind hierfür folgende Tipps:

  • Schließe nach jeder Antwort bewusst ab, z. B. tief ausatmen, Schultern lockern.
  • Notieren kurz: „Thema erledigt“.
  • Mache Mini-Bewegungen (aufstehen, strecken) und Routinen, um dein Nervensystem zu stabilisieren.

 

Diese Mikro-Rituale signalisieren deinem Körper: Gefahr vorbei, du darfst runterfahren.

Tipp: Ideen für mehr Entspannung im Alltag findest du in meinem kostenfreien PDF „Selbstfürsorge für Hochsensible – 7 Routinen für den Alltag“.

 

Hochsensibilität ist kein Kommunikationsproblem

Wenn dich ständige Erreichbarkeit erschöpft, bist du nicht „zu empfindlich“. Dein System ist einfach feiner eingestellt – und braucht andere Rahmenbedingungen. Diese schnelllebige Welt ist für niemanden gemacht – weder für Nicht-HSP noch für uns Hochsensible. Schon allein deshalb ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu schützen.

Erholung beginnt oft nicht mit mehr Ruhe und Rückzug, sondern mit weniger innerem Druck.

4 Sätze, die dir beim Umgang mit Nachrichten helfen - für HSP

 

Du darfst offline sein. Ohne Begründung, ohne schlechtes Gewissen. Denn deine Gesundheit ist das Wichtigste.

 

Ständige Erreichbarkeit ist kein Maßstab für:

  • Engagement
  • Freundlichkeit
  • Zuverlässigkeit

…sondern ein Zeichen einer völlig überdrehten Leistungsgesellschaft, die den Kontakt zu ihrer Emotionalität verloren hat.

Auch wenn uns immer wieder Unverständnis und der Vorwurf von Egoismus begegnen: Gerade hochsensible Menschen leisten viel – oft unsichtbar. Du darfst dich schützen, ohne dich zu rechtfertigen.

 

 

Erfahrungsbericht: So gehe ich als HSP mit Erreichbarkeit um

Tatsächlich habe ich es lange nur schwer ausgehalten, Nachrichten unbeantwortet zu lassen und auch mal „Nein“ zu sagen, wenn mir etwas gegen den Strich ging.

Mittlerweile (und natürlich gibt es Schwankungen) kommt es auch vor, dass ich ein paar Wochen verstreichen lasse, bis ich auf Nachrichten, die für mich wenig Priorität haben, antworte.

Ich habe verstanden: Ich muss gut auf mich aufpassen – denn keiner weiß, wie es in mir aussieht.

 

Um im Alltag nicht ständig mit Nachrichten konfrontiert zu sein:

  • logge ich mich bei Social Media bewusst ein und auch wieder aus
  • lasse ich mein Smartphone zuhause, wenn ich mich in der Natur bewege
  • minimiere ich den Kontakt zu Menschen, die mir nicht guttun (oder breche ihn ab)
  • habe ich mich für feste Zeiten entschieden, an denen ich Mails beantworte
  • vermeide ich die Nutzung digitaler Geräte am Wochenende

Ich sehe es auch nicht mehr ein, Einladungen und Kontaktversuche anderer direkt beantworten zu müssen. Ich sage dann oft „Ich weiß jetzt noch nicht, ob ich dich an diesem Tag besuchen möchte.“ Und lasse mir somit Optionen offen.

So kann ich intuitiv entscheiden und authentisch sein.

 

Häufige Fragen (FAQ) zu Hochsensibilität und ständiger Erreichbarkeit

Warum passiert es bei Hochsensibilität, dass ich mich emotional zuständig fühle, noch bevor ich eine Nachricht gelesen habe?

Hochsensible Menschen verarbeiten Reize besonders tief und reagieren stark auf emotionale Signale. Schon das Vibrieren des Handys kann daher als Hinweis auf mögliche Bedürfnisse, Erwartungen oder Stimmungen anderer interpretiert werden. Da digitale Nachrichten keinen Tonfall oder Kontext liefern, beginnt das Gehirn hochsensibler Menschen automatisch mit emotionaler Interpretation. Dieses Muster führt dazu, dass bereits vor dem Lesen einer Nachricht innere Anspannung entsteht und das Gefühl, emotional verantwortlich zu sein.

Welche Rolle spielt ständige Erreichbarkeit bei Hochsensibilität und emotionaler Überforderung?

Ständige Erreichbarkeit verstärkt bei hochsensiblen Menschen den inneren Druck, jederzeit reagieren zu müssen. Messenger-Dienste, Push-Benachrichtigungen und Lesebestätigungen erzeugen das Gefühl permanenter Erwartung. Für hochsensible Personen bedeutet das eine dauerhafte Aktivierung des Nervensystems, da jede Nachricht potenziell emotional relevant erscheint. Langfristig kann diese Kombination aus Hochsensibilität und digitaler Dauerverfügbarkeit zu Erschöpfung, Stress und emotionaler Überforderung führen.

Übernehme ich als hochsensible Person wirklich Verantwortung für die Gefühle anderer – oder fühlt es sich nur so an?

In den meisten Fällen fühlt es sich nur so an. Hochsensible Menschen übernehmen häufig unbewusst fremde Emotionen, ohne objektiv dafür verantwortlich zu sein. Durch ausgeprägte Empathie und Anpassungsfähigkeit entsteht schnell der Eindruck, für das emotionale Gleichgewicht anderer sorgen zu müssen. Dabei handelt es sich weniger um echte Verantwortung als um ein erlerntes emotionales Muster. Das bewusste Erkennen dieses Unterschieds ist ein wichtiger Schritt, um Hochsensibilität gesund zu leben und sich innerlich abzugrenzen.

Nicole Trojahn

Nicole Trojahn

Freiberufliche Autorin, Texterin und Beraterin für Hochsensible


Ständige Erreichbarkeit ist für Hochsensible besonders anstrengend – denn die ohnehin zarten Grenzen werden dadurch komplett gesprengt.

In meiner Beratung unterstütze ich HSP dabei, wie sie gesund mit klingelnden Smartphones und nervigen Nachrichten umgehen können.

Wenn du Tipps und Hinweise für Smartphone-freie Zeit im Alltag brauchst, dann kontaktiere mich gern.

 

Hochsensibilität: 7 Tipps für einen reizarmen Alltag

Hochsensibilität: 7 Tipps für einen reizarmen Alltag

Hast du auch oft das Gefühl, die Welt viel tiefer wahrzunehmen? Alle Eindrücke gehen bis ins Mark und du brauchst lange, um Erlebnisse zu verarbeiten? Dann liegt das wahrscheinlich an deiner Hochsensibilität!

Ich zeige dir heute 7 Tipps, mit denen du mit Hochsensibilität deinen Alltag entspannter und reizarmer gestalten kannst.

Auflistung der Merkmale von hochsensiblen Menschen

Was ist Hochsensibilität eigentlich?

Die Symptome von Hochsensibilität sind vielfältig.

HSP nehmen die Welt etwas anders wahr, als andere Menschen: tiefer, bunter, intensiver. Vielleicht gehörst auch du zu den Menschen mit besonders feinen Antennen, die ein ausgezeichnetes Gespür für Schwingungen, Stimmungen und Emotionen haben. All das kann sehr überfordernd sein.

Die Vielzahl an Reizen (z. B. Gerüche, Bilder, Stimmen), die täglich auf uns einströmen, kann das Nervensystem von Menschen mit Hochsensibilität im Alltag sehr belasten. Stark besuchte Plätze mit viel Krach und Tausend verschiedenen Eindrücken sind für Hochsensible ebenso wenig attraktiv wie Stress und Hektik im Job und Druck bei der Entscheidungsfindung.

 

Viele Hochsensible reagieren auch sehr gereizt, wenn sie Hunger haben, nervös sind oder gerade keine Möglichkeit besteht, angestaute Emotionen gesund zu entladen.

Dann kann es schnell passieren, dass es entweder zur Reizüberflutung kommt – also einem Zustand, in dem das Nervensystem aufgrund der Überforderung völlig aus der Bahn gerät, oder eine Art Dissoziation einsetzt– also die Abspaltung von den eigenen Emotionen.

Übrigens: Falls du wissen möchtest, wie du dich schnell und einfach erden kannst, dann lade dir meine PDF „Nervensystem regulieren“ herunter.

 

Bei Hochsensibilität handelt es sich also um ein bestimmtes Persönlichkeitsmerkmal, das zu einer tieferen Wahrnehmungsfähigkeit führt. Folglich benötigen Menschen mit Hochsensibilität im Alltag länger, um Eindrücke zu verarbeiten und sich von all den Reizen zu erholen.

 

Hinweis: Hochsensibilität ist keine Krankheit! Es handelt sich nicht um eine Diagnose, sondern beschreibt eine Eigenschaft, die derzeit ca. 20 bis 25 % der weltweiten Bevölkerung aufweisen. Falls du herausfinden willst, ob und wie sehr du hochsensibel bist, mach einfach einen Hochsensibilität-Test online.

Tipps, um Reizüberflutung bei Hochsensibilität sofort stoppen

Symptome von Hochsensibilität: Bin ich hochsensibel?

Die Symptome von Hochsensibilität sind vielfältig und auf allen möglichen Ebenen spürbar – körperlich, seelisch und psychisch. Durch die erhöhte Sensibilität gegenüber Reizen geraten Menschen mit Hochsensibilität im Alltag schneller in Stress – und das macht sich ganz unterschiedlich bemerkbar.

Die eigene Hochsensibilität besser erforschen durch das Buch "Hochsensibilität verstehen und leben: 50 Inspirationen, um die eigene Hochsensibilität besser kennenzulernen"

Körperliche Symptome von Hochsensibilität

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien
  • Überempfindlichkeiten (z. B. gegenüber Medikamenten)
  • Verspannungen (z. B. durch hochgezogene Schultern), kommt oft vor, wenn Hochsensible einkaufen gehen
  • Hautirritationen und -ausschläge (z. B. bei kratziger Wollkleidung)
  • vermehrtes Schwitzen (vor allem in Stresssituationen)
  • Neigung zur Ausbildung von Reizdarm, Hautkrankheiten und Migräne

 

Psychische Symptome von Hochsensibilität

  • erhöhte Anfälligkeit gegenüber Depressionen und Angststörungen
  • permanente Unruhe und Hang zu Perfektionismus (In der PDF „Perfektionismus gesund abbauen“ lernst du, wie du freundlicher und nachsichtiger mit dir umgehen kannst.)
  • Schwierigkeiten, sich zu entspannen und fallenzulassen
  • erhöhte Anfälligkeit, traumatisiert zu werden
  • Grübelschleifen, holistisches Denken
  • Offenheit und Lernfreude
  • Hochsensibilität im Beruf führt oft zur Übernahme von zu viel Verantwortung

 

Seelische Merkmale von Hochsensibilität

  • Tiefgründigkeit: Menschen mit Hochsensibilität nehmen den Alltag, ihre Umwelt und ihr Innenleben extrem detailliert und reflektiert wahr, analysieren das Geschehen und setzen es in Kontext.
  • Einfühlungsvermögen: Hochsensible sind extrem empathisch und haben ein ausgezeichnetes Gespür für die Schwingungen in ihrem Umfeld. Die hohe Empathie führt oft zu einem hohen Verantwortungsbewusstsein und der Annahme, die Gefühle anderer Menschen regulieren zu müssen.
  • Komplexe Gefühle: Die Gefühlswelt ist nicht nur bunt, sondern auch extrem komplex. Alle Emotionen werden intensiv wahrgenommen.
  • Kreativität: Hochsensible sind sehr kreativ, musikalisch und künstlerisch begabt. Dadurch finden sie auch unkonventionelle Lösungen und können so Entwicklungen vorantreiben.
  • Reizbarkeit: Alle möglichen Reizarten werden sehr intensiv empfunden. Das kann schnell zu Stress und Verhaltensweisen führen, die andere Menschen für unangebracht und anstrengend halten (z. B. Wutanfall aufgrund von Überforderung).

 

Tipp: Wenn du lernen willst, mit deiner Hochsensibilität im Alltag besser zurechtzukommen, schau gern in meine PDF „Reizarme Alltagsgestaltung für Menschen mit Hochsensibilität“ hinein!

Eigenschaften von Hochsensibilität: tiefe Wahrnehmung, intensive Sinnesverarbeitung, schnellere Überforderung, komplexe Emotionalität

Ursachen der Hochsensibilität: Angeboren oder erworben?

Laut Nachforschungen von Michael Harslem gibt es verschiedene Ursachen, die die Ausbildung von Hochsensibilität erklären könnten. Tatsächlich ist sich die Wissenschaft noch nicht ganz einig darüber, was zur Entwicklung von Hochsensibilität führt – und warum einige Menschen hochsensibel sind und andere nicht.

Es wird vermutet, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen (z. B. Hochsensibilität der Eltern, Umweltbedingungen während der Schwangerschaft). Zudem arbeiten gewisse Hirnareale bei Hochsensiblen etwas anders, wodurch eine erhöhte Reizempfindlichkeit erklärt werden könnte. Fakt ist jedenfalls, dass die Vielfalt und Intensität der Reize stark zunimmt und dies eine Belastung für das (vor allem frühkindliche) Nervensystem darstellt.

Es wird aufgrund unserer schnelllebigen Zeit und der stetig höheren Ansprüche immer herausfordernder, Hochsensibilität im Alltag gesund zu leben.

 

Angeborene Hochsensibilität

Laut Untersuchungen von Elaine Aron (der Begründerin der Hochsensibilität) handelt es sich um eine angeborene Eigenschaft. Die Veranlagung zu einer tiefen Reizverarbeitung führt zu einer höheren Empfindsamkeit, einer tiefen Wahrnehmungsfähigkeit und einem permanent höheren Stresslevel. Elaine Aron hat festgestellt, dass Hochsensibilität also vererbt wird.

 

Erworbene Hochsensibilität

Die Persönlichkeitspsychologie geht davon aus, dass Hochsensibilität auch erworben werden kann. Traumatische Erfahrungen – besonders während der frühkindlichen Entwicklung – können dazu führen, dass sich eine höhere Empfindlichkeit gegenüber Reizen ausbildet und sich das Nervensystem (ähnlich wie bei Krankheitsbildern infolge von Traumata) dauerhaft in einer gewissen Alarmbereitschaft befindet.

 

Hinweis: Ich persönlich glaube, dass es eine Mischung ist. Wer mit einem empfindsameren Nervensystem auf die Welt kommt und in Anbetracht viel zu vieler Reize ständig Stress ausgesetzt ist, ist auch anfälliger dafür, traumatisiert und demzufolge noch sensibler zu werden.

 

 

7 Alltagstipps, um gut mit Hochsensibilität zurechtzukommen

Wie geht man mit Hochsensibilität um?

Gerade im hektischen Alltag ist es sehr herausfordernd, die eigene Hochsensibilität zu leben. Überall lauern Reizquellen, Stress und Überforderung. Um das hochsensible Nervensystem nicht zu überlasten, ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und den Alltag so bedürfnisgerecht wie möglich zu gestalten.

 

1. Mit Reizquellen bewusst umgehen

Akustische und visuelle Reize sind oft die, die uns aufgrund unserer Hochsensibilität im Alltag am meisten zu schaffen machen. Anstrengende Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln, ein ständig klingelndes Smartphone und trubeliges Stadtgewimmel können uns schon ziemlich zusetzen.

Auch starke Gerüche wie Abgase und starkes Parfum sind für unser Nervenkostüm eine Belastung. Viele Hochsensible sind auch sehr vorsichtig, was den Körperkontakt zu anderen Menschen angeht. Das ist völlig in Ordnung und du solltest dir erlauben, das auch zu kommunizieren.

Du darfst dir erlauben, Reizquellen bewusst zu meiden und auf ein erträgliches Maß einzudämmen.

Mit diesen einfachen Tipps kannst du als HSP Reizquellen bewusst meiden:

  • Verzichte auf kratzige Textilien auf der Haut, um Hautirritationen vorzubeugen.
  • Schalte dein Smartphone nach dem Feierabend aus, um der ständigen Erreichbarkeit zu entgehen.
  • Begrenze deine Zeit auf Social Media auf das Minimum.
  • Nimm dir Kopfhörer oder Ohropax mit, wenn du unter vielen Leuten bist.
  • Suche dir im Vorhinein Orte, wo du zur Ruhe kommen kannst, wenn deine Hochsensibilität im Alltag überstrapaziert wird.
  • Verzichte auf allzu scharfe Speisen und achte auf magenschonende Lebensmittel, die so naturbelassen wie möglich sind.
  • Nimm dir ausreichend Zeit für dich, die du verbringen kannst, wie du gerade möchtest.

2. Grenzen setzen und verteidigen

Dies ist geradezu die Königsdisziplin, um die Hochsensibilität im Alltag gut schützen zu können.

Aufgrund unserer großen Empathie für alles und jeden fällt es uns extrem schwer, unsere eigenen Grenzen zu wahren. Manchmal stehen wir auch so unter Strom, dass wir unsere Bedürfnisse und Grenzen gar nicht mehr wahrnehmen. Und dann geraten wir in eine ungesunde Spirale aus Überforderung, Druck und Selbstsabotage.

Grenzen setzen ist in einer so funktionalen Welt wie unserer die einzige Chance, damit wir nicht permanent aus dem Gleichgewicht geraten.

Zugegeben: Spaß macht es am Anfang nicht, „Nein“ zu sagen. Und dennoch ist dies ein wahrer Beweis dafür, dass du dich und deine Emotionen ernst nimmst.

 

Für klare Grenzen kannst du als hochsensibler Mensch Folgendes tun:

  • Verbindlichkeiten auf das Mindestmaß reduzieren und Verabredungen auch mal absagen, wenn du dich nicht gut fühlst.
  • Vor allem im Job und in Beziehungen konkret besprechen, was deine Aufgaben sind – und welche Verbindlichkeiten jemand anderem gehören. Wir Hochsensiblen wissen nämlich manchmal nicht, dass andere auch Verantwortung tragen können.
  • „Nein“-sagen solltest du wirklich üben. Mach dir bewusst, dass du das machst, um dich und deine Gesundheit zu schützen, und nicht, um jemand anderem zu schaden.
  • Suche dir professionelle Hilfe oder eine Beratung für Hochsensible, um dich besser mit dir selbst zu verbinden. Dann fällt es dir automatisch leichter, deine Grenzen zu ziehen und deine Hochsensibilität im Alltag zu schützen.
  • Lass dich nicht von anderen emotional erpressen. Ja, es mag ihnen gerade nicht gut gehen. Aber es ist nicht deine Verantwortung, sie zu retten!
Grenzen setzen für Hochsensible: Grenzen erkennen, Grenzen kommunizieren, Verbesserungen durchführen, Konsequenzen ziehen

3. Mechanismen erlernen, um Reize und Eindrücke gesund abzubauen

Wer mit feinen Antennen ausgestattet ist, dem geht alles bis ins Mark.

Uns Menschen mit Hochsensibilität fehlt gewissermaßen ein Reizfilter im Gehirn, eine schützende Barriere, die uns davor bewahren würde, alles im Unterbewusstsein abzuspeichern. Alles, was im Kurzzeitgedächtnis ankommt, gelangt automatisch in unser Langzeitgedächtnis – ohne, dass in sinnvolle und sinnlose Informationen unterschieden wird.

Das hat zur Folge, dass wir aufgrund unserer Hochsensibilität im Alltag leichter traumatisiert werden, wenn wir keine Strategien haben, um starke Eindrücke und Emotionen gesund zu verarbeiten.

 

Das Abspalten von überfordernden Reizen ist bestenfalls eine kurzfristige Notlösung. Dauerhaft führt dies nur dazu, dass du emotional immer mehr abstumpfst. Und das ist nicht wirklich optimal, sondern raubt dir eine Menge Lebendigkeit.

Um Hochsensibilität im Alltag zu bewältigen, ist es sinnvoll, das Erlebte zu reflektieren, ohne sich in den Emotionen komplett zu verlieren. Auch offene Kommunikation, Journaling, Meditation und Achtsamkeitsübungen können dich dabei unterstützen, belastende Alltagssituationen gut zu verarbeiten. Im Grunde geht es darum, diese energetischen Eindrücke zu neutralisieren bzw. gesund zu verarbeiten.

 

4. Routinen in den Alltag integrieren

Gerade in einer Welt, die sich ständig verändert, ist es wichtig, sich eigene Strukturen zu schaffen. Ein gut strukturierter Tagesplan erhöht das Sicherheitsgefühl und hilft dir dabei, besser mit emotionaler Überforderung zurechtzukommen. In meinem PDF „Selbstfürsorge für Hochsensible“ findest du viele tolle Inspirationen für Alltagsroutinen.

Das Beste ist: Du kannst dir deine Routinen so in den Tagesplan integrieren, wie es sich für dich richtig anfühlt.

Vielleicht hilft es dir, jeden Morgen eine halbe Stunde durch den Wald zu spazieren, um dich und deine Hochsensibilität für den Alltag zu wappnen. Vielleicht profitierst du am meisten von einem festgelegten Ernährungsplan (PDF „gesunde Ernährung“) oder einer bestimmten Abfolge von Entspannungstechniken nach dem Feierabend.

Hochsensibilität im Alltag leben mit 5 Achtsamkeitsübungen für alle 5 Sinne

Hinweis: Du wirst wahrscheinlich ganz andere Routinen benötigen, als Nicht-Hochsensible. Vergleiche dich nicht mit ihnen, denn sie sind einfach ganz anders gestrickt. Was auch immer dir dabei hilft, deine Hochsensibilität im Alltag gesund zu leben – mach es! Gib dir die Erlaubnis dazu, deinen Tagesablauf nach deinen Bedürfnissen zu gestalten.

 

Diese 5 Routinen können dir im Umgang mit deiner Hochsensibilität im Alltag helfen:

  1. Stelle dir den Wecker jeden Tag auf dieselbe Uhrzeit und gehe abends zur immer gleichen Zeit ins Bett.
  2. Suche dir einen Wochentag aus, an dem du dich nur um dich selbst kümmerst.
  3. Bereite dich emotional darauf vor, wenn du deinen Alltag startest und dich in schwierige Situationen begibst. Ein imaginärer Schutzschild und ermutigende Selbstgespräche sind gut geeignet, um dich für Herausforderungen zu wappnen.
  4. Wenn dich soziale Kontakte belasten und dir Energie rauben, überlege dir eine Routine, um dich von anstrengenden Schwingungen zu erholen. Ein warmes Bad und energetische Reinigungsübungen sind gute Möglichkeiten, um deine soziale Batterie wieder aufzuladen.
  5. Richte dir jeden Tag eine Zeit ein, in der du dich mit einem Menschen triffst, dem du vertraust. Nun kannst du dich emotional öffnen, Ballast abwerfen und gemeinsam mit deinem Gegenüber nach Lösungen für Probleme suchen.

 

5. Mitgefühl mit sich selbst entwickeln

In einer Welt, die uns gern zum Funktionieren zwingen möchte, bleibt etwas sehr Wichtiges oft auf der Strecke: Selbstmitgefühl.

Leider lernen wir oft, unsere Hochsensibilität im Alltag zu verurteilen, weil wir dadurch oft mehr Zeit benötigen, emotionaler reagieren und im klassischen Sinn nicht so leistungsfähig sind. Dabei sind wir emotionale Leistungsträger in dieser Gesellschaft und müssen uns zudem mit jeder Menge Trauma, Anforderungen und Erwartungen auseinandersetzen.

 

Selbstmitgefühl ist für Hochsensible ganz besonders wichtig, denn aufgrund unserer Gabe fühlen wir uns von anderen ja oft ziemlich unverstanden. Nur wir selbst wissen, warum wir uns wann wie fühlen und können uns mit dem versorgen, was wir brauchen.

Und es ist anfangs auch gar nicht so einfach, einen liebevollen Umgang mit sich selbst zu pflegen – schließlich haben wir alle in irgendeiner Art und Weise erfahren, für unser Sein und unsere Emotionen verurteilt worden zu sein.

Ich möchte dich deshalb dazu ermutigen, Mitgefühl mit dir zu haben. Deine Verletzungen und Narben verdienen es, anerkannt und geheilt zu werden. Deine Seele verdient es, geachtet und respektiert zu werden. Deine Gefühle verdienen es, akzeptiert, umsorgt und gehalten zu werden.

Kein Mensch auf der Welt hat dein Mitgefühl mehr verdient, als du.

 

Hinweis: Gerade am Anfang kann es sich merkwürdig anfühlen, liebevoll mit sich umzugehen. Wer immer erfahren hat, dass andere einen verurteilt haben, der tut sich schwer damit, plötzlich Selbstmitgefühl zu haben. Falls du große Schwierigkeiten damit haben solltest, die verurteilenden Stimmen in dir zu besänftigen, dann scheue dich nicht davor, dir Hilfe zu suchen. Es lohnt sich!

 

6. Gesunde Selbstfürsorge etablieren

Vor allem wir Hochsensiblen wachsen oft in dem Glauben auf, Selbstfürsorge sei egoistisch. Dem ist aber absolut nicht so! Im Gegenteil: Selbstfürsorge ist die Grundlage für, anderen überhaupt erst helfen zu können und das Miteinander positiv zu beeinflussen.

Ohne ausreichend Pflege auf körperlicher, psychischer und seelischer Ebene läufst du ziemlich schnell Gefahr, deine Grenzen zu übertreten und auszubrennen.

5 Ebenen der Selbstfürsorge, um Hochsensibilität im Alltag gesund zu leben

Versuche deshalb, deine Selbstfürsorge gut im Blick zu behalten und deine Hochsensibilität im Alltag zu pflegen. Gerade für uns Hochsensible ist es extrem wichtig, dass wir uns gut um unsere zarte Seele kümmern. Die Welt verlangt schließlich viel von uns ab – und wenigstens wir selbst sollten uns den Raum und die Zeit nehmen, damit wir uns gut um uns kümmern können.

Menschen mit Hochsensibilität verstehen unter Selbstfürsorge oft ganz andere Dinge, als Menschen mit weniger feinen Antennen. Während andere sich entspannen, wenn sie unter vielen Leuten sind, suchen wir eher die Stille und sind gern allein.

 

5 Ideen für eine gesunde Selbstfürsorge im Alltag 

  1. Schalte dein Smartphone ab, sorge dafür, dass du allein bist und gönne dir ein paar Stunden in deiner Badewanne. Mach es dir richtig gemütlich (z. B. mit einer Duftlampe und Kerzen). Vielleicht magst du entspannende Musik hören oder etwas lesen.
  2. Frage einen vertrauten Menschen, ob er dir eine Massage gibt – ohne Erwartungen und auch wirklich nur, wenn du dich sicher fühlst. Damit unsere Körper entspannen können, brauchen wir etwas Zeit und viel Vertrauen.
  3. Triff dich mit Menschen, bei denen du dir erlauben kannst, du selbst zu sein. Du musst gar nicht viel erzählen. Oft hilft es schon, in verständnisvolle Augen zu sehen. Vielleicht rollen ein paar Tränen, vielleicht möchtest du auch nach einer Lösung für ein Problem fragen. Alles ist OK. Es geht darum, psychischen Stress gesund abzubauen.
  4. Pflege dein inneres Kind, indem du einen Tag lang machst, was ihm Freude bereitet. Einen Kinderfilm schauen, ein Märchen anhören, eine Bude bauen, Süßigkeiten essen: Erlaube dir, dich mit all dem zu versorgen, was du als Kind schon als angenehm gefunden hast. So kannst du deine Hochsensibilität im Alltag richtig ausleben und die Verbindung zu dir selbst stärken.
  5. Schnapp dir dein Auto und fahre einfach mal für ein paar Stunden weg. Gib niemandem Bescheid und schalte dein Smartphone aus. Genieße einfach die Zeit allein, mach einen Spaziergang durch die Gegend und atme richtig tief ein und aus.

 

7. Austausch mit Gleichgesinnten suchen

Menschen sind bekanntlich soziale Wesen – und wir Hochsensiblen haben eine ganz besonders stark ausgeprägte Ader. Wir fühlen uns so sehr mit anderen verbunden, dass es manchmal schon fast weh tut. Und wenn wir uns in einem eher toxischen Umfeld befinden, leiden wir umso mehr.

Der Kontakt zu anderen Menschen mit Hochsensibilität im Alltag ist für unsere Seele kein „nice-to-have“, sondern notwendig. Deshalb solltest du auf die Suche nach anderen Hochsensiblen gehen, die deine tiefe Wahrnehmung spiegeln können und dir das Gefühl geben, mit deiner komplexen Emotionalität nicht allein zu sein.

Um Kontakte zu anderen hochsensiblen Menschen aufzubauen, gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Vernetze dich auf Social Media mit Content Creators, die sich mit Hochsensibilität beschäftigen.
  • Melde dich in Foren über Hochsensibilität an.
  • Nutze Portale wie z. B. Gleichklang, um dich in einem sicheren Raum mit hochsensiblen Menschen zu vernetzen und auszutauschen. Zwar ist das mit Kosten verbunden, dafür wirst du aber sehr gut betreut und musst keine Angst vor Leuten haben, die schlechte Absichten verfolgen.
  • Recherchiere, ob es in deiner Umgebung regelmäßige Treffen für Hochsensible gibt. In einigen Regionen haben sich Selbsthilfegruppen gebildet, die sich über den Alltag mit Hochsensibilität und all seine Herausforderungen austauschen.
  • Schaue in Netzwerken vorbei, um dich noch mehr über Hochsensibilität zu informieren, mit anderen auszutauschen und Unterstützung zu erhalten (z. B. Netzwerk Hochsensibilität oder Große Schwester).

Wie du als hochsensible Person das Leben genießen kannst

Tatsächlich ist es mit Hochsensibilität nicht ganz einfach, einen entspannten Alltag zu leben. Dennoch empfinde ich persönlich meine eigene Hochsensibilität als Geschenk, erinnere mich aber auch an Zeiten, in denen sie für mich eher ein Fluch war.

Deine Gabe bringt so viel Tiefe, Farbe und Komplexität mit sich. Und trotz dem die Welt noch nicht so wirklich erkannt hat, dass es beim „Menschsein“ in erster Linie um Emotionen und Schwingungen geht, kannst du eine Menge dafür tun, um mit deiner Hochsensibilität ein erfülltes Leben zu leben.

Hochsensibilität im Alltag erfüllt leben: 10 Tipps

Lass dich auf jeden Fall nicht von anderen Menschen beirren! Nur du selbst weißt, was du brauchst, um deine bunten Facetten gesund leben zu können!

 

Vorteile von Hochsensibilität

  • Empathie: Du bist ein Geschenk für diese Welt! Dein Einfühlungsvermögen macht dich zu einem extrem sozialen, verständnisvollen und liebevollen Menschen.
  • Kreativität: Du siehst Lösungen, statt Probleme! Dein guter Draht zur nicht sichtbaren Welt spiegelt sich in deiner ausgeprägten kreativen Ader wider und führt zu unkonventionellen, wenn nicht sogar revolutionären Lösungsansätzen.
  • Reflexion: Während andere sich in der Opferhaltung sehen, nimmst du ein bisschen Abstand zu dir ein uns setzt deine Empfindungen in Kontext. Deine Hochsensibilität hilft dir dabei, im Alltag einen kühlen Kopf zu bewahren und Strategien zu finden, um noch besser mit dir umzugehen.
  • Verständnis: Durch die gute Verbindung zu dir selbst, kannst du auch andere verstehen. Du verurteilst nicht, denn du kannst die Zusammenhänge nachvollziehen.
  • Flexibilität: Du kannst dich auf andere Menschen und Situationen einstellen. Manchmal braucht das etwas Zeit und das ist OK. Generell sind Hochsensible sehr offenherzig und neugierig, wodurch sie sich schnell in neue Dinge einarbeiten können und möchten.

 

Du siehst – neben all den Herausforderungen, die Hochsensibilität im Alltag mit sich bringt, so ist sie doch auch eine schützenswerte und wunderbare Gabe.

Hinweis: Um in dieser hektischen Welt nicht unterzugehen, solltest du dein Leben so gut es geht an deine Bedürfnisse anpassen. Scheue dich nicht davor, deine Grenzen zu ziehen und deine Meinung zu sagen, auch wenn du glaubst, damit anzuecken. Authentisch sein ist zwar manchmal anstrengend, aber langfristig der einzige Weg, um wirklich bei dir bleiben zu können.

 

Hochsensibilität im Alltag einsetzen – für ein erfülltes Leben

  1. Vertraue deinem Bauchgefühl: Deine Intuition ist dein Kompass. Während dein Kopf noch mit Glaubenssätzen, Gedanken und Normen kämpft, weiß dein Bauchgefühl schon längst, was zu tun ist. Versuche, immer besser darauf zu hören, auch wenn die Impulse im ersten Moment keinen Sinn ergeben sollten.
  2. Wohne, wie du willst: Städtischer Trubel ist auf Dauer nichts für Hochsensible. Überlege, wie du relativ reizarm und naturnah leben kannst. Manchmal ist es gar nicht nötig, viel Geld zu haben. Vielleicht hast du ja Lust, alternative Wohnkonzepte auszuprobieren (z. B. das Leben in einer Jurte, einem Camper oder einem Tiny House). Wichtig ist, dass du bedürfnisgerecht wohnst.
  3. Kommuniziere deine Emotionen: Für Menschen, die ihre Emotionen ständig verstecken und unterdrücken, kannst du einen großen Unterschied machen. Denn du zeigst ihnen, wie es dir geht, was dich bewegt und wie deine Emotionen dein Leben färben. Das hilft diesen Menschen vielleicht, sich mehr mit sich selbst auseinanderzusetzen und ihre Emotionen in die Heilung zu bringen.
  4. Probiere dich aus: Hochsensibilität zeigt sich im Alltag durch sich ständig verändernde Interessen. Das ist etwas Gutes, denn so kannst du ganz verschiedene Dinge in deinem Leben ausprobieren (z. B. Handwerken, Gärtnern, Nähen, Malen, Tanzen). Das macht dein Leben lebendig und bunt, aufregend und schön.
  5. Arbeite kreativ und flexibel: Hochsensible Menschen arbeiten gern allein und fühlen sich in kreativen Berufen mit vielen Freiräumen am wohlsten. Vielleicht kannst auch du dir ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem du die Möglichkeit hast, deine Hochsensibilität im Alltag auch beruflich auszuleben (z. B. als Künstlerin, Autor, Designer etc.).
Hochsensibel im Job: Darauf solltest du achten!

 

Fazit: Hochsensibilität im Alltag leben

Deine Hochsensibilität ist ein Teil von dir.

Auch wenn sie manchmal etwas herausfordernd ist, so bringt sie doch eine Menge Farbe, Tiefe und Schönheit in dein Leben. Versuche, deine Hochsensibilität zu akzeptieren und deinen Alltag so reizarm wie möglich zu gestalten. Scheue dich nicht davor, deinen Bedürfnissen nachzukommen – auch wenn sie vielleicht unkonventionell sind.

Je authentischer du lebst, desto erfüllter fühlt sich dein Alltag mit Hochsensibilität an.

 

Wenn du wissen möchtest, wie du dein hochsensibles Kind im Alltag unterstützen kannst, dann schau gern in meinen Blogartikel hinein!

 

Nicole Trojahn

Nicole Trojahn

Freiberufliche Autorin, Texterin und Beraterin für Hochsensible


Vor allem wir Hochsensiblen profitieren davon, wenn unser Alltag so reizarm und bedürfnisorientiert wie möglich ist.

In meiner Beratung helfe ich Hochsensiblen dabei, ihren Tagesablauf „hochsensiblenfreundlich“ zu gestalten, sodass ausreichend Zeit für Regeneration bleibt.

Gern unterstütze ich dich dabei, eine gesunde Balance zwischen Pflichten und Entspannung zu finden.

 

Hochsensibilität & Schwingungen: 3 Tipps für einen besseren Schutz

Hochsensibilität & Schwingungen: 3 Tipps für einen besseren Schutz

Du kennst das sicher: Du betrittst einen Raum und weißt sofort, wie die Atmosphäre ist. Oder du siehst einem Menschen an, wie es ihm tief im Inneren geht. Durch deine hochsensiblen Antennen können dich Schwingungen schnell überfordern. Ich zeige dir heute, wie du dich besser schützen kannst.

 

Du nimmst mit:

  • wie du im Alltag Reizen aus dem Weg gehst
  • warum es dir so schwer fällt, dich von Schwingungen abzugrenzen
  • was du tun kannst, um dich schnell und einfach zu regenerieren

 

Hochsensibilität & Schwingungen: Die Wahrnehmung des Unsichtbaren

 

Offensichtliche Reize sind die eine Sache.

Laute Geräusche, grelle Farben und kratzige Wolle auf der Haut sind schon anstrengend. Es ist eine Herausforderung, den Alltag so zu gestalten, dass die von HSP gefürchtete Reizüberflutung ausbleibt (Skills, um mit Reizen umzugehen, findest du in „Greta spürt einfach viel mehr“).

Aber dann sind da noch die ganzen Schwingungen. Jeder Mensch strahlt etwas aus. Immer. Und du kannst es wahrnehmen. Sich davor zu schützen, ist noch mal ein Stückchen schwieriger.

 

ABER NICHT UNMÖGLICH!

Das, was du wahrnimmst – ob bei Menschen oder Tieren, in Situationen oder auch in der Natur, ist real. Auch, wenn du dich deswegen als Hochsensibler unverstanden fühlst – vor allem von Nicht-HSP.

Hochsensibilität geht mit der Fähigkeit einher, Schwingungen intensiv zu spüren.

Und weil die Welt gerade etwas chaotisch ist, sind die Schwingungen – gelinde gesagt – ausbaufähig und anstrengend. Zumindest ist das mein Eindruck.

Trotzdem gibt es Möglichkeiten, dich vor allzu schlechten Schwingungen zu schützen, um dich und deine Hochsensibilität nicht unnötig überzustrapazieren.

Unsichtbare Dinge, die Hochsensible wahrnehmen: Energie, Schwingungen, Stimmungen, Unterbewusstsein

 

Praktische Alltagsgestaltung: So gehst du als HSP Schwingungen aus dem Weg

 

Wir leben alle auf dem gleichen Planeten.

So richtig entkommen kannst du all den Schwingungen nicht. Aber das musst du auch nicht! Meistens hilft es schon, wenn du dein Schwingungspensum ein bisschen reduzierst.

Ich habe versucht, die Strukturen meines Alltags so zu bauen, dass möglichst wenig Schwingungen auf mich einprasseln.

 

Mit diesen 10 Ideen kannst du Schwingungen um dich herum trotz Hochsensibilität etwas eindämmen:

  • Du arbeitest am besten von zuhause aus oder in einem Büro ganz für dich allein. Dort kannst du authentisch sein und minimierst das Risiko, mit anderen mitzuschwingen.
  • Du schaffst dir in deinem Zuhause einen Rückzugsort, der nur dir gehört.
  • Du hältst dich von Menschen fern, die permanent Unzufriedenheit oder latente Aggression ausstrahlen.
  • Du reduzierst die Zeit mit Menschen (vor allem mit denen von der anstrengenden Sorte) auf ein Minimum.
  • Du verbringst jeden Tag Zeit in der Natur, um dich zu erden.
  • Du gehst zum Einkaufen, wenn gerade nicht viel los ist (z. B. mittags).
  • Du planst deine Termine so, dass du mit wenigen Menschen in Kontakt kommst (z. B. beim Arzt).
  • Du erlaubst dir, zu Feiern und Treffen zu kommen und zu gehen, wann du willst.
  • Du schraubst deine Erwartungen an dich auf ein Minimum herunter, um dich zu erholen, wenn es sein muss.
  • Du nimmst dir regelmäßig Auszeiten, auch von Menschen, die du gernhast und mit denen du dich verbunden fühlst.

VERGISS NICHT: Du musst niemandem etwas beweisen und solltest deine Hochsensibilität im Alltag gut beschützen. Sie ist deine Superkraft!

Gesunder Umgang mit Schwingungen für Menschen mit Hochsensibilität

 

Hochsensibilität & Schwingungen: Darum fällt es dir schwer, dich abzugrenzen

 

Glaub mir: Ich weiß genau, wie schwer es ist, sich mit Hochsensibilität von Schwingungen abzugrenzen.

Es liegt in der Natur hochsensibler Menschen, mit anderen mitzuschwingen – aber in Zeiten wie diesen ist diese Fähigkeit oft eine Belastung und kann deiner Gesundheit schaden.

Ich habe mich deshalb gefragt:

Warum fällt es mir so schwer, bei mir zu bleiben? Warum habe ich oft das Gefühl, in den anderen einzutauchen und dabei den Kontakt zu mir selbst zu verlieren?

Mach ich das aus Angst, nicht gut genug zu sein?

 

Meine Antwort? Es ist eine Mischung aus einem Verantwortungsgefühl dem anderen Gegenüber und hat auch etwas damit zu tun, dass ich etwas von ihm haben möchte.

ICH HABE ERWARTET, DASS MIR MEIN GEGENÜBER DABEI HILFT, EIN INNERES ZUHAUSE ZU FINDEN.

So nach dem Motto: Vielleicht kann ich bei dir innere Geborgenheit finden und übernehme im Gegenzug die Verantwortung für dich.

DAS IST NICHT GESUND! Dieses Muster führt zu absoluter Überforderung und Selbstaufgabe.

Ich habe es erkannt und kann endlich gegensteuern. Konkret bedeutet das:

  1. Mehr Eigenverantwortung für mich tragen.
  2. In mir ein inneres Zuhause finden.
  3. Den anderen in seine Eigenverantwortung entlassen.

Vielleicht hast ja auch du irgendwelche ungelösten Konflikte oder Bedürfnisse, durch die es dir schwerfällt, dich und deine Hochsensibilität vor den Schwingungen der anderen zu schützen.

 

Alles zu viel? So regenerierst du dich von all den Schwingungen!

 

Passiert es dir noch oft, dass du so sehr mit anderen mitschwingst, dass du das Gefühl für dich selbst verlierst? Es dauert eine Weile, bis du sicher bei dir bleiben kannst. Und es ist auch normal, wenn du dich hin und wieder von Schwingungen überfordert fühlst.

Trotzdem solltest du kontinuierlich daran arbeiten, gut auf dich zu achten und Grenzen zu setzen.

Und wenn du dich wieder einmal fühlst, als ob du dich in jemand anderem völlig aufgelöst hast, dann verzweifle nicht! Es ist eine Kunst, Hochsensibilität gesund zu leben und dich vor Schwingungen zu schützen! Vor allem, wenn Hochsensible Intimität erleben, ist es schwierig, sich abzugrenzen.

3-Schritte-Soforthilfe, um sich von Schwingungen zu erholen - für Hochsensible

 

Hier sind ein paar Tipps, wie du die Verbindung zu dir selbst schnell wieder herstellen kannst:

  • Hochsensibilität und Intuition gehören zusammen! Atme tief ein und aus und versuche, wieder in Kontakt mit deinem Bauchgefühl und deinem Körper zu kommen.
  • Scheue dich nicht, dich anderen Menschen mitzuteilen! Menschen, die dich lieben, werden respektieren, dass du Zeit für dich brauchst und daher etwas Abstand nötig ist.
  • Probiere aus, was dir hilft, bei dir anzukommen und mache dir eine „Erste-Hilfe-Liste“. Starke Reize (z. B. eiskalt duschen, mit nackigen Füßen über Kies laufen) können helfen.
  • Sprich mit vertrauten Menschen darüber, dass du unbeabsichtigt in ihr Schwingungsfeld eintauchst. Vielleicht könnt ihr euer Verhalten so abändern, dass die Wahrscheinlichkeit dafür in Zukunft geringer wird.
  • Regelmäßige Rituale geben dir Sicherheit und können dir dabei helfen, dich besser abzugrenzen. Halte nach einem passenden Ritual Ausschau, das du immer dann machst, wenn du das Gefühl hast, dich zu verlieren.

Egal, ob es auf Anhieb klappt, oder nicht: AN DIR UND DEINER HOCHSENSIBILITÄT IST NICHTS FALSCH!

Auch wenn es manchmal unangenehm ist – ich bin mir sicher: Du wirst einen Weg finden, dich als HSP besser von den Schwingungen um dich herum zu schützen!

 

Fazit: Hochsensibilität & Schwingungen – Lerne, mehr bei dir zu bleiben!

 

Ich finde, es ist wahrlich eine Meisterschaft, als hochsensibler Mensch bei sich zu bleiben und nicht im Meer der Abertausend Schwingungen unterzugehen!

Wenn du gelernt hast, die Wellen wahrzunehmen, aber nicht mehr in ihnen einzutauchen, wird dein Leben einfacher. Bis dahin ist es ein Stück Weg.

Ich selbst habe da auch noch ein bisschen Arbeit vor mir.

 

ABER DU SCHAFFST DAS! Genauso, wie ich das auch schaffen werde.

Vielleicht fällt es dir leichter, deine Hochsensibilität vor den Schwingungen anderer zu beschützen, wenn du dich noch besser um deine Bedürfnisse kümmerst. Je mehr Eigenverantwortung du trägst, desto besser kannst du deine Grenzen (und die der anderen) wahren.

Ich wünsche dir auf deinem Weg viel Kraft, wunderbare Erkenntnisse und alles Liebe! Eine Beratung für Hochsensibilität kannst du lernen, noch besser mit dir selbst umzugehen.

 

Nicole Trojahn

Nicole Trojahn

Freiberufliche Autorin, Texterin und Beraterin für Hochsensible


Das Unsichtbare spüren – für Hochsensible eine Leichtigkeit, die in dieser schnelllebigen Welt schnell zur Herausforderung wird.

In meiner Beratung unterstütze ich HSP dabei, sich vor Schwingungen zu schützen und das Bewusstsein für das eigene Energiefeld zu stärken.

Falls auch du einen gesünderen Umgang mit Schwingungen lernen möchtest, dann nimm gern Kontakt zu mir auf.